Königslachs
aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank
| Königslachs | |
|---|---|
|
| |
| Systematik | |
| Klasse: | Strahlenflosser (Actinopterygii) |
| Unterklasse: | Neuflosser (Neopterygii) |
| Zwischenklasse: | Echte Knochenfische (Teleostei) |
| Überordnung: | Vorstachelflosser (Protacanthopterygii) |
| Ordnung: | Lachsartige (Salmoniformes) |
| Familie: | Lachsfische (Salmonidae) |
| Unterfamilie: | Großmaul-Salmoniden (Salmoninae) |
| Gattung: | Pazifische Lachse (Oncorhynchus) |
| Art: | Königslachs |
| Wissenschaftlicher Name | |
| Oncorhynchus tshawytscha | |
| Walbaum, 1792 | |
Der Königslachs (Oncorhynchus tshawytscha) gehört innerhalb der Familie der Lachsfische (Salmonidae) zur Gattung der Pazifischen Lachse (Oncorhynchus). Im Englischen wird er Chinook Salmon genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.
Der Königslachs ähnelt in Form und Aussehen dem Silberlachs (Oncorhynchus kisutsch), der jedoch deutlich kleiner und leichter bleibt.
Inhaltsverzeichnis |
Beschreibung
Aussehen und Maße
Der Königslachs erreicht eine durchschnittliche Länge von 90 bis 100 cm sowie ein Gewicht von gut 18 kg. Rekordmaße von 54 kg und eine Länge von über 140 cm sind selten aber bereits dokumentiert. Weibchen bleiben grundsätzlich kleiner und leichter als Männchen. Der Königslachs gilt innerhalb der Familie der Pazifischen Lachse als die größte Art. Die Beschuppung weist dorsal eine blaugrüne bis graugrüne Färbung auf und geht lateral in ein Silber über. Ventral ist der Königslachs weißlich gefärbt. Die Flossen und der Rücken weisen eine unregelmäßige dunkle Sprenkelung auf. Während der Laichzeit ändert sich die Färbung gravierend. Die Flanken sind nun bläulich bis rötlich gefärbt und im Bauchbereich zeigen sich rötliche Flecken. Männchen sind insgesamt intensiver gefärbt als Weibchen. Der Kopf ist spitz zulaufend, das Maul weist zur Paarungszeit eine deutliche hakenartige Verformung auf. Dieses ist zwar bei beiden Geschlechtern zu beobachten, die Verformung der Schnauze fällt beim Männchen jedoch deutlicher aus. Die relativ kleinen Augen sitzen weit vorne, seitlich am Schädel. Die relativ kleine Rückenflosse sitzt etwa in der Mitte des Rückens. Die Brustflossen befinden sich lateral unmittelbar hinter den Kiemen, die beiden kleinen Bauchflossen, die aus etwa sieben Strahlen bestehen, sitzen ventrolateral im hinteren Körperdrittel. Die Analflosse sitzt unmittelbar vor der Schwanzflosse. Letztere weist keine Gabelung auf.
