Präriefalke

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Präriefalke

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Falkenartige (Falconidae)
Unterfamilie: Eigentliche Falken (Falconinae)
Gattung: Falken (Falco)
Art: Präriefalke
Wissenschaftlicher Name
Falco mexicanus
(Schlegel, 1850)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Präriefalke (Falco mexicanus), auch unter den Synonymen Gennaia mexicana und Hierofalco mexicanus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Falkenartige (Falconidae) zur Gattung der Falken (Falco). Im Englischen wird Präriefalke prairie falcon genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Präriefalken sind mittelgroß und erreicht eine Körperlänge von etwa 37,0 bis 47,0 Zentimeter sowie eine Spannweite von etwa 90,0 bis 113,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 420,0 bis 1.100 Gramm (Durchschnitt 686,0 Gramm). Das Weibchen ist etwas größer als das Männchen. Der Präriefalke weist eine hellbraunes Gefieder, einen quadratisch geformten Kopf und große, dunkle Augen auf. Charakteristische Gesichtszüge sind schwarz Tränenstreif, ein dunkler Ohrfleck und ein ausgeprägter weißer Fleck zwischen den Augen. Etwa ein Jahr nach der Geburt, bei voller Reife, ist der Schnabel dunkel-bläulich und gelb an der Basis. Des Weiteren ist der Scheitel fast so dunkel als die übrige Oberseite. Der Hinterkopf ist durch einen weißlichen Querstreif und der Nacken durch einen weißlichen Fleck gezeichnet. Der Bartstreif ist etwas undeutlich. Er hat einen dunklen Tränenstreif. Seine Augen sind groß. Sein Schnabel ist kurz und hat einen Zahn. Die Brust und die Vorderseite der Weichen sind mit länglichrunden, der Bauch mit kürzeren rundlichen und die hintere Hälfte der Weichen mit Querflecken versehen. Auch die unteren Schwanzdeckfedern sind bräunlich quergebändert. Die graubraunen Federn der Oberseite haben helle fahlrostfarbige Federränder und von der Mitte des Rückens an zeigen sich rostfarbige hellere Querbinden.

Die Außenfahnen der Schwanzfedern sind mit hellen rundlichen Flecken und die Innenfahnen mit durchgehenden Querbinden besetzt. Die zweite und dritte Schwungfeder sind auf der Außenfahne bogig eingeschnürt und die erste auf der Innenfahne ist winkelig eingeschnitten und die zweite bogig verengt. Die Fußbefiederung erstreckt sich vorn und inwendig gleichweit abwärts, bis zur Mitte der Laufhöhe. Der Lauf ist hinten ganz unbefiedert. Die Zahl der Schuppen auf der Vorderseite des Laufs ist wenig gering. Die Mittelzehe ist kürzer als der Lauf. Seine Füße sind gelb. Wenn der Präriefalke auf seiner Ansitzwarte verweilt, dann wirken die Flügel kürzer als die Schwanzspitze.
Präriefalke - Flugstudie
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Präriefalke - Flugstudie
Die Jungvögel ähneln den Erwachsenen, außer dass sie dunkle Streifen auf der Brust und auf dem Bauch aufweisen. Ferner ist das Obergefieder mehr grau gefärbt. Die Vokalisation ist die häufigste Form der Kommunikation unter den Präriefalken, jedoch ist die Kommunikation noch nicht gut untersucht. Es gibt drei Rufarten: Der Territorial-Ruf, der Alarmruf und der Balzruf. Der Territorial-Ruf wird in aggressiven Situationen ausgestoßen und ist ein lauter schriller Ruf und klingt so ähnlich wie "kik-kik-kik". Die Beute greift der Präriefalke nicht mit den Füßen sondern mit dem Schnabel.

