Richardson-Ziesel

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Richardson-Ziesel

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Ziesel (Spermophilus)
Art: Richardson-Ziesel
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus richardsonii
Sabine, 1822

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Richardson-Ziesel (Spermophilus richardsonii) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Ziesel (Spermophilus).

Zusammen mit dem Townsend-Ziesel (Spermophilus townsendii), dem Belding-Ziesel (Spermophilus beldingi), dem Uinta-Ziesel (Spermophilus armatus) und dem Wyoming-Ziesel (Spermophilus elegans) bildet der Richardson-Ziesel die Untergattung Spermophilus.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde des Richardson-Ziesel stammen aus dem Oberen Pleistozän und dürften somit ein Alter von etwa 50.000 bis 100.000 Jahren aufweisen. Die Funde decken sich nicht ganz mit dem heutigen Verbreitungsgebiet. Fossilien wurden insbesondere im südlichen Alberta, Kanada sowie in den US-Bundesstaaten Colorado, Idaho, Kansas, New Mexico, South Dakota und Wyoming gefunden. <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Richardson-Ziesel erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 28 bis 31 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6,5 bis 8,3 Zentimeter eine Hinterfußlänge von 4,3 bis 4,7 Zentimeter sowie ein Gewicht von 150 bis 740 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Das Gewicht schwankt nicht nur je nach Geschlecht, sondern auch je nach Saison. Unmittelbar nach Erwachen aus dem Winterschlaf weisen die Tiere das niedrigste Gewicht auf. Dementsprechend wird das höchste Gewicht unmittelbar vor der Winterruhe erreicht. Weibchen wiegen zu diesem Zeitpunkt kaum 150 Gramm, Männchen selten über 300 Gramm. Das dichte Fell weist eine überwiegend braune bis dunkelbraune Färbung auf. Lateral wird das Fell deutlich heller, ventral zeigt sich eine fast weißliche Färbung.

Oberhalb und unterhalb der großen Augen ist deutlich ein weißlicher Augenring zu erkennen. Die kleinen Ohren sind leicht gerundet, von stehender Form und sitzen auf Höhe der Augen weit hinten am Kopf. Die Außen- wie Innenseiten der Ohren sind spärlich mit Fell versehen. Der kurze Schwanz ist mit Fell besetzt, jedoch keineswegs buschig. Im Bereich der Schnauzenspitze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen.
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Die Extremitäten sind gut entwickelt. Mit den Vorderfüßen kann der Richardson-Ziesel Nahrung greifen und zum Maul führen. Im Analbereich verfügen die Tiere über Drüsen mit drei Austrittsöffnungen, die zum Markieren und der chemischen Kommunikation untereinander dienen. Das Gebiss besteht aus 22 Zähnen, die zahnmedizinische Formal lautet 1/1, 0/0, 2/1, 3/3.

Lebensweise

Richardson-Ziesel leben im Grunde genommen einzelgängerisch. Nur die Weibchen kann man in Gruppen beobachten. Diese Gruppen bestehen aus der Mutter und ihrem Nachwuchs. Sie sind tagaktiv, haben ihre aktivste Zeit jedoch in den frühen Morgen und späten Nachmittagsstunden. Während der kalten Jahreszeit halten Richardson-Ziesel eine Winterruhe, die sich in den südlichen Verbreitungsgebieten von November bis in den Februar erstreckt. In den nördlichen Regionen, insbesondere in Kanada kann sich die Winterruhe auch von September bis in den Mai erstrecken. Während dieser Zeit leben Richardson-Ziesel von ihren Fettreserven, die sie sich im Sommer angefressen haben. Als Ruheplätze dienen die Nester tief unter in den Bauten der Tiere. Die Erdbauten sind durchaus komplexe Bauten, deren Gänge eine Gesamtlänge von 5 bis 15 Metern aufweisen können. Die Gänge haben zumeist einen Durchmesser von gut acht Zentimeter. Die Wohnkammern liegen in Tiefen von 70 bis 200 Zentimetern. Ein Bau verfügt über mehrere Ein- und Ausgänge, meist sind es zwischen sechs und acht. Kurz nach Beendigung der Winterruhe stecken die Männchen ein Revier ab und warten auf die ersten Weibchen. Die Weibchen erwachen meist ein bis zwei Wochen nach den Männchen. Ein Revier kann durchaus einige Tausend Quadratmeter groß sein. Die Reviere erstrecken sich über die Bauten mehrerer Weibchen. Dieses können gut und gerne fünf oder auch mehr Weibchen sein. Unmittelbar nach der Paarung verscheucht ein Weibchen das Männchen und legt ab diesem Zeitpunkt ein territoriales Verhalten an den Tag.