Lebensweise
Königslachse gehören zu den sogenannten Wanderfischen, die zum Laichen die Gewässer wechseln. Man bezeichnet sie auch als anadrome (griechisch: ana = hinauf, dromas = laufend) Fische. Juvenile Fische leben in den ersten Monaten bis maximal 18 Monaten (durchschnittlich vier bis sieben Monate) in Flüssen. Im Meer halten sich die Tiere nahe der Wasseroberfläche in Tiefen von zwei bis zehn Metern auf. Danach beginnt die Migration ins Meer. Hier leben sie die nächsten Jahre bis zum Erreichen der Geschlechtsreife. Königslachse suchen dann ihre angestammten Laichgewässer auf. Wie sich die Fische auf den Weg dorthin orientieren, ist weitestgehend noch unklar. Man glaubt jedoch, dass sich Königslachse am Stand der Sonne orientieren. Diese Vermutung ist jedoch wissenschaftlich noch nicht bewiesen.Verbreitung
In Nordamerika erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Königslachse von Point Hope, Alaska, bis nach Kalifornien. In Kalifornien reicht die Verbreitung bis in das Sacramento-San Joaquin River Delta. Die Asiatische Populationen kommen in Asien vom nördlichen Japan bis nach Russland vor. Eingeführt wurden Königslachse in Neuseeland und in den Great Lakes im Nordosten Nordamerikas. Königslachse leben sowohl im Süßwasser als auch im Salzwasser. Die Laichgründe liegen in Süßwasserflüssen. Nach dem Schlupf machen sich die Larven und Jungfische auf den weiten Weg ins Meer. Am Ende ihres Lebens gehen sie den gleich Weg zurück in die Laichgründe. Nach der Paarung endet das Leben der Königslachse. Sie leben fast ausschließlich im kalten Wasser. Die Wassertemperaturen liegen in allen Gewässertypen unter 16 Grad Celsius. <3> Bei allen Gewässertypen handelt es sich grundsätzlich um Fließgewässer. In stehenden Gewässerarten können Königslachse nicht überleben. Ein Großteil ihres Lebens verbringen Königslachse auf dem offenen Meer. Sie leben dabei sowohl in Küstennähe als auch auf hoher See, nicht selten einige Tausend Kilometer vom Festland entfernt.
Prädatoren
Neben größeren Raubfischen wie beispielsweise Amerikanische Alsen (Alosa sapidissima) und Panzerwangen (Scorpaeniformes) gehören auch Ohrenrobben (Otariidae), Hundsrobben (Phocidae), Braunbären (Ursus arctos), Otter (Lutrinae), Große Schwertwale (Orcinus orca), Möwen (Laridae), Greifvögel (Falconiformes), Lappentaucher (Podicipedidae) und Kormorane (Phalacrocoracidae). Unter den Greifvögeln stellen den Fischen vor allem Fischadler (Pandion haliaetus) nach. Gefressen werden vor allem Jungfische, die eine Körperlänge von weniger als 20 cm aufweisen. Auf dem Weg zu den Laichgründen fallen erwachsene Königslachse insbesondere Kodiakbären (Ursus arctos middendorffi) und Braunbären (Ursus arctos) zum Opfer. Bären haben es hauptsächlich auf die fettreiche Haut und die Flossen abgesehen. Der Laich und die Schlüpflinge stehen beispielsweise auch Graufischer (Ceryle), Reiher (Ardeidae) und Säger (Mergus) hoch im Kurs. Auf hoher See stehen Königslachse bei Lachshaien (Lamna ditropis) und Blauhaien (Prionace glauca) auf der Speisekarte. <1>
Ernährung
Königslachse sind oppurtunistische Fleischfresser. Weit oben auf der Speisekarte steht Zooplankton. Dazu gehören insbesondere Ruderfußkrebse (Copepoda), Krill (Euphausiacea), Manteltiere (Tunicaten), Vielborster (Polychaeta), die Larven von Fischen (Actinopterygii), winzige, larvale Krebstiere (Crustacea) wie Schlickkrebse (Corophium) sowie Stachelhäuter (Echinodermata). Im Süßwasser werden auch Wasserinsekten (Insecta) und deren Larven gefressen. Auf offener See stehen auch kleinere Fische (Actinopterygii) und Weichtiere (Mollusca) auf der Speisekarte. Erwachsene Königslachse, die auf dem Weg zu den Laichgründen sind, nehmen keine Nahrung mehr zu sich. Sie sterben nach der Paarung. <2>
Fortpflanzung
Königslachse erreichen die Geschlechtsreife in Abhängigkeit vom Ernährungszustand nach einem bis vier, spätestens nach sechs Jahren. Die Paarungs- und Laichzeit erstreckt sich vom Frühjahr bis in den Herbst hinein. Mit Erreichen der Geschlechtsreife beginnt für die Königslachse die weite Wanderung zu den Laichgründen. Dabei ziehen sie immer in das Gebiet, in dem sie selbst geschlüpft sind. Eine innere Uhr, ein innerer Sinn scheint sie dabei zu leiten. Die Laichgründe liegen stromaufwärts in Süßwasserflüssen. In den Laichgründen angekommen, graben die Weibchen in lockerem Kies eine flache Mulde, die einen Durchmesser von bis zu 60 cm aufweisen kann.
