Marschkaninchen

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Marschkaninchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus)
Art: Marschkaninchen
Wissenschaftlicher Name
Sylvilagus palustris
Bachman, 1837

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Das Marschkaninchen (Sylvilagus palustris) zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Marschkaninchen erreicht eine Körperlänge von 42 bis 44 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1.200 bis 2.000 Gramm. Männchen bleiben nur unwesentlich kleiner und leichter als Weibchen, zumeist weisen beide Geschlechter eine ähnliche Größe und Gewicht auf. Marschkaninchen sind insgesamt etwas kleiner als Sumpfkaninchen. Das grobe und sehr dichte Fell schützt die Tiere im Winter vor Kälte und Nässe. Das Fell ist meist bräunlich bis graubraun gefärbt und dient in erster Linie der Tarnung. Im Fell zeichnen sich auch dunkelbraune und schwarze Muster ab. Die Bauchseite weist eine weißliche bis cremefarbene Färbung auf. Die Unterseite des Schwanzes ist ebenfalls weißlich gefärbt. Der kurze Schwanz ist an der Oberseite grau, an der Unterseite dunkelbraun gefärbt. Die Ohren sind relativ klein aber breit. Trotz der geringen Größe der Ohren ist der Hörsinn des Marschkaninchens gut entwickelt. Die Ohren sind im Vergleich zum Feldhasen oder Sumpfkaninchen deutlich kürzer. Die langen Hinterbeine sind länger als die Vorderbeine und ermöglichen dem Marschkaninchen hohe Geschwindigkeiten, weite Sprünge und extreme Richtungswechsel.

Verhalten

Marschkaninchen leben hauptsächlich einzelgängerisch und sind fast ausschließlich in der Nacht und Dämmerung aktiv. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Das Marschkaninchen ist territorial, vor allem die Männchen verhalten sich untereinander sehr aggressiv. Während der Paarungszeit kommt es meist zu Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Männchen. Auch bei den Marschkaninchen gilt: der Stärkere gewinnt und hat das Recht auf Paarung mit einem oder mehreren Weibchen. Neben der Tarnung durch das unauffällig gefärbte Fell verlässt sich das Marschkaninchen auf seine hohe Geschwindigkeit. Es ist auf der Flucht vor Fressfeinden in der Lage extreme Haken zu schlagen. Die Tiere gelten auch als ausgesprochen gute Schwimmer. Nicht selten flüchten sie vor Fressfeinden ins Wasser. Marschkaninchen leben in unterirdischen Bauten oder in ausgehöhlten Bäumen. Hier bringen die Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Sylvilagus palustris hefneri Lazell, 1984 EN Florida
Sylvilagus palustris palustris Bachman, 1837 LR südöstliche Bundesstaaten der USA
Sylvilagus palustris paludicola Miller & Bangs, 1894 LR südöstliche Bundesstaaten der USA

Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Marschkaninchen erstreckt sich über die südöstlichen Bundesstaaten der USA. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich dabei von Louisiana bis Florida und weiter nördlich bis nach North Carolina. Beliebte Lebensräume sind weitflächige Sumpfgebiete, Auenwälder, Überschwemmungsgebiete, die Ränder von Seen und Teichen und ähnlich feuchten Habitaten. In Höhenlagen ist das Marschkaninchen nicht anzutreffen, es lebt ausschließlich im Tiefland. Ihre Erdbauten errichten die Marschkaninchen an erhöhten Punkten, um einer Überflutung ihrer Bauten zu umgehen.

Ernährung

Marschkaninchen ernähren sich als Herbivoren rein pflanzlich. Im wesentlichen ernähren sie sich von Sumpfpflanzen, Gräsern und Kräutern. Aber auch Knospen, Blätter, Rinde und zarte Wurzeln stehen durchaus auf der Speisekarte. In der Nähe landwirtschaftlicher Flächen fressen sie auch Salate, Kohl, Getreide und ähnliches. Mit ihren scharfen Schneidezähnen schneiden sie ihre Nahrung, mit den Backenzähnen wird sie zermalen. Flüssigkeit nehmen Marschkaninchen selten zu sich, sie decken ihren Flüssigkeitshaushalt über ihre Nahrung. Ihr Verdauungssystem basiert nicht auf Säure. In Magen und Darm sorgen Bakterien für die Zersetzung der Nahrung. Zudem verfügen Marschkaninchen über einen stark verlängerten Blinddarm.

Fortpflanzung

Das Marschkaninchen erreichen gegen Ende des ersten Lebensjahres die Geschlechtsreife. Die Paarungszeit beginn im zeitigen Frühjahr und erstreckt sich für gewöhnlich von März bis Juni. In südlichen Verbreitungsgebieten ist eine Fortpflanzung auch das ganze Jahr über möglich. Dabei kommt es zu mehreren Würfen in einer Saison. Während der Paarungszeit kommt es meist zwischen rivalisierenden Männchen zu Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Männchen leben alles andere als monogam, sie paaren sich mit mehreren Weibchen und haben mit der Aufzucht der Jungen nichts zu tun.

Die Geburt findet in einem Erdbau, in hohlen Baumstämmen oder an ähnlich geschützter Stelle statt. Der Geburtskessel wird vom Weibchen spärlich mit weichen Materialen wie Haare oder trockene Pflanzenteile ausgepolstert. Hier bringt sie nach einer Tragezeit von gut 34 bis 36 Tagen zwischen drei und fünf Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere sind bei der Geburt noch nackt und blind. Die Mutter lässt die Jungen überwiegend alleine und besucht das Nest nur zum Säugen ihres Nachwuchses. Dies ist auch beim nahen Verwandten dem Sumpfkaninchen der Fall. Die Säugezeit erstreckt sich für gewöhnlich über drei bis vier Wochen, danach sind die Jungen auch bereits selbständig. Zum Säugen verfügt das Weibchen über vier Paar Zitzen. Die Sterblichkeit ist vor allem im ersten Lebensjahr extrem hoch. Grund hierfür sind insbesondere die zahlreichen Fressfeinde. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit allenfalls bei drei bis vier, selten bis sechs Jahren.

Gefährdung und Schutz

Marschkaninchen sind in ihrer Art noch nicht bedroht. Lediglich die Unterart Sylvilagus palustris hefneri, die in Florida beheimatet ist, wird in der Roten Liste der IUCN als stark bedroht geführt. Die Nominalform gilt als nur wenig gefährdet. Sylvilagus palustris hefneri ist hauptsächlich wegen der Vernichtung der natürlichen Lebensräume und der Trockenlegung von Feuchtgebieten gefährdet.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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