Große Braune Fledermaus

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Große Braune Fledermaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Glattnasenartige (Vespertilionoidea)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
Unterfamilie: Eigentliche Glattnasen (Vespertilioninae)
Gattung: Breitflügelfledermäuse (Eptesicus)
Art: Große Braune Fledermaus
Wissenschaftlicher Name
Eptesicus fuscus
Beauvois, 1796

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Große Braune Fledermaus (Eptesicus fuscus) zählt innerhalb der Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) zur Gattung der Breitflügelfledermäuse (Eptesicus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Große Braune Fledermaus erreicht eine Körperlänge von 10 bis 13 Zentimeter, eine Schwanzlänge von vier bis fünf Zentimeter, eine Flügelspannweite von 30 bis 33 Zentimeter sowie ein Gewicht von 18 bis 20 Gramm. Männchen bleiben etwas kleiner und leichter als Weibchen. Die seitlich am Kopf sitzenden Ohren weisen eine Länge von gut 40 Millimeter auf. Die Ohren sind nicht mit Fell bedeckt. Die Unterarmlänge beträgt zwischen 42 und 49 Millimeter. Der ausgesprochen große Kopf setzt sich nur wenig vom Körper ab. Das Gebiss der Großen Braunen Fledermaus verfügt über 32 Zähne. Das Fell weist eine überwiegend bräunliche bis graubraune Färbung auf. Ventral ist das Fell deutlich heller gefärbt. Die Flugmembran und die sichtbaren Hautpartien weisen eine schwärzliche Färbung auf.

Verhalten

Die Große Braune Fledermaus ist eine nachtaktive Jägerin. Weibchen und deren Nachwuchs leben in zum Teil großen Kolonien. Eine Kolonie kann dabei durchaus einige Hundert Individuen umfassen. Die Männchen leben einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen. Nur im Spätsommer und im Herbst treffen die Geschlechter zur Paarungszeit aufeinander. Die Jungtiere, die noch nicht fliegen können verbleiben bis zu ihrer Flugfähigkeit an einem geschützten Platz. Die Mütter lassen ihren Nachwuchs dabei während der nächtlichen Beutezüge alleine und kehren erst gegen Morgengrauen zum Säugen zu ihrem Nachwuchs zurück. Wie alle Fledermäuse, so hängt auch die Große Braune Fledermaus Kopfüber an Ästen, Balken oder anderen rauen Oberflächen. Fallen Jungtiere zu Boden, so werden sie in der Regel von der Mutter zurückgeholt. Muttertiere sind da sehr wachsam und fürsorglich.

Während der kalten Jahreszeit halten die Tiere eine mehrmonatige Winterruhe. Während dieser Zeit leben sie von ihren Fettreserven. Die Winterruhe besteht allerdings nicht immer aus einer konstanten Schlafphase, zwischendurch wachen sie immer mal wieder auf. Während der Winterruhe verliert eine Große Braune Fledermaus rund ein Viertel ihres Gewichtes. Nicht alle Tiere, vor allem die Jungtiere, überleben daher die Winterruhe. Bei der Nahrungssuche in der Nacht ortet die Große Braune Fledermaus ihre Beutetiere durch Echoortung. Durch die Echoortung werden nicht nur Beutetiere, sondern beim Fliegen auch Hindernisse erkannt. Die Fledermäuse geben langanhaltende Salven an hochfrequenten Tönen ab und orientieren sich anhand der Echos. Die akustischen Signale werden im Gehirn in optische Bilder umgesetzt.

Unterarten

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Große Braune Fledermaus

Verbreitung

Die Große Braune Fledermaus ist in weiten Teilen Nord- und Mittelamerika verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Kanada, über weite Teile der USA und Mexiko, über Mittelamerika bis in den Norden von Südamerika. Auch auf einigen der Küsten vorgelagerten Inseln und in der Karibik ist sie zahlreich anzutreffen. Offene Landschaften wie landwirtschaftliche Fläche und sogar die Randgebiete von Dörfern und Städten werden bevorzugt besiedelt. Die Ruhephasen werden an geschützten Stellen verbracht. Dazu gehören beispielsweise Baumhöhlen, Felsnischen, Stallungen, Brücken, Dachböden und ähnliches. Die Große Braune Fledermaus ist da flexibel und nur wenig wählerisch. Ansonsten werden auch lichte tropische Regenwälder und deren Ränder in Mittelamerika besiedelt. Dichte Wälder werden hingegen strikt gemieden.

