Heller Singhabicht

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Heller Singhabicht

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Singhabichte (Melieraxinae)
Gattung: Singhabichte (Melierax)
Art: Heller Singhabicht
Wissenschaftlicher Name
Melierax canorus
Thunberg, 1799

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Helle Singhabicht (Melierax canorus) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Singhabichte (Melierax). Im Englischen wird der Helle Singhabicht pale chanting goshawk oder pale chanting-goshawk genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Helle Singhabicht erreicht eine Körperlänge von 48 bis 62 Zentimeter. Aus der Flügellänge von 35 bis 38 Zentimeter ergibt sich eine Flügelspannweite von bis zu 110 Zentimeter. In der Körperlänge ist eine Schwanzlänge von gut 23 bis 25 Zentimeter enthalten. Das Gewicht beträgt zwischen 650 und 900 Gramm. Männchen bleiben kleiner und leichter als Weibchen. Das Gefieder ist grau gefärbt. Die Bauchseite ist weißlich und weist feine, querverlaufende Wellenlinien auf. Der lange Schwanz ist schwarz und an den Kanten und der Spitze weißlich abgesetzt. Die Flügelspitzen weisen eine schwarze Färbung auf. Die Unterseite der Flügel ist weiß. Die Wachshaut am Schnabelansatz ist rot gefärbt, der Schnabel selbst weißt eine graue Färbung auf. Die Extremitäten sind rötlich bis orangerot, die Iris der Augen ist dunkelbraun gefärbt. In der Gefiederfärbung zeigen die Geschlechter keinen Unterschied. Juvenile Vögel sind leicht an deutlichen Brauntönen im Gefieder zu erkennen. Dies gilt insbesondere für den Rücken, die Flügel und den Oberkopf. Ihre Beine sind gelblich gefärbt.

Verhalten

Der Helle Singhabicht lebt einzelgängerisch oder paarweise. Gelegentlich auch in Familiengruppen. Gruppen außerhalb eines Familienkomplexes wurden bisher nicht beobachtet. Während der Ruhephasen sitzen Helle Singhabichte meist an exponierten Ansitzwarten und halten in der näheren Umgebung Ausschau. An solchen Ansitzen verweilen sie auch während der Mittagszeit, die Hitze des Tages scheint ihnen nichts auszumachen. Helle Singhabichte halten sich auch recht oft auf dem Boden auf. Sie sind am Boden recht flink unterwegs und verfolgen hier nicht selten auch Beutetiere.

Helle Singhabichte sind ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Feinden und Artgenossen. Der Reviermarkierung dienen durchdringende Ausrufe, die vor allem in der Dämmerung zu hören sind. Die Vögel singen sowohl auf ihrer Ansitzwarte auch während des Fluges. Dies gilt für beide Geschlechter gleichermaßen. Während der Paarungs- und Balzzeit erscheint der Gesang eindringlicher zu sein. Ein Revier umfasst je nach Verbreitungsgebiet und Nahrungsangebot bis zu 1.000 Hektar.

Helle Singhabichte starten zum Flug meist von einer Ansitzwarte aus. Der Flug an sich wirkt langsam aber sehr sicher. Mit langsamen Flügelschlägen steigen die Vögel auf. Dabei nutzen sie auch die Thermik und können über weite Strecken gleiten. Ist ein Opfer in Sicht, so können sie aber auch sehr schnell fliegen. Der breit gefächerte Schwanz dient im Flug der Steuerung. Das Gefieder wird in der Regel zwischen Dezember und April erneuert. Zeit der Mauser kann allerdings je nach Verbreitungsgebiet schwanken. Die juvenilen Tieren erlangen die adulte Befiederung mit knapp 18 Monaten.

Unterarten

Verbreitung

Vorkommen

Der Helle Singhabicht kommt im südlichen Afrika vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Angola, Botswana, dem südlichen Namibia und in Südafrika. In Südafrika fehlt der Helle Singhabicht lediglich westlich der Kapregion in den Feuchtgebieten und im östlichen Südafrika. Kleinere Populationen leben auch in Lesotho und in Simbabwe. Die Art teilt sich in zwei Unterarten. Melierax canorus canorus kommt nur in Südafrika vor, Melierax canorus argentior lebt in Namibia, Botswana, im westlichem Zimbabwe und dem nördlichen Südafrika.

Die Vögel sind sesshaft und wandern nur sehr wenig umher. In seinem Revier werden vom Hellen Singhabicht angestammte Ansitzwarte immer wieder und über längere Zeit genutzt. Der gesamte Aktionsradius beträgt dabei kaum zehn Kilometer. Bei den Geschlechtern zeigen sich Unterschiede in der Beweglichkeit. Weibchen ziehen dabei deutlich mehr umher als Männchen, sie haben einen Aktionsradius von über 50 Kilometer.

