Präriehase

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Präriehase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Echte Hasen (Lepus)
Art: Präriehase
Wissenschaftlicher Name
Lepus townsendii
Bachman, 1839

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Präriehase (Lepus townsendii) zählt innerhalb der Familie Hasen (Leporidae) zur Gattung der Echten Hasen (Lepus). Der wissenschaftliche Name wurde zu Ehren des Naturforschers, Ornithologen und Kollektors John Kirk Townsend vergeben, der einen Präriehasen von einer seiner Forschungsreisen mitbrachte. In den Regionen Nordamerikas, in den sich die Verbreitungsgebiete überschneiden, kann sich der Präriehase mit einem Eselhasen (Lepus californicus) paaren. Die daraus enstandenen Hybriden sind fortpflanzungsfähig.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Präriehase erreicht eine Körperlänge von 59 bis 65,5 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 8,5 bis 10 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 15,3 bis 16,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 2.600 bis 4.400 Gramm. Männchen bleiben und bis zu sieben Prozent kleiner und leichter als Weibchen. Ansonsten weisen die Geschlechter keinen Dimorphismus auf. Das Fell des Präriehasen weist eine gelblichbraune bis graubraune Grundfärbung auf und dient in erster Linie der Tarnung. Die Bauchseite ist weißlich bis grauweiß gefärbt. In nördlichen Regionen, insbesondere in Kanada, ist das Fell im Winter weißlich. Der buschige Schwanz ist auf der Unterseite ebenfalls weiß. Juvenile Hasen sind ähnlich gefärbt, jedoch verfügen sie über eine dichtere Unterwolle, da sie noch nicht über eine Fettschicht verfügen. Der Fellwechsel wird im Frühjahr (April bis Mai) und im späten Herbst oder frühen Winter (Oktober bis November) vollzogen. Die langen Ohren dienen keineswegs primär dem gut entwickelten Gehör. Ähnlich wie beim Eselhasen dienen die Ohren in erster Linie der Wärmeregulierung. Präriehasen geben über die erweiterten Blutgefäße in den Ohren Wärme ab. So schützen sie sich vor einer Überhitzung. Der Kopf weist eine längliche Form auf, die Augen sind recht groß und lassen auf eine überwiegend nächtliche Aktivität schließen. Das Gebiss der Präriehasen besteht aus 28 Zähnen. Die langen Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine und ermöglichen dem Präriehasen hohe Geschwindigkeiten, weite Sprünge und extreme Richtungswechsel. Der Präriehase kann locker auf bis zu 55 km/h beschleunigen und erreicht kurzfristig auch höhere Geschwindigkeiten. Im Bereich der Schnauze befinden sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen.

Lebensweise

Präriehasen sind fast ausschließlich in der Dämmerung und in der Nacht aktiv, am Tage ruhen sie in ihren Nestern. Präriehasen legen sich keinen Bau an, sondern bauen sich nur eine flache Mulde, in der sie Deckung suchen, ihren Nachwuchs zur Welt bringen oder einfach nur schlafen. Die Mulden entstehen in der Regel unter Büschen oder an ähnlich geschützten Stellen. Eine Mulde weist eine Länge von rund 60 Zentimeter, eine Breite von 25 bis 30 Zentimeter und eine Tiefe von bis zu 20 Zentimeter auf. In nördlichen Regionen legen sich die Tiere im Winter Schneehöhlen an. Bei Gefahr bleiben sie sehr lange in der Mulde und vertrauen auf ihre hervorragende Tarnung. Erst im allerletzten Moment springen sie auf und rennen davon. Charakteristisch ist dabei das Hakenschlagen auf der Flucht, das sich durch extreme Richtungswechsel ausdrückt. Präriehasen leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Allenfalls während der Paarungszeit bilden sich temporär kleine Gruppen, die als Ziel eine Paarfindung haben. Bei der Nahrungssuche lassen sich gelegentlich mehrere Individuen beobachten. Präriehasen sind dabei nur wenig territorial, sie beanspruchen jedoch ein Streifrevier von einigen Quadratkilometern. Die Streifreviere der Weibchen sind in aller Regel etwas größer und überschneiden sich mit Revieren mehrerer Männchen.