Lebensweise

Präriefalken sind überwiegend Einzelgänger und leben nur während der Brutzeit paarweise. Manchmal neigen sie zu spiele-ähnliches Verhalten, indem sie getrockneten Kuhdung mit ihren Klausen greifen und in der Luft fallen lassen und wieder fangen. Der Flug erfolgt mit flachen, steifen Flügelschlägen. Sie sind fähig, vier- bis fünfmal längere Strecken durch Abflachen der Flügel und gefächeltem Schwanz zu steigen. Adulte Präriefalken verbringen 4 bis 6 Prozent ihres Tages mit Gefiederpflege. Das Sandbaden ist die häufigste Form der Pflege, aber sie baden auch im stehenden Wasser. Präriefalken fliegen etwa eine halbe Stunden vor Sonnenuntergang, jedoch wurden auch nächtliche Flüge aufgezeichnet. Die meisten Flüge erfolgen in der Mitte des Tages. Präriefalken gelten allgemein als die aggressivsten aller Greifvögel. Während der Brut- und Nestlingszeit greifen die Erwachsenen andere Präriefalken an, vor allem in ihrem Territorium werden andere sympatrische Greifvögel verjagt oder angegriffen, darunter zählen Steinadler (Aquila chrysaetos), Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis), Kalifornien-Kondor (Gymnogyps californianus) und Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Keine aggressive Reaktionen zeigen die Präriefalken gegenüber dem Buntfalken (Falco sparverius), der Kornweihe (Circus cyaneus), Eckschwanzsperber (Accipiter striatus)
Präriefalke beim Nisten
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Präriefalke beim Nisten
und gegenüber dem Truthahngeier (Cathartes aura). Die Größe des Territoriums variiert geografisch. Die Männchen neigen dazu, größere Reviere als Weibchen zu besitzen. Im Winter sind die Reviere etwas kleiner und in der Brutzeit vergrößern sich dann die Reviere.

Verbreitung

Der Präriefalke ist im gesamten Westen der USA sowie in Teilen von Mexiko und Kanada zu finden. Allgemein hält er sich in der Wüste und in den Prärie-Regionen von British Columbia, Alberta und Saskatchewan in Kanada auf. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist der Präriefalke in Nord-und Süd-Süd-Dakota bis Texas, Arizona und New Mexico verbreitet. Auch wurde der Präriefalke in Manitoba, Minnesota, Illinois, Iowa und Indiana gesichtet. Im Frühling und im Herbst bevorzugt der Präriefalke offenes Grasland, obwohl er auch bewaldete Lebensräume in Kanada während Migration aufsucht. Im Winter bevorzugt der Präriefalke offene Wüsten und Grasland. Der Präriefalke brütet im offenen, trockenen Grasland mit Klippen und Steilufern. Die Nistplätze werden häufig mit dem Kolkraben (Corvus corax) sowie mit dem Steinadler (Aquila chrysaetos) und mit dem Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) geteilt. Es ist schwierig den Präriefalken in seinem natürlichen Lebensraum zu beobachten, denn die Gefiederfarbe passt sich der Farbe der Felsen sehr gut an, auf denen der Präriefalke nistet. Der Präriefalke wird manchmal mit dem Präriebussard (Buteo swainsoni), mit dem Merlin (Falco columbarius) und mit dem Wanderfalken (Falco peregrinus) verwechselt.

Ernährung

Präriefalke - Nestlinge
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Präriefalke - Nestlinge

Die häufigsten Beutetiere während der Brutzeit sind Erdhörnchen (Marmotini) und Ziesel (Spermophilus), einschließlich Townsend-Ziesel (Spermophilus townsendii), Belding-Ziesel (Spermophilus beldingi) und Richardson-Ziesel (Spermophilus richardsonii). Der Präriefalke frißt auch gerne Vögel, wie Ohrenlerche (Eremophila alpestris) , Westlicher Lerchenstärling (Sturnella neglecta), Carolinataube (Zenaida macroura), Colorado-Schneegimpel (Leucosticte australis) und Stärlinge (Icteridae). Zum Nahrungsspektrum zählen noch Insekten (Insecta) wie Käfer (Coleoptera), Krebstiere (Crustacea) wie Asseln (Isopoda) und Spinnentiere (Arachnida) sowie Ringelwürmer (Annelida) und Schuppentiere (Squamata). Er jagt die Opfer von einer erhöhten Ansitzwarte.

