Pteropus livingstonii

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Pteropus livingstonii
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Flughunde (Megachiroptera)
Familie: Flughunde (Pteropodidae)
Tribus: Eigentliche Flughunde (Pteropodini)
Gattung: Pteropus
Art: Pteropus livingstonii
Wissenschaftlicher Name
Pteropus livingstonii
Gray, 1866

IUCN-Status
Endangered (EN)

Pteropus livingstonii gehört innerhalb der Familie der Flughunde (Pteropodidae) zur Gattung Pteropus. Im Englischen wird die Art Comoro Black Flying Fox oder Livingstone's Flying Fox genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Pteropus livingstonii erreicht je nach Geschlecht ein Gewicht von 528 bis 649 g, eine Unterarmlänge von 166,8 bis 172,3 mm, eine Daumenlänge von 42,4 bis 45,4 mm, eine Mittelhandknochenlänge von 89,0 bis 95,8 mm, eine Tibialänge von 79,6 bis 84,2 mm, eine Schädellänge von 69,1 bis 72,4 mm, eine Schädelbreite von 23,0 bis 24,2 mm, eine Condylobasallänge von 70,4 bis 71,1 mm, eine Jochbeinbreite von 37,7 bis 39,3 mm und eine Unterkieferlänge von 56,4 bis 58,8 mm. Ein signifikanter Dimorphismus zwischen den Geschlechtern konnte nicht festgestellt werden. Die Ohren von Pteropus livingstonii sind groß, oben abgerundet und leicht abstehend. Der innere Rand der Ohren ist konvex, die äußeren Ränder sind flach und konvex. Das Fell ist überwiegend schwarz gefärbt. Es zeigt sich jedoch bei den meisten Individuen ein leicht rotbrauner Farbton im schwarzen Fell. Dorsal zeigt sich ein etwa 6 cm breiter und gelblichbraun gefärbter Aalstrich. Das Fell weist an der Bauchseite eine Länge von 25 mm auf, dorsal ist das Fell zwischen 21 und 27 mm lang. Die Flügel sind dunkel, glänzend und frei von Haaren. Gleiches gilt die Ohren, die Nase, die Unterarme, der Tibia und die oberen Hinterbeine. Pteropus livingstonii verfügt über 34 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p3/3, m3/2. Der Flug von Pteropus livingstonii ist langsam und flatternd. Die Flugphasen sind durchsetzt mit Gleitphasen.

Lebensweise

Während der Ruhezeiten hält sich Pteropus livingstonii an den Schlafplätzen in Bäumen auf. Als Schlafbäume dienen üblicherweise Feigen (Ficus), verschiedene Korbblütler (Asteraceae), Schirmakazien (Albizia), Myrobalanen (Terminalia) und Mahagonigewächse (Meliaceae) wie Khaya. Die Schlafplätze liegen in Höhen von 15 bis 30 m über dem Waldboden. Pteropus livingstonii hängt am Schlafplatz kopfüber mit zusammengefalteten Flügeln an Ästen. Die Flügel sind dabei eng an den Körper gelegt (Smith & Leslie, 2006).

Verbreitung

Pteropus livingstonii ist auf 2 von 4 Inseln der Komoren endemisch. Dies sind die Inseln Moheli (Größe: 290 km²) und Anjouan (Größe: 424 km²). Die Komoren liegen in der Straße von Mosambik zwischen Mosambik und Madagaskar. Pteropus livingstonii lebt fast ausschließlich in den primären Bergwäldern. Die einzelnen Populationen haben ihre Schlafplätze in Höhen von 500 und 960 m. Ob es zwischen den Populationen auf den beiden Inseln zum Austausch kommt, ist nicht bekannt. Es ist jedoch eher unwahrscheinlich, da die Inseln gut 90 km voneinander entfernt liegen. Innerhalb der Inseln sind Wanderungen hingegen bekannt (Smith & Leslie, 2006).

