Neotoma lepida

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Neotoma lepida

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Neuweltmäuse (Sigmodontinae)
Tribus: Neotomini
Gattung: Amerikanische Buschratten (Neotoma)
Art: Neotoma lepida
Wissenschaftlicher Name
Neotoma lepida
Thomas, 1893

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Neotoma lepida zählt innerhalb der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae) zur Gattung der Amerikanischen Buschratten (Neotoma). Ein deutsches Synonym ist nicht bekannt. Im Englischen wird die Art Desert Woodrat genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde der Neotoma lepida stammen aus holozänen Ablagerungen und wurden insbesondere in Kalifornien, Nevada und Utah gefunden (Carryway & Verts, 2003).

Erkennung und Unterschiede

Neotoma lepida ist ein relativ kleines und rattenähnliches Nagetier. Charakteristisch für die Art ist der kurze, zweifarbige Schwanz. Der Schwanz weist lediglich 3 Viertel der Körperlänge auf. Die Vibrissen sind typischerweise lang, die Ohren leicht behaart und das Fell ist weich. Von sympatrischen und parapatrischen Verwandten kann Neotoma lepida leicht unterschieden werden. Bei Neotoma lepida ist die Unterseite der Haare weiß und der schlanke Schädel ist sehr groß. Die Länge der Eichel weist die 10-fache Länge des Durchmessers auf (Carryway & Verts, 2003).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Geschlechter der Neotoma lepida erreichen leicht divergierende Werte. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 276 bis 407 mm, eine Schwanzlänge von 119 bis 198 mm, eine Hinterfußlänge von 28 bis 38 mm, eine Ohrlänge von 28 bis 38 mm, eine Schädellänge von 38,8 bis 46 mm, eine Jochbeinbreite von 20,5 bis 23,8 mm, eine Hirnschädelbreite von 17,5 mm sowie eine Schädeltiefe von 13,8 bis 15,7 mm. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 281 bis 392 mm, eine Schwanzlänge von 122 bis 192 mm, eine Hinterfußlänge von 27 bis 38 mm, eine Ohrlänge von 27 bis 38 mm, eine Schädellänge von 35,9 bis 41,2 mm, eine Jochbeinbreite von 19,9 bis 22,3 mm, eine Hirnschädelbreite von 16,6 mm, eine Schädeltiefe von 13,1 bis 14,0 mm sowie ein Gewicht von 98,9 (+/-8,9 g). Das Fell weist dorsal eine hellbraune bis graubraune, zuweilen auch eine zimtbraune bis fast schwärzliche Färbung auf. Ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Die Füße sind ebenso wie der Kehlbereich weißlich gefärbt. Die Färbung variiert vor allem je nach Vorkommen und Lebensraum. Das Gebiss von Neotoma lepida besteht aus 16 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0/0, m 3/3. Im Gegensatz zu anderen Nagetierarten sind die Schweißdrüsen relativ klein und die Talgdrüsen sind moderat ausgeprägt. Die Schleimdrüsen sind hingegen sehr groß. Unter den Neotoma-Arten hat Neotoma lepida mit 19,4 mm die längste Eichel. Auch der Penisknochen ist recht lang (Carryway & Verts, 2003).

Lebensweise

Um die hohen Temperaturen am Tage zu vermeiden, ist Neotoma lepida hauptsächlich in der Nacht aktiv. Eher selten sind die Tiere auch am Tage zu beobachten. Die oberirdischen Bauten sind mehr oder weniger auffällige Konstruktionen und bestehen im Wesentlichen aus Reisig, Zweigen, loses Bodenmaterial, aber auch Federn, Wolle, Papier und ähnliche Materialien. Die Nester weisen für gewöhnlich eine konische, eher selten eine rundliche bis ovale Form auf. Zur zentralen Kammer führen zwischen 1 und 6 Ein- und Ausgänge. Ein Bau besteht dabei aus 1 bis 8 Kammern. Aufgrund der einzelgängerischen Lebensweise ist ein Bau in der Regel nur von einem Individuum besetzt. In Feldstudien in Utah/USA konnte festgestellt werden, dass die Dichte an Bauten bei 12 bis 21 Stück je ha liegt. Die Tiere leben einzelgängerisch und sind gegenüber Artgenossen ausgesprochen aggressiv. Während der aktiven Zeit in der Nacht bewegen sich Weibchen rund 41,5 m, Männchen durchschnittlich 76,8 m. Die Reviere der Weibchen liegen in Abhängigkeit vom Lebensraum bei 433 m² bis 2.064 m². Männchen leben in Revieren mit einer Größe von 371 m² bis 1.942 m². Die Tiere bewegen sich in ihrem Lebensraum mit einer Geschwindigkeit von 14,9 bis 19,2 (17,1) km/h (Carryway & Verts, 2003).

