Großer Schillerfalter

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Großer Schillerfalter
Männchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
Unterfamilie: Schillerfalter (Apaturinae)
Gattung: Apatura
Art: Großer Schillerfalter
Wissenschaftlicher Name
Apatura iris
(Linnaeus, 1758)

Der Große Schillerfalter (Apatura iris), auch als Bachweidenfalter, Bandweidenfalter oder Schillervogel bekannt, zählt innerhalb der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) zur Gattung Apatura. Im Englischen wird der Große Schillerfalter purple emperor genannt.

Für das Jahr 2011 wurde der Große Schillerfalter am 9. Dezember 2010 vom BUND NRW Naturschutzstiftung und der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. zum Schmetterling des Jahres gewählt. Mit der Wahl dieses Falters soll auf die zunehmende Klimaerwärmung aufmerksam gemacht werden. Des Weiteren ist der Große Schillerfalter auf lichte, feuchte und halbschattige Wälder angewiesen, die jedoch durch intensive Forstwirtschaft und Trockenlegung von Kleingewässern im Wald immer seltener werden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Große Schillerfalter erreicht eine Flügelspannweite von etwa 55,0 bis 65,0 Millimetern. Im Allgemeinen sind die Flügel geschweift, vorn zugespitzt, hinten stumpfgezähnt. Die schwarzbraunen Flügel sind gezähnt, die hinteren Flügel etwas stärker. Die vorderen Flügel sind am Außenrand eingeschnitten. Die Flügel sind oben braunschwarz, mit weißen oder safrangelben Flecken besetzt. Bei dem Männchen schillern die Flügel in einem prachtvollen Blau. Mitten der Flügel durchläuft eine weiße Binde, die auf dem vorderen Flügel unterbrochen ist. Daneben befinden sich noch vier weiße Flecken gegen den Außenrand. Auf den hinteren Flügeln verläuft die weiße Binde gerade und nach außen hin bildet sich ein hervorstehender Zacken. Gegen den Innenwinkel, der rostbraun anliegt, steht ein kleines schwarzes Auge mit einem rotgelben Ring. Die Unterseite ist rotbraun und verläuft gegen die Wurzel und den Außenrand rötlichgrau und ergibt somit eine gelbliche Einmischung, ins Rötlichgraue übergehend.
Großer Schillerfalter - Männchen
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Großer Schillerfalter - Männchen

Des Weiteren befindet sich auf den Vorderflügeln ein großes schwarzes Auge mit hellblauer Pupille und mit einer breiten rotgelben Einfassung. Die Flecken sind wie auf der Oberseite, aber größer, und am Vorderrand der Vorderflügel stehen gegen die Wurzel zwei längliche schwarze Flecken in einem weißen Feld. Das Auge ist gegen den Innenwinkel gerichtet und weist ebenfalls eine hellblaue Pupille. Das Weibchen erscheint etwas größer als das Männchen und ist wie das Männchen gezeichnet, aber ohne Schiller. Die mattgrüne oder gelbgrüne Raupe ist glatt oder nur spärlich behaart, läuft hinten spitz zu. Ferner befinden sich auffallend lange, an der Spitze rot gegabelte Dornen des Kopfes und einer rotspitzigen Schwanzgabel. Die Farbe ist mattgrün oder gelbgrün mit einigen gelben Schrägstreifen an den Seiten. Die Raupe lebt von den Blättern der Weide, wie zum Beispiel Sal-Weiden (Salix caprea), an Waldschneisen, Wegrändern oder auf Lichtungen, Aspen, Erlen, Buchen und Eschen. Sie kommt erst im Spätherbst aus dem Ei, überwintert und verwandelt sich erst Ende Mai und Anfang Juni in eine hängende, stark gebogene und gelbliche Puppe mit einem Kropf.

Lebensweise

Die Weibchen verbringen den Großteil ihres Lebens in den Baumkronen und kommen nur herab um ihre Eier abzulegen. Die Männchen verbringen auch einen Großteil ihrer Zeit in den Baumwipfeln und verteidigen ihr Territorium gegenüber Konkurrenten, obwohl sie auch manchmal die Baumwipfel verlassen, um aus Pfützen zu trinken oder Nahrung aufzunehmen. Anders als die meisten Schmetterlinge, ernährt sich der Große Schillerfalter nicht von Blumen, sondern vom Honigtau der Blattläuse, ferner von Tierdung, Jauche und sogar von Tierkadavern. Die Eier werden im Spätsommer auf der Oberseite der Blätter gelegt. Dabei bevorzugt der Schillerfalter die Blätter der Laubbäume. Nach dem Schlüpfen halten sich die Raupen an der Mittelrippe des Blattes auf, wo sie gut getarnt und reichlich Nahrung finden, jedoch nur nachts. Sie überwintern in den Gabeln der Zweige, wo sie ihre Farbe von grün nach braun wechseln, um sich ihrer Umgebung anzupassen. Im folgenden Juni bilden sie eine hellgrüne Puppe, die einem Blattsproß ähnelt.