Unterarten

Verbreitung

Präriehasen sind in Nordamerika weit verbreitet. Sie fehlen im Grund nur in den östlichen Landesteilen von Kanada und den USA. Präriehasen kommen in den südlichen Teilen des westlichen und zentralen Kanadas (insbesondere Saskatchewan und Alberta) vor. In den USA werden weitflächig alle Regionen im mittleren Westen und Westen besiedelt. Die Tiere sind sowohl in der Ebene als auch in Mittelgebirgen und Hochgebirgslagen der Rocky Mountains und im Kaskadengebirge bis in Höhen von über 4.000 Metern vor. Im Süden erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis in den Nordosten von Kalifornien. Präriehasen sind an keinen bestimmten Lebensraum gebunden und bewohnen somit eine breite Strecke an Lebensräumen. Aride und halbaride Lebensräume werden jedoch bevorzugt. So zählen Wüsten, Halbwüsten, die offene Prärie und Savannen, Wiesen und Weiden sowie lichte Wälder und deren Ränder zu den natürlichen Habitaten. In Trockengebieten wie den Great Plains sind die Tiere ebenfalls vertreten. Auch wenn eher aride Lebensräume bevorzugt werden, sind sie entlang von Flussläufen und an Seen und Teichen durchaus häufig anzutreffen. Die Nähe zum Menschen wird nicht gemieden, man trifft die Präriehasen sowohl auf landwirtschaftlichen Flächen als auch in der Nähe von Siedlungsräumen an.

Prädatoren

Präriehasen stehen auf der Speisekarte einer Reihe von Raubtieren und räuberisch lebenden Vögeln. In der Vogelwelt stellen den Präriehasen vor allem Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes), wie Steinadler (Aquila chrysaetos), Bussarde (Buteo) und Virginia-Uhus (Bubo virginianus) nach. Unter den Säugetieren gehören insbesondere Rotfüchse (Vulpes vulpes), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Fichtenmarder (Martes americana), Kojoten (Canis latrans), Rotluchse (Lynx rufus), Pumas (Puma concolor), Silberdachse (Taxidea taxus) und Kanadische Luchse (Lynx canadensis) zu den natürlichen Fressfeinden. Einige Schlangen (Serpentes) haben es vor allem auf Jungtiere abgesehen. Präriehasen vertrauen zumeist auf ihre hervorragende Deckung. Erst im letzten Moment ergreifen sie die Flucht und machen es potentiellen Feinden aufgrund ihrer hohen Laufgewschwindigkeit und der extremen Richtungswechsel schwer, sie zu erwischen. Nicht selten entwischen Präriehasen auch ins Wasser, sie gelten aus ausgezeichnete Schwimmer.

Ernährung

Präriehasen ernähren sich als reine Pflanzenfresser hauptsächlich von Blättern, Gräsern und Kräutern. Aber auch junge Triebe und Rinde werden in Mangelzeiten durchaus häufig gefressen. Kakteen, Beeren und Früchte, Wurzeln und Knollen werden ebenfalls nicht verschmäht. Im Frühjahr und Sommer werden überwiegend frische Gräser und Kräuter gefressen, im Winter machen sich Präriehasen über Sträucher und ähnliches her. Zur bevorzugten Nahrung gehören beispielsweise Schneckenklee (Medicago), Artemisia, Klee (Trifolium), Löwenzahn (Taraxacum), Seggen (Carex), Castilleja, Gänsefüße (Chenopodium), Quecken (Elymus), Weizen (Triticum), Radmelden (Kochia) und viele andere Gewächse. Ein ausgewachsener Präriehase nimmt etwa 500 Gramm Nahrung pro Tag zu sich. Mit ihren scharfen Schneidezähnen schneiden sie ihre Nahrung, mit den Backenzähnen wird sie zermahlen. Flüssigkeit nehmen sie selten zu sich, sie decken ihren Flüssigkeitshaushalt überwiegend über ihre Nahrung. Im Winter fressen sie gelegentlich auch Schnee. Ihr Verdauungssystem basiert nicht auf Säure. In Magen und Darm sorgen Bakterien für die Zersetzung der Nahrung. Regional kann sich die verfügbare Nahrung deutlich voneinander unterscheiden.

