Rüßlerspinne

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Rüßlerspinne
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Springspinnen (Salticidae)
Gattung: Ballus
Art: Rüßlerspinne
Wissenschaftlicher Name
Ballus chalybeius
(Walckenaer, 1802)

Die Rüßlerspinne (Ballus chalybeius), auch unter dem Synonym Ballus depressus und unter der Bezeichnung Laubspringspinne bekannt, zählt innerhalb der Familie der Springspinnen (Salticidae) zur Gattung Ballus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Diese deutlich abgeflachte Rüßlerspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 2,5 bis 3 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 3,5 bis 4 Millimeter. Beide Geschlechter sind ähnlich und versuchen in Größe, Form sowie Färbung einen Rüsselkäfer der Gattung Strophosomus nachzuahmen. Die Grundfarbe ist dunkelbraun. Der Körperbau wirkt gedrungen und der Rückenschild ist fast genauso groß und breit wie der Hinterleib. Ferner weist der Rückenschild eine dunkelbraune Färbung auf und ist dicht mit blaßbraunen Härchen besetzt. Die Beine sind fast gleichlang und gleich kräftig und sind heller gefärbt als der Körper. Sie sind kontrastreicher gefärbt als beim Männchen und weisen eine blaßbraune bis ockerfarbene Färbung auf. Einige Beinglieder sind dunkel eingerahmt. Die einzelnen Segmente sind nicht sehr unterschiedlich in ihrer Länge. Das Augenfeld ist, wie bei den Arten der Gattung Pellenes, nach hinten deutlich erweitert, so dass die beiden Augen der dritten Reihe deutlich weiter voneinander entfernt liegen als die äußeren Augen der ersten Reihe. Der Vorderkörper ist bei dem Weibchen dunkelbraun gefärbt, mit unregelmäßigen, helleren Zeichnungen. Der Hinterkörper zeigt vorn einen dunklen Längsfleck, dahinter dunkle Querflecke in hellbrauner Umgebung. Diese zeigen auf Vorder- und Rückseite schmale, schwarze Längsstreifen, die zum Teil durch Ringe miteinander verbunden sind. Das Männchen ist deutlich dunkler gefärbt, mit einem rotbraunen, oft kaum gezeichneten Hinterkörper und stark verdickten, dunkel gefärbten Vorderbeinen. Des Weiteren zeigen sich in der vorderen Hälfte des Hinterkörpers zwei helle, parallele Längsstreifen sowie vier sichelförmige gelbbraune Flecken im hinteren Drittel des Hinterkörpers, die spärlich mit kurzen weißen Härchen bedeckt sind. Das Prosoma des Männchens ist dorsal glänzend dunkelbraun mit gekörnter Oberfläche, dünn mit leicht abstehenden weißen Härchen besetzt. <2>

Lebensweise

Die Rüßlerspinne hält sich meist auf niedrigen Zweigen von Laubbäumen, besonders Eichen, oder im Gras auf. Im Sommer spinnt das Weibchen an der Blattunterseite ein flaches Wohngespinst und bewacht darin seinen Eikokon. Die reifen Tiere trifft man von Mai bis Juli.

Verbreitung

Schwarzfleckiger Kranzrüssler (Strophosomus melanogrammum)
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Schwarzfleckiger Kranzrüssler (Strophosomus melanogrammum)

Die Rüßlerspinne kommt in xerothermen (trockenwarmen) Standorten wie Wüste, Steppe, ebenso vor wie in feuchten Auwaldgebieten und ist von der Krautschicht über Büsche bis hinauf zu den breitblättrigen Baumwipfeln beheimatet. In Mitteleuropa ist die Rüßlerspinne weit verbreitet und in den meisten Gebieten nicht selten. In Griechenland hält sie sich vorzugsweise in lichten Laubwäldern auf, in denen überwiegend Eichen wachsen. Ferner lebt sie auch unter Steinen entlang der Straße, auf Schotterflächen und Kalkfelsen sowie im Dünen-Kiefernwald. <3>

