Pythons
aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank
| Pythons | |
|---|---|
| Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus)
| |
| Systematik | |
| Reich: | Tiere (Animalia) |
| Stamm: | Chordatiere (Chordata) |
| Unterstamm: | Wirbeltiere (Vertebrata) |
| Klasse: | Kriechtiere (Reptilia) |
| Ordnung: | Schuppenkriechtiere (Squamata) |
| Unterordnung: | |
| Familie: | |
| Wissenschaftlicher Name | |
| Pythonidae | |
| Fitzinger, 1826 | |
Die Pythons (Pythonidae) sind eine altweltliche Schlangenfamilie. Sie wird auch allgemein als Pythonschlangen bezeichnet. Unter den Pythons sind 33 Arten in 8 Gattungen vertreten. Beschrieben hat diese Familie erstmals der östereichische Zoologe Leopold Fitzinger im Jahre 1826. Alle Pythons sind ungiftige Würgeschlangen.
Inhaltsverzeichnis |
Evolution
Beschreibung
Aussehen und Maße
Pythons sind massige, zum Teil sehr plump wirkende Schlangen. Der Kopf setzt sich in der Regel deutlich vom Rest des Körpers ab. Die Grundfarben variieren unter den einzelnen Arten sehr stark. Sie reicht in der Natur von fast weiß, über grau, braun, grünlich bis grün, rötlich, gelblich bis hin zu fast schwarz. Die Muster können rautenförmig, abgerundet, linienartig, in Streifen über den gesamten Rücken oder punktartig aussehen. Sie sind zumeist dunkler als die Grundfarbe und schwarz oder braun umrandet. Die Längen reichen von 70 cm (Südpython (Antaresia perthensis)) bis fast zehn Meter (Netzpython (Python reticulatus)). Nur der Netzpython kann bis 10 Meter lang werden. Als das einzige mal eine lebende Schlange mit dieser Länge wissenschaftlich dokumentiert wurde, war es ein knapp 9,90 Meter langer Netzpython der in einem Terrarium noch über die 10 Meter hinaus wuchs. Die Gesamtlänge der Pythons liegt zwischen 4 und 7 Metern, durchschnittlich bei 5 Metern. Über 5 Meter lang können unter den Pythons die Arten Felsenpython (Python sebae, bis 7,63 m), Amethystpython (Python amethistina, bis 6,71 m), Tigerpython (Python molurus, bis 7 m) und der bereits genannte Netzpython mit bis zu 10 Metern werden. Die meisten anderen Arten, wie zum Beispiel der Rautenpython (Morelia spilota), werden circa 2 bis 3,5 Meter, der Königspython (Python regius) und der Grüne Baumpython (Morelia viridis) bis maximal 1,80 (selten mehr) Meter lang. Das Gewicht schwankt auch stark. Die Arten mit ungefähr 2 Metern Länge können maximal 8 kg, Arten mit um die 5 Meter knapp 30 bis 40 kg auf die Waage bringen. Pythons mit 6 bis 7 Meter Länge (Tigerpython, Felsenpython) bringen es auf über 90 kg und der Netzpython unter Umständen bis zu 180 kg. Unter den Schlangen wird dieses Gewicht nur noch von der Großen Anakonda (Eunectes murinus) übertroffen.
Knochen, Skelett, Gebiss und Haut
Pythons sind Glattzähner (Aglypha). Sie haben je nach Art bis über 150 einzelne Zähne. Die Zähne von Pythons dienen ausschließlich dem Festhalten und "Runterschieben" der Beute. Sie sind alle nach hinten gerichtet und können zwischen 5 und 30 mm lang werden. Im Verhältnis zu ihrer Körpergröße haben die vogelfressenden Grünen Baumpythons die längsten Zähne. Pythons verfügen, wie alle Schlangen, über ein Revolvergebiss, das heißt, die Zähne fallen durch zu hohe Abnutzung mit der Zeit zwangsläufig aus oder bleiben im Fleisch von Beutetieren stecken. Damit sie nicht ohne Zähne dastehen, wachsen immer wieder neue nach.
Das Skelett der Pythons ist einfach gebaut und besteht im Wesentlichen nur aus Schädel- und Kiefernknochen, den Wirbeln und den Rippen. Bei den Pythons sind noch Reste der Beckenknochen und Hinterbeine vorhanden. Sie haben eine biegsame Wirbelsäule mit (je nach Art) bis zu über 400 Wirbeln. An jedem Wirbel, außer an den Schwanzwirbeln, hängt ein Paar Rippen, welche bauchseits offen sind. Die beiden Flügel der Lunge sind bei den Pythons noch voll ausgebildet.