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Art Neotoma lepida erstreckt sich über den Westen der USA und den Nordwesten von Mexiko. Besiedelt werden der Südosten Oregon, der Südwesten von Idaho und das nördliche und zentrale Kalifornien. Südlich reicht das Verbreitungsgebiet in den USA bis nach Nevada, westlich bis nach Utah. In Mexiko ist Neotoma lepida auf der Halbinsel Baja California sowie auf einigen der Küste vorgelagerten Inseln anzutreffen. Die Art lebt in Höhen von bis zu 2.900 m über NN. Neotoma lepida lebt in Habitaten, die sich durch eine grasige Vegetation auszeichnen. Landwirtschaftliche Flächen werden hierbei jedoch gemieden. Beliebte Lebensräume sind beispielsweise lichte Wälder, Buschlandschaften, Salzwiesen, Uferzonen und ähnliche Habitate. Je nach Art des Lebensraumes treten Planzen wie Baccharis glutinosa, Beifuß (Artemisia) aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), Utah-Wacholder (Juniperus osteosperma) und Kalifornischer Wacholder (Juniperus californica) aus der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae), Larrea divaricata aus der Familie der Jochblattgewächse (Zygophyllaceae), Josua-Palmlilien (Yucca brevifolia) und Yucca schidigera aus der Familie der Agavengewächse (Agavaceae), Eriogonum fasciculatum aus der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae), Eichen (Quercus turbinella) aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae), Cercocarpus betuloides und Coleogyne ramosissima aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), Opuntien (Opuntia) wie Opuntia bigelovii aus der Familie der Kakteengewächse (Cactaceae), Melden (Atriplex) wie Atriplex canescens aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) in Erscheinung (Carryway & Verts, 2003).

Biozönose

Sympatrie

In den oben beschriebenen Lebensräumen kommt Neotoma lepida zusammen mit anderen Tierarten vor. Eine Sympatrie ist gegeben zu den nachstehenden Arten: Espiritu-Santo-Antilopenziesel (Ammospermophilus insularis), Weißschwanz-Antilopenziesel (Ammospermophilus leucurus), Rauhaar-Taschenmäuse (Chaetodipus) wie Chaetodipus arenarius, Chaetodipus fallax, Chaetodipus rudinoris, Pazifik-Kängururatte (Dipodomys agilis), Merriams Kängururatte (Dipodomys merriami), Meißelzahn-Kängururatte (Dipodomys microps), Ord-Kängururatte (Dipodomys ordii), Panamint-Kängururatte (Dipodomys panamintinus), Stephens Kängururatte (Dipodomys stephensi), Santa-Cruz-Kängururatte (Dipodomys venustus), Streifenskunk (Mephitis mephitis), Microdipodops megacephalus, Kalifornische Wühlmaus (Microtus californicus), Rocky-Mountains-Wühlmaus (Microtus montanus), Hausmaus (Mus musculus), Graue Wüstenspitzmaus (Notiosorex crawfordi), Grashüpfermäuse (Onychomys) wie Onychomys leucogaster und Onychomys torridus, Weißfußmäuse (Peromyscus) wie Peromyscus boylii, Peromyscus californicus, die Canyonmaus (Peromyscus crinitus), die Kaktusmaus (Peromyscus eremicus), die Evas Wüstenmaus (Peromyscus eva), die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus), die Merriam-Hirschmaus (Peromyscus merriami), Peromyscus fraterculus, Peromyscus truei, Seiden-Taschenmäuse (Perognathus) wie Perognathus californicus, Perognathus formosus, Perognathus longimembris und Perognathus parvus, die Hausratte (Rattus rattus), Amerikanische Erntemäuse (Reithrodontomys) wie Reithrodontomys megalotis, Kalifornische Ziesel (Spermophilus beecheyi), Merriam-Ziesel (Spermophilus canus), Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii), Berg-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus nuttallii), Felsen-Chipmunks (Tamias dorsalis), Kleine Chipmunks (Tamias minimus) und die Nördliche Taschenratten (Thomomys talpoides) (Carryway & Verts, 2003).

Prädatoren und Mortalität

Zu den natürlichen Feinden zählen Kojoten (Canis latrans), Kitfüchse (Vulpes velox), Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis) und Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Einige Studien gehen auch davon aus, dass Silberdachse (Taxidea taxus) den Tieren nachstellen. Bezogen auf die sympatrische Lebensweise zu anderen Tieren kommen auch die Wildkatze (Felis silvestris), der Rotluchs (Lynx rufus), der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus) und der Rotfuchs (Vulpes vulpes) als natürliche Feinde in Frage (Carryway & Verts, 2003).

