Rötelmaus

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Rötelmaus
Russia, Moscow region, Nagornoe

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
Tribus: Myodini
Gattung: Rötelmäuse (Myodes)
Art: Rötelmaus
Wissenschaftlicher Name
Myodes glareolus
(Schreber, 1780)

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Rötelmaus (Myodes glareolus), auch unter dem Synonym Clethrionomys glareolus und unter der Bezeichnung Waldwühlmaus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Rötelmäuse (Myodes). Im Englischen wird die Rötelmaus Bank Vole genannt.

Die Rötelmaus ist eng mit der Tianshan-Rötelmaus (Myodes centralis) verwandt. Dies belegen morphologische und biochemische Untersuchungen (Mezhzherin & Serbenyuk, 1992).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Beide Geschlechter weisen in etwa die gleiche Größe auf. Die Rötelmaus erreicht eine Gesamtlänge von etwa 11,5 bis 20,8 Zentimeter, davon der Körper 8 bis 13,5 Zentimeter und die Schwanzlänge beträgt etwa 3,5 bis 7,2 Zentimeter. Des Weiteren weist die Rötelmaus ein Gewicht von etwa 16 bis 34 Gramm auf. Die breiten und runden Ohren sind etwa 13 Millimeter lang und ragen deutlich aus dem Fell hervor. Der halbkörperlange Schwanz ist oben dunkelbraun und unten weißgrau. Nach der Spitze hin ist der Schwanz länger behaart. Der Rücken weist eine rötlichbraune bis fuchsrote Färbung auf und die Flanken sind öfter grau getönt. Die Unterseite ist scharf abgesetzt weißgrau. Die Augen sind verhältnismäßig klein, die Schnauze ist stumpf und gerundet. Im Verhältnis zur Körpergröße hat die Rötelmaus ein kleines Gehirn. Die Zähne sind prismatisch und zeichnen sich durch flache Kronen aus, die auf eine pflanzenfressende Ernährungsweise hindeuten. Das Gebiss besteht aus 16 Zähnen, die Zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0/0, m3/3.

Lebensweise

Die Rötelmaus ist vorwiegend nachtlebend, aber mehr als andere Wühlmäuse (Arvicolinae) tagsüber in der Helligkeit über der Erde tätig und kommt in der Mehrzahl erst gegen Abend zum Vorschein. Sie ist wenig scheu, läuft schnell und schwimmt gut, kann geschickt und hoch Baumstämme erklettern, und flüchtet, wenn Kleinvögel, etwa Meisen (Paridae), beim Auftauchen eines Greifvogels (Falconiformes) Warnrufe hören lassen. Ihre Stimme ist weniger schrill als die der Waldmaus (Apodemus sylvaticus). Die Stimme der Rötelmaus klingt kurz, tief, etwas zittrig und knurrend, ähnlich dem Grasmücken (Sylvia)-Lockruf. Die Rötelmaus gräbt oberflächliche verzweigte Gänge mit zahlreichen Ausgängen und baut aus gröberen Holzfasern, Grashalmen, Moos und dergleichen ein Kugelnest von etwa 10 Zentimeter Durchmesser im Erdboden oder in oberirdischen Verstecken, wie zum Beispiel in dichtem Gestrüpp, zwar wenig kunstvoll, aber dafür dicht. Das soziale System der Rötelmaus zeichnet sich durch eine Dominanz der Weibchen über die Männchen aus, vor allem während der Brutzeit. Bei Erreichen der Geschlechtsreife der Männchen, verlassen sie das Revier, während die Weibchen in ihrem Bereich bleiben. Das Territorium der Weibchen beträgt im Durchschnitt etwa 0,7 Hektar, während das Gebiet der Männchen größer ist und im Durchschnitt etwa 0,8 Hektar beträgt.

Albinismus
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Albinismus

Unterarten

Verbreitung

Die Rötelmaus ist in folgenden Gebieten verbreitet: Albanien, Österreich, Weissrussland, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Tschechien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Holy See (Staat der Vatikanstadt), Ungarn, Irland, Italien, Kasachstan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxembourg, Mazedonien, Moldawien, Mongolei, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, Russland, San Marino, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Türkei, Ukraine sowie Großbritannien.