Sinnesorgane
Pythons nehmen die Umwelt auf verschiedene Weise wahr. Das Gehör der Pythons ist nur sehr schwach entwickelt. Ein äußeres Ohr fehlt gänzlich und das Mittelohr ist verkümmert. Schlangen scheinen Schallwellen aber über den Boden und vor allem im Wasser durch den Körper wahrzunehmen. Das Sehvermögen scheint recht gut entwickelt, vermutlich können sie sogar Farben wahrnehmen. Allerdings ist die Schärfe der Sicht nicht auf weitere Distanzen zu erhalten. Der Geruchssinn von Pythons ist sehr gut entwickelt, sie riechen jedoch nicht mit der Nase, sondern mit der Zunge. Immer wenn die gegabelte Zunge aus dem Maul gestreckt wird, bleiben Geruchspartikel daran haften. Diese werden beim Hereinziehen der Zunge am Gaumen abgestreift. Dort sitzt das Jacobsonsche Organ (vomeronasales Organ), es nimmt die Gerüche der Partikel auf und sendet die gewonnenen Informationen ans Gehirn, wo sie dann ausgewertet werden. Der Wärmesinn ist eine Besonderheit der Schlangen. Die dazugehörigen Sinnesorgane, die Libialgruben, ziehen sich in Form zweier Schuppenreihen entlang der Ober- und Unterlippe. Mit ihnen können sie Wärmeunterschiede von weniger als 0,03°C unterscheiden. Pythons mit dieser Eigenschaft haben die Fähigkeit, zu bestimmen, aus welcher Richtung die Wärmestrahlung kommt, so sind sie in der Lage, in der Dunkelheit Beutetiere auszumachen.
Lebensweise
Allgemeines
Alle Pythons sind nacht- und dämmerungsaktive Tiere, die sich tagsüber im dunklen verbergen. Fast alle sind überwiegend Bodenbewohner, klettern allerdings recht gut und sind auch oft im Geäst von Büschen oder kleinen Bäumen anzutreffen. Der asiatisch-australische Grüne Baumpython ist als einziger ein reiner Baumbewohner.
Thermoregulation
Alle Kriechtiere (Reptlia), und damit auch die Pythons, sind poikilotherm, also wechselwarm. Sie können ihre Körpertemperatur nicht selbstständig hochhalten, sie sind von ihrer Umgebungstempertatur abhängig. Um auf "Betriebstemperatur" zu kommen, suchen sie sich sonnenbestrahlte Plätze, wo sie die Strahlungsenergie der Sonne absorbieren. Oft sind sie dann dunkler gefärbt, und wenn die Körpertemperatur hoch genug ist, werden sie heller.
Fortpflanzung
Paarung
Männliche und weibliche Pythons unterscheiden sich nur durch die beim Männchen verdickte Kloake. Um das Geschlecht eindeutig bestimmen zu können, muss ein Spezialist die Kloake endoskopieren. Vor der Paarung umwirbt das Männchen das Weibchen, indem er sie sanft überkriecht. Während diesem Vorspiel bezüngeln sich beide Geschlechter gegenseitig. In der Regel versucht das Weibchen zuerst, vor dem Verehrer zu flüchten, das Männchen kriecht dann solange hinterher, bis sie nachgibt und stillhält. Das Männchen umschlingt sie dann und schiebt seinen Hinterleib unter ihren. Ist das Weibchen noch immer nicht zur Paarung bereit, stimmuliert er sie, indem er mit seinem Schwanz den des Weibchens in regelmäßigen Abständen drückt. Des Weiteren kratzt er zur Stimulation mit seinen Afterspornen, die links und rechts neben der Kloake sitzen, die Region rund um der Kloake des Weibchens. Ist sie bereit für die eigentliche Paarung, stülpt das Männchen einen der zwei Hemipenes aus und führt ihn in die Kloake des Weibchens ein. Dort setzt das Männchen ein Spermienpaket ab, um die Eier zu befruchten. Dies kann sich über mehrere Stunden hinziehen und ist leider oft erfolglos, das heißt, die Eier wurden nicht befruchtet.