Lebensraum

Der Helle Singhabicht lebt in den trockenen Baum- und Strauchsavannen des südlichen Afrikas. Auch lichte Akazienwälder und Waldränder werden gerne besiedelt. Die größten Vorkommen gibt es in der Kalahari. Die Kalahari ist eine mit Buschwerk durchsetzte Sandwüste und erstreckt sich von der nördlichen Kapprovinz in Südafrika, über Namibia und Botswana bis nach Angola und Sambia. Dichte Wälder, Feuchtgebiete und Habitate mit dichter Bodenvegetation werden hingegen strikt gemieden. Dichte Bodenvegetation würde die Sicht auf Beutetiere verdecken.

Ernährung

Jagdmethoden

Die Jagd erfolgt entweder einzelgängerisch oder zusammen mit dem Partner. Dabei startet die Jagd in der Regel von einer Ansitzwarte aus. Dabei zeigt sich der Helle Singhabicht sehr ausdauernd, er kann stundenlang an exponierter Stelle sitzen und auf ein Beutetier warten. Wartezeiten von zwei bis drei Stunden sind keine Seltenheit. Dabei machen ihm selbst brütende Tagestemperaturen nichts aus. Ist ein potentielles Opfer ausgemacht, so startet er in einen Schwebflug, knapp über dem Erdboden und nähert sich der Beute. Mit den Fängen ergreift er ein Tier und tötet es mit den Krallen oder einen Biss in den Nacken. Gefressen wird es dann auf seiner Ansitzwarte. Größere Beutetiere, die zu schwer sind, werden allerdings gleich vor Ort gefressen. Hat er ein Opfer auf dem Boden verpasst, so rennt er in der Regel zu Fuß hinterher.

Beutespektrum

Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus (Elephantulus myurus)
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Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus (Elephantulus myurus)

Das Beutespektrum ist recht weit, der Helle Singhabicht ist da nicht wählerisch. Er frisst sowohl Insekten wie Termiten, Ameisen, Käfer und Heuschrecken als auch kleinere Säugetiere wie Nagertiere. Gelegentlich werden auch Vögel, meist im Flug erbeutet. Der Sehsinn und die Koordinationsfähigkeit im Flug sind hoch entwickelt. Aber auch auf dem Boden jagt er nicht selten nach Vögeln. Zu den Beutetieren zählen hier im allgemeinen die Harlekinwachtel (Coturnix delegorguei), Gackeltrappe (Eupodotis afra), Helmperlhuhn (Numida meleagris), Kronenkiebitz (Vanellus coronatus), Rotschopftrappe (Eupodotis ruficrista). Neben diesen größeren Vögeln zählen auch eine Reihe kleinere Vögel zum Beutespektrum. Unter den Säugetieren hat es der Helle Singhabicht vor allem auf Kaphasen (Lepus capensis), Striemengrasmaus (Rhabdomys pumilio), Mäuse (Mus), Spitzmäuse (Soricidae), Elefantenspitzmäuse (Elephantulus) und Lamellenzahnratten (Otomyinae).

Aber auch Reptilien wie Schlangen, Eidechsen und kleine Schildkröten stehen auf seiner Speisekarte. Hier macht er insbesondere Jagd auf die Pantherschildkröte (Geochelone pardalis), diverse Südafrikanische Landschildkröten (Psammobates) und Sandrennnattern (Psammophis). Diverse Feldforschungen haben ergeben, das rund 90 Prozent seiner Nahrung aus kleinen Säugern besteht. Reptilien und Vögel stehen mit je vier Prozent weit dahinter. Wirbellose Tiere machen rund zwei Prozent seiner Nahrung aus. Und Aas wird auch nicht verschmäht. In der Nähe von Straßen halten Helle Singhabichte nach überfahrenen Tieren Ausschau.

Fortpflanzung

Allgemeines

Die Geschlechter leben in monogamer Einehe, selten auch in einer polygamen Dreierbeziehung. Die Brutgebiete liegen in den Trockensteppen des südlichen Afrikas. Beliebte Brutgebiete sind die Wüsten Kalahari und Karoo. Das Karoo ist eine Halbwüste, in der zentralen Hochebene Südafrikas. Ein Brutrevier umfasst bis zu 1.000 Hektar und wird gegenüber Eindringlingen und Artgenossen verteidigt. Die Brutzeit erstreckt sich über den Zeitraum von März oder April bis in den Dezember hinein. In Jahren extremer Dürre verzichten Helle Singhabichte allerdings auf eine Brut. In regnerischen Jahren kann es auf der anderen Seite durchaus zu zwei Bruten kommen. Dies allerdings nur in einer Dreierbeziehung, die aus zwei Weibchen und einem Männchen besteht.

