Haastadler

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Haastadler

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Aquilinae
Gattung: Haastadler (Harpagornis)
Art: Haastadler
Wissenschaftlicher Name
Harpagornis moorei
Haast, 1872

Der Haastadler (Harpagornis moorei) ist eine ausgestorbene Vogelart aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Im Englischen wird die Art Haast's Eagle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Historisches

Im Jahre 1871/1872 wurde der Haastadler von dem deutschen Naturforscher und Direktor des Canterbury Museums/England Dr. Johann Franz Julius von Haast beschrieben. Haast benannte ihn nach George Henry Moore, auf dessen Grundstück die Knochen gefunden wurden. Zugrunde lagen Haast Fossilien, die im Sumpf von Canterbury gefunden wurden. Aufgrund der gefundenen Knochen beschrieb Haast zunächst zwei Arten. Man geht heute jedoch davon aus, dass es sich um eine Art, einem Weibchen und einem kleineren Männchen, handelt. Bislang wurden lediglich drei vollständige Skelette vom Haastadler gefunden. Ein Skelett ist im Otago Museum/Neuseeland, das zweite ist im Naturhistorischen Museum in London ausgestellt. Das dritte vollständige Skelett wurde erst im Jahre 1989 gefunden und wird im Museum von Wellington/Neuseeland gezeigt. Alle Skelette stammen von der Südinsel Neuseelands. Man geht davon aus, das die Südinsel das Hauptverbreitungsgebiet darstellte. Das Skelett, dass 1989 gefunden wurde, weist ein Alter von rund 500 Jahren auf. Damit dürfte dieses Exemplar eines der letzten seiner Art gewesen sein.

Die bislang gefundenen Fossilien belegen, dass der Haastadler vor etwa 500 Jahren ausstarb. Neue Skelette oder Knochen wurden nicht gefunden. Der Haastadler war lange Zeit der "Alleinherrscher" auf der Südinsel von Neuseeland. Mit der Besiedlung der Südinsel durch die Maori im 13. Jahrhundert begann sein Niedergang. Die ersten Menschen jagten vor allem die Moas (Dinornithidae), die auch als Hauptbeutetiere der Haastadler galten. Mit dem Aussterben der Moas fanden die Greifvögel wahrscheinlich nicht mehr genügend Nahrung und starben langsam aber sicher aus. Der Haastadler war offensichtlich nicht in der Lage sich anzupassen. Felszeichnung und mündliche Überlieferungen belegen die Koexistenz des Menschen mit dem Haastadler. Auch einige kunsthandwerkliche Produkte aus Knochen der Haastadler blieben erhalten. Beweise, dass die Maori den Haastadler bejagten, liegen jedoch nicht vor. In der Sprache der Maori wurde er Te Hokioi genannt.

Verwandschaft

Systematische Einordnung des Haastadlers
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Systematische Einordnung des Haastadlers

Ursprünglich ging man davon aus, dass der nächste Verwandte des Haastadlers der Keilschwanzadler (Aquila audax) sei. Ähnlichkeiten in der Knochenstruktur und Ergebnisse von phylogenetischen Untersuchungen erhärteten diese Vermutung. Aufgrund aktueller Untersuchungen von Genmaterial konnte dies jedoch widerlegt werden. Als die nächsten Verwandten des Haastadlers gelten aufgrund dieser Untersuchungen Vertreter der Gattung der Habichtsadler (Hieraaetus). Dies sind der relativ kleine Kaninchenadler (Hieraaetus morphnoides) sowie der Zwergadler (Hieraaetus pennatus). Dies haben DNA-Analysen an 2000 Jahre alten Knochen ergeben (siehe nebenstehende Grafik). <1> An den Untersuchungen war ein Team aus britischen, kanadischen, amerikanischen und neuseeländischen Forschern beteiligt.