Verbreitung

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Richardson-Ziesel finden ihre Verbreitung im zentralen und südlichen Kanada, insbesondere im südlichen Alberta und südlichen Saskatchewan sowie im südwestlichen Manitoba. In den USA sind Richardson-Ziesel in den nördlichen Bundesstaaten anzutreffen. Hier sind sie hauptsächlich im westlichen Minnesota, nordöstliches South Dakota, North Dakota und im zentralen Montana anzutreffen. Die Tiere sind sowohl in der offenen Prärie in der Ebene als auch in Mittelgebirgslagen der Rocky Mountains beheimatet. Grasland mit kurzem Gras bieten ihnen ideale Lebensbedingungen. Wälder, selbst lichte Wälder werden strikt gemieden. An die Erdoberfläche kommen Richardson-Ziesel nur während der Nahrungssuche, ansonsten halten sich die Tiere überwiegend in ihren schützenden Erdbauten auf.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern gehören vor allem räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia) wie Kojoten (Canis latrans), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Silberdachse (Taxidea taxus), Langschwanzwiesel (Mustela frenata), Amerikanische Nerze (Mustela vison), Streifenskunks (Mephitis mephitis) und verwilderte Hauskatzen (Felis silvestris forma catus). Die meisten Richardson-Ziesel fallen jedoch Greifvögeln (Falconiformes) wie Rotschwanzbussarden (Buteo jamaicensis), Königsbussarden (Buteo regalis), Präriebussarden (Buteo swainsoni), Kornweihen (Circus cyaneus), Präriefalke (Falco mexicanus) und Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus) zum Opfer. Nicht minder gefährlich sind einige Eulenarten (Strigiformes) wie die Schnee-Eule (Bubo scandiacus) und der Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Kleinere räuberisch lebende Vögel wie die Elster (Pica pica) sind ebenfalls immer am gedeckten Tisch anzutreffen. <2>

Nicht selten fallen bereits im ersten Jahr über 50 Prozent aller Jungtiere Fleischfressern zum Opfer. Trotz der hohen Mortalität scheint der Schwund durch Prädatoren keinen negativen Einfluss auf die Bestände zu haben. Nicht minder gefährlich sind die kleinen Plagegeister wie Fleischfliegen (Sarcophagidae), insbesondere Sarcophaga citellivora, die ihre Eier in das Fell der Ziesel legen. Auch Zecken (Ixodida) wie Dermacentor andersoni sind im Fell oft vertreten. Etwa 30 Prozent der Gesamtpopulation sind zudem mit Würmern wie Citellinema bifurcatus befallen.

Ernährung

Richardson-Ziesel sind keine reinen Pflanzenfresser, zu einem kleinen Teil fressen sie auch Insekten und deren Larven. Hauptbestandteil der Nahrung ist mit rund 90 Prozent jedoch pflanzliche Kost. Dazu gehören Sämereien, Nüsse, Körner aller Art sowie Gräser und Kräuter. Weit oben auf der Speisekarten stehen beispielsweise Wehrlose Trespe (Bromus inermis), Kamm-Quecke (Agropyron cristatum), Wiesen-Klee (Trifolium pratense), Weiß-Klee (Trifolium repens), Weißer Steinklee (Melilotus albus), verschiedene Süßgräser (Poaceae), Amarant (Amaranthus) und Tragant (Astragalus). <3> Richardson-Ziesel legen in ihren Erdbauten einen kleinen Vorrat an Nahrung in Form von Sämereien an, der jedoch erst nach Erwachen aus der Winterruhe gefressen wird. Auf Trinkwasser sind die Tiere nicht angewiesen, ihren Wasserbedarf stillen sie ausschließlich über die Nahrung.

