Kubanischer Schlitzrüssler

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Kubanischer Schlitzrüssler
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Schlitzrüssler (Solenodontidae)
Gattung: Schlitzrüssler (Solenodon)
Art: Kubanischer Schlitzrüssler
Wissenschaftlicher Name
Solenodon cubanus
Peters, 1861

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Kubanische Schlitzrüssler (Solenodon cubanus) zählt innerhalb der Klasse der Schlitzrüssler (Solenodontidae) zur Gattung der Schlitzrüssler (Solenodontidae). Im Englischen wird die Art Almiqui oder Cuban Solenodon genannt. Die Art ist auch unter dem Synonym S. poeyanus (Barbour, 1944) bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Schlitzrüssler (Solenodon) gehören zu den ursprünglichen Insektenfressern. Sie gehören zudem zu den größten Vertretern der Ordnung der Spitzmausartigen (Soricomorpha). Zu den nächsten Verwandten werden die Karibischen Spitzmäuse (Nesophontidae) gerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kubanische Schlitzrüssler erreicht eine Körperlänge von 280 bis 390 mm, eine Schwanzlänge von 175 bis 255 mm sowie ein Gewicht von gut 1.000 g. Der Kopf ist im vergleich zum Körper relativ groß, die Augen sind sehr klein und liegen seitlich, mittig am Schädel. Die aus dem Fell ragenden nackten Ohren sitzen weit hinten am Schädel. Die Vorderbeine sind etwa länger als die Hinterbeine. Die großen Füße weisen je 5 Zehen auf, die in kräftige Klauen enden. Der Schwanz ist dick, von schuppiger Struktur und nur spärlich behaart. Das kräftige Gebiss der Kubanischen Schlitzrüssler weist 40 Zähne auf. Die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p3/3, m3/3. Das lange und dichte Fell ist bräunlich bis lederfarben gefärbt. Insbesondere im Leistenbereich zeigen sich Drüsen, über die ein moschusartiges Sekret abgegeben wird. Dies dient vor allem der Reviermarkierung. Weibchen verfügen über ein Paar Zitzen. Über submaxillaren Drüsen wird toxischer Speichel abgesondert, der bei Beutetieren Lähmungserscheinungen hervorruft. Der zweite untere Schneidezahn ist längs gefurcht. Durch diese Furchen gelangt der giftige Speichel in die Wunde eines Beutetieres. Bei dem Gift handelt es sich um ein Nervengift, das in Speicheldrüsen im Unterkiefer produziert wird (Nowak, 1999).

Lebensweise

Kubanische Schlitzrüssler leben verschwiegen und sind rein nachtaktiv. Am Tage verbergen sich die Tiere in ihren Bauten. Bei den Bauten handelt es sich meist um natürliche Höhlungen. Eigene Bauten werden nicht gegraben. Die Art lebt einzelgängerisch oder in kleinen Familiengruppen. Bei den Familiengruppen handelt es sich um Weibchen und deren Nachwuchs. Kubanische Schlitzrüssler leben zwar meist am Boden, sie gelten jedoch auch als gute Kletterer. Die Sinne, insbesondere der Tastsinn, sowie der Geruchssinn und das Gehör sind gut entwickelt. Im Nahbereich erfolgt die Kommunikation auch vokal. Bei der Reviermarkierung spielt der olfaktorische Sinn eine große Rolle. Über Duftmarken wird das eigene Revier an markanten Punkten markiert. Die Duftdrüsen sitzen in der Analogenitalregion (Nowak, 1999).

Verbreitung

Kubanische Schlitzrüssler sind auf Kuba endemisch. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich dabei auf die östlichen Provinzen Holguín und Guantánamo des Inselstaates. Fossile Funde belegen, dass die Art im frühen Oligozän vor etwa 30 Millionen Jahren auch auf dem nordamerikanischen Festland beheimatet war. Kubanische Schlitzrüssler besiedeln feuchte Bergwälder und montane Wälder mit dichter Bodenvegetation. Rückzugspunkte sind natürliche Höhlen, in denen die Tiere in Familiengruppen (Weibchen mit ihrem Nachwuchs) leben (Nowak, 1999; IUCN, 2011).

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Kubanischen Schlitzrüssler zählen insbesondere Greifvögel (Falconiformes), Eulen (Strigiformes) und Schlangen (Serpentes) sowie verwilderte Haustiere wie Haushunde und Hauskatzen (Felis catus). Auch Ratten (Rattus) und Afroasiatische Mangusten (Herpestinae) der Gattung Herpestes setzen der Art massiv zu. Die grabende Tätigkeit dient wie auch die Sekretion der Feindvermeidung (IUCN, 2011).

Ernährung

Kubanische Schlitzrüssler sind primär Allesfresser. Weit oben auf der Speisekarte stehen Gliederfüßer (Arthropoda) wie Insekten (Insecta), Spinnentiere (Arachnida) und Aas. Weiter werden auch kleine Reptilien (Reptilia), Ringelwürmer (Annelida), kleine Lurche (Amphibia), Wurzeln, Knollen, grüne Pflanzenteile und Früchte gefressen. Die Nahrung wird in den oberen Bodenschichten gesucht und mit den Klauen ausgegraben. Der Geruchssinn spielt bei der Lokalisation der Nahrung eine große Rolle (Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Kubanischen Schlitzrüssler erstreckt sich über das ganze Jahr. In einer Saison kommt es lediglich zu 1 bis 2 Würfen. Aufgrund der polygamen Lebensweise kümmert sich ausschlielich das Weibchen um den Nachwuchs. Die Jungtiere bleiben bis zum Erreichen der Selbständigkeit im Nest der Mutter. Das Weibchen bringt in ihrem Bau nach einer Tragezeit von etwa 50 Tagen 1, selten auch 2 Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt in der Höhle bzw. im Nest der Mutter. Die Lebenserwartung liegt in Gefangenschaft wahrscheinlich bei mehr als 5 Jahren (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Kubanische Schlitzrüssler gehören heute zu den stark gefährdeten Arten und werden als solches (EN, Endangered) in der Roten Liste der IUCN geführt. Die Hauptbedrohung geht nicht nur von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, sondern auch von eingeschleppten Prädatoren aus. Einen großen Anteil an der Reduktion der Populationen haben verwilderte Haushunde und Hauskatzen (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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