Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus

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Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae)
Gattung: Kleinohrspitzmäuse (Cryptotis)
Art: Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Cryptotis parva
(Say, 1823)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus (Cryptotis parva) zählt innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Kleinohrspitzmäuse (Cryptotis). Im Englischen wird die Art North American Least Shrew genannt.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Die Gattung Cryptotis beinhaltet kleine, kurzschwänzige und bräunlich gefärbte Spitzmäuse. Alle Arten verfügen über 30 Zähne. Die Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus ist mit einer Gesamtlänge von 67 bis 103 mm eine der kleinsten Arten der Gattung. Von den anderen nordamerikanischen Arten der Gattung kann die Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus durch den relativ kurzen Schwanz unterschieden werden. Dieser beträgt weniger als 45% der Körperlänge (Whitaker, 1974).

Fossile Funde

3 ausgestorbene Arten der Gattung Cryptotis wurden bislang beschrieben. Eine dieser Arten ist Cryptotis adamsi und stammt aus dem späten Pliozän und wurde in Kansas und Oregon gefunden. die beiden anderen Arten sind Cryptotis meadensis (spätes Pliozän) und Cryptotis kansasensis. Die zuletzt genannte Art stammt aus pleistozänen Ablagerungen und wurde in Kansas gefunden. Die nah verwandte Gattung der Paracryptotis weist 2 fossile Arten auf. Dies sind Paracryptotis rex aus dem späten Pliozän (Funort Kansas und Oregon) und Paracryptotis gidleyi. auch die letzte Art stammt aus dem späten pliozän und wurde in Idaho gefunden. Fossile Funde der Nordamerikanischen Kleinohrspitzmaus stammen aus dem Pleistozän und wurden insbesondere in Tennessee, Florida und Missouri gefunden. Dies deckt sich mit dem rezenten Verbreitungsgebiet (Whitaker, 1974).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus erreicht eine Gesamtlänge von 67 bis 103 mm, eine Schwanzlänge von 12 bis 22 mm und eine Hinterfußlänge von 9 bis 13 mm. Das Gewicht liegt zwischen 4,1 und 6,4 g. Zwischen den Geschlechtern zeigt sich keine nennenswerter Dimorphismus. Die Unterarten weisen zum Teil große Variationen in der Größe auf. Das feine und dichte Fell ist bräunlich gefärbt, die Augen sind schwärzlich, die Ohren sind klein und unauffällig. Der Schädel ist schmal, jedoch breiter und höher als bei den Sorex-Arten. Das Gebiss besteht aus 30 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, u4/1, p1/1, m3/3. Die Milchzähne sind in schuppiger Form bereits vor der Geburt vorhanden. Die Hoden der Männchen liegen posterior (hinten liegend) und dordal zum Penis. Nordamerikanische Kleinohrspitzmäuse wechseln 2 mal im Jahr ihr Fell. Regional erfolgt dieses zu höchst unterschiedlichen Zeiten. In der Regel erfolgt der Fellwechse4l im späten Frühjahr und im späten Herbst. Das Winterfell ist insgesamt dunkler gefärbt (Whitaker, 1974; Nowak, 1999).

Lebensweise

Anders als die meisten anderen Spitzmäuse leben Nordamerikanische Kleinohrspitzmäuse in mehr oder weniger sozial organisierten Strukturen. Funde von bis zu 25 Individuen in einem Nest belegen dieses. Ein Nest hat je nach Anzahl der Bewohner eine unterschiedliche Größe. Kleinere Nester erreichen eine Größe von 100 mal 150 mm. Die Nester liegen meist unter umgestürzten Baumstammen oder an ähnlich geschützten Stellen im dichten Unterholz und verfügen über mehreren Ein- und Ausgänge. Die Nester werden selbst gebaut oder von andeen kleinen Nagetieren übernommen. Insbesondere die Weibchen verhalten sich während der Aufzucht ihres Nachwuchses ausgesprochen territorial. Ansonsten kommt es innerhalb der Art zu keinen Aggressionen. Nordamerikanische Kleinohrspitzmäuse sind am Tage und in der Nacht aktiv (Whitaker, 1974).

Unterarten

Verbreitung und Lebensraum

Die Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus kommt in den US, Mexiko und im südlichen Kanada vor. In Mexiko erstrecken sich die Vorkommen über die nördlichen, zentralen und südlichen Landesteile. In den USA besiedelt die Art die östlichen Bundesstaaten. In Kanada kommt die Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus nur im südlichen Ontario vor. Nordamerikanische Kleinohrspitzmäuse besiedeln offene Flächen mit dichter und krautiger Bodenvegetation. In einigen Regionen werden auch Sumpfgebiete, tropischen Regenwälder; Nebelwälder, entlang von Flussläufen und andere bewaldete Flächen bewohnt. In der Nähe des Menschen ist die Art auch auf Weiden und landwirtschaftlichen Flächen anzutreffen. Die Art kommt im Flachland und in Höhenlagen bis in Höhen von gut 2.950 m über NN vor (Whitaker, 1974; IUCN 2011).