Unterarten

Großer Schillerfalter - Männchen
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Großer Schillerfalter - Männchen

Verbreitung

Der Große Schillerfalter ist in folgenden Ländern verbreitet: Zentral- und Osteuropa, Karelien, zentraler und südlicher Teil des europäischen Russlands, Süd-Ural, norwestlich von Kasachstan, Westsibirien, Ost-Transbaikal, nordöstlich und zentral von China, Amur, Region Primorje, Korea, Japan, Südfinndland, Mittel- und Nordengland, Irland, Skandinavien und Südeuropa. Während der Sommermonate entwickelt sich eine Generation von Mitte Juni bis Anfang August. Der Große Schillerfalter kommt in Laub- und Laub-Mischwäldern vor, vor allem die mit Eichen und Weiden bewachsen sind. Gelegentlich trifft man den Großen Schillerfalter auch in Höhen bis 1.500 Meter über dem Meeresspiegel an. In günstigen Jahren tritt der Große Schillerfalter häufiger auf.

Ernährung

Großer Schillerfalter - Raupe
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Großer Schillerfalter - Raupe

Die Männchen fliegen oft entlang der Waldwege und bilden kleine Gruppen entlang der Ufer der Pools und Bäche. Gerne halten sie sich auf Dung großer Tiere auf und entziehen Feuchtigkeit und essentielle Mineralien. Diese Substanzen sind für die Männchen notwendig, damit sie Spermien produzieren können. Die Weibchen leben häufig versteckt und halten sich die meiste Zeit in den Baumkronen auf, wo sie ausströmenden vergorenen Saft zu sich nehmen. Die Raupen ernähren sich meist von der Peripherie des Blattes, so dass die Hauptader intakt bleibt. Zu den Bäumen zählen unter anderem Sal-Weide (Salix caprea), Ohr-Weide oder Salbei-Weide (Salix aurita), Esche (Salix cinerea) und andere Arten von Weiden und Espen.

Forpflanzung

Die Eier werden im Spätsommer auf der Oberseite der Blätter gelegt. Dabei bevorzugt der Schillerfalter die Blätter der Laubbäume. Die Eier weisen eine grüne, braune und rote Färbung an der Unterseite auf und ähneln einer umgekehrten Schüssel oder einem Regenschirm mit feinen Rippen. Nach dem Schlüpfen halten sich die Raupen an der Mittelrippe des Blattes auf, wo sie gut getarnt und reichlich Nahrung finden. Die Nahrung nehmen die Raupen nur in der Nacht zu sich. Sie überwintern in den Gabeln der Zweige, wo sie ihre Färbung von grün auf braun wechseln, um sich ihrer Umgebung anzupassen. In der Regel sind die Raupen charakteristisch gelbgrün oder grün gefärbt und sind mit hellen schrägen spindelförmigen Streifen an der Seite versehen. Die Kopfkapsel ist recht klein und wird von oben durch zwei lange hornartige Ausstülpungen gebildet. Der Hinterleib ist ähnlich, aber dort zeigen sich etwas kürzere Ausstülpungen. Die Larve ähnelt eher einer Nacktschnecke. Die Raupen sind bis zu 55,0 Millimeter lang. Ältere Raupen weisen nach der Überwinterung eine braune Färbung auf. Im folgenden Juni bilden sie eine hellgrüne Puppe, die einem Blattsproß ähnelt. Voll ausgewachsen ist der Große Schillerfalter im Juli und August. Im Allgemeinen fliegt der Große Schillerfalter rund um die Baumkronen und die meiste Zeit des Tages hält er sich im Laubwald auf hohen Bäumen auf.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Kosmos, 2003 ISBN 3440093301
  • Leon Rogez: Schmetterlinge und Raupen. Ensslin im Arena Verlag, 2006 ISBN 3401452541
  • Thomas Ruckstuhl: Schmetterlinge und Raupen. Gondrom Verlag, 2001 ISBN 3401452541
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Valerio Sbordoni, Saverio Forestiero: Weltenzyklopädie der Schmetterlinge Arten, Verhalten, Lebensräume. München Südwest Verlag, 1985 ISBN 3-517-00876-1
  • Dr. Frieder Sauer: Sauers Naturführer Raupe und Schmetterling. Karlsfeld Fauna-Verlag, 1988, 4. Auflage ISBN 3-923010-00-1
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