Nördliche Wasserspitzmaus

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Nördliche Wasserspitzmaus
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae)
Gattung: Waldspitzmäuse (Sorex)
Art: Nördliche Wasserspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Sorex palustris
Richardson, 1828

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Nördliche Wasserspitzmaus (Sorex palustris) zählt innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Waldspitzmäuse (Sorex). Im Englischen wird die Art American Water Shrew genannt. Die Art gehört zum Subgenus Otisorex und ist auch unter dem Synonym S. acadicus (Allen, 1915) bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung

Die Nördliche Wasserspitzmaus ist eine durchaus große Spitzmaus. Der Schwanz ist zweifarbig, dorsal ist er dunkel, ventral ist er deutlich heller gefärbt. Die Fellfärbung variiert lokal und saisonal. Grundsätzlich sind die Tiere gräulich bis schwärzlich gefärbt. Der Schädel ist ausgesprochen groß (Beneski & Stinson, 1987).

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde der Nördlichen Wasserspitzmaus stammen aus pleistozänen Ablagerungen und wurden insbesondere in Arkansas, Kansas, Kentucky, New Mexico, Pennsylvania, Tennessee, Texas, Utah, Wyoming und Missouri gefunden. Das pleistozäne Verbreitungsgebiet deckt sich mit den heutigen Vorkommen (Beneski & Stinson, 1987).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Nördliche Wasserspitzmaus erreicht je nach Unterart eine Gesamtlänge von 130,0 bis 170,0 mm, eine Schwanzlänge von 57,0 bis 89,0 mm, eine Hinterfußlänge von 18,0 bis 22,0 mm, eine Condylobasallänge von 19,1 bis 21,7 (20,1) mm, eine Schädelbreite von 9,0 bis 10,9 (9,7) mm, eine Schädelhöhe von 5,3 bis 6,5 (5,5) mm und ein Gesicht von 11,0 bis 16,7 g. Zwischen den Geschlechter zeigt sich kein nennenswerter Dimorphismus. Männchen sind lediglich schwerer als Weibchen. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/1, c1/1, p3/1, m3/3. Beneski & Stinson (1987) und Hutterer (1985) stellten fest, dass semi-aquatische Spitzmäuse wie die Nördliche Wasserspitzmaus im Verhältnis zu terrestrischen Spitzmäusen über einen größeren Hirnschädel, einen größeren Foramen magnum (Öffnung an der Schädelbasis), einen breiteren und größeren Thorax (Brustkorb), über längere Tibia (Schienbein) und über längere Zehen an den hintern Füßen verfügen. Die Nördliche Wasserspitzmaus gilt als ausgezeichneter Schwimmer und Taucher. Tauchgänge in einer Dauer von 31 bis 47 sec sind die Regel. Das Fell wird zweimal im Jahr im Herbst und im Frühjahr gewechselt (Beneski & Stinson, 1987).

Lebensweise

Die Reviergröße der Nördlichen Wasserspitzmäuse liegt bei 0,2 bis 0,3 ha. Die Art ist ganzjährig aktiv, im Winter erfolgt die Jagd auf Beutetiere unter Wasser. Die Fortbewegung unter Wasser erfolgt hauptsächlich mit den Hinterbeinen, an Land bewegen sich die Tiere quadrupedal (von Quadrupedie, lat. quadrus = vier und pes = Fuß) auf allen vier Extremitäten fort. Nördliche Wasserspitzmäuse leben einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen von bis zu 7 Individuen. Bei Gruppen handelt es sich in der Regel um Familiengruppen (Beneski & Stinson, 1987).

Unterarten

Unterarten nach Wilson & Reeder, 2005

Verbreitung und Lebensraum

Die Nördliche Wasserspitzmaus ist in Nordamerika in den USA und in Kanada verbreitet. In Kanada erstreckt sich das Vorkommen der Art über Labrador, Nova Scotia und New England. Im Westen erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von östlichen und zentralen Alaska südlich bis Kalifornien, Nevada, Utah und New Mexico. Eine isolierte Population ist auch in Arizona nachgewiesen. In den östlichen USA erstrecken sich die Vorkommen von Pennsylvania bis North Carolina, Tennessee und Georgia. Die Vorkommen erstrecken sich in Höhenlagen bis in Höhen von etwa 1.150 m über NN. Nördliche Wasserspitzmäuse leben entlang von Flussläufen, wo eine dichte Uferbewachsung gegeben ist. Auch an Seen und Teichen sowie in Sumpfgebieten ist die Art häufig anzutreffen (Beneski & Stinson, 1987; IUCN, 2011).

Biozönose

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Nördlichen Wasserspitzmäuse zählen insbesondere Siegelring-Schwimmnattern (Nerodia sipedon), Nordwestliche Strumpfbandnattern (Thamnophis ordinoides), Marder (Mustelidae) der Gattung Mustela, Forellen (Salmo trutta), Habichtartige (Accipitridae), Eulen (Strigiformes) und große Frösche (Rana) (Beneski & Stinson, 1987).

Ernährung

Nördliche Wasserspitzmäuse ernähren sich hauptsächlich von Insekten (Insecta). Es werden aber auch Schnecken (Gastropoda) und Ringelwürmer (Annelida) wie Regenwürmer (Lumbricidae) gefressen. Zu einem kleinen Teil ernähren sich die Tiere offensichtlich auch von grünen Pflanzenteilen und Pilzen (Fungi) . Dies konnte durch Analysen der Mageninhalte nachgewiesen werden. Weit oben auf der Speisekarte stehen die Nymphen der Steinfliegen (Plecoptera), der Eintagsfliegen (Ephemeroptera), der Köcherfliegen (Trichoptera), der Zweiflügler (Diptera) und der Echten Grillen (Gryllidae). Ebenfalls gefressen werden Spinnentiere (Arachnida), tote Langschwanzmäusen (Muridae), kleine Fische (Teleostei) und Larven von Schwanzlurchen (Caudata). Nördliche Wasserspitzmäuse gelten demnach als opportunistische Fresser (Beneski & Stinson, 1987).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Nördlichen Wasserspitzmäuse erstreckt sich von Februar bis August. In einer Saison bringt ein Weibchen 2 bis 3 Würfe zur Welt, ein Wurf weist 3 bis 10 (6) Jungtiere auf. Die Tragezeit erstreckt sich über etwa 21 Tage, die Säugezeit über gut 70 Tage. Weibchen verfügen über 3 Paar Zitzen, ein Paar liegt in der Leistengegend (inguinal) und 2 Paar abdominal. Die Aufzucht des Nachwuchses erfolgt im Nest des Weibchens, das in Wassernähe in unterirdischen Bauten liegt. Nicht selten liegen die Bauten in den Biberburgen von Kanadischen Bibern (Castor canadensis). Die Geschlechtsreife wird zu Beginn des zweiten Lebensjahres erreicht. Die Lebenserwartung liegt bei 18 Monaten (Brustbereich) (Beneski & Stinson, 1987).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Nördliche Wasserspitzmaus gehört heute noch nicht zu den gefährdeten Spitzmäusen (Soricidae). In den meisten Regionen kommt die Nördliche Wasserspitzmaus noch häufig vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Die größte Gefahr geht von der Vernichtung und Verschmutzung der natürlichen,l insbesondere der aquatischen Lebensräume aus. Ein weiteres Problem stellt die Ausbringung von Pestiziden wie DDT in der Landwirtschaft dar. Die Gifte gelangen über die Nahrung in den Körper der Spitzmäuse (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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