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Fortpflanzung

Richardson-Ziesel erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 11 Monaten, also nach Beendigung der ersten Überwinterung. Weibchen sind etwa drei bis fünf Tage nach Beendigung der Winterruhe empfängnisbereit. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten Mitte bis Ende März, in den kanadischen Regionen jedoch erst Mitte April. Während einer Saison kommt es in allen Verbreitungsgebieten nur zu einem Wurf. Die Geschlechter leben in einer polygamen Beziehung. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat ein Männchen nichts zu tun. Der Nachwuchs kommt nach einer Tragezeit von 22 bis 23 Tagen im Nest der Mutter zu Welt. Es werden zumeist zwischen drei und dreizehn, meist jedoch nur vier bis neun Jungtiere geboren. Bei Weibchen, die zum ersten Mal Nachwuchs zur Welt bringen, liegt ein Wurf bei ein bis sechs Jungtieren. Die Neugeborenen weisen eine Körperlänge von 5,6 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 0,9 Zentimeter sowie eine Hinterfußlänge von 0,8 Zentimeter auf. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 6,5 und 7,5 Gramm.

Die Jungtiere wachsen schnell heran. In den ersten zehn Tagen legen sie rund 13 Prozent pro Tag an Gewicht zu. Zwischen dem 11. und 45. Tag steigt ihr Gewicht pro Tag um etwa 6 Prozent. Danach verlangsamt sich das Wachstum deutlich. <4> Bei der Geburt sind die Jungtiere nackt, blind und taub. Das erste Fell stellt sich nach vier bis sieben Tagen ein, die Ohren öffnen sich ab dem 20. Tag, die Augen öffnen sich einige Tage nach den Ohren. Im Alter von gut vier Wochen hat sich das Fell vollständig entwickelt. Die Säugezeit erstreckt sich über vier bis fünf Wochen. Die Jungtiere verlassen den Erdbau erstmals nach 26 bis 33, durchschnittlich nach 29 Tagen. Die Lebenserwartung liegt bei zwei bis vier, selten auch bei sechs Jahren. Weibchen erreichen in aller Regel ein höheres Alter als Männchen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

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Der Richardson-Ziesel ist zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, jedoch sind die Tiere nur selten zu beobachten, da sie in unzugänglichen Regionen beheimatet sind und sich dort zumeist in ihren Erdbauten aufhalten. In den letzten Jahrzehnten ging der Bestand jedoch wegen der Vernichtung der natürlichen Lebensräume immer weiter zurück. Die Hauptursachen sind dabei in der Abholzung der Wälder durch die Holzindustrie und beim Straßenbau zu suchen. Auch Farmer mit ihren Rindern dringen immer weiter in die natürlichen Lebensräume der Richardson-Ziesel vor. Den Farmern sind die Tiere ein Dorn im Auge, da sich Rinder und Schafe in den Erdlöchern nicht selten die Beine brechen. Daher gehen immer mehr Farmer dazu über, Giftköder auszulegen, an denen die Richardson-Ziesel jämmerlich eingehen. In der Roten Liste der IUCN wird der Richardson-Ziesel noch als nicht gefährdet geführt. <5> Im Grunde genommen gehört der Richardson-Ziesel zu den Nützlingen, da er die Populationen an Schadinsekten reguliert und er als Samenverbreiter fungiert. Seine verlassenen Erdbauten dienen anderen Tieren zudem als Unterschlupf. Als nachteilig erweist sich die Tatsache, dass Richardson-Ziesel Träger von Flöhen sind, die auch für den Menschen gefährliche Krankheiten übertragen können. Die Tiere gelten auch als Träger von gefürchteten Krankheiten, insbesondere der Tularämie, einer Krankheit, die durch den Erreger Francisella tularensis ausgelöst wird. Dies trifft im übrigen auch auf viele andere Ziesel zu.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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