Moçambique-Maulbrüter

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Moçambique-Maulbrüter
Männchen

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Stachelflosser (Acanthopterygii)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Lippfischartige (Labroidei)
Familie: Buntbarsche (Cichlidae)
Gattung: Oreochromis
Art: Moçambique-Maulbrüter
Wissenschaftlicher Name
Oreochromis mossambicus
Peters, 1852

IUCN-Status
Near Threatened (NT) - IUCN

Der Moçambique-Maulbrüter (Oreochromis mossambicus), auch Weißkehlbarsch, Weißkehlmaulbrüter und Moçambique-Buntbarsch genannt, zählt innerhalb der Familie der Buntbarsche (Cichlidae) zur Gattung Oreochromis. Im Englischen wird er Mozambique Tilapia genannt.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Der Moçambique-Maulbrüter wird durchschnittlich 37 cm lang und etwa 680 g schwer. Der längste Fisch bisher wurde mit 43,2 cm verzeichnet. Er ist länglich-oval, seitlich abgeflacht und hat ein breites Maul. Die Wildform ist matt-grünlich gefärbt, es gibt aber auch insbesondere für die Aquarienhaltung goldene, orangefarbige und rote Farbvarianten. Die Weibchen und die etwas größeren Männchen sind sehr schwer auseinanderzuhalten, die Oberseite ist blaugrau bis olivgrün gefärbt und schimmert silbern im Sonnenlicht. Die Unterseite ist heller, kann ins Rötliche gehen und hat zwei bis fünf laterale Flecken. Dorsal können bei einigen Individuen auch ein paar Flecken vorhanden sein. Die Brustflossen sind rötlich. Im Balzkleid sind die Männchen jedoch schwarz gefärbt, tragen Weiß am Unterkiefer bis zu den Kiemen und Rot an den Rändern der Rücken- und der Schwanzflossen. Adulte Männchen tragen längere Kiefer, sie lassen die dorsale Nackenlinie leicht konkav erscheinen. Sie haben einfache Genitalpapillen mit einer flachen distalen Kerbe. Moçambique-Maulbrüter haben 28 bis 31 (normalerweise 30) Wirbel, 26 bis 29 (28) Rückenstrahlen, wovon 15 bis 17 (16) zu Dornen verlängert sind, 3 anale Dornen und 14 bis 20 (17 oder 18) Kiemenreusen. Die Schwanzflosse ist nicht sehr dicht geschuppt. Die Schlundzähne sind sehr fein.

Verwechslungsmöglichkeiten

Man könnte den Moçambique-Maulbrüter mit dem Goldtilapia (Oreochromis aureus) verwechseln, jedoch hat dieser 18 bis 26 Kiemenreusen. Auch kann man ihn mit dem Schwarzkehlmaulbrüter (Sarotherodon melanotheron) verwechseln, dieser ist aber, wie sein Name schon sagt, unten am Unterkiefer schwarz und am Kiemendeckel golden gefärbt.

Verbreitung und Vorkommen

Ursprünglich kommt der Moçambique-Maulbrüter in Südostafrika vor: im Tanganjika- und dem Victoria-See, im Sambesi, in dessen Nebenflüssen und anderen ostwärts fließenden Gewässern sowie in Küstenlagunen Südafrikas. Hauptsächlich bewohnt er dort die Mündungsregionen. Wegen Aussetzungen und Anspruchslosigkeit findet man ihn heute fast weltweit in fast allen Gewässertypen vor. In fließenden oder stehenden Süß- oder auch Brackgewässern kann man ihn heute finden. Es scheint fast so, als bevorzuge er sogar Brackgewässer. In Meeresgewässern jedoch fehlt der Fisch, obwohl er eine hohe Toleranz bis 40 ‰ Salzgehalt des Wassers hat. Außerdem toleriert er Wassertemperaturen von mindestens 9,5 bis maximal 42°C (durchschnittlich 15 bis 35°C), niedrige Sauerstoffraten, schlechte Wasserqualität und Verschmutzungen. Im Allgemeinen beschränkt sich der Fisch auf eine seichte Umgebung, juvenile Fische halten sich in tieferen Regionen auf. Tiefer als bis zu 12 m hat man ihn noch nicht beobachtet.