Gefährdung, Schutz

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Große Braune Fledermaus

Große Braune Fledermäuse gehören zwar nicht zu den Schädlingen, aber in der Nähe des Menschen werden sie nur nicht gerne gesehen, da sie auch in den Behausungen des Menschen Zuflucht suchen. In der Landwirtschaft sind diese Fledertiere gern gesehene Gäste, da sie Unmengen an Schadinsekten wie Käfer vertilgen. Große Braune Fledermäuse sind weit verbreitet und überall häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fressfeinden der Großen Braunen Fledermaus zählen insbesondere Greifvögel wie Falken und Eulen, Hauskatzen, Waschbären und in geringem Umfang auch Reptilien wie Schlangen. Jungtiere, die zu Boden fallen, werden meist durch terrestrische Räuber gefressen. In der Nähe des Menschen gelten Hauskatzen als die wichtigsten Prädatoren.

Ernährung

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Große Braune Fledermaus

Die Große Braune Fledermaus ernährt sich überwiegend von Insekten. Mit ihren kräftigen Kiefern kann sie mühelos die Panzer bzw. das Exoskelett (stabilisierendes Außenskelett) von Käfern und ähnlichen Tieren knacken. Aber nicht nur Käfer stehen auf der langen Speisekarte, sondern auch Geflügelte Insekten wie Fliegen, Mücken, Bienen und Wespen und Motten. Selbst Libellen sind vor der Großen Braunen Fledermaus nicht sicher. Das Gebiss ist allerdings erst im zweiten Lebensjahr voll ausgebildet. Jungtiere bevorzugen daher eher Beutetiere ohne harten Chitinpanzer. Im Frühjahr und Sommer fressen sich die Fledermäuse eine Fettschicht an, die sie über den Winter bringt. Den Winter über hält die Große Braune Fledermaus eine mehrmonatige Winterruhe an geschützter Stelle. Auf Nahrungssuche gehen Große Braune Fledermäuse ausschließlich in der Nacht. Am Tage ruhen sie an sicheren Orten. In der Landwirtschaft gilt die Große Braune Fledermaus als ausgesprochener Nützling.

Fortpflanzung

Die Große Braune Fledermaus erreicht die Geschlechtsreife mit rund einem Jahr. Die Paarungszeit beginnt in den natürlichen Verbreitungsgebieten im Herbst, kurz vor der Winterruhe. Die embryonale Entwicklung beginnt aber nicht unmittelbar nach der Befruchtung. Es setzt zunächst eine mehrmonatige Keimruhe ein. Die embryonale Entwicklung beginnt erst im Frühjahr, kurz nach der Winterruhe. Dies ist insbesondere in den nördlichen Verbreitungsgebieten wie dem südlichen Kanada und den nördlichen US-Bundesstaaten zu beobachten. In tropischen Verbreitungsgebieten kommt es nur selten zu einer Keimruhe. Die eigentliche Tragezeit erstreckt sich über 60 bis 62 Tage. Das Weibchen bringt in der Regel ein oder zwei Jungtiere zur Welt. Das Gewicht der Neugeborenen beträgt dabei kaum drei Gramm. Auch das dichte und weiche Fell fehlt den Säuglingen noch und ihre Augen sind bei der Geburt noch geschlossen. Jedoch wachsen sie aufgrund der nährstoffreichen Milch sehr schnell heran.

Die Säugezeit erstreckt sich meist über 30 bis 35 Tage. Danach sind die Jungtiere flugfähig und selbständig. Während der Säugezeit frisst ein Weibchen Nacht für Nacht ihr eigenes Körpergewicht an Insekten. Dies ist notwendig, um ausreichend Milch zu produzieren. Männchen haben mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Bis zum Herbst müssen sich die Jungtiere eine dicke Fettschicht anfressen, um den ersten Winter zu überstehen. Dieses gelingt nur einem kleinen Teil der Jungtiere. Die meisten verhungern oder fallen Raubtieren zum Opfer. In Freiheit können Große Braune Fledermäuse durchaus ein Alter von über 15 Jahren erreichen. Weibchen werden in der Regel ein wenig älter als Männchen.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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