Krankheiten und Parasiten

Neotoma lepida wird in Abhängigkeit vom Lebensraum und Vorkommen von einer Vielzahl von unterschiedlichen Ekto- und Endoparasiten befallen. Zu den Ektoparasiten gehören insbesondere Dasselfliegen (Oestridae) der Gattung Cuterebra und Milben (Acari, Acarida) wie Acomatacarus linsdalei, Acomatacarus micheneri, Androlaelaps fahrenholzi und Androlaelaps casalis aus der Familie der Laelapidae, Brevisterna utahensis, Dermanyssus becki, Dermanyssus gallinae, Echinonyssus bisetotus, Echinonyssus hilli, Echinonyssus incomptis, Echinonyssus neotomae, Echinonyssus utahensis, Eubrachylaelaps circularis, Eubrachylaelaps hollisteri sowie andere Milbenarten wie Zecken (Ixodida) der Arten Dermacentor parumapertus, Dermacentor andersoni und Ornithodoros hermsi. Zu den weiteren Ektoparasiten zählen Läuse (Anoplura) wie Neohaematopinus neotomae und Neohaematopinus inornatus und Flöhe (Siphonaptera) wie Anomiopsyllus amphibolus, Anomiopsyllus falsicalifornicus, Anomiopsyllus nudatus, Delotelis mohavensis, Echnidnophaga gallinacea, Eumolpianus eumolpi, Malaraeus sinomus, Malaraeus telchinus, Megarthroglossus smiti, Meringis Dipodomys, Opisodasys, Orchopeas leucopus, Orchopeas sexdentatus, Phalacropsylla oregonensis, Rhadinopsylla heiseri, Stenistomera alpina, Stenistomera macrodactyla und Traubella neotomae (Carryway & Verts, 2003). Zu den gefährlichsten Endoparasiten sind insbesondere Fadenwürmer (Nematoda) wie Nematodirus tortuosus oder Kratzwürmer (Acanthocephala) wie Moniliformis clarki (Carryway & Verts, 2003).

Ernährung

Neotoma lepida ernährt sich als reiner Pflanzenfresser tendenziell von relativ wenigen Pflanzenarten, wobei die aufgenommene Nahrung regional variieren kann. Gleiches gilt für verschiedene Jahreszeiten. Je nach Lebensraum ernähren sich die Tiere von Opuntien (Opuntia cholla), Mimosengewächse (Mimosoideae) wie Desmanthus fruticosus, Akazien (Acacia greggii), Weißer Salbei (Salvia apiana), Wacholder (Juniperus utahensis), Meerträubel (Ephedra nevadensis), Buchweizen (Fagopyrum), Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) wie Stanleya pinnata, Beifuß (Artemisia tridentata), Tragant (Astragalus cibarius), Malvengewächse (Malvaceae) wie Sphaeralcea coccinea und Melden (Atriplex confertifolia). Gefressen werden sowohl Sämereien als auch grüne Pflanzenteile. Interessanterweise fressen die Tiere insbesondere Pflanzen mit einem recht hohen Gehalt an Oxalsäure (Ethandisäure, C2H2O4). Auf Trinkwasser kann Neotoma lepida auch längere Zeit verzichten, der Wasserbedarf kann fast ausschließlich über die Nahrung gedeckt werden (Carryway & Verts, 2003).

Fortpflanzung

Neotoma lepida erreicht die Geschlechtsreife im Alter von 3 bis 4 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen von November bis Mai. In einer Saison kommt es zu 1 bis 4 (2,7) Würfen, die aus 1 bis 5 (2,3) Jungtieren bestehen. Die Wurfgröße richtet sich nach dem Ernährungszustand des Muttertieres. Die Tragezeit liegt bei 30 bis 36 Tagen. Die Jungtiere weisen ein Geburtsgewicht rund 10,4 g, der Rücken ist pigmentiert und die ersten Haarspitzen sind bereits bei der Geburt sichtbar. Die Augen und Ohren öffnen sich im Alter von gut 11 bis 13 Tagen. Entwöhnt wird der Nachwuchs nach 3 bis 4 Wochen. Die Lebenserwartung in freier Wildbahn liegt bei 4 bis 5 Jahren.

Ökologie Gefährdung und Schutz

Die Art gehört heute noch nicht zu den bedrohten Nagerarten. In der Roten Liste der IUCN wird Neotoma lepida daher als nicht gefährdet geführt. Mehr oder weniger stark gefährdet sind nach Angaben der IUCN jedoch einige Inselpopulationen im Nordwestlichen Teil Mexikos. Gefährdet ist die Art auf diesen Inseln aufgrund der Einfuhr von Hauskatzen und anderen Neotoa.

Synonyme

Neotoma macrotis ist nach Wilson & Reeder (2005) unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind abbreviata Goldman, 1909, arenacea J. A. Allen, 1898, aridicola Huey, 1957, bella Bangs, 1899, californica Price, 1894, desertorum Merriam, 1894, egressa Orr, 1934, felipensis Elliot, 1903, gilva Rhoads, 1894, grinnelli Hall, 1942, insularis Townsend, 1912, intermedia Rhoads, 1894, latirostra Burt, 1932, marcosensis Burt, 1932, marshalli Goldman, 1939, molagrandis Huey, 1945, monstrabilis Goldman, 1932, nevadensis Taylor, 1910, notia Nelson & Goldman, 1931, nudicauda Goldman, 1905, perpallida Goldman, 1909, petricola von Bloeker, 1938, pretiosa Goldman, 1909, ravida Nelson & Goldman, 1931, sanrafaeli Kelson, 1950, sola Merriam, 1894 und vicina Goldman, 1909. Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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