Lycosa praegrandis

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Lycosa praegrandis

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Wolfspinnen (Lycosidae)
Gattung: Lycosa
Art: Lycosa praegrandis
Wissenschaftlicher Name
Lycosa praegrandis
Koch, 1836

Die Art Lycosa praegrandis, auch unter dem Synonym Lycosa nordmanni bekannt, zählt innerhalb der Familie der Wolfspinnen (Lycosidae) zur Gattung Lycosa.

Lycosa praegrandis zeigt mit der Spinnenart Lycosa xylina übereinstimmende Merkmale, nur die Beine sind verhältnismäßig etwas kürzer. Ferner ist der Vorderleib mit liegenden Härchen bedeckt und der Hinterleib ist dicht filzartig behaart sowie unten etwas samtartig. Eine weitere Spinnenart Lycosa rubiginosa weist mit Lycosa praegrandis viele Gemeinsamkeiten auf. Beide Arten sind in Körperbau und Körperform ziemlich übereinstimmend, doch ist der Vorderleib verhältnismäßig etwas schmäler und der Kopf etwas spitzer. Die Taster und die Beine sind von derselben Beschaffenheit.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die sehr kräftige und gedrungene Spinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 25 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 30 bis 35 Millimeter. Wie bei den meisten Spinnenarten ist das Männchen kleiner, schlanker und unscheinbar, weist dafür aber längere Beine auf als das Weibchen. Der Vorderleib erscheint im Verhältnis zum Hinterleib ziemlich groß. Der Kopf ist höher als der Thorax lang und ist der Länge nach etwas gewölbt und mit wenig aufgeblasenen Seitenbacken versehen. Der Kopf ist wie der Thorax dicht mit Schuppen bedeckt und vorn, insbesondere zwischen den Augen mit steifen Borsten besetzt. Der Thorax ist ebenfalls lang und weist eine ovale Form mit einer ziemlich tiefen Schwingung der Seitenkanten auf. Die Rückenwölbung ist rund und gleichförmig und ist sowohl nach den Seiten als auch nach dem Hinterrand zu abgedacht. Deutlich ist eine feine Längsritze auf dem Rücken zu erkennen. Die vordere Augenreihe steht dicht über dem Vorderrrand. Die Spinne besitzt sehr gut ausgebildete Augen. Wie bei den Raubspinnen (Pisauridae) sind sie in drei Reihen angeordnet, vorn eine Querreihe aus vier kleinen Augen, dahinter ein Paar stark vergrößerte Augen und dahinter schließlich ein weiteres, ziemlich großes Augenpaar. Diese vier größeren Augen bilden miteinander ein nach vorn verschmälertes Trapez, das meist etwa so lang ist wie an der Basis breit. Die Cheliceren sind ziemlich stark gewölbt und an der Wurzel dicht mit Schuppen bedeckt und behaart. Die Taster sind ebenfalls beschuppt. Die Brust ist etwas klein, glänzend, behaart und ein wenig gewölbt, mehr oval als herzförmig und erscheint nach der Einlenkung der Beine etwas geeckt. Der Hinterleib erhebt sich an der Einlenkung steil nach oben und ist oben etwas flach oder nur wenig gewölbt. Der Umriß des Hinterleibes zeigt sich etwas eiförmig und ist dicht mit Schuppen bedeckt. Die Stachelborsten sind sowohl auf den Schenkel als auch unten an den Schienbeinen und an den Fersen etwas kurz und schwach ausgebildet, doch deutlich sichtbar. Die Farbe des Vorderleibes ist ein tiefes Braunschwarz mit rostbraunem samtartigem Schimmer. Ferner zeigt sich ein weißer bräunlich bestaubter hinter sich etwas verschmälerter Rückenstreif, der sich von der Kopfspitze bis zum Hinterrand des Thorax erstreckt. An den Seitenkanten liegt ein durchlaufendes breites weißes Band als Einfassung, einwärts ist das weiße Band etwas nach den Seitenfalten gezackt und gleichlaufend mit der Kante erstreckt sich eine staubig braune Linie. Die Taster sind ockerfarben oder rostgelb.
Weibchen mit Jungspinnen
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Weibchen mit Jungspinnen
Die Cheliceren sind schwarz und die Schuppenbedeckung der Vorderhälfte ist rostgelb. Die Brust und die Hüften sind unten tief schwarz, letztere ist oben grau gefärbt. Der Hinterleib ist oben staubig bräunlich grau und an den Seiten weißlich fein staubig gemischt und hinten erkennt man eine etwas hellere Färbung, die nach und nach an der Wurzel ins Orangegelbe übergeht. Des Weiteren zeigt sich ein Rückenfleck, der eine schwarze oder schwarzbraune Tönung und seitwärts geschärfte Ecken aufweist. Hinter diesem Fleck sind feine braune Querbögen zu erkennen. Der hintere Querbogen ist weiß und der vordere Querbogen ist für gewöhnlich schmal durchbrochen und ist mit einem Winkelfleckchen besetzt. Über den Seiten befindet sich eine Längsreihe weißer Fleckchen, die vorn mit einer verschwommenen staubbraunen Färbung begrenzt sind. Der Bauch ist bis über zwei Drittel der Länge tiefschwarz. Die schwarze Fläche ist vor den Spinnwarzen ausgebogen und von einer orangeroten oder orangegelben Färbung. Die Spinnwarzen selbst sind schwarz getönt und die obere Spinnwarze ist mit gelben Haarschuppen bedeckt. Zuweilen befindet sich vor den weiblichen Genitalien und auch hinten ein rotes Querfleckchen. Die Beine sind oben der Länge nach braungrau, unten und an den Seiten reinweiß. An der Wurzel der Schenkel und an den Spitzen ist ein kleiner Querfleck erkennbar. Ferner befindet sich an der Wurzel und an der Spitze der Schienbeine ebenfalls ein Querfleck, der aber mehr bandartig geformt und tief samtschwarz erscheint. Die Fersen und die Tarsen der vier Vorderbeine sind unten braunschwarz, ebenso die der Hinterbeine. Allerdings geht die Färbung Fersenhinterbeine in ein Weiß über.