Die durch die rötliche Rückenfärbung gekennzeichnete, in Mitteleuropa heimische und nördlich der Alpen ziemlich häufige Wühlmaus kommt vornehmlich im Tiefland, aber auch in den Bergen bis über 2.000 Meter hoch vor. Sie lebt vor allem in Laubwäldern auf lichten Stellen mit Unterwuchs sowie an Waldrändern, in Feldgehölzen, waldnahen Hecken, Gebüschen und Parklandschaften, in Gärten, auf Fruchtfeldern und in Erlenbrüchen, wobei Bewuchs und Laubbedeckung des Bodens für sie Vorkommensbdingungen sind.

Prädatoren

Der Hauptfeind der Rötelmaus ist der Waldkauz (Strix aluco). Daneben stellen ihr die Hauskatze (Felis catus) und die Wildkatze (Felis silvestris), der Rotfuchs (Vulpes vulpes), die Greifvögel (Falconiformes) wie zum Beispiel der Mäusebussard (Buteo buteo) und der Turmfalke (Falco tinnunculus), die Rabenvögel (Corvidae), die Ringelnatter (Natrix natrix) sowie die Kreuzotter (Vipera berus), das Hermelin (Mustela erminea), das Mauswiesel (Mustela nivalis), der Marder und der Iltis (Mustela putorius) nach.

Ernährung

Als gewöhnliche Nahrung dienen der Rötelmaus Sämereien, Getreide, mit dem sie oft in die Scheunen gelangt, Früchte wie zum Beispiel Himbeeren, Gräser, Kräuter, Knospen, Haselnüsse, Pilze, knollige Wurzeln und niedere Tiere wie Würmer und Insekten (Insecta) sowie deren Larven. Hin und wieder plündert die Rötelmaus die Nester bodenbrütender Kleinvögel. Ferner sammelt sie Vorräte und deckt freiliegendes Futter mit Laub zu. Im Winter kommt sie öfter in waldnahe Gebäude, selbst Speicher, oder benagt, ohne in den Splint einzugreifen.
Rötelmaus - Eckernförde im Garten
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Rötelmaus - Eckernförde im Garten
Als Ersatznahrung dienen die Rinde junger Bäume, besonders gern von Holunder, Faulbaum, Linde, Europäische Esche, Weide sowie Aspe. Aber auch von Lärche, Tanne und Kiefer, wobei die Rindenschälungen noch in Höhen von 4 Metern und darüber beobachtet werden. Als geschickter Kletterer beginnt die Rötelmaus ihren Fraß meist in den Astwinkeln eines Quirls. Benagt nun nach den Seiten die Äste, oft bis in die Zweigspitzen, sowie den Stamm aufwärts und läßt dabei jeweils kleine Bastinselchen stehen. Sie kann dadurch an jungen Stämmen und Gebüschen recht schädlich werden.

Fortpflanzung

Das Weibchen erreicht die Geschlechtsreife mit etwa zwei bis drei Wochen, während das Männchen die Geschlechtsreife mit etwa sechs bis acht Wochen erreicht. Die Fortpflanzungszeit liegt in den Monaten von Ende April bis September, bei milder Witterung auch im Winter. Der Östruszyklus dauert bei dem Weibchen etwa vier Tage. Bei optimaler Ernährung dauert die Tragezeit etwa 17 Tage, wobei die Tragezeit durchschnittlich 21 Tage beträgt. So bringt das Weibchen nach einer Tragezeit von etwa 17 bis 21 Tagen jährlich drei- bis viermal in einem meist über dem Boden in Büschen stehenden und besonders sorgfältig mit Haaren, Gräsern und Moos weich ausgepolsterten Nest je drei bis acht nackte blinde Junge zur Welt. Die Jungen wiegen bei der Geburt knapp 2 Gramm. Mit etwa zehn Tagen öffnen sie die Augen. Sie werden etwa zwei Wochen lang gesäugt und mit etwa sechs Wochen haben sie die Größe der Alten erreicht. Aber die Jungen sind schon mit drei Wochen selbständig und mit ungefähr acht Wochen fortpflanzungsfähig. Das Weibchen besitzt vier Zitzenpaare, wird sie beim Säugen gestört und kann flüchten, so bleiben die Nestjungen instinktiv mit den Schnäuzchen an den Saugwarzen haften und können so an den Zitzen mitgetragen werden. Das Weibchen verbraucht während der Tragezeit und Stillzeit der Jungen eine Energie von etwa 30 bis 130 Prozent. Bei hoher Populationsdichte und bei Nahrungsknappheit kommt es zum Infantizid (Töten von Nachkommen der eigenen Art). Der Infantizid tritt bei beiden Geschlechtern auf. Das Weibchen tötet die Jungen anderer Weibchen, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden und das Männchen wendet die Paarungstaktik an, indem das Männchen die Jungen tötet. Die Lebenserwartung der Rötelmaus ist vor allem aufgrund der vielen Prädatoren sehr gering. Selten erreicht eine Rötelmaus ein Alter von zwei bis drei Jahren.