Biozönose

Konkurrent: der Seychellen-Flughund (Pteropus seychellensis)
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Konkurrent: der Seychellen-Flughund (Pteropus seychellensis)

Sympatrie und Konkurrenz

Pteropus livingstonii teilt seinen Lebensraum insbesondere mit dem Seychellen-Flughund (Pteropus seychellensis) und dem Komoren-Flughund (Rousettus obliviosus). Mit dem Komoren-Flughund besteht zudem eine direkte Nahrungskonkurrenz, da die gleichen Nahrungspflanzen beansprucht werden. Beobachtet wurde in den Nahrungspflanzen jedoch eine räumliche Trennung. Pteropus livingstonii hält sich dabei im Kronendach auf, Pteropus seychellensis in den mittleren Ebenen und Rousettus obliviosus eher in den unteren Regionen der Nahrungspflanzen. Zudem sind die einzelnen Arten meist zu unterschiedlichen Zeiten an den Nahrungspflanzen zu beobachten. Pteropus seychellensis ist eher dämmerungsaktiv, Pteropus livingstonii eher tagaktiv. An den Schlafplätzen kommt es insbesondere zwischen Pteropus livingstonii und Pteropus seychellensis zur direkten Konkurrenz (Smith & Leslie, 2006).

Ernährung

Pteropus livingstonii ernährt sich hauptsächlich von Früchten, Blättern, vom Nektar und von Pollen. Die aufgenommene Nahrung variiert dabei je nach Saison. Für gewöhnlich erfolgt die Nahrungssuche in montanen Wäldern. Beliebte Nahrungspflanzen sind Korbblütler (Asteraceae) wie Brachylaena raiiflora, Maulbeergewächse (Moraceae) wie die Zulufeige (Ficus lutea) und Ficus pirifolia, Malvengewächse (Malvaceae) wie der Kapokbaum (Ceiba pentandra), Cunoniagewächse (Cunoniaceae) wie Weinmania comorensis, Monimiengewächse (Monimiaceae) wie Tambourissa comoriensis, Rötegewächse (Rubiaceae) wie Neonauclea sowie verschiedene Sapotengewächse (Sapotaceae). Zur direkten Nahrungskonkurrenz zwischen den Flughundarten der Komoren kommt es meist nur in Bergwäldern (Smith & Leslie, 2006).

Fortpflanzung

Forschungsergebnissen zufolge bringen die Weibchen von Pteropus livingstonii im Herbst, meist Anfang September, ein Jungtier zur Welt (Trewhella et al. 1995b in Smith & Leslie, 2006). Aufgrund verschiedener Umwelteinflüsse sind Neugeborene aber auch schon im Juli und im August sowie im Januar beobachtet worden. Die Entwöhnung von der Muttermilch ist spätestens nach 8 Monaten abgeschlossen (Smith & Leslie, 2006).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Pteropus livingstonii gehört heute zu den stark gefährdeten Tierarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie EN, Endangered, geführt. Die Hauptgründe für die starke Gefährdung liegt insbesondere in der Zerstörung der natürlichen Lebensräume. In den letzten 100 Jahren wurde der natürliche Lebensraum von rund 120 km² auf weniger ? km² vernichtet. Man geht heute von einem Lebensraumverlust von mehr als 90% aus. Die Wälder wurden in der Vergangenheit vor allem zugunsten von landwirtschaftliche Flächen, insbesondere Plantagen abgeholzt. Offensichtlich ist Pteropus livingstonii nur wenig anpassungsfähig und ist daher in Plantagen und ähnlichen Kulturen nur selten anzutreffen. Die verbliebenen Lebensräume liegen hauptsächlich auf Anjouan. Anjouan ist eine der vier Inseln der Komoren. Auf Anjouan leben die Tiere hauptsächlich in den Bergwäldern. Eine weitere Gefahr stellen Zyklone dar. Ein Zyklon ist ein tropischer Wirbelsturm im Indischen Ozean. Vor allem in den letzten 10 Jahren haben Wirbelstürme schwere Zerstörungen in der Vegetation von den Komoren verursacht. Wirbelstürme zerstören insbesondere die Schlafplätze und die Nahrungspflanzen. Um die Art besser schützen zu können, laufen seit Jahren Forschungsprogramme, die die Nahrungsökologie, die Populationsstärke und die Habitatansprüche erforschen. Mittlerweile wurden in Gefangenschaft Brutkolonien eingerichtet, um die Art vor dem drohenden Aussterben zu schützen. Gehalten werden Kolonien insbesondere im Zoo von Jersey Zoo, der vom Durrell Wildlife Conservation Trust geführt wird. Jersey ist eine der Kanalinseln im Ärmelkanal. Eine weitere Population ist im Zoo von Bristol, im Südwesten von England untergebracht (IUCN, 2008, Smith & Leslie, 2006)

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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