Prädatoren

Die Eier und Nestlinge sind besonders anfällig für natürliche Feinde, insbesondere Kojoten (Canis latrans) und Luchse (Lynx). Virginia-Uhus (Bubo virginianus) erbeuten vorwiegend die Erwachsenen und die Nestlinge. Des Weiteren jagen Steinadler (Aquila chrysaetos) gerne Präriefalken. Präriefalken können aber sehr aggressiv bei der Verteidigung ihres Territoriums und ihrer Nester werden. Die Präriefalken sind im Flug agil. Sie können der Prädation durch Agilität und Aggression ausweichen. Es wurde auch beobachtet wie ein Präriefalke sich gegen einen Virginia-Uhu (Bubo virginianus) wehrte.

Fortpflanzung

Präriefalke - Nestlinge
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Präriefalke - Nestlinge

Präriefalken sind während der Brutzeit monogam. Die Paare suchen bei der Ankunft auf den Brutplätzen einen günstigen Standort zum Nisten. Die Paarung ist ähnlich wie bei dem Wanderfalken (Falco peregrinus) und wie bei dem Gerfalken (Falco rusticolus). Zum Balzverhalten gehören Kopf-Verbeugungen sowie verschiedene Lautäußerungen. Die eigentliche Kopulation dauert etwa 10 Sekunden. Das Männchen neigt dazu, dem Weibchen Nahrung an den Nistplatz zu bringen. Die eigentliche Kopulation dauert etwa 10 Sekunden. Präriefalken bauen keine Nester, sondern suchen einen Felsvorsprung, wo sie nisten können. Sie brüten von Februar bis Juli, mit einem Spitzenwert von April bis Mai. Das Weibchen legt zwei bis sechs Eier in Zeitabständen von zwei Tagen. Die Weibchen tragen die Hauptlast während der Inkubation und auch während der Aufzucht der Jungen, während das Männchen zu unterschiedlichen Zeiten das Weibchen beim Bebrüten der Eier ablöst. Die Inkubation dauert etwa 29 bis 31 Tage. Die Jungen schlüpfen mit offenen Ohrlöchern und leicht geöffneten Augen. In den ersten drei Wochen nach dem Schlüpfen füttern beide Elternteile die Jungen. In der Regel bringt das Männchen die Nahrung dem Weibchen ans Nest und das Weibchen verfüttert die Nahrung in kleinen Happen an die Jungen weiter. Nach vier Wochen bringen die Eltern die Nahrung nur noch zum Nest und die Jungen beginnen sich selbständig zu ernähren. Die Jungen sind nach etwa 29 bis 47 Tagen flügge und werden etwas mehr als zwei Monate nach dem Schlüpfen unabhängig. Geschlechtsreif sind die Jugendlichen dann innerhalb von zwei Jahren nach dem Schlupf.

Gefährdung und Schutz

Präriefalke
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Präriefalke

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Präriefalke heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Der Präriefalke ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Präriefalke selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Präriefalke als least concern (nicht gefährdet) geführt. Die Langlebigkeit eines Präriefalken beträgt etwa 15,6 Jahre. Häufiger jedoch erreicht der Präriefalke in freier Wildbahn nur eine Lebensdauer von 2,4 bis 4,9 Jahren. Die häufige Todesursache der Präriefalken ist das Abschießen durch den Menschen. Ferner zählen zu den häufigen Todesursachen Kollisionen mit künstlichen Objekten wie Fahrzeuge, Drähte und Zäune. Einige adulte Präriefalken ertrinken auch in den aufgestellten Wassertanks. Zur weiteren Dezimierung der Präriefalken trägt der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) bei, indem er die Eier und die Nestlinge erbeutet. Die durchschnittliche Mortalitätsrate der jungen Präriefalken liegt bei etwa 31 Prozent. Weitere Todesursachen sind Ektoparasiten und Hunger.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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