Eiablage und Brutpflege
Alle Pythons sind ovipar, das heißt, sie legen Eier. War die Paarung erfolgreich, und die Eier wurden befruchtet, legt ein Pythonweibchen je nach Art vier bis sechs Monate nach der Paarung zwei bis über hundert Eier in eine Grube. Diese Eier können bei einigen Arten über 250 g wiegen und 10 bis 12 cm lang werden. Alle Pythons bewachen die Eier, indem sie das Gelege umschlingen und vor Angreifern verteidigen, einige bebrüten die Eier sogar aktiv von der Ablage bis zum Schlupf, indem sie durch Muskelkontraktionen die Gelegetemperatur um bis zu 10°C über die Umgebungstemperatur erhöhen. Während der Brutzeit nehmen die Weibchen keine Nahrung zu sich. Die Männchen halten sich aus der Brutpflege heraus.
Wachstum und Lebenserwartung
Nach dem Schlupf sind die Pythons auf sich allein gestellt. Sie messen dann, je nach Art, 25 bis 50 cm, junge Netzpythons bringen es sogar auf über 60 cm beim Schlupf. Die ersten Tage nach dem Schlupf ernähren sie sich noch vom Dottersack. Nach der ersten Häutung nehmen sie dann das erste mal Nahrung zu sich. Dies können zum Beispiel kleine Mäuse oder Echsen sein. In den ersten Jahren wachsen Pythons noch sehr schnell, wobei sich die Abstände zwischen den einzelnen Häutungen immer weiter verlängern. Die Häutung ist ein hormonell gesteuerter Vorgang, bei dem Schlangen ihre nicht mit dem Körper mitwachsende Haut abstreifen müssen; unter der alten liegt dann bereits eine neue Haut. Meistens wird die alte Haut im ganzen abgestreift, manchmal reißt sie in zwei oder mehrere Teile. Ausgewachsene Pythons häuten sich nur noch ein, maximal zweimal im Jahr. Die Geschlechtsreife tritt je nach Art nach 3 bis 6 Jahren ein. Pythons erreichen ein hohes Alter, in der Natur zwischen 20 und 35 Jahren. In Gefangenschaft wurde ein Königspython bereits 47 Jahre alt.
Verbreitung
Vorkommen
Pythons sind das altweltliche Gegenstück der Boas (Boidae). Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Afrika, Südostasien, Indonesien bis nach Papua und Australien. In Europa sind die Pythons fehlend. In Florida (USA) wurden einige Pythons eingeschleppt und bedrohen dort nun als Invasiden die Umwelt.
Lebensräume
Pythons besiedeln alle tropischen Lebensräume. Sie kommen in tropischen Regenwäldern, in Wüsten, Halbwüsten, Steppen, Savannen, Trockenwäldern und Sümpfen vor. Auch an und auf Straßen und Feldern sind sie oft zu finden. Tagsüber verbergen sie sich in hohlen Bäumen, Erdlöchern, unter Wurzeln, Steinen, Brettern, zwischen Felsspalten und in alten Scheunen und Schuppen. In diesen Lebensräumen schwanken die jährlichen Durchschnittstemperaturen kaum bis gar nicht. Die Luftfeuchtigkeit ist im tropischen Regenwald ganzjährig hoch (zwischen 75 und 100%). In den Trockengebieten liegt die Luftfeuchte oft unter 50%, morgens vor Sonnenaufgang und in der Regenzeit steigt sie für kurze Zeit auch bis auf 100% an.
Prädatoren
Kleine Pythons und Jungschlangen haben viele Prädatoren (Fressfeinde). So sind Königspythons vor allem durch Greifvögel (Falconiformes) wie Wanderfalken (Falco peregrinus) bedroht. Auch Warane (Varanus) und Marder (Martes) können kleineren Pythons gefährlich werden. Der Grüne Baumpython ist ebenfalls durch Greifvögel bedroht. Für größere Pythons stellen diese Raubtiere jedoch keine Gefahr dar, sie müssen sich vor größeren Tieren in Acht nehmen. So ist ein Prädator des Netzpythons der Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae) und zu den Fressfeinden des Felsenpythons zählen Löwen (Panthera leo) und Hyänen (Hyaenidae). Auch Krokodile (Crocodilia) können einen Python fressen.
