Karibische Mönchsrobbe

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Karibische Mönchsrobbe
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Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Cynoidea)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)
Gattung: Mönchsrobben (Monachus)
Art: Karibische Mönchsrobbe
Wissenschaftlicher Name
Monachus tropicalis
(Gray, 1850)

IUCN-Status
Extinct (EX)

Die Karibische Mönchsrobbe (Monachus tropicalis) zählt innerhalb der Familie der Hundsrobben (Phocidae) zur Gattung der Mönchsrobben (Monachus). Im Englischen wird die Art Caribbean Monk Seal, West Indian Monk Seal oder West Indian Seal genannt.

Die Karibische Mönchsrobbe gilt seit 1952 als ausgestorben (Kenyon, 1977; Rice, 1998 in Wilson & Reeder, 2005; Adam, 2004).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die Karibische Mönchsrobbe war Teil der pleistozänen Fauna. Fossile Funde stammen beispielsweise aus Floroda und weisen ein Alter von bis zu 700.000 Jahren auf. Die ältesten Funde stammen aus Hillsborough County, Florida, und sind gut 1,07 Millionen Jahre alt. Aus anderen Regionen sind keine fossilen Funde aus dem Pleistozän bekannt. Holozäne Fossilien belegen, dass sich die Art erst sehr spät über die ganze Karibik ausbreitete (Adam, 2004; Novak, 1999). <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Karibische Mönchsrobbe erreichte je nach Geschlecht leicht divergierende Maße. Weibchen blieben mit einer Körperlänge von 199 bis 224 cm ein wenig kleiner. Männchen wiesen eine Körperlänge von 216 bis 229 cm auf. Dies belegen neuzeitliche und fossile Funde. Jungtiere kamen mit einer Körperlänge von 89 cm zur Welt. Der Schwanz erwachsener Tiere erreichte eine Länge von 5,1 bis 7,6 cm. Das Gewicht ist nicht bekannt, jedoch betrug das Gewicht eines adulten Weibchens in Gefangenschaft rund 163 kg. Der Schädel ist dorsoventral recht breit und leicht abgeflacht. Männchen erreichten eine Condylobasallänge von 208,6 bis 282,0 (255,6) mm. Weibchen erreichten eine Condylobasallänge von 213,9 bis 281,6 (256,3) mm. Die weiteren Schädelwerte unterscheiden sich nicht nennenswert. Beide Geschlechter erreichten eine Jochbeinbreite von 157,6 mm, eine Schläfenbeinbreite von rund 148,8 mm, eine Rostrumbreite nahe der Eckzähne von 53,5 mm sowie eine Gaumenlänge von 103,1 mm (Adam, 2004). <2>

Karibische Mönchsrobben ähneln im Habitus anderen Hundsrobben. Sie weisen einen gut entwickelten Blubber, einen kurzen Schwanz, einen stroomlinienartigen Körper und Brustflossen auf. Wie bei allen Wasserraubtieren haben sich die hinteren Gliedmaßen in eine Schanzflosse umgewandelt. Die Brustflossen weisen Krallen auf, die eine Länge von 1,9 bis 2,5 cm erreichen. Äußere Ohrmuscheln sind nicht vorhanden. Der Penis und Hoden der Männchen liegen in einer Hautfalte verborgen. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 2 Paar Zitzen. Der Kopf der Karibische Mönchsrobbe ist recht groß, setzt sich jedoch nicht vom Körper ab. Die Augen sind groß und von dunkler, meist rotbrauner Färbung. Die Nasenöffnungen weisen die Form von schmalen Ritzen auf. Das Fell adulter Tiere ist dunkel, in der Regel dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Ventral wird die Fellfärbung mit einem Gelblich deutlich heller. Über eine Unterwolle verfügt das Fell der erwachsenen Tiere nicht. Mit zunehmendem Alter hellt die Fellfärbung ein wenig auf. Das Fell weist eine Länge von 6 bis 10 mm auf. Das Fell der Jungtiere ist dorsal gelblichgrau gefärbt (Adam, 2004; Novak, 1999). <3>

Seitlich der Schnauze zeigen sich in sechs Reihen lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Sie weisen eine schwarze bis gelblichweiße Färbung auf. Die Färbung ist hier recht unterschiedlich. Die Vibrissen der Heuler sind grundsätzlich schwarz gefärbt. Der Blubber ist vor allem ventral recht dick und kann eine Dicke von 10 cm und mehr erreichen. Rechnerisch ergibt sich daraus eine Menge an Öl von bis zu 114 Liter. Das Sehvermögen an Land ist eher unterentwickelt. Die Tiere können nur auf Entfernungen von 27 bis 37 Meter scharf sehen. Im Wasser ist das Sehvermögen deutlich besser. Beim Tauchen werden die äußeren Ohr- und Nasenöffnungen verschlossen. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, i1/1, p4/4, m1/1. Die seitlichen Schneidezähne sind etwas größer als die medialen Schneidezähne. Die Eckzähne sind verhältnismäßig groß. Karibische Mönchsrobben verfügen über 41 bis 43 Wirbel, die sich in 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 15 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 5 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae), 3 Kreuzbeinwirbel (Sacral vertebrae) und 11 bis 13 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae) gliedern. Die Masse des Gehirns liegt bei rund 460 Gramm (Adam, 2004; Novak, 1999). <4>

