Rauchschwalbe

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Rauchschwalbe
Russia, Moscow region, Balkovo

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Schwalben (Hirundinidae)
Gattung: Hirundo
Art: Rauchschwalbe
Wissenschaftlicher Name
Hirundo rustica
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica) zählt innerhalb der Familie der Schwalben (Hirundinidae) zur Gattung Hirundo. Im Englischen wird die Rauchschwalbe Barn Swallow, European Swallow oder Swallow genannt. Im Jahre 1979 war die Rauchschwalbe in Deutschland Vogel des Jahres.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rauchschwalbe erreicht eine Körperlänge von 18 bis 22 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 32 bis 34 Zentimeter sowie ein Gewicht von rund 20 bis 23 Gramm. Das Obergefieder, die Flügel, der Oberkopf und der stark gegabelte Schwanz sind blauschwarz gefärbt. Die Bauchseite ist mit cremefarben bis leicht gelblich oder beige deutlich heller gefärbt. Die Stirn und der Kehlbereich weisen eine rostbraune Färbung auf. Die obere Brust ist ebenfalls blauschwarz. Vor allem das Obergefieder glänzt bei Lichteinfall metallisch. Die Geschlechter weisen nur einen geringen Geschlechtsdimorphismus auf. Weibchen sind etwas weniger farbenprächtig gefärbt. Ihr ebenfalls gegabelter Schwanz ist etwas kürzer als beim Männchen.

Lebensweise

Die Rauchschwalbe ist ein tagaktiver Vogel. Als Singvögel ist ihr Gesang weithin zu hören. Nicht selten singt die Rauchschwalbe im Duett. Rauchschwalben sind gesellige Vögel, die meist in größeren Gruppen anzutreffen sind. Nicht nur während der Nahrungssuche, sondern auch während der Ruhephasen sitzen sie meist nah beieinander. Dazu nutzen sie Äste, Stromleitungen und ähnliche Ansitze. Auch während der Paarungszeit sind Rauchschwalben gesellig, sie nisten in kleineren Kolonien. Jedoch zieht sich um jedes Nest eine imaginäre Linie, die strengstens vom Brutpaar bewacht wird. Der Aktionsradius während der Paarungszeit ist etwa ein Kilometer vom Neststandort entfernt. Weiter vom Nest entfernen sich Rauchschwalbe selten. Die Kommunikation untereinander erfolgt zum einen visuell und zum anderen akustisch. Sie sind ausgesprochen gute und gewandte Flieger und können eine Geschwindigkeit von bis zu 95 km/h erreichen. Rauchschwalben sind reinliche Tiere. Man kann sie häufig beim Baden in Seen oder Teichen beobachten. Wie fast alle Aktivitäten, so erfolgt das Boden im Flug. Mit der Bauchseite berühren sie für kurze Zeit die Wasseroberfläche. <1>

Unterarten

Verbreitung

Die Rauchschwalbe ist in allen gemäßigten Regionen der Erde verbreitet. Ihre Brutgebiete erstrecken sich über Nordamerika, Europa, dem Nahen Osten, Nordafrika sowie das westliche bis östliche Asien. Die Winterquartiere liegen in Südamerika, in Südostasien sowie im westlichen und südlichen Afrika. Die Rauchschwalbe besiedelt eine Vielzahl von Habitaten. Eine Wasserquelle befindet sich aber immer in ihrem Habitat. Offene Landschaften wie Savannen, lichte Wälder, Heidelandschaften, landwirtschaftliche Flächen und ähnliches werden von der Rauchschwalbe bevorzugt. Auch in der Nähe des Menschen ist die Rauchschwalbe oft anzutreffen. So zählen Gärten und Parks ebenfalls zu ihren Lebensräumen. Nester werden an geschützten Plätzen errichtet. Felsvorsprünge, Brücken, alte Stallungen und ähnliches werden dabei bevorzugt genutzt. In Höhenlage ist sie bis deutlich über 2.500 Meter über NN anzutreffen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fressfeinden der Rauchschwalben gehören insbesondere Eichhörnchen (Sciurus), Hauskatzen (Felis silvestris forma catus), Luchse (Lynx), Waschbären (Procyon), Ratten (Rattus), Möwen (Laridae), sowie Greifvögel und Eulen. Kommt den Rauchschwalben ein Feind zu nahe, so warnen sie sich gegenseitig mit schrillen Ausrufen. Ihr Heil suchen sie ausschließlich in der Flucht. Als gewandte und schnelle Flieger können sie in der Luft allerdings von einigen Falkenarten erbeutet werden.

