Große Kerbameise

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Große Kerbameise

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
Überfamilie: Ameisen (Formicoidea)
Familie: Ameisen (Formicidae)
Unterfamilie: Schuppenameisen (Formicinae)
Gattung: Waldameisen (Formica)
Art: Große Kerbameise
Wissenschaftlicher Name
Formica exsecta
Nylander, 1846

Die Große Kerbameise (Formica exsecta) zählt innerhalb der Familie der Ameisen (Formicidae) zur Gattung der Waldameisen (Formica).

Das Julius-Kühn-Institut (JKI) wählte am 08.11.2010 in Kooperation mit dem NABU die Große Kerbameise zum Insekt des Jahres 2011.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Arbeiterinnen erreichen eine Körperlänge von etwa 6,0 bis 7,0 Millimeter. Sie weisen eine rostrote Färbung auf. Die vordere Hälfte der Fühlergeissel und der Hinterleib sind schwarz gefärbt. Die Stirn und das Hinterhaupt sind braun, manchmal auch schwärzlich-braun. Das Pronotum (Vorderbrust) hat meist einen dunklen Fleck und die Beine sind braun getönt. Der ganze Körper ist mit kurzen anliegenden sowie der Hinterleib und der vordere Teil der Oberseite des Kopfes sind mit wenigen langen Borstenhaaren versehen. Der Kopf ist länger als breit und in der Mitte am breitesten, hinten sehr stark ausgebuchtet. Die Oberkiefer sind breit, vielzähnig, längsgerunzelt und grob punktiert. Die Unterkiefertaster reichen fast bis zum Hinterhauptloch, sind also so lang wie bei den meisten Formica-Arten, während sie bei der Furchenlippigen Kerbameise (Formica pressilabris) sehr kurz sind. Der Clypeus (Kopfschild) ist fein gerunzelt, schwach gekielt und der Vorderrrand ist nicht aufgebogen und nicht ausgerandet. Hinter demselben ist der Clypeus nicht quer eingedrückt. Das Stirnfeld ist glatt und glänzend. Die Stirnlamellen sind schmal. Der Schaft der zwölfgliedrigen Fühler überragt den Hinterrand des Kopfes. Die Stirn, der Scheitel und die übrigen Kopfteile sind fein gerunzelt. Die Netzaugen sind oval mit einzelnen sehr feinen Härchen versehen. Die Punktaugen sind klein. Die Stirnrinne ist deutlich. Der Thorax ist fein gerunzelt und glanzlos. Der Hinterleib ist kurz eiförmig und fein gerunzelt. Die Schuppe ist hoch, schmal und die obere Hälfte ist etwas breiter und der obere Rand ist stark halbmondförmig ausgerandet.

Die Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 7,0 bis 8,0 Millimeter. Sie weisen eine gelbrote Färbung auf. Der Hinterleib ist schwarzbraun mit Ausnahme des gelbroten Basalfleckes. Der Clypeus, die Fühlergeissel, die Stirn, der Scheitel, der hintere Rand des Pronotums, das Mesonotum (Mittelbrust), der hintere Rand des Schildchens, das Hinterschildchen und das Mesosternum (Bauchplatte des 2. Segments) weisen eine rotbraune oder schwarzbraune Färbung auf. Der ganze Körper ist reichlich mit feinen, gelben, anliegenden Härchen und nur sehr sparsam mit Ausnahme der reichlich behaarten Unterseite des Hinterleibes mit langen abstehenden Borstenhaaren besetzt. Der Kopf ist in der Mitte am breitesten, etwas breiter als der Thorax. Der Hinterkopf ist sehr stark bogenförmig ausgerandet. Die Oberkiefer sind sehr breit, längsgerunzelt, grob punktiert.
Große Kerbameise - Kopf
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Große Kerbameise - Kopf

Der Clypeus ist ungekielt, runzlig punktiert, dessen Vorderrand ist nicht aufgebogen und ohne Quereindruck. Das Stirnfeld ist glatt und stark glänzend. Der Schaft der zwölfgliedrigen Fühler überragt den Hinterrand des Kopfes, die Geissel ist fadenförmig. Die Stirn, der Scheitel, das Hinterhaupt, die Wangen und die Unterseite des Kopfes sind fein punktiert. Die Stirnrinne ist deutlich erkennbar. Der Thorax ist fein runzlig punktiert. Die Schuppe ist dünn, oben breit und in der Mitte des oberen Randes ist sehr stark ausgebuchtet. Der Hinterleib ist runzlig punktiert. Die Flügel sind schwach bräunlich getrübt und die Rippen und das Randmahl sind von einer braunen Färbung.

