Olympisches Murmeltier

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Olympisches Murmeltier

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Marmotina
Gattung: Murmeltiere (Marmota)
Art: Olympisches Murmeltier
Wissenschaftlicher Name
Marmota olympus
Merriam, 1898

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Olympische Murmeltier (Marmota olympus) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Murmeltiere (Marmota). Im Englischen wird dieses Murmeltier Olympic marmot genannt. Die Art ist monotypisch, es existieren keine Unterarten. Sowohl das deutsche Synonym als auch der wissenschaftliche Name verweisen auf das Verbreitungsgebiet, der Olympic-Halbinsel im US-Bundesstaat Washington.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Olympische Murmeltier erreicht je nach Geschlecht eine Gesamtlänge von 67 bis 75 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 18 bis 23,7 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 9,1 bis 11 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3.000 bis 9.000 Gramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das Gewicht der Tiere schwankt saisonal sehr stark. Im Herbst, kurz vor der Winterruhe, wird das höchste Gewicht erreicht. Nach Beendigung der Winterruhe ist die gesamte Speckschicht verbraucht. Der Körperbau ist durchaus kompakt, der Kopf setzt sich nur wenig vom Körper ab. Dieser Eindruck wird auch durch die kurzen aber kräftigen Extremitäten unterstrichen. Das Fell besteht aus einer dichten Unterwolle, die die Tiere gegen Kälte und Nässe schützt, sowie aus oben aufliegenden gröberen Grannenhaaren.

Je nach Jahreszeit ist das Fell heller oder dunkler. Es weist eine graubraune Grundfärbung auf. Nicht selten erscheint das Fell im Sommer auch in einer leicht rotbraunen oder gelblichbraunen Färbung. Die Unterwolle ist gelblichgrau gefärbt, ventral weist das Fell eine cremefarbene Färbung auf. In den Monaten Mai bis Oktober kommt es beim Olympischen Murmeltier zu einem Fellwechsel. Die kleinen und deutlich gerundeten Ohren liegen weit hinten am Kopf und ragen sichtbar aus dem Fell heraus. Die kleinen Augen liegen seitlich, weit vorne am Kopf. Im Bereich der Schnauze zeigen sich Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Die kurzen Beine (10 bis 11 Zentimeter) sind optimal an die Grabtätigkeit angepaßt, die flachen und breiten Füße enden in kräftige gebogene Krallen. Die Schneidezähne der Olympischen Murmeltiere wachsen aufgrund der starken Beanspruchung ständig nach. Das Gebiss besteht aus 22 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 2/1, 3/3.

Lebensweise

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Die tagaktiven Olympischen Murmeltiere leben in kleinen Haremsgruppen, die meist aus einigen Dutzend Tieren bestehen. Eine Gruppe besteht in der Regel aus einem Männchen, zwei Weibchen und der Nachwuchs aus mehreren Jahren. Die Geschlechter leben dabei in einer polygamen Ehe. Die Nahrungssuche erfolgt in der Regel in den Morgenstunden und am Nachmittag. Bei Nahrungsmangel suchen Olympische Murmeltiere auch bis in die Dämmerung hinein. Zur Mittagszeit sonnen sie sich meist an exponierten, sonnenbeschienenen Stellen. Olympische Murmeltiere beanspruchen Reviergrößen von etwa zwei bis drei Hektar. Ihr Revier markieren sie mit einem Sekret aus ihren Backendrüsen, das an Steine und Sträucher gerieben wird. In der Regel befinden sich in kurzer Entfernung benachbarte Haremsgruppen, mit denen sie eine Kolonie bilden, jedoch nur wenig Kontakt pflegen. Verlassen Olympische Murmeltiere ihre Behausung, so sind sie ausgesprochen wachsam. Bei Gefahr stoßen sie einen schrillen Pfiff aus, so dass die in der Nähe befindlichen Artgenossen schnell gewarnt sind und einen schützenden Erdbau aufsuchen können. Während der kalten Jahreszeit von September bis April halten Olympische Murmeltiere Winterruhe. Während der Winterruhe reduziert sich die Atmung auf wenige Atemzüge pro Minute, um Energie zu sparen. Wachphasen sind bei den Olympische Murmeltieren nicht bekannt, daher legen die Tiere auch keine Nahrungsvorräte an. Olympische Murmeltiere sind eher selten an der Erdoberfläche zu sehen. Die meiste Zeit verbringen sie unter der Erdoberfläche. Hier graben sie lange Gänge und legen Wohnkessel und Vorratskammern an. Gänge in einer Länge von mehreren Dutzend Metern sind keine Seltenheit. Die Tiefe der Gänge und Kammern liegt zwischen einem und fünf, selten auch mehr Metern. Ein Bau verfügt über vier bis fünf Ein- und Ausgänge. Zum Graben werden insbesondere die Vorderpfoten und die Zähne eingesetzt.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Olympischen Murmeltieres erstreckt sich über ein kleines Gebiet auf der Olympic-Halbinsel im US-Bundesstaat Washington im Nordwesten der USA. Fast das gesamte Vorkommen beschränkt sich dabei auf den Olympic National Park. Olympische Murmeltiere kommen ausschließlich in Mittelgebirgen in Höhenlagen von 1.600 bis 1.900 vor. Alpines und subalpines Grasland gehört dabei zum natürlichen Lebensraum. Olympische Murmeltiere bevorzugen die Südhänge und üppiger Vegetation und steinigem Boden.