Erkrankungen
Parasiten
Es gibt eine Vielzahl an Parasiten die sich in und an Reptilien finden. Zu denen, die auch Pythons befallen, zählen Bandwürmer (Zestoden) und Rundwürmer (Namatoden), welche einen Zwischenwirt benötigen; sie sind im Verdauungstrakt zu finden. Strongyliden können nach einigen Jahren zu massigem Befall führen und den Wirt schädigen, Lungenwürmer (Rhabdasiden) schädigen das Lungengewebe, was zu bakteriellen Infektionen führen kann. Madenwürmer (Oxyuren) können einen Darmverschluss verursachen, was unter ungünstigen Umständen und ohne Behandlung zum Tode führen kann, Spulwürmer (Askariden) nutzen die Schlangen nur als Zwischenwirt, auch sie können zu einem Darmverschluss führen. Zungenwürmer (Pentastomiden) verursachen Blutungen und schädigen Gewebe, was bakterielle Folgeinfektionen nach sich zieht. Sie zählen zu den Gliedertieren, nicht zu den Würmern. Zu den Parasiten, welche die Pythons von außen befallen, zählen Zecken (Ixodidae) und andere Milben (Acari).
Krankheiten
Krankheiten sind meistens anhand einer Verhaltensänderung der Pythons zu erkennen. Besonders häufige Erkrankungen der Pythons kommen in den Atemwegen und im Verdauungstrakt vor. Maulfäule zählt zu den bakteriellen Erkrankungen, die häufig bei Pythons auftreten. Auch durch verschiedene Viren ist die Gesundheit der Pythons bedroht.
Ernährung
Beute
Zur Beute von Pythons zählen insbesondere Vögel (Aves), Säugetiere (Mammila) und Reptilien. Kleine Pythons geben sich bereits mit kleinen bis mittelgroßen Vögeln, Mäusen (Mus), Ratten (Rattus) und Echsen (Sauria) zufrieden. Große Pythons wie der Felsenpython, der Netzpython oder der Dunkle Tigerpython erbeuten sogar Gazellen, Hirsche oder kleinere, junge Büffel. Auch Krokodile sind nicht sicher vor den Pythons, andersrum kann es sich allerdings genauso verhalten.
Beuteerwerb und -tötung
Um an die Beute heranzukommen, wenden Pythons je nach Art und Lebensraum verschiedene Methoden an. Tiere, die in Savannen oder auf dem Boden von Wäldern jagen (z.B. Netzpythons und Felsenpythons), legen sich im Gras oder in einem Gewässer auf Lauer und warten bis ein potentielles Beutetier vorbeikommt. Baumbewohner verstecken sich zwischen dem Geäst und den Blättern der Bäume und warten dort auf Beute.Gefährdung und Schutz
Gefährdung
Gefährdet sind Pythons besonders durch Wilderei und Lederproduzenten. Auch Straßen stellen eine große Bedrohung für Kriechtiere dar; zum einen, weil sie diese aufgrund der dortigen hohen Temperaturen zum Aufwärmen aufsuchen, zum anderen, weil sie diese auf Nahrungssuche oft überqueren müssen.
Schutzstatus
Die meisten Arten aus der Familie der Pythons sind unter Anhang B der Bundesartenschutzverordnung gelistet und dürfen in Deutschland ohne Genehmigung gehalten werden, sind jedoch bei der zuständigen Landesbehörde zu melden. Der Helle Tigerpython (Python molurus molurus) wird in Anhang A der Europäischen Artenschutzverordnung gehalten und ist somit meldepflichtig und darf ohne Genehmigung nicht gahalten werden.
Tigerpython |
Tigerpython |
Tigerpython |
Tigerpython |
Systematik der Pythons
Familie: Pythons (Pythonidae)
- Gattung: Schwarzkopfpythons (Aspidites)
- Gattung: Südpythons (Antaresia)
- Gattung: Papuapythons (Apodora)
- Gattung: Zwergpythons (Bothrochilus)
- Gattung: Weißlippenpythons (Leiopython)
- Gattung: Wasserpythons (Liasis)
- Gattung: Rautenpythons (Morelia)
- Gattung: Eigentliche Pythons (Python)
Anhang
Siehe auch
- Hauptartikel:
Schlangen (Serpentes)
Literatur und Quellen
- Roland Bauchot: Schlangen, Weltbild Verlag, 1999, ISBN 3-8289-1501-9
- Dost, Uwe: Das KosmosBuch der Terraristik. Franckh Kosmos Verlag, 2005, ISBN 3-440-10129-0
