Mittelamerikanisches Hörnchen

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Mittelamerikanisches Hörnchen
Sciurus variegatoides dorsalis

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Gattung: Eichhörnchen (Sciurus)
Art: Mittelamerikanisches Hörnchen
Wissenschaftlicher Name
Sciurus variegatoides
Ogilby, 1839

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Mittelamerikanische Hörnchen (Sciurus variegatoides), das auch Bunthörnchen genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Eichhörnchen (Sciurus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Mittelamerikanische Hörnchen erreicht je nach Unterart eine Körperlänge von 52 bis 55 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 22 bis 28 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 6,4 bis 6,6 Zentimeter, eine Ohrlänge von 2 bis 3,5 Zentimeter, sowie ein Gewicht von 430 bis 900 Gramm. Die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 2/1, 3/3, das Gebiss besteht aus insgesamt 22 Zähnen. Die Geschlechter weisen keinen Dimorphismus auf, jedoch unterscheiden sich die Unterarten in Größe und Fellfärbung teils erheblich. Die Fellfärbung weist keine saisonale Schwankungen auf. Zum saisonbedingten Fellwechsel kommt es in Frühjahr, meist in April, sowie im Herbst, in der Regel zwischen September und Oktober. Je nach Unterart ist das teilweise glänzende Fell schwarz, rotbraun, gelblichbraun, gräulich oder weiß gefärbt. Die Bauchseite weist eine weißliche bis hellbraune Färbung auf. Bei einigen Unterarten zeigen sich dorsal und lateral helle oder dunkle Streifen, die sich teilweise bis zum Kopf fortsetzen. Der lange Schwanz weist eine buschige Form auf, oberseits ist der Schwanz in der Regel dunkler gefärbt als auf der Unterseite. Die Unterarten an der pazifischen Küste sind insgesamt heller gefärbt als die Unterarten auf der karibischen Seite. Über den Augen, oberhalb der Nasenspitze an den Wangen und an den Unterschenkeln der Vorderbeine hat das Mittelamerikanische Hörnchen Tasthaare, die auch der Orientierung dienen. Die Beine sind recht kurz und enden in vier Zehen, die mit scharfen Krallen versehen sind.

Lebensweise

Mittelamerikanische Hörnchen leben wie alle Eichhörnchen einzelgängerisch und sind am Tage aktiv. Die Geschlechter treffen sich nur während der Paarungszeit. Auf dem Waldboden sind sie nur selten anzutreffen, sie halten sich fast ausschließlich im Geäst der Bäume auf. Sie sind durchaus territorial und beanspruchen ein Revier in einer Größe von gut zwei bis drei Hektar. Die Reviere der Männchen sind üblicherweise größer als die der Weibchen und überlappen sich mit diesen. Die Reviere einzelner Weibchen decken sich dabei nicht. Während der Ruhephasen halten sie sich in Nestern auf, die in der Regel in Astgabeln in sehr hohen Bäumen entstehen. Mittelamerikanische Hörnchen verbringen den Großteil ihres Lebens in den Baumwipfeln, wo sie auch ihre Nahrung finden. Sie sind sehr gute Kletterer, die durchaus Sprünge von einigen Metern bewältigen können. Eine Winterruhe wird in den subtropischen Regionen nicht gehalten, im Winter sind sie jedoch deutlich weniger aktiv.

Unterarten

Trivialname Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
- Sciurus variegatoides adolphei Lesson, 1842 LC westliches Nicaragua
- Sciurus variegatoides atrirufus Harris, 1930 LC westliches Costa Rica
- Sciurus variegatoides bangsi Dickey, 1928 LC El Salvador
- Sciurus variegatoides belti Nelson, 1899 LC nordöstliches Nicaragua
- Sciurus variegatoides boothiae Gray, 1843 LC westliches Honduras
Costa-Rica-Hörnchen Sciurus variegatoides dorsalis Gray, 1849 LC nordwestliches Costa Rica
- Sciurus variegatoides goldmani Nelson, 1898 LC südliches Guatemala
- Sciurus variegatoides helveolus Goldman, 1912 LC zentrales Panama
- Sciurus variegatoides loweryi McPherson, 1972 LC südliches Costa Rica
- Sciurus variegatoides managuensis Nelson, 1898 LC nordwestliches Honduras
- Sciurus variegatoides melania Gray, 1867 LC westliches Panama
- Sciurus variegatoides rigidus Peters, 1863 LC westliches Costa Rica
- Sciurus variegatoides thomasi Nelson, 1899 LC östliches Costa Rica
- Sciurus variegatoides underwoodi Goldman, 1932 LC westliches Nicaragua
- Sciurus variegatoides variegatoides Ogilby, 1839 LC westliches Honduras

Verbreitung

Das Mittelamerikanische Hörnchen ist im subtropischen Mittelamerika weit verbreitet. Sein verbreitungsgebiet erstreckt sich über Nicaragua, Costa Rica, El Salvador, Honduras, Panama und das südliche Mexiko. Die Tiere leben in halbariden bis feuchten Regenwäldern, an deren Rändern sowie in lichten Trockenwäldern bis in Höhen von gut 2.500 Metern über dem Meeresspiegel. In der Nähe des Menschen sind Mittelamerikanische Hörnchen nicht selten auf Plantagen und anderen ladwirtschaftlichen Flächen anzutreffen.

