Haubentaucher

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Haubentaucher

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Lappentaucher (Podicipediformes)
Familie: Lappentaucher (Podicipedidae)
Gattung: Taucher (Podiceps)
Art: Haubentaucher
Wissenschaftlicher Name
Podiceps cristatus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Haubentaucher (Podiceps cristatus) gehört innerhalb der Familie der Lappentaucher (Podicipedidae) zur Gattung der Taucher (Podiceps). Er ist der größte und häufigste Vertreter dieser Familie. Im Jahre 2001 wurde er zum Vogel des Jahres gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Haubentaucher erreicht eine Körperlänge von 46 bis 50 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 60 bis 72 Zentimeter, eine Schnabellänge von 45 bis 55 Millimeter sowie ein Gewicht von 600 bis 1.400 Gramm. Das Paarungskleid ist dorsal schwarzbraun gefärbt. Ventral ist das Gefieder weißlich, ebenso wie der lange Hals. Der Kopf ist durch eine Federhaube gekennzeichnet, die aufgestellt werden kann. Das Ruhekleid weist eine überwiegend graubraune Färbung auf. Kopf und Hals sind weiß gefärbt. Die Jungvögel sind leicht an dem schwarzweiß gestreiften Kopf zu erkennen. Der lange Schnabel ist spitz zulaufend und schwärzlich gefärbt. Die Schnabelspitze endet in einem kleinen Haken. Im Flug wirkt der Haubentaucher langgestreckt, Kopf und Hals werden in einer Linie zum Körper getragen. Insgesamt weisen die Geschlechter keinen Geschlechtsdismorphismus auf.

Lebensweise

Haubentaucher sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher. Im Wasser ist ihr Körper ausgesprochen stromlinienförmig und die großen Füße dienen als Antriebsorgan. Auch ihre Beweglichkeit ist im Wasser sehr gut. An Land hingegen wirken sie aufgrund ihrer großen Füße eher unbeholfen. Außerhalb der Paarungszeit sind Haubentaucher nur wenig territorial. Dies ändert sich aber während der Paarungszeit. Die Vögel bilden dann rund um ihr Nest ein Revier, das erbittert gegenüber Artgenossen und anderen Eindringlingen verteidigt wird. Die Reviergröße ist dabei unabhängig vom Verbreitungsgebiet und kann einige tausend Quadratmeter groß sein. Außerhalb der Paarungszeit leben Haubentaucher durchaus in kleineren Gruppen. Dann gehen sie auch auf Nahrungssuche in Gruppen. Im Herbst ziehen die Vögel der nördlichen Populationen in südliche Gefilde. Die Exemplare in gemäßigten Regionen wie Mitteleuropa sind hingegen Standvögel.

Verbreitung

Haubentaucher sind in weiten Teilen von Europa, Asien sowie im südlichen und östlichen Teil von Afrika beheimatet. Die nördlichen Populationen gelten als Zugvögel und ziehen im Herbst in südliche Gefilde, in der Regel nach Südeuropa oder Südostasien. Haubentaucher leben an Überschwemmungsgebieten, Seen, größeren Teichen oder in Sumpfgebieten. Die Winterquartiere liegen zumeist an der Küste oder an großen Binnenseen.

Ernährung

Haubentaucher ernähren sich hauptsächlich von kleineren Fischen, Krebstieren sowie Wasserinsekten und deren Larven. Aber auch Schnecken, Käfer und Blutegel werden nicht verschmäht. Fischen weisen in der Regel eine Länge von zehn bis zwanzig Zentimeter auf. Beutetiere werden mit dem kräftigen Schnabel gepackt und im Ganzen verschlungen. Nahrung wird grundsätzlich tauchend im Wasser gejägt. Dabei sind Tauchzeit von 20 bis 40 Sekunden die Regel. Auf Nahrungssuche gehen Haubentaucher am Tage und nicht selten auch in Gruppen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit rund zwei Jahren erreicht. Haubentaucher leben in einer saisonalen Einehe, die manchmal auch über mehrere Jahre hält. Das Werbeverhalten ist deutlich aufwendiger als bei anderen Lappentauchern (Podicipedidae). In den nördlichen Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Paarungszeit über Frühjahr und Frühsommer, in den südlichen Verbreitungsgebieten kann teilweise das ganze Jahr gebrütet werden. Hier kommt es meist auch zu zwei Jahresbruten. Die Nester sind aufwendige Konstruktionen, die auf kleinen Inselchen oder in dichter Ufervegetation errichtet werden und überwiegend aus Pflanzenteilen bestehen. Am Nestbau sind beide Partner beteiligt. Im Schnitt dauert der Bau des Nestes rund eine Woche. In das fertige Nest legt das Weibchen zwischen drei und sechs Eier. Die Eier weisen eine weißliche Färbung und eine leicht ovale Form auf. Das Ausbrüten der Eier kann sich über einen Zeitraum von 27 bis 29 Tagen erstrecken. Diese Arbeit teilen sich beide Geschlechter. Die Küken gelten als Nestflüchter und folgen bereits kurz nach dem Schlupf den Eltern. Oft ist zu beobachten, dass sich die Jungvögel von den Eltern auf dem Rücken tragen lassen. Die Küken können von Anfang an gut schwimmen und tauchen. Die Selbständigkeit wird nach neun bis zehn Wochen erreicht.

Gefährdung, Schutz

Insbesondere die Vernichtung der natürlichem Lebensräume und die Trockenlegung von Sümpfen haben den Haubentaucher in weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete selten werden lassen. Auch die Ausbringung von Schädlingsbekämpfungsmitteln, insbesondere DDT und andere Pestizide, setzen der Art zusätzlich zu, da die Gifte über die Nahrung aufgenommen wird. In der Nähe von Siedlungsräumen stellen Überlandstromleitungen und hohe Antennen eine Gefahr dar. Der Haubentaucher ist nicht durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. In der Roten Liste des IUCN wird die Art als gering gefährdet geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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