Japanischer Marder

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Japanischer Marder

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Martes
Art: Japanischer Marder
Wissenschaftlicher Name
Martes melampus
(Wagner, 1840)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Japanische Marder (Martes melampus) zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung Martes. Im Englischen wird die Art Japanese Marten oder Tsushima Island Marten genannt. Genetische Studien deuten darauf hin, dass sich die Art vor etwa 1,8 millionen Jahren vom Zobel (Martes zibellina) trennte (vergl. Kurose et al. 1999).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Japanische Marder erreicht eine Körperlänge von 47 bis 54 cm, eine Schwanzlänge von 17 bis 22 cm sowie ein Gewicht von bis zu 1,7 kg. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Der Körper ist wie bei allen Mardern langgestreckt, die Beine sind kurz. Der mittellange Schwanz ist buschig. Das Fell weist dorsal eine gelblichbraune bis dunkelbraune Färbung auf. Ventral zeigt sich eine weißliche bis cremefarbene Färbung (Nowak, 1999).

Lebensweise

Japanische Marder gelten als gute Kletterer und sind überwiegend in der Nacht aktiv. Selbst kurze Sprünge von mehr als einem Meter von Baum zu Baum sind keine Seltenheit. Die Reviere der Tiere erreichen eine Größe von 0,6 bis 0,7 km². Die Reviergrenzen einzelner Individuen überlappen sich dabei geringfügig. Kot und Urin sowie ein Sekret aus Duftdrüsen dienen den Tieren der Reviermarkierung. Demzufolge ist der olfaktorische Sinn gut entwickelt (Nowak, 1999).

Unterarten

Verbreitung

Die 3 Unterarten des Japanischen Marders verteilen sich über die japanische Inselwelt und über Nord- und Südkorea. Die Nominatform tritt auf den japanischen Inseln Honshu, Shikoku und Kyushu in Erscheinung. Auf anderen Inseln wurde diese Unterart wegen der Pelzzucht eingeführt. Martes melampus tsuensis kommt auf Tsushima vor, die dritte Unterart, Martes melampus coreensis, ist in Nord- und Südkorea verbreitet. Die Tiere leben hauptsächlich in Laubwäldern, aber auch in Plantagen und offenen Feldern. Die Wälder werden überwiegend von Eichen (Quercus) dominiert. Erdhöhlen und Baumhhölen dienen den Tieren als Unterschlupf (IUCN, 2011, Nowak, 1999).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden zählen vor allem verwilderte Haushunde. Zum Schutz vor Feinden ruhen Japanische Marder in Erd- oder Baumhöhlen. In der Nähe menschlicher Siedlungen kommen gelegentlich Marder im Straßenverkehr zu Tode. In einigen Regionen werden die Tiere auch vom Menschen gejagt oder eingefangen (Nowak, 1999).

Ernährung

Japanische Marder gelten in Bezug auf die Nahrungsauswahl als opportunistische Generalisten. Sie ernähren sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Kost. Die aufgenommene Nahrung variiert dabei je nach Jahreszeit. Zur pflanzlichen Nahrung gehören beispielsweise Sämereien oder Beeren von Weinrebengewächsen (Vitaceae) wie Weinreben (Vitis), Maulbeergewächsen (Moraceae) wie Feigen (Ficus) und Maulbeeren (Morus), Sumachgewächsen (Anacardiaceae) wie Vertreter der Pflanzengattung Rhus, Ebenholzgewächsen (Ebenaceae) wie Kaki-Baum (Diospyros kaki), Strahlengriffelgewächsen (Actinidiaceae) wie Strahlengriffel (Actinidia arguta), Rosengewächsen (Rosaceae) wie Rubus sowie Ölweidengewächsen (Elaeagnaceae) wie die Dornige Ölweide (Elaeagnus pungens) oder die Korallen-Ölweide (Elaeagnus umbellata). Auch tierische Kost steht weit oben auf der Speisekarte. Hier sind insbesondere Lurche (Amphibia), Regenwürmer (Lumbricidae), Fangheuschrecken (Mantodea), Käfer (Coleoptera), Spinnentiere (Arachnida), Hundertfüßer (Chilopoda), kleine Vögel (Aves) und deren Eier, Ratten (Rattus) und Mäuse (Mus), Waldmäuse (Apodemus), Rötelmäuse (Clethrionomys), Riesengleithörnchen (Petaurista) und Hasen (Lepus) zu nennen. Die Nahrungssuche erfolgt für gewöhnlich in der Nacht (Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten ist nur wenig bekannt. Die geschlechtsreife wird im 2. Lebensjahr erreicht. Die Paarungszeit erstreckt sich von März bis in den Mai hinein. Nach einer Tragezeit von etwa 30 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Bau 1 bis 5 Jungtiere zur Welt. Diese sind nur wenig entwickelt und gelten als Nesthocker. Die Jungen kommen nackt, blind und taub zur Welt. Um die aufzucht des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Muttertier. Die Selbständigkeit wird im Alter von 4 Monaten erreicht (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In ihrem Lebensraum bilden Japanische Marder eine durchaus wichtige Rolle, da sie die Populationen von Nagetieren und anderen Schadtieren regulieren. Auch in der Verbreitung von Samen spielen sie eine große Rolle. Der Mensch stellt den Tieren insbesondere wegen des hochwertigen Felles nach. Trotz der Bejagung gehört der Japanische Marder noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Neben der Bejagung gehören insbesondere die Vernichtung der natürlichen Lebensräume und die Ausbringung von Insektiziden in der Landwirtschaft zu den größten Gefahren (IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) ist die Art auch unter den Synonymen bedfordi (Thomas, 1905), japonica Gray, 1865 und melanopus Gray, 1865 bekannt. Die genannten Synonyme sind undgültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Marder (Mustelidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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