Pazifischer Nordkaper

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Pazifischer Nordkaper

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
Familie: Glattwale (Balaenidae)
Gattung: Eubalaena
Art: Pazifischer Nordkaper
Wissenschaftlicher Name
Eubalaena japonica
Lacépède, 1818

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Der Pazifische Nordkaper (Eubalaena japonica) zählt innerhalb der Familie der Glattwale (Balaenidae) zur Gattung Eubalaena. Er ist eng verwandt mit dem Atlantischen Nordkaper, gilt seit neuestem allerdings als eigene Art. Im Englischen wird der Pazifische Nordkaper North Pacific Right Whale genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Bis vor kurzem wurde der Pazifische Nordkaper noch zusammen mit dem Atlantischen Nordkaper (Eubalaena glacialis) und dem Südkaper (Eubalaena australis) für ein und dieselbe Art gehalten; sie wurden früher schlicht Nordkaper genannt. Eine DNA-Analyse ergab jedoch, dass es sich um drei verschiedene Arten handelt. Der Pazifische Nordkaper kann bis zu 18 Meter lang werden und 70 bis 100 Tonnen wiegen. Der Kopf dieses Glattwals macht circa ein drittel der Gesamtlänge des Tieres aus. Der Körper ist plump gebaut und ihnen fehlt die Finne. Im Kopfbereich, vor allem um die Augen und um Ober- und Unterkiefer, liegen weiße, buckelige Flecken, dies sind Seepocken die sich auf den Walen einnisten. Auch auf dem Kopf, rings um das Blasloch, nisten sich die Seepocken ein und bilden dort die sogenannte Mütze. Typisch für Glattwale sind die langen Barten und die stark gewölbten Kieferknochen. Die Färbung des Pazifischen Nordkapers reicht von grau-blau über grau bis schwarz.

Verhalten

Das soziale Verhalten des pazifischen Nordkapers ist noch relativ unerforscht. Man nimmt an, dass sie einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen, den Walschulen, leben. Kälber werden von den Kühen verteidigt und aufgezogen. Sie verständigen sich durch Ultraschall, womöglich auch mit anderen Geräuschen. So springen sie oft aus dem Wasser und schlagen mit er Fluke auf das Wasser, was ein lautes klatschen, welches wohl unter den Nordkapern dem mitteilen der Position dient, erzeugt.

Verbreitung

Noch im 19. Jahrhundert war der Pazifische Nordkaper im gesamten nördlichen Pazifik verbreitet, von der japanischen bis zur amerikanischen Küste. Durch die grausamen Massenabschlachtungen und Ausbeutungen der Bestände war das Verbreitungsgebiet sehr geschrumpft und die Tiere wurden immer weniger. Häutzutage ist das hauptsächliche Verbreitungsgebiet auf das Ochotskischen Meer und das Beringmeer beschränkt. Er hält sich bevorzugt dicht unter der Wasseroberfläche auf, dort wo auch seine Nahrung schwimmt.

Prädatoren und Parasiten

Zu den Prädatoren der ausgewachsenen Pazifischen Nordkaper zählen eigentlich nur Große Schwertwale (Orcinus orca). Wobei auch diese in der Regel nur kranke, verletzte und schwache Tiere anfallen. Jungtiere haben abgesehen von den Schwertwalen noch einige Haie (Galeomorphii) als Flischfresser. Sonst sind sie vor allem vor dem Menschen bedroht.

Auf der Haut setzen sich zahlreiche Ektoparasiten fest. Dazu gehören insbesondere wie Walläuse (Cyamidae) und Seepocken (Balanidae). Die Probiose (Karpose), wie diese Interaktion von artfremden Organismen genannt wird, gefährden den Wal in keinster Weise. Diese spezielle Form der Probiose wird auch Symphorismus (Aufsiedelung) genannt. Endoparasiten aus dem Stamm der Kratzwürmer (Acanthocephala) wirken sich hingegen negativ auf den Organismus aus. Diese Würmer leben in den Därmen, der Leber sowie in und an Bauchfellfalten innerer Organe. Bei einem stärkeren Befall kann ein Pazifischer Nordkaper durchaus erkranken und sogar sterben.