Die Jungspinnen dieser Art weichen in der Färbung von den adulten Tieren darin ab, dass die schwarzen Flecken unten an den Schenkeln und an der Wurzel dicht mit weißlichen Haarschuppen bedeckt sind. Auch die schwarzen Querzeichnungen auf dem Rücken des Hinterleibes sind stärker ausgeprägt. Die Bauchmitte weist eine orangegelbe Färbung auf. Vorn und hinten zeigt sich ein breites ausgebuchtetes Querband, das den größten Teil der Bauchfläche einnimmt und überwiegend schwarz getönt ist. Die Schildfleckchen auf den vorderen Luftritzen sind schwarzbraun und mit dem schwarzen Vorderrand zusammenhängend.

Lebensweise

Die Art dürfte sich bereits im Herbst zum letzten Mal häuten und dann als reifes Tier überwintern, denn bereits an den ersten warmen Tagen des Vorfrühlings sieht man die Männchen auf der Suche nach den Weibchen umherlaufen. Während man den Männchen an den entsprechenden Fundorten um diese Zeit regelmäßig begegnet, sind die Weibchen nur sehr selten zu entdecken. Sie halten sich fast immer in ihrer ausgezeichnet getarnten Erdhöhle auf und verlassen diese nur selten. Die Erdhöhle besteht aus einer etwa daumendicke, senkrecht in den Boden hinabführende Röhre, die in etwa 5 Zentimeter Tiefe seitlich abknickt. Die Mündung der Röhre ist ringsum mit einem feinen, weißen Gespinstrand ausgewoben. Hierdurch und durch die Größe erinnert die Wohnung deutlich an die Röhre einer großen, südeuropäischen Tarantel (Lycosa tarentula). Am frühen Abend sitzt die Spinne meistens unten im Knick der Röhre. Die Röhre wird mit einem aus zusammengesponnenen Moosen, kleinen Steinchen, Blättern und ähnlichem zusammengesponnenen, biegsamen Deckel verschlossen wird. Es dürfte sich um einen ähnlichen Klappdeckelmechanismus handeln, wie er auch bei den Falltürspinnen (Actinopodidae) üblich ist.

Unterarten

Verbreitung

Diese Art kommt überwiegend in Bulgarien, Spanien, Griechenland, Mazedonien, Türkei und Zentralasien vor. Sie bevorzugt grasige, steinig-karge Biotope. Ferner besiedelt sie extensiv genutzte Olivenhaine auf Kreta. Die Wohnhöhle, in der sich meist die Spinne aufhält, ist brunnenartig eingefaßt oder befindet sich auch unter größeren Steinen. Die Wohnhöhle hat die Form einer Röhre, die mit einem aus zusammengesponnenen Moosen, kleinen Steinchen, Blättern und ähnlichem zusammengesponnenen, biegsamen Deckel verschlossen wird.

Ernährung

Die Spinne läuft selten frei umher und jagt ihre Beute. Die meiste Zeit ihres Lebens bleibt sie in ihrer Erdhöhle und lauert sitzend mit dem Kopf voran am Eingang der Erdhöhle auf Beute. Sie ernährt sich vorwiegend von bodenlebenden Insekten (Insecta). Kommt ein Insekt (Insecta) in erreichbarer Nähe vorbei, so schießt sie schnell hervor und überwältigt das Insekt (Insecta). Das Beutetier wird an Ort und Stelle verspeist. Als Lauerjägerin nutzt die Spinne keine Netze, zudem erbeutet die Spinne ihre Beute nur am Erdboden.

Fortpflanzung

Die Paarungsbereitschaft des Weibchens macht ein Männchen anhand des Geruchs aus. Die Paarungszeit dieser Art beginnt meist im zeitigen April. Das Männchen nähert sich dabei dem wesentlich größeren Weibchen und bewegt dabei seine Taster auf und ab. Das paarungsbereite Weibchen verhält sich passiv und abwartend. Das Männchen kann nun das Weibchen besteigen. Das Männchen bringt mit seinen Pedipalpen die Samenpakete an das Begattungsorgan des Weibchens. Dieser Vorgang kann durchaus einige Stunden dauern. Danach verläßt das Männchen seine Partnerin und kümmert sich auch nicht um die Aufzucht. Die Eier werden in einen Kokon abgelegt und an die Spinnwarzen geheftet. Das Weibchen schleppt diesen Kokon immer mit sich herum. Meist schlüpfen die Jungspinnen im Juni. Das Weibchen ist ihrem Nachwuchs behilflich und öffnet den Kokon. Die Jungspinnen, das können durchaus einige hundert sein, begeben sich sofort auf den Rücken ihrer Mutter. Als dichtes Knäuel, jeweils den Vorderkörper nach innen gekehrt, bedecken die Jungspinnen dabei den Hinterleib des Weibchens. In der ersten Zeit ernähren sich die Jungspinnen vom Eidotter. Selbständig sind die Jungspinnen meist nach der ersten Häutung.

Galerie

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1

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