In die Grube hinein legt das Weibchen zwischen 5.000 und 10.000, selten bis 14.000 Eier. Die ausgesprochen großen Eier weisen einen Durchmesser von 6,3 bis 7,9 mm sowie ein Gewicht von 0,35 bis 0,4 g auf. Die Eiablage erfolgt entweder in einem Gelege oder auch in mehreren. Anderen Weibchen gegenüber verhält sich ein trächtiges Weibchen ausgesprochen aggressiv. Die abgelegten Eier werden vom Männchen befruchtet, indem es seine Samenflüssigkeit über die Eier verteilt. Nach der Eiablage und der Besamung sterben die Altfische ab. Dieses ist spätestens drei Wochen nach der Eiablage der Fall. Eine Brutpflege wird daher nicht betrieben. In Abhängigkeit von der Wassertemperatur erfolgt der Schlupf der Larven nach 90 bis 140 Tagen. Die Bruttemperatur liegt für gewöhnlich zwischen 4 und 16 Grad Celsius. Sie ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton.
Königslachse wachsen relativ schnell. Im Alter von drei Monaten haben sie unter günstigen Umständen eine Länge von 70 mm erreicht, im Alter von vier Monaten weisen sie bereits eine Länge von 12 cm auf. Die Larven leben die ersten Monate im Fluss und schwimmen mit einer Länge von 12 bis 15 cm ins offene Meer. Hier verbleiben sie bis zur Geschlechtsreife. Im Meer leben sie durchschnittlich vier bis sechs Jahre. Die Lebenserwartung hängt vom Erreichen der Geschlechtsreife ab.
Ökologie
In ihrem Ökosystem, egal ob im Meer oder in Flüssen, spielen Königslachse eine wichtige Rolle. Sie bilden für eine Vielzahl von Tieren die Nahrungsgrundlage. Erwachsen stehen sie selbst weit oben in der Nahrungskette und ernähren sich ihrerseits von kleineren Tieren. Man kann sie durchaus als opportunistische Fleischfresser bezeichnen. In den Regionen, wo sie eingeführt wurden, stehen Königslachse für gewöhnlich am oberen Ende der Nahrungskette. Dieses ist beispielsweise in den Great Lakes im Nordamerika der Fall. Der Grund der Einführung in fremde Gewässer liegt auf der Hand. Königslachse werden kommerziell gezüchtet und gefangen. In den natürlichen Lebensräumen sind Königslachse ein Indikator für ein intaktes Ökosystem. Negativ wirkt sich insbesondere die globale Erderwärmung und das sporadisch auftretende Klimaphänomen El Niño auf die Populationen der Königslachse aus. El Niño ist zwar ein natürliches Klimaphänomen, jedoch wird es durch die Erderwärmung verstärkt. Klimaphänomene gleich welcher Art wirken sich nicht direkt auf die Bestände aus, sondern indirekt über die Nahrung. Bei ausbleibenden Planktonbeständen sinken automatisch auch die Bestände der Königslachse.
Gefährdung und Schutz
Auch wenn die Art im Nordpazifik mittlerweile selten geworden ist, sieht man sie noch nicht als bedroht an. Die kommerzielle Bejagung der Fische wurde aufgrund von nachlassenden Fangergebnissen mittlerweile eingestellt. Kommerziell befischt wird der Königslachs hauptsächlich nur noch in den Great Lakes. Die Gründe für die sinkenden Vorkommen sind hauptsächlich in der Überfischung zu suchen. Weitere Ursachen betreffen wahrscheinlich auch die Brutgebiete. Hier ist stellenweise eine besorgniserregende Wasserverschmutzung festzustellen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art nicht geführt.
Anhang
Literatur und Quellen
- Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
- Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
- National Marine Fisheries Service: Chinook Salmon (Oncorhynchus tshawytscha)
- National Marine Fisheries Service: Physiological ecology of juvenile Chinook Salmon (Oncorhynchus tshawytscha)
- [1] ↑ [2] ↑ [3] ↑ U.S. Fish & Wildlife: Environmental Requirements of Coastal Fishes: Chinook Salmon