Fortpflanzung

Die Präriehasen erreichen die Geschlechtsreife bereits im Alter von acht Monaten. Zur ersten Paarung kommt es jedoch erst im Frühjahr nach ihrer Geburt. Der Eisprung (Ovulation) wird unmittelbar nach der Kopulation ausgelöst. Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr, jedoch ist der exakte Zeitpunkt aufgrund des großen Verbreitungsgebietes nicht bestimmbar. In nördlichen Regionen erfolgt die Paarung später, in südlichen Regionen entsprechend früher. Je nach Verbreitungsgebiet ist dies von Februar bis April oder Mai der Fall. Zudem ist die Paarungszeit von der Niederschlagsmenge und dem Nahrungsangebot abhängig. In südlichen Regionen kann es zudem in einer Saison zu zwei bis vier Würfen kommen. In diesen Fällen kann sich die Paarungszeit bis in den August oder September erstrecken. Präriehasen leben polygam, ein Männchen paart sich zumeist mit mehreren Weibchen und hat mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Während der Ranz versammeln sich Präriehasen zu kleinen Gruppen, in denen das Paarungsrecht mit den Weibchen ausgefochten wird. Es kommt zu teils heftigen Kommentkämpfen, bei denen die Unterlegenen das Weite suchen.

Nach einer Tragezeit von 36 bis 43 Tagen bringt das Weibchen zwei bis zehn (durchschnittlich vier bis fünf) Jungtiere zur Welt. Die Tragezeit richtet sich nach den klimatischen Bedingungen in den Verbreitungsgebieten. Das Nest befindet sich in einer einfachen, bis zu 20 Zentimeter tiefen Erdmulde, die an geschützter Stelle eingerichtet und mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert wird. Die Jungtiere sind bereits bei der Geburt weit entwickelt und haben auch schon die Augen geöffnet, ihr Geburtsgewicht beträgt knapp 90 Gramm. Die ersten beiden Wochen verbleiben die Jungtiere ausschließlich im Nest, später erkunden sie spielerisch ihren Lebensraum. Im Alter von gut vier bis fünf Wochen wird der Nachwuchs von der Muttermilch entwöhnt. Kurz danach sind die Jungen selbständig und verlassen die Mutter. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit unter günstigen Umständen bei sechs bis acht Jahren.

Ökologie

Präriehasen bilden die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Fleischfressern. Sie sind somit ein wichtiger Teil der Nahrungskette in ihrem Ökosystem. In den letzten Jahrzehnten hat der Bestand an natürlichen Fressfeinden jedoch stark abgenommen. Die Populationen der Präriehasen haben dadurch stark zugenommen und entwickeln sich in einigen Regionen sogar zur Plage. Dies trifft vor allem die Landwirte hart, da Präriehasen auf landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere auf Getreidefeldern durchaus erheblichen Schaden anrichten können. In Bezug auf ihre Nahrung stehen sie in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete in Nahrungskonkurrenz zu dem Vieh der Farmer. Bei massenhaftem Auftreten kann es daher zu Schädigungen an der Flora kommen. Präriehasen wurden in der Vergangenheit wegen ihres Fleisches und des Felles gejagt. Dies spielt heute jedoch keine Rolle mehr. In der Roten Liste der IUCN werden Präriehasen als nicht gefährdet geführt. Die Bestände haben sich selbst bei massiven Lebensraumverlust nicht reduziert. Dies zeugt von einer hohen Anpassungsfähigkeit der Tiere.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

Links

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