Prädatoren

Zu den zahlreichen natürlichen Fressfeinden der Olympischen Murmeltiere gehören insbesondere der Rotluchs (Lynx rufus), der Amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus), der Fischermarder (Martes pennanti), der Puma (Puma concolor), der Kojote (Canis latrans), der Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus), der Steinadler (Aquila chrysaetos), der Gerfalke (Falco rusticolus), die Kornweihe (Circus cyaneus), der Kolkrabe (Corvus corax) und der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) sowie andere größere Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes). Olympische Murmeltiere sind sehr wachsame Tiere, die bei der geringsten Störung oder Bedrohung in ihre Erdbauten flüchten. Aber vor allem Jungtiere und unerfahrene, subadulte Olympische Murmeltiere sind für Räuber eine leichte Beute.

Ernährung

Olympische Murmeltiere ernähren sich fast ausschließlich von pflanzlicher Nahrung. Dazu gehören Wurzeln, Blätter, Knospen und Blüten, Waldfrüchten aller Art, Sämereien sowie Kräuter und Gräser. Im Sommer und Herbst fressen sie sich eine dicke Speckschicht an, um den langen Winterschlaf zu überstehen, bei dem sie annähernd ein Drittel ihres Körpergewichts verlieren. Im Einzelnen sind vor allem folgende Pflanzen zu nennen. Sandkräuter (Arenaria), Glockenblumen (Campanula), Zahnlilien (Erythronium), Schwingel (Festuca), Lilien (Lilium), Lupinen (Lupinus) oder Vogelknöteriche (Polygonum). Aber auch die Rinde von Tannen (Abies) oder Kiefern (Pinus) wird durchaus häufig gefressen. In seltenen Fällen machen sie sich über Aas her, dabei machen sie auch vor toten Artgenossen nicht halt. Trinkwasser nehmen die Tiere meist in Form von Tau oder Schnee zu sich.

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Fortpflanzung

Olympische Murmeltiere erreichen die Geschlechtsreife mit rund 30 bis 36 Monaten. Die Paarungszeit beginnt nach der Winterruhe etwa Ende April, spätestens jedoch im Laufe des Mai. Die Tiere leben in einer polygamen Haremsgruppe, die aus einem Männchen und zwei Weibchen besteht. Ein Weibchen bringt in der Regel alle zwei Jahre Nachwuchs zur Welt. Zumeist im Wechsel mit dem zweiten Weibchen. Nach einer kurzen Tragezeit von 30 bis 32 Tagen bringt das Weibchen in ihrem Wohnkessel durchschnittlich zwischen drei und fünf Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere wiegen etwa 25 bis 30 Gramm und sind sowohl blind, nackt, taub als auch zahnlos. Ab der zweiten Lebenswoche beginnt das Fell zu wachsen. Zwischen dem 20. und 22. Lebenstag öffnen sie ihre Augen. Die Säugezeit beträgt rund 40 bis 45 Tage, zum Säugen verfügt das Weibchen über acht Zitzen. Die Jungtiere verbleiben meist bis zwei Jahre in der Familiengruppe, danach suchen sie sich ein eigens Revier. Die Lebenserwartung liegt bei rund 10 Jahren. Dieses Alter wird aufgrund der vielen natürlichen Feinde selten erreicht. Die Sterblichkeit vor allem im ersten Lebensjahr ist sehr hoch.

Gefährdung und Schutz

Das Olympische Murmeltier gehört heute noch nicht zu den bedrohten Murmeltierarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet geführt. Aufgrund des sehr kleinen Verbreitungsgebietes kann sich diese Tatsache jedoch schnell ändern. Beispielsweise könnte eine Krankheit die Population und somit die gesamte Art binnen kurzer Zeit ausrotten. Man schätzt die aktuelle Populationsgröße heute auf 1.500 bis 2.000 Tiere (Stand 2002). Die Bestände sind damit seit etwa 25 Jahren gleichbleibend und gelten als stabil. Der Großteil der Tiere lebt im Olympic National Park. Hier sind die Olympischen Murmeltiere vor allem vor der Bejagung und dem Raubbau an der Natur sicher. Eine Bejagung ist strikt verboten.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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