Kurzschwanzbussard

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Kurzschwanzbussard
Männchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Bussardartige (Buteoninae)
Gattung: Bussarde (Buteo)
Art: Kurzschwanzbussard
Wissenschaftlicher Name
Buteo brachyurus
Vieillot, 1816

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Kurzschwanzbussard (Buteo brachyurus) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Bussarde (Buteo). Im Englischen wird der Kurzschwanzbussard short-tailed hawk genannt. Dieser Taxon ist in zwei Spezies gesplittet: Buteo brachyurus und Buteo albigula.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kurzschwanzbussard ist ein kleiner Greifvogel und erreicht eine Körperlänge von etwa 38,0 bis 46,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 90,0 Zentimeter. Das Gewicht des Männchens beträgt etwa 400,0 Gramm und das Gewicht des Weibchens etwa 500 Gramm, jedoch ist der Größenunterschied viel geringer als bei den meisten Greifvögeln und die Geschlechter sind in der Gefiederfärbung kaum zu unterscheiden. Der Kurzschwanzbussard weist breite abgerundete Flügel mit nach oben gebogenen Spitzen auf. Der breite Schwanz ist trotz der Namesgebung von mittlerer Länge und im Verhältnis zum Körper wohl proportiniert. Diese Art kommt in zwei Farbmorphen ohne Zwischenstufen vor. Die dunkle Farbmorphe kommt überwiegend in Florida vor und die helle Farbmorphe ist vorwiegend in anderen Gebieten vertreten. Bei den meisten nordamerikanischen Bussarden, wie zum Beispiel der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) und der Präriebussard (Buteo swainsoni), sind melanistische Individuen bekannt, obwohl ein ganz schwarzes Gefieder vergleichsweise selten ist. Nur in der nordamerikanischen Population des Kurzschwanzbussard scheint es die vorherrschende dunkle Form zu sein. Die helle Farbmorphe weist ein dunkelbraunes Obergefieder auf, während die Unterseite weißlich und die Schwanz- und Schwungfedern grau mit dunklen Streifen erscheinen. Die Jugendlichen sind ähnlich wie die Erwachsenen gefärbt, jedoch ist das Gesicht weiß gestreift und die Schwanzbinden sind gleich breit. Bei den Erwachsenen ist eine breite Binde in der Nähe der Schwanzspitze erkennbar. Die dunkle Farbmorphe weist ein schwarzbraunes Obergefieder und eine schwarzbraune Unterseite auf, während die Schwanz- und Schwungfedern grau gefärbt und mit dunklen Streifen besetzt sind. Die Jugendlichen der dunklen Farbmorphe weisen das gleiche Schwanzmuster auf wie die Jugendlichen der hellen Farbmorphe und die Unterseite ist weiß gefleckt. Lange Zeit dachte man, dass die dunkle Farbmorphe eine eigenständige Art sei.

Lebensweise

Kurzschwanzbussard im Flug
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Kurzschwanzbussard im Flug

Der Kurzschwanzbussard ist ein Teilzieher. Die nördlichen Populationen sind Zugvögel. Es gibt auch einige Beobachtungen von scheinbaren Zugvögeln in Zentralamerika, aber der Umfang und die Art der Bewegungen sind schlecht dokumentiert. In Texas kann die Migration von Februar bis Juli und auch im Oktober erfolgen. In Florida ist die Migration etwa von Oktober bis November und in El Salvador beginnt die Migration ebenfalls im November gemeinsam mit dem Truthahngeier (Cathartes aura). In Nicaragua findet die Migration in den Monaten von März bis April statt und in Costa Rica zwischen August und Oktober und im karibischen Tiefland von Februar bis April. Die dunkle Farbmorphe migriert zusammen mit dem Schwalbenweih (Elanoides forficatus) und dem Schwebeweih (Ictinia plumbea). Der Kurzschwanzbussard hält sich in Niederungen und in mittleren Höhenlagen in einer Vielzahl von feuchten Lebensräumen auf, einschließlich Waldränder, Sekundärwälder, offenes Land sowie Savannen mit vereinzeltem Baumbestand. In der Regel befindet sich immer ein Gewässer in der Nähe. In Florida bevorzugt er Mischwälder, Savannen, wo sich die meisten Horste in oder nahe bewaldeter Feuchtgebiete befinden. In Französisch-Guayana trifft man den Kurzschwanzbussard auch in den Mangroven oder im Wald auf einem schmalen Küstenstreifen an. Gelegentlich hält er sich auch im Inland auf, jedoch nicht weit von Savannen und Sümpfen entfernt. Der Kurzschwanzbussard verbringt die meiste Zeit in großen Höhen. Im Wald thront er auf einer Ansitzwarte. Diese Art ist sehr unauffällig. In der Regel wird er einzeln, manchmal zu zweit gesehen. Der Kurzschwanzbussard verhält sich ebenfalls sehr vorsichtig wie der Breitschwingenbussard (Buteo platypterus) und der Rotschnabelbussard (Buteo magnirostris).

