Nachtigall

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Nachtigall
Männchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Eigentliche Fliegenschnäpper (Muscicapinae)
Gattung: Luscinia
Art: Nachtigall
Wissenschaftlicher Name
Luscinia megarhynchos
Brehm, 1831

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Nachtigall (Luscinia megarhynchos) zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung Luscinia. Im Englischen wird die Art Common Nightingale, Nightingale oder Rufous genannt. Die Nachtigall wurde zum Vogel des Jahres 1995 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Nachtigall erreicht eine Körperlänge von 16 bis 17 Zentimeter. Sie ist in etwa so groß wie ein Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) oder ein Haussperling (Passer domesticus). Das Rückengefieder weist eine einheitlich bräunliche Färbung auf. Der sehr lange und leicht abgerundete Schwanz ist oberseits kastanienbraun bis rotbraun gefärbt. Die Bauchseite weist eine weißliche bis gräuliche Färbung auf. Der Kehlbereich und die Brust sowie die Flanken sind gräulich. Auch wenn man die Nachtigall nicht oft sieht, so kann man sie doch schon weitem hören. Sie gehört zu den Sinvögeln, und verfügt über ein breites Spektrum an kurzen Strophen. Man hat festgestellt, daß eine Nachtigall über 200 verschiedene Strophen singen kann. Eine Strophe kann dabei einige Sekunden andauern. Regional kommt es dabei zu unterschiedlichen "Dialekten". Im September zieht die Nachtigall als Zugvogel in den Süden. Sie überwintert meist südlich der Sahelzone. Das Überwinterungsgebiet reicht bis in die Nähe des tropischen Regenwaldes. Die Trokensavanne ist dabei ihr bevorzugter Lebensraum.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Nachtigall in folgenden Gebieten vor: Afghanistan, Albanien, Algerien, Andorra, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Bahrain, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Burkina Faso, Kamerun, Tschad, China, Kongo, Kroatien, Zypern, Tschechien, Republik Côte d'Ivoire, Dänemark, Ägypten, Äthiopien, Frankreich, Gambia, Georgien, Deutschland, Ghana, Gibraltar, Griechenland, Guinea, Ungarn, Iran, Irak, Israel, Italien, Jordanien, Kasachstan, Kenia, Kuwait, Kirgisistan, Libanon, Liberia, Libyen, Liechtenstein, Luxemburg, Mazedonien, ehemalige jugoslawische Republik, Mali, Malta, Mauretanien, Moldawien, Mongolei, Montenegro, Marokko, Niederlande, Nigeria, Oman, Polen, Portugal, Katar, Rumänien, Russische Föderation, Saudi-Arabien, Senegal, Serbien, Sierra Leone, Slowakei, Slowenien, Somalia, Spanien, Sudan, Schweiz, Syrien, Tadschikistan, Tansania, Togo, Tunesien, Türkei, Turkmenistan, Uganda, Ukraine, Vereinigte Arabische Emirate, Usbekistan, Westsahara und Jemen. Die Einzugsgebiete der Nachtigall laut der Roten Liste der IUCN sind: Kap Verde, Dschibuti, Estland, Färöer Inseln, Finnland, Island, Indien, Irland, Litauen, Niger, Norwegen und Schweden.

Nachtigall - Männchen
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Nachtigall - Männchen

Die Nachtigall ist als Langstreckenzieher während der Brutzeit in weiten Teilen Mittel- und Südeuropas verbreitet. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis ins südliche Skandinavien. Im Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis in den Kaukasus, streckenweise auch bis ins westliche Sibirien. Auch in Vorderasien, bis zum Rand des Himalaya, sind sie gebietsweise anzutreffen. Man trifft sie meist in der Nähe eines Gewässers an. Sie bevorzugen lichte Auenwälder mit einem dichten Unterwuchs, Feuchtgebiete sowie Laub- und Mischwald. Gelegentlich sind sie auch in großen Gärten und Parkanlagen zu beobachten. In Höhenlagen kommen sie so gut wie gar nicht vor. Im späten Herbst zieht die Nachtigall zum Überwintern nach Afrika, südlich der Sahelzone.

Ernährung

Die Nachtigall ernährt sich fast ausschließlich von Insekten und Spinnentieren. Im Herbst, wenn die Reifezeit der Beeren angebrochen ist, verschmähen sie auch diese nicht. Die Jungvögel werden ausschließlich mit Insekten versorgt. Insekten und Spinnentiere werden dabei sowohl auf dem Boden als auch im Fluge erbeutet. Beeren werden meist im Geäst der Sträucher gesucht.

Fortpflanzung

Nachtigall - Juvenil
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Nachtigall - Juvenil

Die Nachtigall erreicht die Geschlechtsreife mit rund zwölf Monaten. Die Brutzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis Juni. Pro Jahr kommt es lediglich zu einer Brut. Bei Gelegeverlust ist aber ein kleineres Nachgelege üblich. Das Nest wird meist auf dem Boden in einer dichten Krautschicht angelegt. Gelegentlich wird auch in niedriger Höhe in Sträuchern gebrütet. Das Nest besteht aus einer Anhäufung von Laub und wird mit Moosen und Halmen spärlich ausgepolstert. Das Weibchen legt zwischen vier und sechs grünbraune Eier, die von ihr über einen Zeitraum von vierzehn Tagen ausgebrütet werden. Während dieser Zeit wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt. An der Versorgung der Brut sind dann beide Geschlechter beteiligt. Die Nestlingszeit beträgt rund zwölf Tage, die Jungvögel werden aber noch bis zu zwei Wochen weiter mit Nahrung versorgt. In Freiheit wird selten ein Alter von acht oder neun Jahren erreicht. In Gefangenschaft sind durchaus auch 20 Jahre möglich.

Gefährdung und Schutz

Die Nachtigall gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Diese Art weist ein globales Verbreitungsgebiet auf, jedoch ist die Größe noch nicht quantifiziert, aber das Ausmaß der Vorkommen in Afrika allein wird auf 420.000 Quadratkilometer geschätzt. Die Art verfügt über eine globale Population, einschließlich der geschätzten 8.500.000 bis 23.000.000 Individuen in Europa (BirdLife International in prep.). Die Nachtigall ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Nachtigall als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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