Ernährung

Der Moçambique-Maulbrüter ist ein sehr gefräßiger Allesfresser. Er ernährt sich von Fischen und anderen Wassertieren sowie von Wasserpflanzen und Algen. Dabei scheint es so, als würde dieser Fisch nie satt werden. Man nimmt an, dass er sich am liebsten pflanzlich und von organischen Zerfallsprodukten ernähre.

Prädatoren

Im See Sibhayi ist der Hauptfeind der Moçambique-Maulbrüter der Kiemensackwels Clarias gariepinus. Um ihm zu entgehen, halten sich die Adulten wie die Juvenilen dort in tieferem Wasser auf.

Fortpflanzung

Der Moçambique-Maulbrüter ist ein sehr fortpflanzungsfreudiger Maulbrüter. Ab einer Körperlänge beim Weibchen von 15 bis 16 cm und beim Männchen von 17 bis 18 cm sind sie geschlechtsreif und beginnen schon jetzt mit der Brut. Sind sie aus Nahrungsmangel im Wachstum gehemmt, werden sie auch schon mit einer Körperlänge von 10 cm geschlechtsreif. Aus mehreren hundert Nachkommen kann eine Brut bestehen, und ein Weibchen brütet drei bis vier Mal pro Brutsaison, in tropischen Gewässern sogar das ganze Jahr durch. Selbst wenn die Futterressourcen knapp oder die Wasserqualität sehr schlecht werden sollte, wird die Fortpflanzung davon nicht beeinträchtigt. Selbst in Brackgewässern bis 34,5 ‰ Salzgehalt laichen sie. Um so tiefer die Wassertemperatur ist, desto kürzer ist die Brutsaison.
Zur Balz färben sich die Männchen schwarz, tragen Weiß am Unterkiefer bis zu den Kiemen und Rot an den Rändern der Rücken- und der Schwanzflossen. Während der Brutsaison sind die Männchen sehr aggressiv. Es werden Balzrituale vollzogen, die normalerweise keine ernsthaften Verletzungen zur Folge haben, jedoch kommt es mitunter trotzdem vor, dass einige Balzkämpfe sogar tödlich enden. Auch mit anderen Fischarten kämpfen sie um die besten Nistareale.
Das Weibchen legt 50 bis 1780 im Durchmesser 2,4 mm große Eier in ein im Durchmesser 20 bis 142 cm großes Nest. Dieses wird vom Männchen in spärlicher bis mitteldichter Vegetation in einer Tiefe von 0,4 bis 8,5 m gebaut. Bevor das Weibchen die Eier zur Brut ins Maul nimmt, werden sie vom Männchen befruchtet. Es wurde aber auch schon beobachtet, dass die Männchen die Eier ausbrüten. In drei bis fünf Tagen schlüpfen die Larven, die sich dann weitere zehn bis vierzehn Tage im Maul aufhalten. Etwa eine Woche lang suchen sie danach noch bei drohender Gefahr das Maul auf. Ab einer Körperlänge von 10 mm werden die Larven vom Weibchen in seichtere Gewässer getragen. Sie ernähren sich von kleinen Krustentieren und Plankton sowie von sämtlichem anderen Kleinzeug, was fressbar ist. Die Larven wachsen sehr schnell. Wie die meisten Buntbarsche wachsen sie bei 30°C am schnellsten, wobei die Weibchen etwas langsamer wachsen als die Männchen. Auch hängt die Wachstumsdauer vom Nahrungsangebot und der Wasserqualität ab.