Die Männchen erreichen eine Körperlänge von etwa 6,0 bis 7,0 Millimeter. Sie weisen eine braunschwarze Färbung auf und sind wenig glänzend. Die Beine und die Genitalien sind bräunlich-gebl oder gelblich-braun, besonders sind die Gelenke der Beine und die Tarsen heller getönt. Der ganze Körper ist mäßig, die Oberseite des Hinterleibes ist aber dicht mit feinen, anliegenden Härchen besetzt und nur mit vereinzelten, abstehenden Borstenhaaren versehen. die fein gerunzelten und grob punktierten Oberkiefertaster haben vorn einen starken spitzen Zahn, der hintere Zahn ist nicht so deutlich ausgebildet. Die Unterkiefertaster sind lang und reichen, an die Unterseite des Kopfes zurückgelegt, fast bis zum Hinterhauptloch. Der Clypeus ist gerunzelt und gekielt. Das Stirnfeld ist fast glatt und glänzend. Der Schaft der dreizehngliedrigen Fühler ist etwas weniger halb so lang wie die Fühlergeissel. Die Stirnrinne ist deutlich ausgeprägt. Die Stirn und der Scheitel sind fein gerunzelt. Die Netzaugen sind weitläufig behaart und der Hinterkopf ist ausgerandet. Der Thorax ist fein gerunzelt und wie der Kopf glanzlos, bloß das Metanotum (Hinterbrust) ist glänzend. Die Schuppe ist dick, ziemlich klein, etwas breiter als hoch und oben ausgerandet und glänzend. Der Hinterleib schimmert stark und ist sehr fein gerunzelt. Die Beine sind mit wenig abstehenden feinen Haaren ziemlich dicht besetzt. Die Flügel sind schwach bräunlich getrübt und die Rippen sind von einer braunen Färbung. Diese Art und die Furchenlippige Kerbameise (Formica pressilabris) unterscheiden sich von allen anderen Arten dieser Gattung leicht durch die starke Ausrandung des Hinterkopfes.

Lebensweise

Große Kerbameise - dorsal
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Große Kerbameise - dorsal

Die Großen Kerbameisen schwärmen im Hochsommer und man findet sie an lichten Waldflächen, auch auf Wiesen, in Erdbauten unter Steinen oder an kleinen Hügeln von Coniferennadeln. Die Nester sind ziemlich flach und bestehen in der Regel aus getrocknetem Gras, Stroh und kleinen Zweigen, jedoch erreichen die Nester nie die Dimensionen der Roten Waldameise (Formica rufa). Die Nester der Großen Kerbameise werden auf Freiflächen im Tannenwald, gelegentlich an Straßenrändern, unter Büschen von Heide oder Ginster und auch an exponierten offenen Heideflächen angelegt. Manchmal bewohnt die Große Kerbameise auch Sümpfe. Wenn ein Nest gestört wird, dann greifen die Großen Kerbameisen wütend an.

Verbreitung

Die Große Kerbameise kommt in Frankreich, Deutschland, Österreich, Italien, Finnland, Lappland, Ungarn, Kaukasus, östliches Sibirien, außer Großbritannien und den südlichen Halbinseln und Inseln vor. Man trifft sie an gleichen Orten an wie die Rote Waldameise (Formica rufa), scheint aber mehr sonnige Stellen zu lieben.

Ernährung

Die Große Kerbameise ernährt sich insbesondere von Insekten und Spinnentieren sowie vom Honigtau, der speziell den Blatt- und Schildläusen entnommen wird. Auch der Saft von Bäumen, der an Saftwunden austritt wird von den Ameisen gerne aufgenommen. Auf Nahrungssuche gehen sie immer in großen Gruppen. Dabei können sie problemlos selbst hundertfach größere Beutetiere überwältigen und zum Bau schaffen. Sie gelten in der Forstwirtschaft als besonders nützliche Tiere, da ein durchschnittliches Ameisenvolk pro Tag mehrere Tausend Insekten sowie deren Larven vernichten kann. Ameisen suchen ihre Nahrung meist im Umkreis von zwanzig bis dreißig Metern.

Fortpflanzung

Große Kerbameise - Profil
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Große Kerbameise - Profil

Vor der Verpaarung kann man im zeitigen Frühjahr Königinnen auf ihrem Hochzeitsflug beobachten. Die eigentliche Verpaarung findet am Boden statt. Das Männchen übergibt der Königin ein Samenpaket, welches sie in ihrer Samentasche aufbewahrt. Eine Begattung findet nur einmal statt und dieser Samenvorrat in der Samentasche hält bis zu 20 Jahre. Kurz nach der Paarung sterben zum einen die Männchen und zum anderen werfen die Königinnen ihre Flügel ab. Dazu weisen die Flügel sogenannte Sollbruchstellen auf. Zur ersten Eiablage kommt es im März oder im April. Die Eier werden in eine separate Bruthöhle gelegt. Nach einigen Tagen schlüpfen die Larven. Speziell dafür abgestellte Arbeiterinnen versorgen die Larven mit Nahrung. Die Nahrung führen sie in Nahrungstaschen (Kropf) mit und wird über Mund-zu-Mund-Fütterung an die Larven übergeben. Über eine Beimischung von Hormonen aus der Unterlippenspeicheldrüse entscheidet es sich, ob aus einer Larve eine Königin entsteht oder ein anderes Mitglied der Kaste. Nach dem Schlupf der fertigen Ameisen fliegen die Königinnen aus und suchen ein Männchen. Meist wird ein neuer Bau angelegt. Es kommt aber auch vor, daß vorhandene aber leere Bauten bezogen werden. Mit der Ablage der ersten Eier wächst nach und nach ein neues Heer Arbeiterinnen heran. Die Lebensdauer einer Königin kann fünfzehn bis zwanzig Jahre betragen, die Arbeiterinnen leben durchschnittlich zwei bis drei Jahre.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Verhandlungen des Zoologisch-Botanischen Vereins in Wien. Band V. Jahr 1855. Mit 19 Tafeln. Wien 1855. In Commission in W. Braumüller's k. k. Hof-Buchhandlung.
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Dieter Otto: Die Roten Waldameisen. (3., überarbeitete und erweiterte Auflage.) Westarp Wissenschaften 2005; 192 Seiten, 77 Abb., ISBN 3-89432-718-9
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