Prädatoren

Fressfeind am Boden: Rotfuchs (Vulpes vulpes)
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Fressfeind am Boden: Rotfuchs (Vulpes vulpes)

Neben Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) zählen vor allem Rotfüchse (Vulpes vulpes), Wiesel (Mustela) und Marder (Mustelidae) zu den natürlichen Fleischfressern. Mittelamerikanische Hörnchen sind wachsame Tiere, die permanent auf der Hut sind. Aber vor allem viele Jungtiere fallen durch Unachtsamkeit Raubtieren zum Opfer. Bei Gefahr warnen sich Mittelamerikanische Hörnchen gegenseitig mit Lauten und verstecken sich in ihren Behausungen oder an anderen geschützten Orten. In den Bäumen sind sie aufgrund ihrer hohen Beweglichkeit vor den meisten Fleischfressern in Sicherheit. Aber auch Schlangen (Serpentes) können mit Leichtigkeit ein Hörnchen erbeuten. Mittelamerikanische Hörnchen leiden nicht selten an Wurmerkrankungen, die durch parasitische Würmer ausgelöst werden. Darüber hinaus sind die Tiere oftmals durch Ektoparasiten befallen. Dazu gehören Parasiten wie Milben (Acari), Tierläuse (Phthiraptera), insbesondere Echte Tierläuse der Gattung Anoplura sowie Flöhe (Siphonaptera).

Ernährung

Mittelamerikanische Hörnchen ernähren sich rein pflanzlich von Sämereien, Körnern aller Art, Blüten, Früchten und Nüssen. Dazu gehören beispielsweise die Sämereien und Früchte von Mangos (Mangifera), Mombinpflaumen (Spondias), Malvengewächse (Malvaceae), Guanacaste (Enterolobium cyclocarpum), Brennnesselgewächse (Urticaceae), Feigen (Ficus) und Jenipapo-Baum (Genipa americana). Hier und da werden aber auch Pilze gefressen. Auf Nahrungssuche gehen Mittelamerikanische Hörnchen ausschließlich am Tage.

Fortpflanzung

Mittelamerikanische Hörnchen erreichen die Geschlechtsreife mit vier bis fünf Monaten. Die Paarungszeit beschränkt sich zumeist auf das Frühjahr, in der Regel ab April bis in den Juni hinein. Während dieser Zeit kommt es nur zu einem Wurf. Mittelamerikanische Hörnchen leben in Nestern, den sogenannten Kobeln. Hier bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. Innerhalb eines Reviers werden meist mehrere Kobel unterhalten. Die Kobel bestehen aus kleinen Ästen, Blattwerk und anderen Materialien, die zu einem geschlossenen Bau verarbeitet werden. Die Nester schützen den Nachwuchs vor Kälte und Nässe. Zum Paarungsritual gehören Verfolgungsrennen zwischen Männchen und Weibchen, an dem durchaus mehrere Männchen teilnehmen können. In der Regel kommt am Ende dem kräftigsten Männchen dann das Recht auf die Paarung mit dem Weibchen zu. Die reine Kopulation ist recht unspektakulär und dauert meist nur wenige Sekunden. Um die Aufzucht und die Versorgung des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Weibchen, der Vater des Nachwuchses ist nicht involviert. Nach einer Tragezeit von 35 bis 45 Tagen bringt das Weibchen zwischen zwei und sieben, selten auch bis acht Jungtiere zur Welt. Ein Durchschnittswurf besteht meist aus sechs Jungtieren. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt und blind, die werden in der ersten Zeit vom Weibchen gewärmt. In der dritten Lebenswoche bildet sich das erste Fell aus, in der fünften Lebenswoche brechen die Zähne durch und die Augen öffnen sich erstmals. Der Nachwuchs wird etwa 70 bis 75 Tage gesäugt. Die Selbständigkeit erreichen die Jungtiere einige Wochen später, meist im Alter von 14 bis 15 Wochen. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei zehn bis zwölf Jahre.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Nähe des Menschen, vor allem auf Plantagen, sind Mittelamerikanische Hörnchen keine gern gesehenen Gäste, da sie sich mit Vorliebe über Früchte hermachen. Jedoch sind Hörnchen im allgemeinen sehr nützliche Tiere, da sie als exzellente Samenverbreiter gelten. In einigen Teilen ihrer Verbreitungsgebiete werden Mittelamerikanische Hörnchen auch heute noch von der einheimischen Bevölkerung wegen des Fleisches gejagt. Mittelamerikanische Hörnchen gehören noch nicht zu den bedrohten Arten. Daher werden sie in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen führt die Tiere in keinem Anhang.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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