Ökologie und Ökonomie

Der Moçambique-Maulbrüter ist ein extrem fruchtbarer Fisch, der sich mittlerweile fast weltweit ausgebreitet hat, denn der Aquarianer setzt ihn gelegentlich in Fremdgewässer aus, sollten sie sich ungewollt fortpflanzen. Er wurde aber auch gezielt als Weidefisch ausgesetzt, da sie sich nahezu unersättlich von Wasserpflanzen ernähren. Gerade weil dieser Fisch sehr vermehrungsfreudig ist und an die Wasserqualität kaum Anforderungen stellt, breitet er sich sehr schnell aus und frisst oder vertreibt heimische Fische. Auch frisst er sämtliche Wasserpflanzen und andere Wassertiere und stellt somit für heimische Fische einen großen Nahrungskonkurrenten dar. Dies alles führt häufig zu einem ökologischen Ungleichgewicht in den betroffenen Gewässern.
Bestellt man in der Gastronomie "Tilapia", bekommt man eigentlich einen Moçambique-Maulbrüter auf den Teller, denn eine Schwestergattung heißt Tilapia. Ansonsten wird dieser Fisch auch zur Aquarienhaltung im Handel angeboten.

Gefährdung

Trotzdem der Moçambique-Maulbrüter sich weltweit ausbreiten konnte und selbst andere Wasserlebewesen bedroht, ist auch er gering gefährdet (Near Threatened). Denn genauso wie er wurde auch der Nil-Tilapia (Oreochromis niloticus) weltweit ausgesetzt, um ihn auch als Weidefisch einzusetzen oder um ihn loszuwerden. Da auch dieser sich sehr schnell ausbreitet, kommt es durch hohe Populationsraten zur Hybridisierung beider Arten. Diese Kreuzungen jedoch sind nicht fruchtbar und können keine weiteren Nachkommen bilden. Somit geht die Tendenz beider Populationsraten nach unten, wobei jedoch mittlerweile nur der Moçambique-Maulbrüter als "Gering gefährdet" in der Roten Liste der IUCN geführt wird.

Haltung

Die Aquarienhaltung des Moçambique-Maulbrüters gestaltet sich als sehr einfach, da dieser Fisch sehr anpassungsfähig ist und man nicht zu sehr auf die Wasserwerte achten braucht. Jedoch benötigt man ein relativ großes Becken, da der Fisch in Aquarien eine Körperlänge von bis zu 40 cm erreicht. Der Moçambique-Maulbrüter wächst verhältnismäßig schnell und zeigt für den Aquarianer ein sehr interessantes Fortpflanzungsverhalten. Häufiger Wasserwechsel beschleunigt das Wachstum noch, und mit der Körperlänge wächst auch die Aggressivität. Für die Aquarienhaltung gibt es goldene, orangefarbige und rote Farbvarianten, die den Fisch noch interessanter machen. Pflanzen sich die Moçambique-Maulbrüter fort, können sie schnell zur Plage werden, infolge dessen werden sie gelegentlich in Fremdgewässer ausgesetzt, in denen sie sich sehr gut weiter ausbreiten können.
Für einen 15 cm langen Fisch wäre ein 200-l-Becken mit einer Seitenlänge von etwa 120 cm ausreichend, für ausgewachsene Fische braucht man aber schon eine Seitenlänge von mindestens 2 Metern. Sie bewohnen die mittlere Beckenregion. Der Boden sollte mit reichlich Kies- und/oder Sandsubstrat bedeckt und mit Holz und Felsen ausgestattet sein. Der pH-Wert des Wassers sollte 6.3 bis 8.5 (optimal 7.8) betragen, die Wassertemperatur 21-27°C. Man kann dem Fisch alles zu fressen geben, Trockenfutter, Flocken, Pflanzenkost und Lebendfutter. Wenn sie gesättigt sind, füllen sie ihre Wangentaschen mit dem Futter und fressen es später. Dem Nachwuchs kann man Artemia-Nauplien und zerbröselte Flocken anbieten.

Anhang

Erstbeschreibung

  • Peters, Wilhelm C. H.: Diagnosen von neuen Flussfischen aus Mossambique. in Monatsberichte der Akademie der Wissenschaften Berlin. p. 275-276, 681-685, Berlin 1852.

Literatur

  • Lee, David S.: Atlas of North American freshwater fishes. Raleigh 1980. ISBN 0-917-13403-6
  • Robins, C. Richard: Common and scientific names of fishes from United States and Canada. Bethesda 1991. ISBN 0-913-23570-9
  • Smith-Vaniz, William F.: Freshwater fishes of Alabama. Auburn 1968.

Links

'Persönliche Werkzeuge