Kleiner Fetzenfisch

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Kleiner Fetzenfisch

Systematik
Klasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Unterklasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Ordnung: Seenadelartige (Syngnathiformes)
Familie: Seenadeln (Syngnathidae)
Unterfamilie: Fetzenfische (Solegnathinae)
Gattung: Fetzenfische (Phyllopteryx)
Art: Kleiner Fetzenfisch
Wissenschaftlicher Name
Phyllopteryx taeniolatus
La Cépède, 1804

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Kleine Fetzenfisch (Phyllopteryx taeniolatus), auch unter dem Synonym Phyllopteryx lucasi bekannt, zählt innerhalb der Familie der Seenadeln (Syngnathidae) zur Gattung der Fetzenfische (Phyllopteryx). Der nächste Verwandte ist der Große Fetzenfisch (Phycodurus eques). Im Englischen wird der Fetzenfisch common seadragon oder weedy seadragon genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kleine Fetzenfisch erreicht eine Endlänge von 40 bis 45 Zentimeter. Die Geschlechter weisen keinen Dimorphismus auf. Der Körper ist ausgesprochen schlank und langgestreckt, die Schnauze ist röhrenartig. Markantes Merkmal sind die fetzenartigen Körperanhänge, die sich im Bereich des Rückens und des Nackens befinden und der Tarnung dienen. Auch auf dem Schwanz sind einige Fortsätze, respektive Hauptlappen zu erkennen. Als Antriebs- und Steuerorgan dienen Rücken- und Bauchflossen. Oberhalb der Augen zeigen sich zwei kleine Dorne. Das Schuppenkleid weist eine gelblichbraune Grundfärbung auf. Seitlich am Körper zeigen sich eine Vielzahl an kleinen gelben Punkten. Der Rücken kann eine leicht rötliche bis rosa- oder purpurfarbene Färbung aufweisen. Lateral sind mehrere bläuliche Querstreifen zu erkennen.

Lebensweise

Kleine Fetzenfische leben einzelgängerisch und meiden den Kontakt zu Artgenossen. Die Geschlechter treffen sich nur kurz zur Paarungszeit. Sie gelten als eher schlechte Schwimmer, die zumeist durch ihren Lebensraum schweben. Die fehlende Schwanzflosse ist einem schnellen Vorankommen unter Wasser auch nicht dienlich. Die dorsalen und ventralen Flossen dienen nur der Steuerung.

Verbreitung

Kleine Fetzenfische sind nur in den Küstenbereichen Süd- und Südostaustraliens zu finden, sie sind hier endemisch. Kleinere Populationen leben noch an der Westküste Australiens. Kleine Fetzenfische leben in küstennahen Riffen und Atollen. Hier trifft man sie am Meeresgrund in Seegraswiesen und Kelpwäldern an, wo sie aufgrund ihrer Hautlappen vorzüglich getarnt sind. Sie leben zumeist in Tiefen von bis zu 50 Metern. Die durchschnittliche Tiefe liegt bei 5 bis 15 Metern.

Ernährung

Kleine Fetzenfische ernähren sich im wesentlichen von kleinen Krebstieren wie Garnelen, Zooplankton und kleinen Fischen und deren Larven. Aufgrund ihrer sehr trägen Bewegungsfähigkeit jagen sie allerdings nicht aktiv nach ihrer Beute. Sie gehören zu den sogenannten Saugschnappern. Mit ihrem röhrenartigen Schnabel saugen sie Beutetiere mit einer blitzschnellen Bewegung regelrecht ein. Über Zähne verfügen Kleine Fetzenfische nicht.

Fortpflanzung

Der Kleine Fetzenfisch erreicht die Geschlechtsreife wahrscheinlich mit rund sechs bis zwölf Monaten. Kleine Fetzenfische leben einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen sich nur kurz zur Paarungszeit. Die Laichzeit erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten über die Monate August bis Februar oder März. Die Paarungszeit ist durch ausgedehnte Tänze der beiden Partner gekennzeichnet und findet in der Regel in geringer Wassertiefe statt. Das Weibchen legt ihre 250 bis 300 gelbliche Eier in die Bruttasche des Männchens. Hier werden die Eier vom Männchen befruchtet. Die Bruttasche ist wasserdicht, es strömt also kein Wasser in die Tasche. Nach bereits 60 Tagen ist die Entwicklung abgeschlossen. Das Männchen presst die fertigen Larven unter wehenartigen Bewegungen aus seiner Bruttasche. Eine weitere Brutpflege wird nicht betrieben, die Jungtiere sind ab dem Schlupf auf sich alleine gestellt und ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton.

Gefährdung und Schutz

Kleine Fetzenfische spielen in der Chinesischen Medizin eine große Rolle. Die Fische werden getrocknet und zu Pulver zermalen. Man sagt der gewonnenen Essenz eine aphrodisierende Wirkung zu. Der Wildfang für medizinische Zwecke und den internationalen Tierhandel haben mittlerweile eine schädliche Auswirkung auf die Populationen. Die Bestände sind seit Jahren rückläufig und werden bald besorgniserregende Zahlen erreicht haben. In der Roten Liste der IUCN wird die Art noch als gering gefährdet geführt. Ein weiterer Gefährdungspunkt ist die mittlerweile stark zunehmende Wasserverschmutzung an den australischen Küsten.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

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