Perrier-Sifaka

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Perrier-Sifaka

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Indriartige (Indriidae)
Gattung: Sifakas (Propithecus)
Art: Perrier-Sifaka
Wissenschaftlicher Name
Propithecus perrieri
Lavauden, 1931

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Perrier-Sifaka (Propithecus perrieri) zählt innerhalb der Familie der Indriartigen (Indriidae) zur Gattung der Sifakas (Propithecus). Im Englischen wird die Art Perrier’s Sifaka genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind keine bekannt.

Ursprünglich sah man die Art als Unterart des Diademsifaka (Propithecus diadema). Artstatus nach Groves (2001) und Mayor et al. (2004). Der Perrier-Sifaka gehört zu den 25 gefährdetsten Arten im Tierreich.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Perrier-Sifaka erreicht eine Körperlänge von 474 bis 504 mm sowie ein Gewicht von 4.220 bis 4.440 g. Männchen bleiben etwas kleiner und leichter als Weibchen. Die Beine sind deutlich länger als die Arme. Das dichte und seidig wirkende Fell weist eine schwärzliche Färbung auf. Das Gesicht und die Ohren sind nackt, die Haut ist hier schwarz gefärbt. Die kleinen orangebraunen Augen sind nach vorne gerichtet. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 2/2, 1/1, 2/2, 3/3 (vergl. Lehman et al. 2005 und Mittermeier et al. 2006).

Verhalten

Perrier-Sifakas sind tagaktiv und leben in kleinen sozialen Gruppen von 2 bis 6 Individuen. Die Reviere einzelner Gruppen überschneiden sich nicht. Von daher gibt es relativ wenig Interaktionen zwischen verschiedenen Gruppen. Das Revier einer Gruppe umfasst etwa 1 ha. Die Reviergröße kann je nach Lebensraum variieren. Perrier-Sifakas halten sich fast ausschließlich hoch oben in den Bäumen auf, den Waldboden betreten sie relativ selten. Die Tiere bewegen sich sowohl bipedal als auch quadrupedal fort. Die Kommunikation untereinander erfolgt sowohl visuell und taktil als auch akustisch. Auch der olfaktorische Sinn spielt eine große Rolle (vergl. Lehman et al. 2005).

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist in einem kleinen Gebiet, in der Region Analamerana, im Norden von Madagaskar endemisch. Das Verbreitungsgebiet ist knapp 300 km² groß. Ursprünglich waren Perrier-Sifakas auch in der benachbarten Region Ankarana verbreitet, wo sie jedoch heute nicht mehr vorkommen. Die Tiere leben in Höhen von bis zu 400 m, lokal auch bis 600 über NN. Die Gesamtpopulation wird aktuell auf 1.000 bis 2.000 Individuen geschätzt. Damit ist die Art kritisch gefährdet. Die Siedlungsdichte liegt bei 3,1 Individuen je km². Perrier-Sifakas besiedeln hauptsächlich tropische Trockenwälder und Auwälder (Banks et al. 2007; Ratsirarson, 1989; IUCN, 2011).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden der Perrier-Sifakas zählen insbesondere die Fossa (Cryptoprocta ferox). Die Räuber kommen im Verbreitungsgebiet in einer sehr hohen Dichte vor, so dass von hohen Verlusten in den Populationen der Perrier-Sifakas ausgegangen werden kann. Weitere natürliche Feinde sind auch Greifvögel (Falconiformes), die vor allem Jungtieren nachstellen. Darüber hinaus werden Perrier-Sifakas auch von der einheimischen Bevölkerung gejagt (Banks et al, 2007).

Ernährung

Perrier-Sifakas ernähren sich zum größten Teil (etwa 50%) von Blättern, zu einem kleineren Teil auch von Früchten (17%), Sämereien, Körnern und Blüten (27%). Sie ernähren sich dabei generalistisch und greifen auf eine große Zahl von Pflanzen zurück. Eine Spezialisierung ist nicht zu erkennen. Weit oben auf der Speisekarte stehen Pflanzen wie Klebsamen (Pittosporum), Sapotengewächse (Sapotaceae) wie Sideroxylon, Ebenholzgewächse (Ebenaceae) wie Diospyros, Dalbergien (Dalbergia), Tamarindenbäume (Tamarindus indica), Feigen (Ficus) sowie Pflanzen aus der Gattung der Somotrorama.

Fortpflanzung

Die Art erreicht die Geschlechtsreife mit gut 4 bis 5 Jahren. Perrier-Sifakas bringen meist einmal im Jahr Nachwuchs zur Welt. Die Paarungszeit erstreckt sich im Wesentlichen über Dezember und Januar. Zwischen 2 Geburten liegen rund 1,5 bis 2 Jahre. Je nach Größe einer Gruppe treten monogame oder auch polygame Strukturen auf. Zu den Geburten kommt es meist zwischen Mai und Juli. Während der Empfänglichkeit der Weibchen sind die Genitalien leicht angeschwollen und rosafarben gefärbt. Weibchen bringen nach einer Tragezeit von 150 bis 180 Tagen meist ein Jungtier zur Welt. Ein Jungtier weist ein Geburtsgewicht von 150 bis 160 (156) g auf. In den ersten Lebenswochen kümmert sich ausschließlich die Mutter um den Nachwuchs, später auch andere Gruppenmitglieder. Der Nachwuchs wird in den ersten Lebenswochen am Bauch getragen, später reiten die Jungen auf dem Rücken der Mütter oder anderer Gruppenmitglieder. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt im fünften Lebensmonat. Mit 2 Jahren ist der Nachwuchs unabhängig. Die Lebenserwartung der Diademsifakas in freier Wildbahn ist nicht bekannt (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung, Schutz

Perrier-Sifakas gehören heute zu den am meisten gefährdeten Arten. In der Roten Liste der IUCN werden Perrier-Sifakas in der Kategorie CR, Critically Endangered, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Tiere in Anhang I unter weltweitem Schutz. Der Hauptgrund für die starken Rückgänge der Populationen liegt in der Zerstörung der natürlichen Lebensräume. Schneller als irgendwo anders in der Welt, verschwindet auf Madagaskar der Regenwald in einem rasanten Tempo. Negativ wirkt sich auch die Bejagung auf die Populationen aus. Insbesondere Jungtiere fallen den zahlreich vorkommenden Fossas zum Opfer. Die Sterblichkeit ist unter den Jungtieren daher extrem hoch (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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