Lebensweise

Karibische Mönchsrobben verhielt sich zum Menschen ausgesprochen scheu. Dies mag wahrscheinlich an der verschwiegenen Lebensweise liegen. An Land kamen die Tiere nur, wenn sie sich in Sicherheit wiegten. Auch im Wasser näherten sich die Tiere Booten und Schiffen nur selten. Karibische Mönchsrobben waren durchaus gesellig und wurden an Land nicht selten in Gruppen von bis zu 500 Tieren beobachtet. In die Kolonien lagen die Tieren eng gedrängt aneinander. Jungtiere waren vor allem in den ersten Lebenswochen ausgesprochen verspielt. In geschützten Wasserlachen tummelten sich nicht selten eine größere Gruppe Jungtiere ähnlichen Alters. In diesen flachen Wasserbecken erfolgt häufig auch das Säugen durch die Mutter. Karibische Mönchsrobben waren zwar am Tage aktiv, ihre aktivste Zeit hatten die Tiere jedoch in den frühen Morgenstunden. Jüngere oder subadulte Tiere waren jedoch eher nachtaktiv, um so der Konkurrenz mit den adulten Tieren zu entgehen. An Land bewegten sich die Tiere aufgrund der Masse relativ trägt durch ruckartige, dorsoventrale Bewegungen. Einzelne Bewegungsabschnitte lagen bei etwa 30 cm. Im Wasser waren Karibische Mönchsrobben jedoch schnelle und gewandte Schwimmer und gute Taucher (Adam, 2004; Novak, 1999). <5>

Verbreitung

Karibische Mönchsrobben kamen in der Karibik und dem umliegenden Festland vor. Historische und archäologische Aufzeichnungen belegen, dass die Art zahlreiche Inseln und weite Teile des Golf von Mexiko besiedelte. Auch in Mittelamerika und in Teilen vom nördlichen Südamerika konnte die Karibische Mönchsrobbe nachgewiesen werden. Historisch belegt sind die Vorkommen der Art auf den Bahamas, in Kolumbien, auf Kuba, in der Dominikanischen Republik, auf Guadeloupe, Haiti, in Honduras, auf Jamaika, in Mexiko sowie in den Vereinigte Staaten.

Als Lebensräume dienten hauptsächlich die flachen Gewässer vor Inseln, Lagunen und Atolle. Schützende Riffe zur offenen See hin dienten meist als Schutz. Die Geburt des Nachwuchses erfolgte in der Regel an sandigen, seltener an felsigen Stränden (Adam, 2004; Novak, 1999). <6>

Biozönose

Sympatrie und Allopatrie

Karibische Mönchsrobben waren allopatrisch mit anderen Hundsrobben (Phocidae) oder Ohrenrobben (Otariidae). Eine Überschneidung der Verbreitungsgebiete mit anderen Arten gab es demnach nicht. In der karibischen Inselwelt traten im Lebensraum der Karibischen Mönchsrobbe einige Seevögel auf. Hier sind insbesondere der Prachtfregattvogel (Fregata magnificens), die Königsseeschwalbe (Sterna maxima) sowie einige Arten aus der Familie der Tölpel (Sulidae) zu nennen. Den Lebensraum teilten sich die Robben lokal auch mit Tauben (Columbidae). In jüngerer Zeit traten auch Ratten (Rattus), die vom Menschen eingeführt wurden, in Erscheinung (Adam, 2004; Novak, 1999). <7>

Prädatoren und Mortalität

Außer dem Menschen hatten Karibische Mönchsrobben nur wenige natürliche Feinde. Zu den wenigen Feinden zählten wahrscheinlich größere Haie (Chondrichthyes). Belegt ist dieses durch Beobachtungen oder Magenanalysen nicht (Adam, 2004). <8>

Krankheiten und Parasiten

Nur wenige Endo- und Exoparasiten der Karibischen Mönchsrobbe sind bekannt. Nachgewiesen ist jedoch der Befall mit der exoparasitären Milbe Halarachne americana. Der Parasit nistet sich in allen Entwicklungsstadien in die Atemwege der Robben ein. In Gefangenschaft traten auch einige Endoparasiten in Erscheinung, die jedoch nur grob zugeordnet werden konnten (Adam, 2004; Novak, 1999). <9>

Ernährung

Über die Ernährungsweise in freier Natur ist nichts bekannt. Tod aufgefundenen Tieren, denen man einer Magenanalyse unterzogen hatte, wiesen einen leeren Magen auf. Die Schädel- und Zahnmorphologie lässt bei der Karibischen Mönchsrobbe auf einen Nahrungsgeneralisten schließen. Man geht davon aus, dass insbesondere Krebstieren (Crustacea) und Weichtiere (Mollusca) wie Kopffüßer (Cephalopoda) weit oben auf der Speisekarte standen. In Gefangenschaft wurde die Tiere mit Knochenfischen (Osteichthyes) und Krebstieren (Crustacea) gefüttert (Adam, 2004; Novak, 1999). <10>

