Kurzohrmaus

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Kurzohrmaus

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
Tribus: Arvicolini
Gattung: Feldmäuse (Microtus)
Untergattung: Terricola
Art: Kurzohrmaus
Wissenschaftlicher Name
Microtus subterraneus
(Sélys-Longchamps, 1836)

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Kurzohrmaus (Microtus subterraneus), auch unter dem Synonym Pitymys subterraneus sowie unter der weiteren Bezeichnung Kleinwühlmaus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Feldmäuse (Microtus). Im Englischen wird die Kurzohrmaus Common Pine Vole oder European Pine Vole genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Kurzohrmaus erreicht eine Gesamtlänge von etwa 9 bis 12 Zentimeter, davon ist der Körper 6 bis 9 Zentimeter und der Schwanz etwa 3 Zentimeter lang. Das Gewicht beträgt etwa 13 bis 23 Gramm. Die Schädeldecke wirkt bei der Kurzohrmaus sehr flach. Die Augen sind auffallend klein und die Ohren sind nur 0,8 Zentimeter lang und befinden sich ganz im Fell verborgen. Das Fell ähnelt stark dem Fell eines Maulwurfes (Talpa europaea). Das dichte und weiche Haarkleid weist oben eine bräunlichgraue Färbung auf. Nach dem Bauch zu wird die Färbung etwas heller. Die Unterseite ist weißlich getönt. Auch der Schwanz weist oben eine bräunlichgraue Färbung auf, während die Unterseite des Schwanzes ebenfalls weißlich getönt ist. Die Hinterfüße sind an der Oberseite grau und besitzen an der Sohle fünf Schwielen. Das Gebiss besteht aus 16 Zähnen, die Zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0/0, m3/3.

Lebensweise

Die in Gestalt und Färbung einer halbwüchsigen Feldmaus (Microtus arvalis) ähnliche und durch samtweichen Pelz, winzige Augen und versteckte Ohren einer unterirdischen Lebensweise angepaßte Wühlmaus ist zwar bei uns heimisch, aber selten, im Süden häufiger und in den Alpen bis 2.000 Meter Höhe aufsteigend. Die Kurzohrmaus ist auch tagsüber tätig, jedoch ist sie meist in der Nacht aktiv. Sie läuft, springt und klettert wenig, kann schwimmen und lebt meistenteils unterirdisch, verläßt nie die sichere Deckung und verschließt bei Regen und Schnee die Gänge. Ihre Stimme ist ein leises Zwitschern und Piepen, bei Angst äußert sie ein Fauchen.

Verbreitung

Die Kurzohrmaus lebt besonders auf feuchten Wiesen, in Feldern und in Gemüsegärten, auf Kulturland ist sie häufiger als in nicht kultiviertem Kulturland anzutreffen. Sie kommt aber auch in den Alpen auf Matten mit Felsbrocken vor. Ferner hält sich die Kurzohrmaus an Waldrändern und in lichten Gehölzen auf baum- und buschbestandenen Hängen auf. Laut der Roten Liste der IUCN erstreckt sich das Verbreitungsgebiet über Albanien, Österreich, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Estland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, Liechtenstein, Luxembourg, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Schweiz, Türkei und die Ukraine.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Kurzohrmaus gehören unter anderem die Hauskatze (Felis catus) und die Wildkatze (Felis silvestris), die Greifvögel (Falconiformes) wie zum Beispiel die Eulen (Strigidae), der Igel (Erinaceidae), die Ringelnatter (Natrix natrix) sowie die Kreuzotter (Vipera berus), das Hermelin (Mustela erminea), das Mauswiesel (Mustela nivalis), der Marder sowie der Iltis (Mustela putorius).

