Haarschwanzmaulwurf

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Haarschwanzmaulwurf
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Maulwürfe (Talpidae)
Unterfamilie: Eigentliche Maulwürfe (Talpinae)
Gattung: Parascalops, True, 1894
Art: Haarschwanzmaulwurf
Wissenschaftlicher Name
Parascalops breweri
(Bachman, 1842)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Haarschwanzmaulwurf (Parascalops breweri) gehört innerhalb der Familie der Maulwürfe (Talpidae) zur Gattung der Parascalops. Im Englischen wird dieser Maulwurf Hairy-tailed Mole genannt. Die Gattung ist monotypisch (Hallett, 1978).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde stammen aus pleistozänen Ablagerungen und wurden in Frankstown Cave, Pennsylvania, USA, gefunden. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet deckt sich aufgrund zahlreicher Funde mit dem heutigen (Hallett, 1978).

Erkennung

Haarschwanzmaulwürfe sind mittelgroß und verfügen über einen kurzen Schwanz, der ein Viertel der Körperlänge erreicht. Die Schnauze ist kürzer als bei Ostamerikanischen Maulwürfen (Scalopus aquaticus) oder den Westamerikanischen Maulwürfen (Scapanus) (Hallett, 1978).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Körperbau der Haarschwanzmaulwürfe ist der grabenden Lebensweise angepasst. Der Körper ist spindelförmig, der Kopf abgeflacht, die Schnauzenspitze ist konisch geformt. Die Augen sind nur rudimentär vorhanden und liegen im dichten Fell verborgen. Externe Ohren fehlen. Die Beine sind kurz, die Füße groß und breit. Oberhalb sind die Füße dicht mit Haar besetzt, unterhalb nackt. Die Klauen der Vorderfüße sind ausgesprochen groß und flach. Das bräunliche bis schwärzliche Fell ist dicht und seidenweich. Ventral zeigt sich eine hellere Fellfärbung. Zwischen den Geschlechtern zeigt sich ein Dimorphismus. Männchen sind insgesamt größer und schwerer als Weibchen. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 155 bis 173 (164,8) mm, eine Schwanzlänge von 29 bis 33 (31,3) mm, eine Hinterfußlänge von 18 bis 19,5 (18,5) mm, eine Schädellänge von 31 bis 33,7 (32,4) mm, eine Jochbeinbreite von 12 bis 12,5 (12,2) mm sowie ein Gewicht von 45,5 bis 62,8 (51,5) g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 151 bis 166 (158,6) mm, eine Schwanzlänge von 26 bis 33 (30,1) mm, eine Hinterfußlänge von 16 bis 19 (17,8) mm, eine Schädellänge von 31,1 bis 32 (31,5) mm, eine Jochbeinbreite von 11,8 bis 12 (11,9) mm sowie ein Gewicht von 41 bis 49,9 (45,4) g. Im Bereich der Schnauze zeigen sich Vibrissen, die dem Tastsinn dienen. Auf dem Oberkopf sind Drüsen vorhanden, die insbesondere während der Paarungszeit aktiv sind. Weibchen verfügen über 4 Paar Zitzen. 2 Paare liegen lateropectoral, je ein Paar lateraloabdominal und inguinal. Haarschwanzmaulwürfe weisen 45 Wirbel auf, die sich aus 7 Cervicalwirbel (Halswirbel), 13 Thoracalwirbel (Brustwirbel), 6 Lumbalwirbel (Lendenwirbel), 6 Sacralwirbel (Kreuzbeinwirbel), 13 Caudalwirbel (Schwanzwirbel) zusammensetzen. Das Gebiss verfügt über 44 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m3/3 (Hallett, 1978; Nowak, 1999).

Lebensweise

Der Haarschwanzmaulwurf ist primär grabend, jedoch nicht an einen bestimmten Vegetationstyp gebunden. Die Tiere leben sowohl in Sekundärwäldern mit Weymouth-Kiefern (Pinus strobus) und Amerikanischen Weiß-Eichen (Quercus alba) als auch in offenen lebensräumen wie Feldern, Buschland und ähnlichen Lebensräumen. Die Tunnel der Gangsysteme weisen einen Durmesser von 37 bis 45 mal 25 bis 32 mm auf. Die Tunnel verlaufen bis in Tiefen von 100 bis 200, lokal auch bis in Tiefen von bis zu 450 mm. Die Nistkammer erreicht einen Durchmesser von bis zu 160 mal 250 mm. Die Nistkammer liegt relativ tief, im Winter bis in eine Tiefe von gut 410 mm. Haarschwanzmaulwürfe leben einzelgängerisch. Agonistisches Verhalten ist bei der Art nicht nachgewiesen. Die Siedlungsdichte liegt unter güstigen Bedingungen bei bis zu 27 Tiere je ha (Hallett, 1978).

