Orientbrachschwalbe

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Orientbrachschwalbe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Ordnung: Stelz- und Schreitvögel (Ciconiiformes)
Unterordnung: Charadrii
Teilordnung: Charadriides
Parvordnung: Charadriida
Überfamilie: Laroidea
Familie: Brachschwalbenartige (Glareolidae)
Unterfamilie: Glareolinae
Gattung: Brachschwalben (Glareola)
Art: Orientbrachschwalbe
Wissenschaftlicher Name
Glareola maldivarum
Forster, 1795

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Orientbrachschwalbe (Glareola maldivarum), auch als Rotbrust-Brachschwalbe bekannt, zählt innerhalb der Familie der Brachschwalbenartigen (Glareolidae) zur Gattung der Brachschwalben (Glareola). Die englische Bezeichnung der Orientbrachschwalbe lautet Oriental Pratincole.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Orientbrachschwalbe erreicht eine Körperlänge von etwa 23 bis 27 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 59 bis 64 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa von etwa 80 bis 95 Gramm. Die Orientbrachschwalbe ähnelt in Aussehen und Struktur sehr der etwas kleineren Schwarzflügel-Brachschwalbe (Glareola nordmanni). Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht in Größe und Aussehen kaum ein nennenswerter Dimorphismus. Das Männchen ist etwas kompakter als das Weibchen und weist längere Extremitäten auf. Der dunkel gefärbte Schwanz ist kürzer und weniger tief gegabelt. Der kurze Schwanz wird von den langen spitzen Flügeln völlig bedeckt. Die Steuerfedern des Schwanzes sind ebenfalls schwärzlich getönt. Markantes Merkmal ist eine schwarze Linie, die um den Kehlbereich eine Halskette bildet und sich dann bis zum Auge erstreckt. Unter dem Auge wirkt die Linie wie ein breites Band. Des weiteren ist ein heller Augenring zu erkennen. Die Kehle ist cremefarben bis orangefarben getönt. Der kräftige kurze Schnabel ist leicht gebogen und weist eine glänzend schwarze Färbung auf. Der lange Mundwinkel, der fast bis zum Zügel reicht, zeigt eine kräftige korallenrote Tönung. Die Mundspalte ist wie bei Schwalben üblich weit ausgeprägt. Der Kopf und die Zügel weisen eine kastanienbraune Färbung auf.

Der Nacken dagegen ist sandfarben bis dunkelbraun getönt. Die Oberseite ist deutlich dunkler olivebraun gefärbt als bei der Brachschwalbe (Glareola pratincola). Der Steiß und die Unterschwanzdecken sind cremefarben bis weißlich getönt. Im Flug sieht man deutlich die kastanienbraun gefärbten Unterflügeldecken der Armschwingen, ebenfalls sind die Achselfedern kastanienbraun getönt. Die Handschwingen sind zum Teil kastanienbraun bis schwarz gezeichnet. An den Armschwingen und Handschwingen erkennt man eine verwaschene weiße Hinterkante. Die Deckfedern der Handschwingen und der Armschwingen weisen eine dunkelbraune bis schwarze Färbung auf. Die Brust und der obere Teil des Bauches sowie die Flanken sind orangefarben getönt, während der untere Teil cremefarben bis weißlich erscheint.
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Die Extremitäten sind kräftig und dunkelbraun gefärbt, wobei die Zehen eher eine graue Tönung aufweisen. Hinterzehe ist vorhanden, die mittlere und äußere Zehe sind durch eine Haut verbunden. Der Flug der Orientseeschwalbe wird mit langen spitzen Flügeln rasant vollführt und ähnelt dem Flug eher einer Schwalbe.

Lebensweise

Orientbrachschwalben sing gesellige Vögel und Langstreckenzieher. Sie können sich zu Flügen von tausend und mehr Einzeltieren zusammentun. Solche Flüge kann man in der Morgendämmerung und in der Abenddämmerung beobachten, wenn die Vögel auf Nahrungssuche mit hohen Rufen in der Luft hin und her schießen. Sie jagen meist Insekten (Insecta) im Fluge, wobei ihnen die weite Mundspalte sehr zustatten kommt. Sie führen sehr weite Wanderungen aus und sind eng an die Nähe von Wasser gebunden. Die Änderung im Wasserstand kann vielleicht die Ursache auch für die weiten Wanderungen sein. Oft brüten sie in zerstreuten Kolonien, die aus Hunderten von Vögeln bestehen. Sie bevorzugen feuchte Gebiete und sind oft in sehr großen Schwärmen in der Nähe von Flüssen und stehenden Gewässern anzutreffen. Des weiteren bewohnen sie Schlammflächen in sumpfigen Gebieten, die von der Sonne hart gebacken sind.

