Ostamerikanischer Maulwurf

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Ostamerikanischer Maulwurf

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Maulwürfe (Talpidae)
Unterfamilie: Eigentliche Maulwürfe (Talpinae)
Gattung: Scalopus, Geoffroy, 1803
Art: Ostamerikanischer Maulwurf
Wissenschaftlicher Name
Scalopus aquaticus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Ostamerikanische Maulwurf (Scalopus aquaticus) gehört innerhalb der Familie der Maulwürfe (Talpidae) zur Gattung der Scalopus. Im Englischen wird dieser Maulwurf Eastern Mole genannt. Die Gattung ist monotypisch (Yates & Schmidly, 1978).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Fossile Funde der Ostamerikanischen Maulwürfe wurden in Pennsylvania, in Texas und in West Virginia gefunden. Die Funde stammen aus pleistozänen Ablagerungen (Yates & Schmidly, 1978).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Körper ist robust bebaut und dorsal abgeflacht. Der kurze und rundliche Schwanz ist spärlich mit Haar versehen und entspricht einem Viertel der Körperlänge. Die leicht rüsselartige Nase ist nackt. Die Augen sind klein, rudimentär und liegen im dichten Fell verborgen. Mit den Augen können die Tiere nur hell und dunkel unterscheiden. Die externen Ohren liegen ebenfalls im Fell verborgen. Das Fell ist seidig weich und dicht. Die Fellfärbung variiert von silber bis schwärzlich. Weibchen verfügen über 3 Paar Zitzen. Der Hirnschädel ist relativ breit und dorsal abgeflacht. Das Gebiss besteht aus 36 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/2, c1/0, p3/3, m3/3 (Yates & Schmidly, 1978).

Männchen sind grundsätzlich größer und schwerer als Weibchen. Die Unterarten in den nördlichen Verbreitungsgebieten sind größer als in den südlichen Regionen. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 154 bis 185 (163,4) mm, eine Schwanzlänge von 22 bis 31 (26,5) mm, eine Hinterfußlänge von 21 bis 28 (26) mm, eine Schädellänge von 33,2 bis 35,6 (34,3) mm und eine Schädeltiefe 9,5 bis 10,2 (9,8) mm. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 146 bis 168 (152,6) mm, eine Schwanzlänge von 21 bis 28 (26) mm, eine Hinterfußlänge von 18 bis 28 (19) mm, eine Schädellänge von 32,3 bis 34,2 (32,9) mm und eine Schädeltiefe 9,2 bis 9,8 (9,4) mm. Die Tiere erreichen ein Gewicht von 75 g (Yates & Schmidly, 1978).

Lebensweise

Ostamerikanische Maulwürfe leben fast ausschließlich unter der Erde. Sie graben ihre Gangsysteme in Tiefen von etwa 25 cm unter der Erdoberfläche. Im Winter graben die Tiere deutlich tiefer. Die Erde aus den errichteten Gängen wird an die Erdoberfläche gedrückt. Es entstehen die charakteristischen Maulwurfhügel. Die Geschwindigkeit beim Graben der Tunnel liegt bei 6 m je Stunde. Zentraler Punkt im Bausystem eines Maulwurfes ist die Nistkammer, die mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert wird. Ostamerikanische Maulwürfe sind zu jeder Tageszeit aktiv. Die Spitze der Aktivität liegen in den frühen Morgen- und Abendstunden (Yates & Schmidly, 1978).

Unterarten

Unterarten gemäß Wilson & Reeder, 2005:

Revision nach (Yates & Schmidly, 1977).

Verbreitung und Lebensraum

In Nordamerika hat der Ostamerikanische Maulwurf von allen Maulwürfen das größte Verbreitungsgebiet. Es reicht vom südöstlichen Kanada, über die östlichen und zentralen Bundesstaaten der USA bis ins nordöstliche Tamaulipas und Coahuila/Mexiko. Die Tiere leben auf Feldern, Wiesen, Weiden und in offenen Wäldern. Bevorzugt werden lockere, sandige, feuchte, jedoch nicht zu nasse Böden. In der Nähe des Menschen sind Ostamerikanische Maulwürfe insbesondere auf Golfplätzen keine gern gesehen Gäste. In Küstenregionen ist die Art nicht vertreten (Yates & Schmidly, 1978; IUCN, 2011).

Biozönose

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Ostamerikanischen Maulwürfe zählen Caniden wie der Kojote (Canis latrans), Füchse (Vulpes) sowie verwilderte Hauskatzen (Felis catus) und Haushunde (Yates & Schmidly, 1978)

Ernährung

Ostamerikanische Maulwürfe sind reine Fleischfresser, die sich durch einen großen Appetit auszeichnen. Täglich nehmen sie bis zu 100% ihres Gewichtes an Nahrung zu sich. Weit oben auf der Speisekarte stehen Wenigborster (Oligochaeta) wie Regenwürmer (Lumbricidae). Aber auch Schnecken (Gastropoda), Ameisen (Formicoidea), Tausendfüßer (Myriapoda) sowie die Larven von Insekten (Insecta) werden gerne gefressen. In Gefangenschaft nehmen die Tiere auch Hundefutter und Rindfleisch an (Yates & Schmidly, 1978).

Fortpflanzung

Weibchen bringen nach einer Tragezeit von 42 bis 45 Tagen einmal im Jahr einen Wurf mit 2 bis 5 Jungtieren zur Welt. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen von März bis April. Die meisten Geburten fallen in den März. In den südlichen Regionen beginnt die Paarungszeit schon im zeitigen Januar. Über das Paarungsverhalten ist ansonsten sehr wenig bekannt (Yates & Schmidly, 1978).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Ostamerikanische Maulwürfe zählen heute noch nicht zu den bedrohten Tierarten. Die Art wird in der Roten Liste der IUCN daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Im Ökosystem bildet der Ostamerikanische Maulwurf eine wichtige Rolle. Die Tiere belüften durch ihre Grabaktivitäten den Boden. Des Weiteren dient die Art zum einen als Nahrung für räuberisch lebende Tiere, zum anderen halten Ostamerikanische Maulwürfe mit ihrem gesunden Appetit die Populationen an Schadinsekten bzw. deren Larven klein. Die größte Bedrohung für die Tiere geht heute von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus (IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) ist die Art unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind S. argentatus (Audubon & Bachmann, 1842), S. cryptus Davis, 1942, S. cupreata (Rafinesque, 1814), S. intermedius Elliot, 1899, S. pennsylvanica (Harlan, 1825), S. pulcher Jackson, 1914, S. sericea (Rafinesque, 1832) und S. virginianus Geoffroy, 1803. Die genannten Synonyme sind ungültig Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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