Biozönose

Sympatrie

Nordamerikanische Kleinohrspitzmäuse leben sympatrisch mit zahlreichen anderen kleinen Nagetieren. Dies sind insbesondere Feldmäuse (Microtus), Baumwollratten (Sigmodon) oder auch Reisratten (Oryzomys) (Whitaker, 1974).

Prädatoren und Mortalität

Zu den natürlichen Feinden zählen vor allem die Waldohreule (Asio otus), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) und die Schleiereule (Tyto alba), aber auch Hauskatzen (Felis catus), der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Östliche Fleckenskunk (Spilogale putorius), der Kitfuchs (Vulpes velox) sowie Schlangen (Serpentes) wie die Östliche Hakennasennatter (Heterodon platirhinos) und die Prärie-Königsnatter (Lampropeltis calligaster) (Whitaker, 1974).

Ekto- und Endoparasiten

Die Tiere werden von zahllosen Ektoparasiten befallen. Hier sind insbesondere Milben (Acari, Acarida) wie Orycteroxenus soricis, Dermacarus hypudaei, Androlaelaps fahrenholzi, Eulaelaps substabularis, Haemogamasus harperi, Haemogamasus liponyssoides, Hirstionyssus talpae, Myonyssus jamesoni, Blarinobia cryptotis und Protomyobia claparedei zu nennen. Nachgewiesen sind auch zahlreiche Flöhe (Siphonaptera). Dies sind Corrodopsylla hamiltoni, Ctenopthalmus pseudagyrtes, Peromyscopsylla scotti, Epitedia wenmanni, Corrodopsylla curvata, Doratopsylla blarinae und Neotrombicula sylvilagi. Zu den nachgewiesenen Endoparasiten rechnet man Fadenwürmer (Nematoda) wie Capillaria hepatica, der sich in der Leber einnistet (Whitaker, 1974).

Ernährung

Nordamerikanische Kleinohrspitzmäuse ernähren sich hauptsächlich von Insekten (Insecta), , Spinnentiere (Arachnida), Schnecken (Gastropoda), anderen Weichtieren (Mollusca), Hundertfüßern (Chilopoda), Regenwürmern (Lumbricidae) sowie zu einem kleinen Teil auch grüner Vegetation. Nachgewiesen sind durch Magenanalysen Insekten aus den Familien der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) und Laufkäfer (Carabidae), sowie deren Larven. Zu den bevorzugten Schnecken zählen Melampus lineatus, Tellerschnecken (Planorbidae) aus der Gattung Planorbis sowie Raubschnecken (Oleacinidae) aus der Gattung Euglandina. Pro Tag nahmen die Tiere 3,5 bis 8,1 (5,5) g an Nahrung zu sich (Whitaker, 1974).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten, insbesondere in den nördlichen Regionen von März bis in den November hinein. In den südlichen verbreitungsgebieten pflanzen sich die Tiere durchaus auch ganzjährig fort. Ein Wurf besteht aus 2 bis 7 (4,5) Jungtieren. Dei Tragezeit erstreckt sich über 21 bis 23 Tage. Ein Neugeborenes wiegt bei der Geburt rund 0,32 g. Es weist eine Gesamtlänge von 22 mm, eine Schwanzlänge von 3 mm, eine Schädellänge von 7,4 mm und eine Hinterfußlänge von 2,5 mm auf. Vibrissen sind bei der Geburt anwesend, jedoch sehr klein. Die Klauen sind vorhanden. Die Vorderbeine sind bei der Geburt besser entwickelt als die Hinterbeine. Die Jungen sind nackt, blind und taub. Das erste Fell stellt sich 6. Lebenstag ein. Die Augen öffnen sich am 14. Lebenstag. Im Alter von 30 tagen haben die Jungen ihr adultes Gewicht erreicht (Whitaker, 1974).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus gehört heute noch nicht zu den gefährdeten Spitzmäusen (Soricidae). In den meisten Regionen kommt die Nordamerikanische Kleinohrspitzmaus noch häufig vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Über Gefährdungsursachen ist nichts bekannt.

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, ist die Art unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind C. cinereus Bachmann, 1837, C. elasson Bole & Moulthrop, 1942, C. exilipes Baird, 1858, C. eximius Baird, 1858, C. harlani Duvernoy, 1842, C. parvus Say, 1823, C. macer Miller, 1911, C. nayaritensis Jackson, 1933, C. pergracilis Elliot, 1903 und C. celatus Goodwin, 1956. Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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