Kellerassel

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Kellerassel

Systematik
Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
Unterklasse: Eumalacostraca
Überordnung: Peracarida
Ordnung: Asseln (Isopoda)
Unterordnung: Landasseln (Oniscidea)
Familie: Kellerasseln (Porcellionidae)
Gattung: Porcellio
Art: Kellerassel
Wissenschaftlicher Name
Porcellio scaber
Latreille, 1804

Die Kellerassel (Porcellio scaber) zählt innerhalb der Familie der Kellerasseln (Porcellionidae) zur Gattung Porcellio. Im Jahre 2001 wurde die Kellerassel vom NABU zum Wirbellosen Tier des Jahres gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Der deutsche Name der Kellerassel trifft eher auf diese Art zu als der lateinische Name, denn dieser würde übersetzt Raues Schwein oder Schäbiges Schwein heißen. Auch trifft der allgemeine Glaube nicht zu, dass es sich um ein Insekt handelt, denn die Kellerassel gehört zu den Krebstieren (Malacostraca), also Tiere, die von Arten abstammen, die im Meer lebten.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Kellerassel, Rückenansicht
vergrößern
Kellerassel, Rückenansicht

Der Körper der Kellerassel erreicht eine Länge von 14 bis 20 Millimeter und hat eine ovale, flache Form. Die Körperoberseite ist grau bis braungrau gefärbt, gelegentlich zeigt sich eine gelbliche Sprenkelung, die Ränder sind hell gesäumt. Die Körperunterseite und die Laufbeine sind gelblich bis weißlich gefärbt. Die Seitenlappen der Rückenschilde ragen flach ab, und zwar weiter als die der Mauerassel (Oniscus asellus). Links und rechts des Stirnsegmentes sitzen die Augen, die als dunkelgraue oder schwarze ovale Punkte sichtbar sind. Das dem Stirnsegment folgende Segment umschließt diese mit zwei Seitenlappen. An dem Kopfsegment sitzen zwei Fühlerpaare, von denen aber nur ein Fühlerpaar sichtbar ist. Auf der Unterseite liegen 14 gleichförmige Schreitbeine und 12 Spaltfüße im Bereich des Vorderleibes. Die Kellerasseln atmen im Gegensatz zu den Krebstieren (Crustacea) nicht über Tracheen, sondern über Hohlräume, die in den ersten beiden Beinpaaren des Hinterleibes liegen. Zusätzlich können sie auch durch Kiemen atmen, diese sind allerdings soweit zurückentwickelt, dass diese alleine zur Atmung nicht mehr ausreichen. Weil die Kiemen mit Luft gefüllt sind, erscheinen sie weiß und sind deutlich zu erkennen. Der Umstand, dass sie die Tracheenatmung ersetzt haben, ermöglicht es ihnen sich unabhängig vom Wasservorkommen aufzuhalten.

Lebensweise

Nachts wenn die Luft kühler wird, kommt die Kellerassel aus ihrem Versteck und geht auf Nahrungssuche. Sie ist mit ihren 14 Beinen, die sie wellenförmig nacheinander hebt und senkt, recht flott unterwegs und ist stetig auf Nahrungssuche. Dabei vertilgt sie alles, was für den Zersetzungskreislauf
Typischer Lebensraum
vergrößern
Typischer Lebensraum
bestimmt ist und bleibt immer in Deckung, um nicht selbst gefressen zu werden. Tagsüber verkriecht sich die Kellerassel in ein geeigneten Unterschlupf. In dem sie ruhig verharrt, bis die nächste Nacht heranbricht. Den Winter verbringt die Kellerassel in einem frostsicheren Versteck, in dem sie in eine Winterstarre verfällt.

Verbreitung, Lebensraum

Verbreitung

Ursprünglich besiedelte die Kellerassel nur Westeuropa und wurde durch den Menschen in die ganze Welt verschleppt. Da die Kellerassel die Nähe von menschlichen Behausungen sucht, wanderte sie stetig mit dem Wachstum der Siedlungsräume mit. Durch Vorräte, in denen sich Kellerasseln niedergelassen haben, die als Proviant für jegliche Reisen verwendet wurden, eroberte sie die ganze Welt.
Kellerassel, Bauchansicht
vergrößern
Kellerassel, Bauchansicht

Lebensraum

Die Kellerassel lebt tagsüber im Verborgenen um nicht Gefahr zu laufen, dass ihr Atmungssystem austrocknet. Um dem entgegenzuwirken verbirgt sie sich in Mauerspalten, unter Steinen, in verrottendem Holz, in der Falllaubschicht sowie in Kellern und Gewächshäusern. An all diesen Stellen ist es kühl und weisen eine erhöhte Luftfeuchtigkeit auf.

Ernährung

Als Allesfresser nimmt die Kellerassel an jedem Zersetzungsprozess teil. In erster Linie frisst sie abgestorbene Pflanzenteile wie Laub, verrottendes Holz und Aas. Doch kommt es auch vor, dass sie Wurzeln durch Fraß schädigt. Namensgebend war auch, dass sich die Kellerassel in Vorratskammern und in Ställen über die Vorräte hermachte. Vor der Zeit der Konserven und des Kühlschrankes wurden die Vorräte in feuchten, kühlen Kellern gelagert, die den Umweltbedingungen der Kellerassel entsprachen. Dort gab es dementsprechend ein umfangreiches und vielfältiges Nahrungsangebot. So gern die Kellerassel diesen Lebensraum aufsuchte, desto weniger gern war sie als Gast gesehen.
Im Habitat
vergrößern
Im Habitat

Fortpflanzung

Nach der Paarung häutet sich das Weibchen und pumpt eine Flüssigkeit in die Bruttaschen, die aus umgeformten Beinfortsätzen gebildet wurden. In diese legt das Weibchen 20 bis 70 befruchtete Eier ab. Die nach etwa 40 bis 50 Tagen schlüpfenden Jungtiere sind erst noch winzig und weiß. Die Augen sieht man schon als schwarze Punkte. Die Form der Winzlinge ist den Elterntieren von Anfang an ähnlich. Die Jungtiere werden nun abgesetzt und häuten sich zum ersten Mal, wobei die erste neue Haut erhärtet. Nun durchlaufen sie bis zum erwachsenen Stadium 14 Häutungen in etwa drei Monaten. Damit erreichen sie dann auch die Geschlechtsreife. Bei jeder Häutung bricht der Panzer auf der Bauchseite auf und wird durch Umpumpen des Blutes von einem neuen noch weichen Panzer abgesprengt. Die abgestreifte Haut wird, nachdem der neue Panzer erhärtet ist, verzehrt, da er wichtige Nährstoffe enthält.

Ökologie

Da die Kellerasseln Allesfresser sind und vorwiegend in der Falllaubschicht leben, sind sie als Abfallverwerter im Ökosysthem so wichtig wie der Tauwurm (Lumbricus terrestris). Sie stellen einen gravierenden Teil des Zersetzungsprozesses der Pflanzen dar. Für viele Singvögel ist die Kellerassel eine Bereicherung des Speiseplans. Die Kellerassel ist kein Schädling, doch ist sie kein gern gesehener Gast in Speisekellern. Kartoffeln und andere offen gelagerte Speisen können von ihr angenagt werden. Doch geschieht dies meist nur bei sehr hohen Populationen.
'Persönliche Werkzeuge