Verbreitung

Orientbrachschwalbe
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Die Orientbrachschwalbe ist ein weit verbreiteter Brüter in Südasien und Ostasien südlich von Sibirien bis in den Süden von Sri Lanka, Vietnam und Mongolei. Sie brütet in der Provinz Sindh in Pakistan und in Nordostchina. Die nordöstlichen Populationen sind Langstreckenzieher und verbringen ihren Winter vom Oktober bis April hauptsächlich in Südostasien, Indonesien und in Australien. In den Monaten von September bis Oktober ist die Orientbrachschwalbe ein Durchzügler in Hong Kong. Im Februar halten sie sich auch in Thailand auf und die meisten dort vorkommenden Populationen ziehen aber von Juli bis September in ihre Winterquartiere. Die nördlichen Populationen brüten in Ostasien von Mai bis August. Die Populationen, die vorwiegend in Indien leben, migrieren in kurzen Abständen. Selten ist die Orientbrachschwalbe in Neu-Guinea anzutreffen. Des weiteren ist sie ein seltener Gast in Japan und auf Mikronesien. Sie vagabundiert manchmal nach Neuseeland, Seychellen, Mauritius, Arabische Halbinsel sowie England und Zypern. Als Lebensraum bevorzugt die Orientbrachschwalbe brachliegende Flußsäume, ausgetrocknete Überschwemmungsgebiete und Ufer von Binnenseen. Selten trifft man die Orientbrachschwalbe auch an Meeresküsten an.

Ernährung

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Zu ihrem abwechslungsreichen Nahrungsspektrum zählen unter anderem auch die Großschmetterlinge (Macrolepidoptera) und die Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera). Des weiteren ernährt sie sich von Käfern (Coleoptera) und von geflügelten Termiten (Isoptera). Wie für alle Schwalben typisch, erbeutet auch die Orientbrachschwalbe ihre Beutetiere im Flug, gelegentlich kommt es vor, dass sie auch am Boden nach Insekten (Insecta) scharrt.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit und die Brutsaison finden in den Monaten von März bis Mai statt. Während der Balz hört man laute Rufe und auch beim Brutgeschäft vernimmt man eine Vielzahl von Lauten. Die Orientbrachschwalbe nistet in großen Kolonien. Das Nest wird direkt am nackten Boden angelegt, das eine flach ausgekratzte kahle Nestmulde bildet.

Das Weibchen legt zwei bis drei lehmfarbene Eier in das Nest ab. Die Eier sind mit großflächigen braunen, beigefarbenen, olivebraunen, dunkelbraunen und sandfarbenen Sprenkelungen bedeckt. Beide Partner wärmen die Eier abwechselnd 18 Tage lang. Die Küken sind Nestflüchter und können nach dem Schlupf sofort laufen und weisen ein Dunenkleid auf, das der Umgebung farblich angepaßt ist.
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Die Jungvögel werden von dem Weibchen und von dem Männchen ausreichend mit ausgewürgter Nahrung versorgt. Droht den Jungvögeln Gefahr, so lenken die Altvögel die Aufmerksamkeit der Eindringlinge oder der Fleischfresser auf sich, indem sie einen verletzten Flügel vortäuschen. Die Jungvögel legen sich flach auf dem Boden und sind aufgrund der Tarnfarbe ihres Gefieders kaum oder nur schwer zu entdecken.

Gefährdung und Schutz

Die Orientbrachschwalbe gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 1.000.000 bis 10.000.000 Quadratkilometer. Die globale Population zählte im Jahre 2004 etwa 2.500.000 Orientbrachschwalben (F. O'Connor in litt. 2004). Die Orientbrachschwalbe ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Orientbrachschwalbe als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

Links

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