Unterarten

  • Buteo brachyurus brachyurus - Vieillot, 1816 - Von Süd-Kolumbien bis West-Ecuador, nach Osten bis Guyana und Brasilien und im Süden durch Ost-Peru und Ost-Bolivien (La Paz, Cochabamba), Paraguay, Uruguay, und im Nordosten Argentiniens (Jujuy, Tucumán, Misiones, Chaco), Trinidad
  • Buteo brachyurus fuliginosus - Sclater, 1858 - Vereinigte Staaten (Halbinsel Florida, Arizona) und Ost-Mexiko nach Süden bis Panama

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Kurzschwanzbussard in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, USA und Venezuela. Zu seinen Lebensräumen zählen unter anderem subtropische und tropische Trockenwälder, subtropische und tropische feuchte Tieflandwälder, subtropische und tropische Mangroven-Vegetation in höher gelegenen Regionen sowie feuchte Montanwälder und trockene Savannen.

Ernährung

Kurzschwanzbussard
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Kurzschwanzbussard

Der Kurzschwanzbussard ernährt sich von Nagetieren, Vögeln wie zum Beispiel Waldsänger (Parulidae) und Zahnwachteln (Odontophoridae), Eidechsen, Schlangen, Fröschen und von großen Insekten. Er jagt meist im Flug über den Baumkronen, taucht dann in die Baumkronen ein und stürzt sich auf die Beute. Weniger oft jagt er von einer Ansitzwarte aus. In Florida besteht die Beute des Kurzschwanzbussard vor allem aus kleinen Vögeln, einschließlich des Lerchenstärlings (Sturnella magna) und des Rotschulterstärlings (Agelaius phoeniceus). In Trinidad ernährt sich der Kurzschwanzbussard ebenfalls von Vögeln, darunter Indopazifische Erdtauben (Gallicolumba) und Dickzissel (Spiza americana). In Brasilien wird häufig der Kleinschnabeltinamu (Crypturellus parvirostris) im westlichen Bundesstaat São Paulo erbeutet. Gelegentlich werden auch größere Säugetiere gejagt, wie zum Beispiel Weißbüschelaffen (Callithrix jacchus) und ähnliche kleine Affen.

Fortpflanzung

Die Brutzeit fällt, je nach Verbreitungsgebiet, in unterschiedliche Jahreszeiten. So liegt die Brutzeit in El Salvador zwischen Februar und April, manchmal sogar erst im Dezember. In Trinidad beginnt die Brutzeit im März und in Brasilien beginnt die Balz im Oktober. Der Horst ist eine sperrige Plattform, die mit Zweigen und grünen Blättern ausgekleidet ist und sich auf einem großen Baum in einer Krone befindet. Bevorzugte Bäume sind Echte Sumpfzypressen (Taxodium distichum). Das Gelege besteht in der Regel aus ein bis zwei Eiern, die eine weiße oder bläulich-weiße Färbung aufweisen und mit großen braunen Flecken besetzt sind. Die Inkubationszeit liegt zwischen 32 und 39 Tagen. In dieser Zeit versorgt das Männchen das Weibchen mit Nahrung. Nach dem Schlupf werden die Küken in den ersten drei oder vier Tagen vom Weibchen gehudert. Mit etwa 50 bis 60 Tagen sind die Jungvögel flugfähig, werden aber weiter von den Eltern mit Nahrung versorgt.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Kurzschwanzbussard heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Er ist in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Kurzschwanzbussard selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Kurzschwanzbussard als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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