Ernährung

Die Kurzohrmaus ernährt sich in der Regel von Gras, Kräutern, Wurzeln und dergleichen. Sie verschmäht aber auch Würmer und Insekten (Insecta) nicht, wobei sie die Nahrung hastig erst in das Nest bringt, um sie dort im Verborgenen zu verzehren. Sie benutzt gern die großen unterirdischen Röhren der Ostschermaus (Arvicola amphibius), gräbt aber auch selbst ein Nest sowohl an der Erdoberfläche als auch bis 35 Zentimeter tief gehender oder im Bodenbewuchs oder Fallaub unter Deckung verlaufender Gänge, und häuft in ihren Bauen Vorräte an. Im Winter legt die Kurzohrmaus bei geschlossener Schneedecke sowohl im Schnee als auch unter diesem weitverzweigte Laufgänge an.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr und kann sich bis in den September hinein erstrecken. Die Geschlechter treffen sich im Wesentlichen nur zur Paarung, die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich dem Weibchen. In einem weich ausgepolsterten, zuweilen oberirdischen Nest aus Gras, Moos und Wurzeln bringt das Weibchen nach einer Tragezeit von 21 Tagen jährlich fünf- bis sechsmal je zwei bis drei, seltener bis fünf nackte blinde Junge zur Welt. Im Alter von etwa zehn Tagen öffnen die Jungen ihre Augen. Die Jungen werden etwa sechs Wochen lang gesäugt und sind kurz danach selbständig. Die Lebenserwartung der Kurzohrmaus ist vor allem aufgrund der vielen Prädatoren sehr gering. Selten erreicht eine Kurzohrmaus ein Alter von zwei bis vier Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die Kurzohrmaus lebt besonders auf feuchten Wiesen, in Feldern und in Gemüsegärten, auf Kulturland ist sie häufiger als in nicht kultiviertem Kulturland anzutreffen. Sie kommt aber auch in den Alpen auf Matten mit Felsbrocken vor. Ferner hält sich die Kurzohrmaus an Waldrändern und in lichten Gehölzen auf baum- und buschbestandenen Hängen auf. Daher ist sie in Bezug auf die Zerstörung und Zerteilung der natürlichen Lebensräume besonders anfällig. Lokal hat dies bereits zu einem Rückgang der Populationen geführt. Insgesamt ist die Kurzohrmaus jedoch noch nicht gefährdet, da ihr Verbreitungsgebiet ausgesprochen groß ist und weite Teile weitgehend unberührt sind. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als Least Concern (nicht gefährdet) geführt.

Synonyme

Die Kurzohrmaus ist auch unter den folgenden Synonymen bekannt: Microtus atratus (Stein, 1931), Microtus brauneri (Martino, 1926), Microtus capucinus (Miller, 1908), Microtus dacius (Miller, 1908), Microtus dinaricus (Kretzoi, 1959), Microtus ehiki (Wettstein, 1927), Microtus fingeri (Neuhäuser, 1936), Microtus fusca (Fatio, 1900), Microtus grafi (Brunet-Lecomte, Nadarowski & Chaline, 1992), Microtus hercegovinensis (Martino, 1940), Microtus hungaricus (Ehik, 1926), Microtus incertoides (Wettstein, 1927), Microtus incertus (Sélys-Longchamps, 1841), Microtus klozeli (Ehik, 1942), Microtus kupelwieseri (Wettstein, 1925), Microtus martinoi (Ehik, 1935), Microtus matrensis (Ehik, 1930), Microtus mustersi (Martino, 1937), Microtus neglectus (Petrov, 1992), Microtus neuhauseri (Martino & Paspalev, 1955), Microtus nyirensis (Ehik, 1930), Microtus rufescente-fuscus (Schinz, 1845), Microtus rufofuscus (Schinz, 1845), Microtus subterraneoides (Petrov, 1992), Microtus transsylvanicus (Ehik, 1924), Microtus transvolgensis (Schaposchnikov & Schanev, 1958), Microtus ukrainicus (Vinogradov, 1922), Microtus wettsteini (Ehik, 1926), Microtus zimmermanni (Matschie, 1924). Alle aufgeführten Synonyme sind ungültig. <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • [1] Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
  • Prof. Dr. Gottfried Amann und Diplom-Forstwirtin Claudia Summerer. Säugetiere und Kaltblüter des Waldes. Taschenbildbuch der beachtenswertesten Würmer, Schnecken, Gliederfüßer (ohne Kerfe), Lurche, Kriechtiere, Fledermäuse, Insektenfresser, Nager, Raubtiere und Paarhufer des mitteleuropäischen Waldes mit Textteil über deren Bau und Leben. Melsungen: Neumann-Neudamm, 1987. ISBN 3-7888-0511-0
  • Helga Hofmann. Tiere in Natur und Garten. Bestimmen - Kennenlernen - Schützen. Große und kleine Säugetiere Europas. Bestimmen mit dem Kennfarben-Code. Ratgeber: Tierschutz-Praxis. Naturführer: Buchgemeinschaft Gräfe und Unzer GmbH München, 1993. Buch-Nr. 089045

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