Japanisches Eichhörnchen

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Japanisches Eichhörnchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Gattung: Eichhörnchen (Sciurus)
Art: Japanisches Eichhörnchen
Wissenschaftlicher Name
Sciurus lis
Temminck, 1844

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Japanische Eichhörnchen (Sciurus lis) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Eichhörnchen (Sciurus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Japanische Eichhörnchen erreicht eine Körperlänge von 22 bis 25 cm, ein Gewicht, je nach Geschlecht, von 250 bis 450 Gramm sowie eine Schwanzlänge von gut 20 cm. Das Fell weist eine hellbraune oder graubraune bis dunkelbraune Färbung auf, die mitunter auch ins Schwärzliche gehen kann. So ist die Färbung insgesamt recht variabel. Zudem richtet sie sich auch nach der jeweiligen Höhenlage. Zur kalten Jahreszeit sind die Ohren mit Haarbüscheln gekennzeichnet und das Fell ist insgesamt etwas heller. Außerdem ist das Fell im Winter deutlich dichter und länger. Zeichnungen weist das Fell keine auf. Das ventrale Fell ist aber immer weißlich bis cremefarben. Der buschige Schwanz dient zum einen dem Männchen dem Imponiergehabe vor der Paarung und zum anderen bei Sprüngen und beim Klettern als Steuer- und Balancierhilfe. Über den Augen, oberhalb der Nasenspitze an den Wangen und an den Unterschenkeln der Vorderbeine hat das Japanische Eichhörnchen Tasthaare (Vibrissen), die der Orientierung dienen. Die Beine sind recht kurz und enden in vier Zehen, die mit scharfen Krallen versehen sind.

Verhalten

Eichhörnchen leben einzelgängerisch, die nur während der Paarung zusammenkommen. Sie beanspruchen kein festes Revier, nutzen aber ein Streifrevier von gut 100 bis 800 Hektar Größe, in dem sie Artgenossen grundsätzlich aus dem Weg gehen. Zu Kommentkämpfen kommt es selten. Aufgrund von vielen Parasiten in ihrem Fell, betreiben Eichhörnchen oft eine ausgedehnte Fellpflege. Dazu gehören auch Staub- und Grasbäder. Die tagaktiven Eichhörnchen verbringen den Großteil ihres Lebens in den Baumwipfeln, wo sie auch ihre Nahrung finden. Sie sind sehr gute Kletterer, die durchaus Sprünge von einigen Metern bewältigen können. Auf den Waldboden kommen sie selten hinab. Das Japanische Eichhörnchen hält eine Winterruhe, die oft zur Nahrungsaufnahme unterbrochen wird. Bei dem Japanischen Eichhörnchen kennt man verschiedene Lautäußerungen: Fühlt sich das Eichhörnchen bedroht oder ist es verängstigt und verärgert, so gibt es keckernde Lautäußerungen von sich.

Verbreitung

Das Japanische Eichhörnchen ist im wesentlichen auf den japanischen Inseln Shikoku, Honshu und Kyushu endemisch. Sie leben vor allem in borealen Nadelwäldern und Laubwäldern mit altem Baumbestand. Als Kulturfolger sind sie aber auch in Parks und Gärten anzutreffen. Im Gebirge kommen sie bis zur Waldgrenze in Höhen von etwa 2.000 Metern vor.

Ernährung

Japanisches Eichhörnchen
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Japanisches Eichhörnchen

Japanische Eichhörnchen suchen in ihrem Streifrevier bestimmte Fressplätze auf, in denen sie ihre Nahrung suchen. Von diesen Fressplätzen unterhalten Japanische Eichhörnchen in ihrem Streifrevier mehrere. Ihre Nahrung finden sie hauptsächlich in den Wipfeln der Bäume wie zum Beispiel die Früchte bestimmter Nadel- oder Laubbäume. Neben Nüssen, Knospen, jungen Trieben, Baumsamen und Beeren fressen sie aber auch bei Gelegentheit Insekten, deren Larven, Vogeleier und die Brut von Vögeln. Im Herbst suchen sie gelegentlich am Boden auch nach Pilzen. Auf Nahrungssuche gehen sie in der Regel in den frühen Morgen- und Abendstunden sowie am späten Nachmittag. Im Sommer meiden sie grundsätzlich die heiße Mittagszeit. In Zeiten von Nahrungsüberschuß legen sie in Erdlöchern und Baumhöhlen einen Wintervorrat an Nahrung an. Mit Hilfe ihres guten Geruchssinnes und eines hervorragenden Gedächtnisses finden sie ihre Vorratslager immer wieder. Ihre Schneidezähne werden an harter Nahrung wie Nüsse ständig abgewetzt und wachsen ein Leben lang.

Fortpflanzung

Japanisches Eichhörnchen
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Japanisches Eichhörnchen

Die Geschlechtsreife erreicht das Japanische Eichhörnchen im zweiten oder dritten Lebensjahr. Die Paarungszeit beginnt im auslaufenden Winter und erstreckt sich bis ins späte Frühjahr. Zum Paarungsritual gehören Verfolgungsrennen zwischen Männchen und Weibchen, an dem durchaus mehrere Männchen teilnehmen können. Die Nester, die sogenannten Kobel, werden in luftiger Höhe in den Baumwipfeln zwischen Astgabeln errichtet. Es sind kugelförmige Nester, die einen Durchmesser von bis zu 50 Zentimeter haben können und über einen unten gelegenen Eingang verfügen. Im Innern können die Nester einen Durchmesser von gut 20 Zentimeter haben. Japanische Eichhörnchen bauen mehrere Nester, die zum einen als Brutnest und zum anderen als Schlafstätte sowie als Vorratslager dienen. Das Brutnest wird mit Moosen und Gräsern ausgepolstert.

Nach einer erfolgreichen Paarung beträgt die Tragezeit etwa 36 bis 38 Tage. Das Weibchen bringt meist drei bis sechs, selten mehr Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt, taub, blind und weisen ein Gewicht von acht bis zehn Gramm auf. Der erste spärliche Flaum wächst ihnen nach zwei Wochen. Ihre Augen öffnen sie das erste Mal nach etwa vier Wochen. Ab diesem Zeitpunkt brechen bei ihnen auch die Schneidezähne durch. Erst ab der neunten oder zehnten Woche verlassen sie erstmals ihr schützendes Nest. Die Entwöhnung erfolgt ab der sechsten Woche. Befinden sich die Jungtiere außerhalb des Nestes und droht Gefahr, so ist zu beobachten, dass das Weibchen die Jungen im Maul tragend in eines der Kobel trägt. In Freiheit können Japanische Eichhörnchen bis zu zehn Jahre alt werden, in Gefangenschaft bis zwölf Jahre.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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