Die Rüßlerspinne ist in folgenden Gebieten verbreitet: Algerien, Armenien, Österreich (Ahrnkopf, Donau-Auen, Tirol), Aserbaidschan, Belgien, Kanarische Inseln (Gran Canaria, Maspalomas in Dünen unter Dornlattich), Kroatien (Dalmatien), Tschechien, Äthiopien, Frankreich (Camarque), Georgien (Kaukasus), Deutschland (Bellinchen, Bayern, Berlin, Erlangen, Frohburg, Hessen, Maintal, Mainz, Marburg, Mindelsee, Niederrhein, Nürnberg, Oberlausitz, Ostsachsen, Rheingau, Uckermark, Ulm, Wesen, Würzburg) Großbritannien, Griechenland (Kreta, Lesbos, Peloponnes, Thessaloniki), Ungarn (Nagymaros), Iran, Italien (Südtirol, Udine, Tagliamento bei Cavazzo Carnico, wo sie im grobkiesigen Flußbett vorkommt), Kirgisien, Mazedonien, Niederlande, Norwegen, Polen Portugal, Rumänien (Siebenbürgen), Russland, Serbien und Montenegro, Sizilien, Slowakei, Spanien, Schweiz (Löhrmoos bei Bern, Spitzberg), Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Lettland, Estland, Bosnien, Slowenien. <3>

Ernährung

Wie alle Springspinnen, so ernährt sich auch diese Spinnenart von Insekten (Insecta). Sie lauert an exponierten Stellen auf ihre Beute und springt sie meist aus dem Hinterhalt an. Dabei spielt der Sehsinn eine außerordentliche Rolle. Die Rüßlerspinne kann die Beute von weitem schon anvisieren und springt gezielt mehrere Zentimeter weit, um sie zu fangen. Überwiegend werden dabei Fliegen (Brachycera) erbeutet.

Fortpflanzung

Wie bei allen anderen Spinnen auch, werden die Männchen vor dem Weibchen geschlechtsreif und machen sich auf die Suche nach einer geeigneten Partnerin. Im Sommer spinnt das Weibchen an der Blattunterseite oder am Boden unter Steinen ein flaches Wohngespinst. Die Eier werden im Kokon geschützt eingewoben, welcher versteckt am Boden oder an der Blattunterseite befestigt wird. Das Weibchen bewacht diesen Kokon bis die Jungspinnen schlüpfen, was meist bis zur zweiten Häutung dauert, da die Jungspinnen zuerst fast blind sind und erst nach der zweiten Häutung voll entwickelte Augen haben.

Verwechslungsmöglichkeit

Die Rüßlerspinne unterscheidet sich von der mehr im mediterranen Raum vorkommenden Art Ballus rufipes überwiegend durch das Fehlen der schwarzen Längsbande am Metatarsus (MT) IV und der Stellung der Hinteren Lateralaugen (HLA), die hier vor der breitesten Stelle des Prosoma (PS) liegen. Des Weiteren ist die Art etwas kleiner und immer sehr dunkel, fast schwarz gefärbt. Die Beine sind an der Basis leuchtend rot und werden dann zur Spitze hin gelblich. Die wärmebedürftige Art lebt im Gegensatz zur Rüßlerspinne am Boden und kommt in Mitteleuropa nur in sehr warmen Gebieten auf Trockenrasen vor.

Synonyme

Weitere Synonyme: Ballus annulipes (Latreille, 1819), Ballus biimpressus (Doleschall, 1852), Ballus brevipes (Hahn, 1831) [Walckenaer, 1847], Ballus chalybeius sequipes (Simon, 1868) [Alicata & Cantarella, 1987], Ballus heterophtalmus (Wider, 1834), Ballus obscurus (Blackwall, 1850), Ballus quinquefoveolatus (Doleschall, 1852), Ballus suralis (Koch, 1837), Ballus bimaculatus (Koch, 1846) [Walckenaer, 1847].

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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