Nelsons Dickhornschaf

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Nelsons Dickhornschaf
Weibchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Schafe (Ovis)
Art: Dickhornschaf (Ovis canadensis)
Unterart: Nelsons Dickhornschaf
Wissenschaftlicher Name
Ovis canadensis nelsoni
Merriam, 1897

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Das Nelsons Dickhornschaf (Ovis canadensis nelsoni) ist eine Unterart des Dickhornschaf (Ovis canadensis) und zählt innerhalb der Familie Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Schafe (Ovis).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Nelsons Dickhornschafe erreichen eine Körperlänge von 125 bis 170 Zentimeter, eine Schwanzlänge etwa 10 bis 12,5 Zentimeter, eine Ohrlänge von 10 bis 12 Zentimeter, eine Schulterhöhe vom 80 bis 90 Zentimeter. Männchen erreichen ein Gewicht von 73 bis 90 Kilogramm, Weibchen bleiben mit 45 bis 50 Kilogramm deutlich leichter. Nelsons Dickhornschafe gehören somit zu den kleineren Unterarten. Das Fell ist in der Regel braun gefärbt, im Winter weist das Fell eine insgesamt hellere Färbung auf. Unterhalb der Deckhaare befindet sich eine dicke Unterwolle, die die Tiere vor allem im Winter vor Kälte und Nässe schützt. Temperaturen von -20 bis -30 Grad Celsius können so schadlos überstanden werden. Das Hinterteil und die Bauchseite sind überwiegend weißlich bis cremefarben gefärbt. Auffälliges Merkmal bei den Männchen sind die mächtigen Hörner, die ein Gewicht von 10 bis 14 Kilogramm erreichen können. Die Hörner der Männchen sind in einem großen Bogen deutlich nach hinten gebogen, die Hörner der Weibchen sind kleiner und weniger stark gebogen. Die Ohren sitzen weit hinten am Kopf und liegen unmittelbar hinter den Hörnern. Die tagaktiven Nelsons Dickhornschafe verfügen über einen ausgesprochen guten Sehsinn, der die Abstände extrem gut abschätzen lässt. Nelsons Dickhornschafe sind sehr gute Kletterer und können bei Sprüngen zwischen Felsen mehrere Meter überwinden.

Lebensweise

Nelsons Dickhornschafe leben in der Regel in Gruppen von meist um die zehn Tiere, selten auch mehr. Die Gruppen bestehen aus Weibchen sowie deren Nachwuchs. Geschlechtsreife Männchen leben in Junggesellengruppen, ältere Männchen leben zumeist einzelgängerisch und beanspruchen ein großes Revier von bis zu 37 Quadratkilometern. In den Junggesellengruppen kommt es oft zu homosexuellen Übergriffen des ranghöchsten Widders auf rangniedrigere Tiere. Das Leben in Gruppen dient vor allem dem Zweck des Schutzes vor Fressfeinden. In einer Gruppe können sich die Individuen wesentlich effektiver verteidigen.
Männchen
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Männchen
Geschlechtsreife Männchen stoßen nur zur Paarungszeit zu den Herden mit den Weibchen. Während dieser Zeit kommt es unter den Männchen zu heftigen Gefechten um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Nelsons Dickhornschafe gelten als schnelle Läufer. Auf ebener Fläche können sie kurzfristig eine Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h erreichen. Im Gebirge sind die hohen Geschwindigkeit aufgrund der Topografie freilich nicht möglich. Nelsons Dickhornschafe sind überwiegend tag- und dämmerungsaktiv, jedoch sind sie auch in Nächten mit entsprechendem Mondschein aktiv.