Junge Rötelmäuse
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Junge Rötelmäuse

Gefährdung und Schutz

Die Rötelmaus lebt vorwiegend in Laubwäldern auf lichten Stellen mit Unterwuchs sowie an Waldrändern, in Feldgehölzen, waldnahen Hecken, Gebüschen und Parklandschaften, in Gärten auf Fruchtfeldern und in Erlenbrüchen. Daher ist sie in Bezug auf die Zerstörung und Zerteilung der natürlichen Lebensräume besonders anfällig. Lokal hat dies bereits zu einem Rückgang der Populationen geführt. Insgesamt ist die Rötelmaus jedoch noch nicht gefährdet, da ihr Verbreitungsgebiet ausgesprochen groß ist und weite Teile weitgehend unberührt sind. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als Least Concern (nicht gefährdet) geführt. <3>

Rötelmaus als Krankheitsüberträger

Die eigentlich recht unscheinbare Wühlmaus überträgt den Serotyp Puumala – kurz PUU – des Hantavirus, das ein hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) und das hantavirale pulmonale Syndrom (HPS) sowie Bauchschmerzen und Gliederschmerzen auslöst. Die Infektionskrankheit Nephropathia epidemica kann sogar bis zum Nierenversagen führen. Sie wird durch direkten oder indirekten Kontakt mit Tieren, die mit dem Puumalavirus infiziert sind und deren Ausscheidungen über Urin, Kot sowie Speichel ausgelöst. Diese Infektionskrankheit kommt häufig in Nordeuropa und im Süden und im Westen Deutschlands vor. <2>

Synonyme

Rötelmaus - Russia, Moscow region, Nagornoe
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Rötelmaus - Russia, Moscow region, Nagornoe

Die Rötelmaus ist auch unter den folgenden Synonymen bekannt: Myodes alstonie (Barrett-Hamilton & Hinton, 1913), Myodes arvalis (Geoffroy, 1803), Myodes bernisi (Rey, 1972), Myodes bicolor (Fatio, 1862), Myodes bosniensis (Martino, 1945), Myodes britannicus (Miller, 1900), Myodes devius (Stroganov, 1948), Myodes erica (Barrett-Hamilton, 1913), Myodes fulvus (Millet, 1828), Myodes garganicus (Hagen, 1958), Myodes gorka (Montagu, 1923), Myodes hallucalis (Thomas, 1906), Myodes harrisoni (Hinton, 1926), Myodes helveticus (Miller, 1900), Myodes hercynicus (Mehlis, 1831), Myodes insulaebellae (Heim de Balsac, 1940), Myodes intermedius (Burg, 1923), Myodes istericus (Miller, 1909), Myodes italicus (Dal Piaz, 1924), Myodes jurassicus (Burg, 1923), Myodes kennardi (Hinton, 1926), Myodes makedonicus (Felten & Storch, 1965), Myodes minor (Kerr, 1792), Myodes nageri (Schinz, 1845), Myodes norvegicus (Millet, 1900), Myodes ognevi (Serebrennikov, 1927), Myodes petrovi (Martino, 1945), Myodes pirenaica (Cabrera, 1924), Myodes pirinus (Wolf, 1940), Myodes ponticus (Thomas, 1906), Myodes pratensis (Baillon, 1934), Myodes pratensis (Bell, 1837), Myodes reinwaldti (Hinton, 1921), Myodes riparia (Yarrell, 1832), Myodes rubidus (Baillon, 1834), Myodes rufescens (de Sélys Longchamps, 1836), Myodes ruttneri (Wettstein, 1926), Myodes saianicus (Thomas, 1911), Myodes sibiricus (Egorin, 1936), Myodes skomerensis (Barrett-Hamilton, 1903), Myodes sobrus (Montagu, 1923), Myodes suecicus (Miller, 1900), Myodes tomensis (Heptner, 1948), Myodes variscicus (Wettstein, 1954), Myodes vasconiae (Miller, 1900), Myodes vesanus (Hinton, 1926), Myodes wasjuganensis (Egorin, 1939). Alle aufgeführten Synonyme sind ungültig. <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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