Ernährung

Pazifische Nordkaper sind Bartenwale. Die Barten sind lange, aus Horn bestehende, bigsame Stäbe. Die Funktion der Barten besteht darin, die Nahrung aus dem Wasser zur filtern. Kleinkrebse und Fische gelangen mit einer Menge Wasser in das Maul, dann wird das Maul geschlossen, das Wasser herausgepresst und die Beutetiere bleiben an den Barten hängen. Anschließend werden sie mit der Zunge abgestreift und runtergeschluckt. Zu den Beutetieren zählen Kleinkrebse und anderes Plankton, sowie kleine Fische.

Fortpflanzung

Pazifische Nordkaper erreichen die Geschlechtsreife mit sechs bis neun Jahren. Die Paarung findet im späten Herbst oder im zeitigen Winter statt. Die Tiere leben ausgesprochene polygam. Brünstige Weibchen werden von mehreren Bullen umworben, wobei die Bullen teilweise aggressiv interagieren. Allerdings wurde erwiesen, dass die Bullen bei der Paarung eines Rivalen aktiv Hilfe leisten, indem sie das Weibchen stützen während der Rivale sich mit ihr paart. Nach einer durchschnittlichen Tragzeit von 12 bis 13 Monaten bringt das Muttertier ein 460 bis 600 Zentimeter langes Kalb zur Welt und drückt es sofort an die Oberfläche damit es atmen kann. Die ersten Wochen nach der Geburt muss das Kalb alle paar Minuten Luft holen, weswegen sowohl Mutter als auch Jungtier wochenlang ohne Schlaf verbringen müssen. Die ersten sechs Monate entfernt sich das Kalb kaum von seiner Mutter. Mit knapp einem Jahr erfolgt die Entwöhnung von der Muttermilch. Dennoch bleibt das Kalb noch etwa zwei Jahre lang in der Nähe der Mutter. Am gefährdetsten sind die Jungtiere im ersten Jahr ihres Lebens.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Fast alles an den Walen findet Nutzen für den Menschen. Von Lampenöl, Öl und Dünger, über Nahrungsmittel wie Speck, Schinken, Wurst und Tierfutter, bis hin zu Schuhlöffeln, Schuhcreme und Seife wird der Wal verwendet. Auch in der Medizin werden Teile der Wale genutzt. Hormonpillen, Salben und Pillenkapseln kann man auch aus den entsprechenden Körperteilen herstellen.

Nachdem der Atlantik vom Atlantischen Nordkaper fast geleert wurde, hatten Walfänger den Pazifischen Nordkaper im 19. Jahrhundert endeckt. Auch hier wurden die Bestände stark bejagt, selbst nach dem er im Oktober 1935 erfolgten Unterschutzstellung hörten die sowjetischen Walfänger nicht auf die Art zu bejagen. Aber nicht nur Wilderei, sondern auch Meeresverschmutzung, Ölkatastrophen und Unfälle mit Schiffen bedrohen diese Wale. In der Roten Liste des IUCN wird er als stark gefährdet geführt. Heutzutage ist er streng geschützt und darf nicht bejagt werden. Trotzdem fallen immer wieder einzelne Tiere japanischen Walfängern zum Opfer.

Systematische Einordnung

 |---------- Llanocetidae
 | 
 |---------- Mammalodontida
 | 
 |---------- Kekenodontinae
 | 
-|     |---- Balaenopteridae
 |     |
 |     |---- Eschrichtiidae
 |     |
 |     |---- Neobalaenidae
 |   |-|
 |   | |---- Balaenidae ─── Eubalaena ─── Eubalaena japonica
 | |-|
 | | |------ Cetotheriidae
 |-|
   |-------- Aetiocetidae

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Wale (Cetacea)
  • Hauptartikel: die Familie der Glattwale (Balaenidae)

Literatur und Quellen

Links

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