Vor etwa 1,7 bis 0,7 Millionen Jahren, im mittleren Pleistozän, trennen sich die Entwicklung des Haastadlers und der beiden genannten Arten. In relativ kurzer Zeit entwickelte er sich zu einem großen und dominierenden Fleischfresser in seinem Lebensraum. In kaum einer Millionen Jahren erhöhte sich das Gewicht um mehr als das zehnfache. Eine derart schnelle Evolution ist bei keinem anderen Wirbeltier der Erde bekannt. Man vermutet, dass der Haastadler erst in jüngster Zeit, also vor einigen Tausend Jahren, Neuseeland besiedelt hat.

Beschreibung

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Der Haastadler erreichte je nach Geschlecht ein Körpergewicht von 10 bis 15 Kilogramm und eine Flügelspannweite von leicht 300 Zentimeter. Mit diesen Maßen gilt der Haastadler als größter Greifvogel in der neueren Zeit. Männchen blieben rund 20 Prozent kleiner und leichter als Weibchen. Dies ist bei Greifvögeln allgemein üblich. Das Gefieder war wahrscheinlich bräunlich gefärbt. Auf der waldreichen Südinsel hätte eine solche Tarnfärbung Sinn gemacht. Die gelblich gefärbten Extremitäten und die Fänge waren ausgesprochen kräftig ausgeprägt. Die Zehen hatten eine Länge von rund zehn Zentimeter. Hinzu kamen die Klauen, die eine Länge von gut zwei Zentimeter aufwiesen. Die Fänge waren wahrscheinlich kräftig genug, um den Schädel oder das Rückgrat eines Moas mit tödlichen Folgen zu verletzen. Der Haastadler war mit seiner imposanten Flügelspannweite ein imposanter Flieger. Man schätzt, dass er Fluggeschwindigkeiten von etwa 80 km/h erreichen konnte. Beutetiere wurden aus dem Flug heraus lokalisiert. Daher kann von einem hoch entwickelten Sehsinn ausgegangen werden.

Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckte sich zuletzt wahrscheinlich nur über die Südinsel Neuseelands. Dies belegen eindeutig zahlreiche Knochenfunde. Auf der Nordinsel wurden bislang keine Fossilien gefunden. Die Vorfahren des Haastadlers haben ihren Ursprung mit großer Wahrscheinlichkeit in Australien. Wie die Vögel diese große Strecke bewältigten, ist unklar. Lichte Wälder, eher seltener halboffene Flächen dienten dem Haastadler als Lebensraum und Jagdrevier. Man geht davon aus, dass er sowohl in der Ebene als auch in den Mittelgebirgen, vielleicht sogar in subalpinen Regionen lebte. Die Reviere wiesen wahrscheinlich einige Hundert Quadratkilometer auf und die Vögel lebten wahrscheinlich paarweise in diesen Revieren.

Ernährung

Zur Hauptnahrung zählten sehr wahrscheinlich die großen flugunfähigen Moas (Dinornithidae), von denen einige Arten auf Neuseeland zu Zeiten des Haastadlers vorkamen. Dies belegen Knochenfunde von Beutetieren, die in unmittelbarer Nähe zu Knochen von Haastadlern gefunden wurden. Man geht davon aus, dass darüber hinaus auch andere größere Vögel wie beispielsweise Gänse (Anserinae), Enten (Anatinae) und Schwäne (Cygnus) auf der Speisekarte der Haastadler standen. Beutetiere wurden meist an Ort und Stelle gefressen oder teilweise verspeist. Kleinere Beutetiere konnte er wohlmöglich auch forttragen. Beutetiere wurde grundsätzlich mit den kräftigen Fängen getötet. Selbst mittelgroße Moas, die ein Gewicht von bis zu 200 Kilogramm aufwiesen, stellten kein großes Problem dar. Nahrungskonkurrenten kannte der Haastadler nicht, er stand am oberen Ende der Nahrungskette.

Galerie

Anhang

Literatur und Quellen

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