Verbreitung und Lebensraum

Der Haarschwanzmaulwurf ist im nordöstlichen Nordamerika im südlichen Ontario und Quebec, Kanada und im Nordosten der USA verbreitet. Im Süden reicht das Vorkommen der Art bis in die Great Smoky Mountains. Die Tiere besiedeln Laubwälder mit einer dicken Humusschicht. Eher selten sind die Tiere auch auf landwirtschaftlichen Flächen oder entlang von Hecken anzutreffen. Trockene und harte Böden oder Böden mit einem hohen Tongehalt werden strikt gemieden (Hallett, 1978; IUCN, 2011).

Biozönose

Sympatrie

Innerhalb der Gangsysteme leben Haarschwanzmaulwürfe nicht selten sympatrisch mit anderen Arten. Hier sind insbesondere Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse (Blarina brevicauda), Wiesenwühlmäuse (Microtus pennsylvanicus), Weißfußmäuse (Peromyscus leucopus), Amerikanische Maskenspitzmäuse (Sorex cinereus), Kiefernwühlmäuse (Microtus pinetorum), Südliche Moorlemminge (Synaptomys cooperi), Sternmulle (Condylura cristata) und Wiesenhüpfmaus (Zapus hudsonius) zu nennen (Hallett, 1978).

Prädatoren

Prädator: Nördliche Kurzschwanzspitzmaus Blarina brevicauda
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Prädator: Nördliche Kurzschwanzspitzmaus Blarina brevicauda

Zu den natürlichen Feinden der Haarschwanzmaulwürfe zählen der Rotfuchs (Vulpes vulpes), das Virginia-Opossum (Didelphis virginiana), der Bartkauz (Strix nebulosa), die Schleiereule (Tyto alba), der Amerikanische Ochsenfrosch (Rana catesbeiana) und der Nordamerikanische Kupferkopf (Agkistrodon contortrix). Außerdem stellen verwilderte Hauskatzen (Felis catus) und Haushunde den Maulwürfen nach. Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse (Blarina brevicauda) haben es auf die Nestlinge der Haarschwanzmaulwürfe abgesehen (Hallett, 1978).

Ernährung

Haarschwanzmaulwürfe ernähren sich von Regenwürmern (Lumbricidae), Insektenlarven und Puppen, Hundertfüßern (Chilopoda), Doppelfüßern (Diplopoda), Schnecken (Gastropoda), Landasseln (Oniscidea) sowie zerfallenden organischen Substanzen. Weit oben auf der Speisekarte stehen die Larven von Käfern (Coleoptera). Dies sind insbesondere die Käfer folgender Familien: Schnellkäfer (Elateridae), Weichkäfer (Cantharidae), Blatthornkäfer (Scarabaeidae), Rüsselkäfer (Curculionidae), Laufkäfer (Carabidae) und Schwarzkäfer (Tenebrionidae). Im Frühjahr werden auch große Mengen an Ameisen (Formicoidea) gefressen. Ein Haarschwanzmaulwurf nimmt pro Tag mehr als sein Körpergewicht an Nahrung zu sich (Hallett, 1978).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen von März bis in den April hinein. Die Hoden der Männchen erreichen im März mit 12 mal 7 mm den größten Umfang. Außerhalb der Paarungszeit erreichen die Hoden eine Größe von 3 mal 2 mm. Weibchen produzieren einen Wurf in einer Saison. Die Geschlechtsreife wird im Alter von 10 Monaten erreicht. Die Tragezeit erstreckt sich je nach Umweltbedingungen über 28 bis 42 Tage. Ein Wurf besteht aus 4 bis 5 Jungtieren. Die Jungtiere erreichen eine Körperlänge von 70,7 mm und ein Gewicht von 10,2 g. Sind sind nackt, blind und taub (Hallett, 1978).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Haarschwanzmaulwürfe zählen heute noch nicht zu den bedrohten Tierarten. Die Art wird in der Roten Liste der IUCN daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Im Ökosystem bildet der Haarschwanzmaulwurf eine wichtige Rolle. Die Tiere belüften durch ihre Grabaktivitäten den Boden. Des Weiteren dient die Art zum einen als Nahrung für räuberisch lebende Tiere, zum anderen halten Haarschwanzmaulwürfe mit ihrem gesunden Appetit die Populationen an Schadinsekten bzw. deren Larven klein. Die größte Bedrohung für die Tiere geht heute von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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