Riesenschuppentier

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Riesenschuppentier

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Schuppentiere (Pholidota)
Familie: Schuppen- und Tannenzapfentiere (Manidae)
Gattung: Manis
Art: Riesenschuppentier
Wissenschaftlicher Name
Manis gigantea
Illiger, 1815

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Das Riesenschuppentier (Manis gigantea) zählt innerhalb der Familie der Schuppen- und Tannenzapfentiere (Manidae) zur Gattung Manis.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Riesenschuppentier erreicht eine Körperlänge von 120 bis 140 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 33 Kilogramm. Es ist innerhalb der Familie der Schuppen- und Tannenzapfentiere (Manidae) die größte Art. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Der gesamte Körper ist mit großen bräunlich gefärbten Schuppen überzogen, die nur wenig gekielt sind. Der Kopf setzt sich nur wenig vom Körper ab, die Schnauze ist deutlich in die Länge gezogen. Die Extremitäten sind kräftig ausgebildet und überaus muskulös. Vorder- und Hinterfüße sind mit kräftigen gelblichen Krallen versehen. Mit ihnen kann das Riesenschuppentier sehr gut graben oder Termitenbauten aufreißen. Die Bauchseite, die Innenseite der Beine sowie die Kopfseiten weisen keine Beschuppung auf. Die sichtbare Haut ist graubraun gefärbt. Die Augen sind recht klein und liegen seitlich am Kopf. Der lange Schwanz ist an der Wurzel sehr breit und dient der Verteidigung gegenüber Fressfeinden. Das Riesenschuppentier verfügt über keine Zähne. Die braucht es auch nicht, da sich die Nahrung nur aus Ameisen und Termiten zusammensetzt. Die sehr lange Zunge erreicht eine Länge von bis zu 40 Zentimeter.

Riesenschuppentiere leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch. Man sieht allenfalls Weibchen in Begleitung ihres Nachwuchses. Die Tiere sind überwiegend in der Nacht aktiv und verbringen den Tag über in ihren Höhlen. Die Höhlensysteme graben sie mit ihren kräftigen Klauen selbst. Die Gänge können durchaus bis zu fünf Meter unter die Erde führen. Am Ende befindet sich ein geräumiger Wohnkessel. Der Sehsinn ist nur mäßig bis schlecht ausgeprägt. Dafür ist der Geruchssinn hoch entwickelt. Daher verwundert es auch nicht, dass die Tiere untereinander chemisch, also über ihren Geruchssinn kommunizieren. Ihr schwerfälliger und langsamer Gang wird durch die säulenartigen Beine untermauert. Der Schwanz dient dabei zugleich als Balancierorgan. Beim Gehen drehen Riesenschuppentiere ihre Klauen nach hinten, damit diese nicht beschädigt werden. Sie gehen förmlich auf den Hand- bzw. Fußgelenken. Bei Gefahr rollt sich ein Riesenschuppentier zusammen, um seinen Kopf und die Bauchseite zu schützen. Die panzerartige Beschuppung schützt sie dabei vor den meisten Fressfeinden. Ihren Schwanz setzen sie dabei auch als Waffe ein.

Verbreitung

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Das Riesenschuppentier ist in weiten Teilen Afrikas beheimatet. Es ist südlich der Sahelzone in West-, Ost-, Zentral- und Südafrika flächendeckend verbreitet. Lediglich die Küstenbereiche des Indischen Ozeans werden nicht besiedelt. Man trifft das Riesenschuppentier in trockenen Gegenden wie lichten Wäldern sowie in Baum- und Buschsavannen an. Auf das Vorhandensein von Wasser sind die Tiere angewiesen, da sie regelmäßig Flüssigkeit zu sich nehmen müssen. Teilweise deckt sich der Lebensraum teileweise mit dem des Riesenschuppentieres und des Steppenschuppentieres.

Bedrohung und Schutz

Das Riesenschuppentier ist zwar noch nicht akut vom Aussterben bedroht, dennoch führte der Raubbau an der Natur in den letzten Jahrzehnten zu einer rasch sinkenden Population. Die Rodung der Wälder sowie die Nutzung als Farmland sowie die Besiedelung durch den Menschen drängen die Tiere immer weiter zurück. Die starke Bejagung verschärft diesen Zustand noch zusehens. In der Roten Liste des IUCN wird die Art momentan noch als nur gering gefährdet geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Tiere unter Schutz. Ob eingeleitete Schutzmaßnahmen der letzten Jahre fruchten, bleibt abzuwarten.

Ernährung

Riesenschuppentiere ernähren sich fast ausschließlich von Ameisen und Termiten. Mit ihren kräftigen Klauen können sie mühelos Termitenbauen aufreißen oder nach Ameisen graben. Mit ihrer langen und klebrigen Zunge nehmen sie die Insekten auf. Da die Nahrung sie nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgt, sind sie auf Wasserquellen angewiesen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit rund zwei Jahren erreicht. Die Paarungszeit der Riesenschuppentiere erstreckt sich für gewöhnlich über das Frühjahr. Die Geschlechter treffen sich in der Regel nur zu dieser Zeit. Während der Brunft kommt es zwischen den Geschlechtern zu regelrechten Verfolgungsrennen an dessen Ende schlussendlich die Paarung steht. Nach einer Tragezeit von 140 bis 150 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind selten, wurden aber schon dokumentiert. Das Jungtier wiegt bei der Geburt zwischen 450 und 500 Gramm. Die Beschuppung ist bereits vollständig vorhanden, allerdings ist sie noch sehr weich. Auch die Augen sind bereits geöffnet. Die Entwöhnung von der Muttermilch beginnt meist ab dem dritten Lebensmonat. Zu diesem Zeitpunkt begleitet das Jungtier seine Mutter bereits auf der Nahrungssuche. Der Vater hat mit der Aufzucht nichts zu tun, er hat das Weibchen nach der Begattung verlassen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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