Ernährung

Rauchschwalbe - Männchen
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Rauchschwalbe - Männchen

Rauchschwalben leben räuberisch von kleinen Insekten. Dabei handelt es sich ausschließlich um Geflügelte Insekten wie Fliegen, Mücken, Käfer, Schmetterlinge und gelegentlich auch kleinere Libellen. Beutetiere werden grundsätzlich im Fluge erbeutet. Nicht selten sieht man sie gemeinsam mit den Mehlschwalben jagen. Sie sind tagaktiv und gehen daher nur am Tage auf Nahrungssuche.

Fortpflanzung

Geschlechtsreif ist die Rauchschwalbe mit gut einem Jahr. Die Rauchschwalbe ist ein ausgesprochener Gebäudebrüter. Geeignete Gebäude sind beispielsweise Kirchtürme, alte Stallungen, Brücken und ähnliches. Die Brutzeit erstreckt sich von Mai bis in den September hinein. Während dieser Zeit werden zwei Bruten groß gezogen. Als gesellige Vögel brüten sie selten alleine. Sie gelten aber als monogam. gebrütet wird meist in kleinen Kolonien zu einigen Dutzend Paaren. Selten können es auch über 100 Brutpaare je Kolonie sein. Ihr Neststandort ist dabei immer an die Nähe von Gewässern gekoppelt. Die Nester werden meist an senkrechten Wänden errichtet. Zum Schutz vor Regen befinden sich die Nester immer an geschützter Stelle wie in Toreinfahrten, unter Dachrinnen oder an ähnlichen Plätzen. Als Baumaterial dient den Rauchschwalben Lehm, Ton oder schlammige Erde, die mit Speichel zu kleinen Kügelchen geformt und verbaut wird. Die Nester sind halbkugelartig und verfügen über einen seitlichen Eingang. Das Innere der Nester wird mit weichem Material wie Federchen und Grashalmen ausgepolstert. An dem Nestbau sind beide Geschlechter beteiligt. Meist benötigt ein Pärchen ein bis zwei Wochen für den Nestbau.

Das Weibchen legt zwischen drei bis fünf, selten auch bis sieben weißliche Eier. Sie werden über einen Zeitraum von 14 bis 15 Tagen von beiden Altvögeln gewärmt. Beide Geschlechter wärmen die Eier jedoch nur in Nordamerika. Bei den europäischen Populationen brütet ausschließlich das Weibchen. Sind die Küken geschlüpft, so werden die Eischalen aus dem Nest befördert. Gleiches gilt auch für die Fäkalien. Diese werden von Eltern als kleine weißliche Bällchen fortgetragen. <2>

Die Küken sind beim Schlupf nackt und blind, öffnen aber bereits nach wenigen Tagen ihre Augen. Die Nestlingszeit beträgt etwa 22 bis 24 Tage. Während dieser Zeit werden die Jungvögel von beiden Elternteilen mit kleinen Insekten versorgt. In den ersten Tagen werden ausschließlich weiche Insekten verfüttet. Die Nahrung wird von den Altvögeln mit Speichel vermischt und den Küken als Futterballen übergeben. Nachdem die Jungvögel flügge geworden sind, bleiben sie meist noch zwei Wochen bei den Eltern. Das Gefieder der jungen Rauchschwalben unterscheidet sich nur unwesentlich von dem der Altvögel. Allerdings weist ihr Gefieder noch nicht den metallischen Glanz auf. Rauchschwalben können ein Alter von vier bis fünf Jahren erreichen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072
  • [1] [2] Tiere vor der Kamera: Somer der Schwalben. Ein Film von Ernst Arendt und Hans Schweiger.

Qualifizierte Weblinks

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