Braune Haitivogelspinne

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Braune Haitivogelspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Phormictopus
Art: Braune Haitivogelspinne
Wissenschaftlicher Name
Phormictopus cancerides
(Latreille, 1806)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002313]

Die Braune Haitivogelspinne (Phormictopus cancerides) zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Phormictopus. Im Englischen wird die Braune Haitivogelspinne hispaniolan giant tarantula genannt. Die Braune Haitivogelspinne wird häufig mit der Art Phormictopus cubensis und mit der Art Citharacanthus spinicrus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Braune Haitivogelspinne erreicht eine Körperlänge von etwa 7 bis 8 Zentimetern. Zwischen beiden Geschlechtern gibt es in der Färbung keine Unterschiede. Die Art weist eine braune bis schwarze Grundfärbung auf. Das Prosoma schimmert kupfermetallisch und der Carapax weist eine metallisch rosafarbene Tönung auf. Im Bereich der Augen zeigen sich rosafarbene Haare. Die Jungspinnen weisen im Gegensatz zu den adulten Tieren eine dunkelblaue Färbung auf. Bei beiden Geschlechtern ist der gesamte Körper mit einer langen dichten rotbraunen Behaarung bedeckt und überwiegend sind die Härchen mit Nervenzellen verbunden und dienen somit als Tasthaare, die auf Berührung und Vibrationen empfindlich reagieren. Hauptsächlich weisen die Beine eine starke Behaarung auf. Die übrigen Härchen werden in Brennhaare, Hörhaare, Geschmackshaare und Hafthaare unterschieden. Das Männchen besitzt für die Paarung Tibialhaken am vorderen Beinpaar. Im Allgemeinen ist das Männchen kleiner als das Weibchen und ist meist an seinen langen Beinen und an seinem schlankeren Körper gut zu erkennen. Das Männchen ist mit 2 bis 3 Jahren geschlechtsreif und das Weibchen erreicht die Geschlechtsreife mit etwa 3 Jahren.

Lebensweise

Die Braune Haitivogelspinne ist eine bodenbewohnende Vogelspinne und lebt wie fast alle Vogelspinnen einzelgängerisch. Sie zählt zu den sogenannten Bombadierspinnen. Bei Gefahr kann sie ihre Brennhaare, die sich auf dem Opisthosoma (Hinterleib) befinden, einsetzen. Die Brennhaare können ein Jucken und Brennen der Haut und der Atemwege verursachen. Allerdings zieht die Spinne es vor zu flüchten, bevor sie ihre Brennhaare abstößt. Ansonsten ist sie eine zurückhaltende und friedliche Vogelspinne und beißt selten zu. Kommt es doch zu einem Biss, muss die Wunde sofort desinfiziert werden, da sich auf den Cheliceren häufig Bakterien befinden, die eine Infektion auslösen können. Der Giftbiss selbst ist nicht so gefährlich wie die Infektion durch Bakterien.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Braunen Haitivogelspinne befindet sich auf Haiti: Port au Prince, zwischen Pétionville und Kenscoff, Cap Hitien sowie in der Dominikanischen Republik: San Domingo und auf Porto Rico: Anasa, Lares, San Juan sowie in Brasilien. Die Braune Haitivogelspinne baut in freier Wildbahn keine Wohnröhren, sondern lebt unter Steinen und Wurzeln. Sie ist häufig außerhalb ihres Unterschlupfes zu sehen.

Ernährung

Die Braune Haitivogelspinne ernährt sich in ihrem natürlichen Lebensraum von Insekten (Insecta), von Eidechsen (Lacertidae), Mäusen (Mus) und von anderen kleinen Tieren. In Gefangenschaft kann die Ernährung vielfältig sein und besteht meist aus Grillen (Gryllidae), Heuschrecken wie Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und aus Larven vom Mehlkäfer (Tenebrio molitor). Gelegentlich können ein- oder zweimal pro Monat auch Mäuse (Mus) verfüttert werden.

Fortpflanzung

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft die Braune Haitivogelspinne mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Kokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie 80 bis 120 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ab. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

  • Phormictopus cancerides - (Latreille, 1806)
  • Mygale cancerides - Latreille, 1806
  • Mygale cancerides - Hahn, 1820
  • Mygale cancerides - Hahn, 1833a
  • Mygale cancerides - Walckenaer, 1837
  • Mygale erichsonii - C. L. Koch, 1841a
  • Mygale cancerides - C. L. Koch, 1842
  • Eurypelma cancerides - Ausserer, 1871a
  • Eurypelma cancerides - Ausserer, 1875
  • Schizopelma erichsoni - Banks, 1901d
  • Phormictopus cancerides - Pocock, 1901c
  • Phormictopus cancerides tenuispina - Strand, 1906c - [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002315]
  • Phormictopus cancerides - Petrunkevitch, 1929b
  • Phormictopus cancerides - Bücherl, 1957
  • Phormictopus cancerides - Schiapelli & Gerschman de Pikelin, 1979
  • Phormictopus cancerides - Schmidt, 1986
  • Phormictopus cancerides - Smith, 1986b
  • Phormictopus cancerides - Smith, 1987b
  • Phormictopus cancerides - Smith, 1987d
  • Phormictopus cancerides - Hancock & Hancock, 1989
  • Phormictopus cancerides - Schmidt, 1991a
  • Phormictopus cancerides - Smith, 1992c
  • Phormictopus cancerides - Schmidt, 1993d
  • Phormictopus cancerides - Pérez-Miles et al., 1996
  • Phormictopus cancerides - Schmidt, 1997g, 1998h
  • Phormictopus cancerides - Schmidt, 1999f
  • Phormictopus cancerides - Peters, 2000b
  • Phormictopus cancerides - Schmidt, 2001a
  • Phormictopus cancerides - Bertani, 2001
  • Phormictopus cancerides - Peters, 2003
  • Phormictopus cancerides - Rudloff, 2008a

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge