Riesenwaldschwein

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Riesenwaldschwein

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Echte Schweine (Suidae)
Gattung: Hylochoerus
Art: Riesenwaldschwein
Wissenschaftlicher Name
Hylochoerus meinertzhageni
Thomas, 1904

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Das Riesenwaldschwein (Hylochoerus meinertzhageni) zählt innerhalb der Familie der Echten Schweine (Suidae) zur Gattung Hylochoerus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Je nach Unterart und Geschlecht erreicht das Riesenwaldschwein eine Körperlänge von 140 bis 210 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 80 bis 110 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 25 bis 40 Zentimeter sowie ein Gewicht von 120 bis 250, selten auch bis 280 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Die westliche Unterart ist dabei die kleinste der drei Unterarten. Der relativ große Kopf sitzt auf einem massigen Körper. Bei den Männchen wachsen seitlich der Schnauze mächtige Hauer heraus, die leicht eine Länge von 25 bis 30 Zentimeter erreichen können. Diese Hauer sind bei den Weibchen deutlich kleiner und schauen in der Regel nicht seitlich aus dem Maul heraus.

Beim Männchen fallen zudem unterhalb der Augen große Wülste auf, die nicht mit Fell versehen sind und unter der Haut überwiegend aus Bindegewebe bestehen. Im Bereich diese Wülste befinden sich Präorbitaldrüsen, die ein Sekret absondern, das auch der Reviermarkierung dient. Die stark verlängerte Schnauze endet in eine für Schweine typische Rüsselscheibe. Die Ohren sitzen weit hinten am Kopf und sind spitz zulaufend. Das borstige Fell weist eine dunkel graubraune bis schwarzbraune Färbung. Das Fell kann eine Länge von 23 bis 28 Zentimeter erreichen. Die sichtbaren Hautstellen sind grau gefärbt. Das Weibchen verfügt zum Säugen des Nachwuchses sechs Zitzen.

Verhalten

Riesenwaldschweine leben in geselligen Gruppen, die aus einigen Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs bestehen. Die Gruppenstärke variiert zwischen fünf und zwanzig, wobei ein Keiler die Gruppe dominiert. Sie sind zwar überwiegend tagaktiv, jedoch entfalten Riesenwaldscheine ihr Hauptaktivität in den frühen Morgen- und Abendstunden sowie teilweise auch in der Nacht. Die Ruhephasen werden an geschützten Plätzen im dichten Unterholz in Nester abgehalten. Ihre dichtbewaldeten Lebensräume verlassen Riesenwaldschweine nur im Schutze der Dunkelheit. Die täglichen Wanderungen bei der Nahrungssuche können bis zu zehn Kilometer umfassen. Das Streifrevier umfasst in der Regel zwischen fünf und zehn Quadratkilometer. Die Männchen einer Gruppe sind ausgesprochen territorial und sind für den Schutz der Gruppe verantwortlich. Sie sind sehr wehrhaft und scheuen sich keineswegs auch eine Hyäne anzugreifen. Riesenwaldschweine sind sehr reinliche Tiere, die Wasser- und Schlammlöcher aufsuchen, um sich im Schlamm zu suhlen. Damit entledigen sie sich lästiger Parasiten. Der angetrocknete Schlamm wird dann an Baumstämmen abgerieben.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Verbreitungsgebiet, Vorkommen
Hylochoerus meinertzhageni ivoriensis Bouet & Neuville, 1930 VU westliches Afrika
Hylochoerus meinertzhageni rimator Thomas, 1906 LR Zentralafrika
Hylochoerus meinertzhageni meinertzhageni Thomas, 1904 LR Ostafrika

Verbreitung

Das Riesenwaldschwein ist hauptsächlich in West- und Zentralafrika beheimatet. Es ist insbesondere in Uganda, Tansania, im Sudan, in Sierra Leone, Liberia, Nigeria, Ghana, Guinea, Äthiopien, in der Elfenbeinküste, im Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und in Kamerun anzutreffen. In weiten Teilen dieser Verbreitungsgebiete ist das Riesenwaldschwein bereits verschwunden oder steht kurz vor der Ausrottung. Dieses Verbreitungsgebiet teilen sich drei Unterarten (siehe obige Tabelle). Je nach Verbreitungsgebiet werden höchst unterschiedliche Lebensräume besiedelt. Es werden sowohl äquatorialer Regenwald, Gras- und Buschland sowie Bergregenwälder bewohnt. In Höhenlagen ist das Riesenwaldschwein bis in Höhen von über 3.500 Meter anzutreffen.

Ernährung

Riesenwaldschweine zählen zu den Allesfressern. Sie durchwühlen mit der Schnauze den Waldboden nach Essbarem. Neben Baumfrüchten, Wurzeln, Schnecken, Vogel- und Reptilieneier zählen auch Gräser und Kräuter und junge Triebe zu der Nahrung. Sie machen darüber hinaus aber auch vor Aas und Abfällen nicht halt. In der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen können Riesenwaldschweine erheblichen Schaden anrichten. Gelegentlich wird auch Kot gefressen (Koprophagie).

Fortpflanzung

Die Geschlechter der Riesenwaldschweine erreichen die Geschlechtsreife zu unterschiedlichen Zeiten. Die Weibchen erreichen die Geschlechtsreife bereits mit rund 18 Monaten, Männchen hingegen erst im vierten Lebensjahr. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten bereits im zeitigen Februar und kann sich bis in den März hinein erstrecken. Zwischen Ende Juli, Anfang August kommt es zu einer zweiten Paarungszeit. Die Niederkunft der Weibchen entspricht in etwa der Regenzeit. Zu dieser Zeit ist Nahrung reichlich vorhanden. Nach einer Tragezeit von 150 bis 153 Tagen bringt das Weibchen in einem Nest zwei bis fünf, selten auch mehr Jungtiere zur Welt. In der zweiten Lebenswoche sind die Ferkel in der Lage der Mutter und der Gruppe zu folgen. Die Säugezeit beträgt durchschnittlich zehn Wochen. Die Lebenserwartung liegt unter günstigen Umständen bei 19 bis 15 Jahren.

Ökologie

Riesenwildschweine gelten als Träger des gefährlichen ASF-Virus (African Swine Fever), der als Erreger der afrikanischen Schweinepest gilt. Des weiteren können Riesenwildschweine an der durch die Tse-tse Fliege übertragende Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis) erkranken, die auch für den Menschen tödlich enden kann. Das Riesenwildschwein gilt seit jeher für die afrikanische Bevölkerung als Jagdvieh. In weiten Teilen der Verbreitungsbreitungsgebiete ist die Art durch die exzessive Bejagung selten geworden. Landwirte stellen dem Riesenwaldschwein nach, da es auf landwirtschaftlichen Flächen gelegentlich Schaden anrichten kann. Stoßzähne landen im Handel, da die Hauer aus Elfenbein bestehen.

Gefährdung und Schutz

Die Nominalform und die zentralafrikanische Unterart Hylochoerus meinertzhageni rimator sind noch nicht bedroht und werden in der Roten Liste der IUCN als nur wenig gefährdet geführt. Die Westafrikanische Unterart Hylochoerus meinertzhageni ivoriensis ist mittlerweile stark gefährdet. Ihr Gefährdungsgrad ist in der Roten Liste VU, vulnerable. In Westafrika trägt vor allem die Vernichtung der natürlichen Lebensräume die Hauptschuld. Aber auch die starke Bejagung der Tiere hat dazu beigetragen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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