Verbreitung

Das Nelsons Dickhornschaf ist insbesondere im südöstlichen Kalifornien, im südlichen bis zentralen Nevada und Utah, im nordwestlichen und südwestlichen Arizona, im südlichen New Mexiko und entlang der Grenze zwischen Mexiko und Texas zu beobachten. In Mexiko ist das Nelsons Dickhornschaf im Nordwesten des Landes und in Baja California anzutreffen. Die Tiere leben vorzugsweise im Gebirge, oftmals oberhalb der Baumgrenze, in Höhen von 800 bis 2.500 Metern. Man kann sie meist auf alpinen Wiesen, felsigen Regionen oder grasbewachsenen Gebirgshängen beobachten. In der Ebene sind Nelsons Dickhornschafe auch in Wüsten und Halbwüsten anzutreffen. Die Reviere weisen in der Regel eine Größe von 13 bis 20 Quadratkilometer auf. Größere Reviere von bis zu 37 Quadratkilometer werden nur von dominanten, ausgewachsenen Männchen bewohnt.

Prädatoren

Selbst in den unzugänglichen Bergregionen ihrer Lebensräume haben Nelsons Dickhornschafe noch eine Reihe von Fleischfressern. Zu den wohl bekannteten geören der Wolf (Canis lupus), der Kojote (Canis latrans), der Vielfraß (Gulo gulo), der Puma (Puma concolor) und der Steinadler (Aquila chrysaetos). Steinadler und kleinere Raubtiere haben es vor allem auf Lämmer abgesehen. Nelsons Dickhornschafe suchen Schutz in steilen Felsmassiven. Hier sind sie in der Regel sicher vor größeren Raubtieren. Im Fokus der Räuber stehen vor allem Jungtiere, da sich diese kaum verteidigen können. Ein ausgewachsenes Männchen ist für jeden Räuber eine große Herausforderung.

Ernährung

Nelsons Dickhornschafe grasen meist tagsüber. Sie ernähren sich von Gräsern, Kräutern und anderen Pflanzen. Gelegentlich suchen sie Salzlecken auf, um ihren Mineralhaushalt aufzufrischen. In reinen Wüstengebieten fressen sie jedoch auch Wüstenpflanzen. Den Wasserbedarf decken die Tiere teilweise über ihre Nahrung, nutzen allerdings täglich auch Trinkwasser. Im Notfall können sie einige Tage ohne Wasser auskommen.

Fortpflanzung

Auch wenn die Geschlechtsreife bereits mit einem Jahr erreicht wird, so kommt es bei den Weibchen meist erst im dritten oder vierten Lebensjahr zur ersten Paarung. Männchen sogar erst nach sieben Jahren, da sie vorher den älteren Männchen im Kampf um eine Gruppe unterlegen sind. Diesen Zeitpunkt bezeichnet man bei den Männchen als soziale Geschlechtsreife. Die Brunftzeit beginnt im späten Herbst. Hier kommt es unter den Widdern zu erbitterten Gefechten, die bis zu einem ganzen Tag andauern können. Zu gefährlichen Verletzungen kommt es dennoch selten, da die mächtigen Hörner die Kopfstöße abfedern. Nur der stärkste Widder kann die Vormachtstellung über eine Gruppe von Weibchen erlangen. Die Paarungsbereitschaft erschnüffeln Männchen an dem Geschlechtsorgan (Vulva) der Weibchen und über deren Urin.

Nach einer Tragezeit von 150 bis 180 Tagen bringt das Weibchen ein, selten zwei Jungtiere an geschützter Stelle zur Welt. Lämmer wiegen drei und fünf Kilogramm und gelten als Nestflüchter, die kurz nach der Geburt der Mutter folgen können. Sie werden für vier bis sechs Monate gesäugt. In der Anfangsphase wird ein Jungtier bis zu drei mal pro Stunde gesäugt. Die Sterblichkeit der Lämmer liegt im ersten Lebensjahr im Mittel bei 50 Prozent. Die höchste Sterberate wird in der Wüste und im Winter erreicht. Die Lebenserwartung der Nelsons Dickhornschafe liegt bei 10 bis 12 Jahren.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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