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten ist in freier Natur nur wenig bekannt. In Gefangenschaft gelang zudem kein Zuchterfolg. Das wenige Wissen beruht auf Beobachtungen in freier Natur. Karibische Mönchsrobbe erreichten die Geschlechtsreife wahrscheinlich mit einer Körperlänge von gut 200 cm. Die Paarungszeit erstreckte sich über die Zeit reichhaltiger Nahrung. Sichtungen zu Folge kamen die Jungtiere für gewöhnlich im Dezember zur Welt. Da vereinzelter Nachwuchs auch in anderen Monaten gesichtet wurde, kann man davon ausgehen, dass nur eine eingeschränkte Saisonalität gegeben war. Die Geburt erfolgt an Land, in der Regel an geschützten Ständen. Es kam ein Jungtier zur Welt, wobei die Tragezeit unbekannt ist. Ein Neugeborenes wies eine Körperlänge von 89 cm und ein Gewicht von etwa 17 Kilogramm auf. Der Geburtsvorgang erstreckte sich über wenige Minuten. Die Mütter säugten ihren Nachwuchs auf der Seite liegend. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt bereits gegen Ende der zweiten Lebenswoche. Aufgrund der fettreichen Milch entwickelte sich der Nachwuchs ausgesprochen schnell. Die Lebenserwartung ist unbekannt (Adam, 2004; Novak, 1999). <11>

Historisches

Fossile Funde belegen, dass bereits die Ureinwohner im karibischen Meer Jagd auf Karibische Mönchsrobben machten. Archäologische Ausgrabungen, bei denen Überreste von Robben, Weißwedelhirsch (Odocoileus virginianus) und Knochenfische (Osteichthyes) und Meeresweichtiere gefunden wurden, konnte vor allem in Küstennähe nachgewiesen werden. Zahlreiche Fundstätten liegen insbesondere in den südlichen US-Bundesstaaten. Karibische Mönchsrobben waren für die Ureinwohner jedoch nie eine Hauptnahrungsquelle. Getötet wurden die Tiere durch den Menschen für gewöhnlich an Land. Bei der indigenen Bevölkerung der südamerikanischen Küste, insbesondere bei den Arawaken, waren die Robben ebenfalls eine Nahrungsquelle. Dies legen Felszeichnungen an diversen küstennahen Orten. Die erste Begegnung zwischen einer Karibischen Mönchsrobbe datiert auf das Jahr 1494, als Christopher Columbus auf seiner zweiten Reise vor der heutigen Dominikanischen Republik ankerte. Die Tiere dienten der Mannschaft als erste frische Nahrung nach einer langen Seereise. Aus dem Blubber produzierte man zudem das begehrte Öl. Der Mensch an sich stellte den Tiere bis in die frühen 1900er Jahre nach und rottete so die Art fast vollständig aus. Begeht waren vor allem die Felle und das Öl (Adam, 2004). In der Neuzeit, also in den letzten 50 Jahren vor dem Aussterben der Art, wurden Karibische Mönchsrobben in zoologischen Einrichtungen gehalten. Es handelte sich um 18 Individuen an 8 verschiedenen Standorten. Eine Zucht gelang in Gefangenschaft nicht. Gefüttert wurden die Robben mit Krabben und Fischen. Überhaupt war die Überlebensrate der Tiere in Gefangenschaft eher gering. Die Tiere starben nach 1 Woche bis 2 Jahren in Gefangenschaft. Ein einzelnes Tiere, ein Weibchen, lebte in Gefangenschaft 5,5 Jahre. Es starb an verschiedenen Krankheiten, die wahrscheinlich auf eine falsche Ernährung zurückzuführen sind (Adam, 2004). <12>

Aussterben

Wie bereits erwähnt, wurde die Karibische Mönchsrobbe im Jahre 1494 während einer Expeditions durch Christoph Kolumbus entdeckt. Die offizielle Erstbeschreibung erfolgte jedoch erst sehr viel später im Jahre 1850 durch den britischen Zoologen John Edward Gray. Zu diesem Zeitpunkt stand es um die Art bereits schlecht. Über Jahrhunderte stellte der Menschen den Karibischen Mönchsrobben massiv nach. Schon in den späten 1900er Jahren war die Art nahezu ausgestorben. Die letzte Tötung eines in Freiheit lebenden Tieres erfolgte am 23. März 1922 vor der Küste von Key West, Florida. Die letzte Sichtung eines lebenden Tieres stammt aus dem Jahre 1952. Da seither kein Tier mehr lebend gesehen oder gefangen werden konnte wurde der Zeitpunkt des Aussterbens auf das Jahr 1952 festgelegt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als ausgestorben (EX, Extinct) geführt (Adam, 2004; Novak, 1999). <13>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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