Nest

Beliebte Nistplätze sind Bäume, in Ermangelung dessen werden aber größere Büsche angenommen. Bäume oder Büsche entlang von Wasserläufen werden dabei bevorzugt. Dabei stehen Kameldorn (Acacia erioloba) und Schirmakazie (Acacia tortilis), Mopane (Colophospermum mopane), Tamarisken (Tamarix), Weißrindenbaum (Boscia albitrunca), Kasuarinabaum (Casuarina equisetifolia) und Kiefern (Pinus) besonders hoch im Kurs. Es wurde aber auch schon beobachtet, dass der Helle Singhabicht sein Nest auf einem hohen Telefonmast errichtet hat. Dies dürfte allerdings eine seltene Ausnahme sein.

Ein Nest entsteht meist in mittlerer Höhe von fünf bis acht Metern. Die Höhe hängt stark von der Baumart ab. In Büschen entstehen Nester gelegentlich knapp über dem Erdboden. Astgabeln bilden in der Regel die Grundlage für ein Nest. Das Nest ist eine Art Plattform, ähnlich der von anderen Greifvögeln, und besteht hauptsächlich aus lose zusammengesteckten Ästen und Reisig. Ein Nestdurchmesser von 40 bis 70 Zentimeter ist die Regel. Die Höhe beträgt meist zwischen 40 und 40 Zentimeter. Die Nester sind also recht imposante Gebilde. Im Innern eines Nestes befindet sich eine zwanzig Zentimeter breite und zehn Zentimeter tiefe Nistmulde. Die Nistmulde wird meist mit Tierdung ausgelegt. Tierdung dient in erster Linie der Temperaturregelung im Nest. Es kommen aber auch andere, weiche Materialien wie Tierhaare, Federn und ähnliches zum Einsatz. Ein solches Nest entsteht meist über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen und wird über mehrere Jahre genutzt. Am Nestbau sind beide Geschlechter beteiligt.

Gelege und Brut

Ein durchschnittliches Gelege besteht aus zwei Eiern. Es kann aber auch vorkommen, dass nur ein Ei oder gar drei Eier gelegt werden. Die Eier werden im Abstand von zwei Tagen gelegt. Sie sind rein weiß mit leicht bläulichem bis grünlichem Schimmer. Ein Ei weist eine Länge von 57 Millimeter und eine Breite von 44 Millimeter auf. Das Gewicht beträgt rund 45 bis 60 Gramm. Das Bebrüten erfolgt meist durch das Weibchen. Die Brutdauer erstreckt sich über 35 bis 37 Tage. Während dieser Zeit sorgt das Männchen für Nachschub an Nahrung. Nur selten kann man auch das Männchen beim Brüten beobachten. An der Verteidigung des Geleges sind beide Geschlechter beteiligt. Fressfeinde werden zumeist gemeinschaftlich attackiert.

Jugendzeit

Die geschlüpften Küken verfügen nach dem Schlupf über ein gräuliches Dunengefieder. Die Bauchseite ist weißlich gefärbt. Der Schnabel ist schwarz gefärbt. Die Extremitäten der Küken weisen eine hellgelbe Färbung auf. Ab der dritten Woche bilden sich die ersten Federn im Flügel- und Schwanzbereich aus. Die volle Befiederung hat sich in der sechsten Lebenswoche ausgebildet. Die Nestlingszeit erstreckt sich insgesamt über 50 bis 55 Tage. In der Regel überlebt nur ein Küken pro Brut. Meist wirft das stärkere Küken das schwächere aus dem Nest. Dies erfolgt insbesondere bei Nahrungsmangel.

Die Küken werden hauptsächlich von der Mutter mit kleinen Häppchen gefüttert, die sie aus einem Beutetier reißt. Das Männchen sorgt für Nahrungsnachschub. Die ersten zwei Wochen bleibt das Weibchen permanent bei den Jungvögeln. Danach geht sie in der Nähe des Nestes gelegentlich auf Nahrungssuche, hat aber immer das Nest im Blickfeld.

Mit gut sieben Wochen erfolgen die ersten Flugversuche der Jungvögel. In den folgenden zwei Wochen bleiben die Jungvögel noch in der Nähe des Nestes und werden weiterhin von den Eltern gefüttert. Dies kann sich aber auch über einen Zeitraum von bis zu fünf Wochen nach dem Erstflug erstrecken. Die ersten selbst gefangenen Beutetiere der Jungvögel sind meist Insekten und andere Kleintiere. Langsam aber sicher lösen sich die Jungvögel von den Eltern. Sie bleiben aber meist bis zur Geschlechtsreife im Revier der Eltern.

Der Helle Singhabicht kann ein Alter von bis zu 30 Jahren erreichen. Oftmals kommen die Tiere aber deutlich früher ums Leben. Todesursachen können Unfälle im Verkehr, die Bejagung durch den Menschen oder Zusammenstöße mit Stromleitungen und Strommasten seien. Gelegentlich sterben die Vögel auch an ausgelegten, vergifteten Ködern, die von Landwirten ausgelegt werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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