Piratenspinne

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Piratenspinne
Weibchen mit Eikokon

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Wolfspinnen (Lycosidae)
Gattung: Piratenspinnen (Pirata)
Art: Piratenspinne
Wissenschaftlicher Name
Pirata piraticus
(Clerck, 1757)

Die Piratenspinne (Pirata piraticus) zählt innerhalb der Familie der Wolfspinnen (Lycosidae) zur Gattung der Piratenspinnen (Pirata).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die kleine Piratenspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 5 bis 6,5 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 6 bis 9 Millimeter. Beide Geschlechter ähneln sich im Aussehen. Der Rückenschild ist dunkelbraun, manchmal mit einem zartgrünen Schimmer bedeckt. Die Piratenspinne zeichnet sich dadurch aus, dass ihr Rückenschild meist breiter als der Hinterleib ist. Das Mittelband ist mit einer Y-förmigen, dunkleren Mitte versehen und seitlich mit weißen Härchen bedeckt. Der Hinterleib ist rötlichbraun und mit einem deutlichen geblich-braunen Herzmal versehen, das von weißen Härchen eingefaßt wird. Im hinteren Teil des Hinterleibes liegen rechts und links des spitz zulaufenden Herzmales weiße Punkte. Die Hinterleibsseiten sind dicht mit weißlichen Härchen bedeckt. Die Beine weisen eine gelbbraune bis gründliche Färbung auf. Die weißen Härchen ermöglichen es der Piratenspinne, sich längere Zeit unter Wasser aufzuhalten, da sich zwischen den Härchen Luftbläschen bilden, von denen die Piratenspinne einige Zeit unter Wasser zehren kann. Diese Art kommt vor allem in Sumpfgebieten vor. Die reifen Tiere findet man von Mai bis Juli und die Weibchen vereinzelt noch bis September.

Lebensweise

Das Besondere an der Piratenspinne liegt in ihrer Lebensweise. Sie hält sich stets im unmittelbaren Uferbereich auf. Bei Gefahr flüchtet die Piratenspinne gern auf die freie Wasseroberfläche und kann sogar für längere Zeit untertauchen. Die Piratenspinne erbeutet Insekten (Insecta) im Uferbereich, auch Tiere der Wasseroberfläche und ins Wasser gefallene Geflügelte Insekten (Pterygota). Ähnlich wie Dolomedes kann die Piratenspinne aber auch durch den Wasserspiegel hindurch Wassertiere, etwa Insektenlarven und Kaulquappen sowie kleine Fischchen, ergreifen und zum Verzehren ans Ufer bringen.

Verbreitung

Die Piratenspinne lebt oft in großer Zahl am moosbewachsenen Ufer stehender und fließender Gewässer. Sie hält sich vorwiegend in offenen bis halboffenen schattigen Bereichen auf. In Mitteleuropa ist die Piratenspinne überall häufig anzutreffen. Sie ist die häufigste Art der Gattung Pirata.

Ernährung

Das Besondere an der Piratenspinne liegt in ihrer Lebensweise. Sie ist in der Lage, sich auf der Wasseroberfläche fortzubewegen und erjagt ihre Beute auf der Wasseroberfläche und ernährt sich von Kaulquappen, kleinen Fischchen sowie von Insekten (Insecta), insbesondere Geflügelten Insekten (Pterygota).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Piratenspinne beginnt meist im zeitigen Mai. Das Männchen nähert sich dabei dem wesentlich größeren Weibchen und bewegt dabei seine Taster auf und ab. Das paarungsbereite Weibchen verhält sich passiv und abwartend. Das Männchen kann nun das Weibchen besteigen und führt seine Bulben in die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) des Weibchens ein und injiziert so das Sperma. Dieser Vorgang kann durchaus einige Stunden dauern. Danach verläßt das Männchen seine Partnerin und kümmert sich auch nicht um die Aufzucht. Die Eier werden in einen weißen Kokon abgelegt und an die Spinnwarzen geheftet. Das Weibchen trägt diesen Kokon immer mit sich herum. Meist schlüpfen die Jungspinnen im Juni. Das Weibchen ist ihrem Nachwuchs behilflich und öffnet den Kokon. Die Jungspinnen, das können durchaus einige hundert sein, begeben sich sofort auf den Rücken ihrer Mutter. In der ersten Zeit ernähren sie sich vom Eidotter. Selbständig sind sie meist nach der ersten Häutung.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
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