Rotbeinvogelspinne

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Rotbeinvogelspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Gattung: Megaphobema
Art: Rotbeinvogelspinne
Wissenschaftlicher Name
Megaphobema mesomelas
(Cambridge, 1892)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002228]

Die Rotbeinvogelspinne (Megaphobema mesomelas) zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Megaphobema. Die Rotbeinvogelspinne wurde früher der Gattung Brachypelma zugeordnet. Im Englischen wird die Rotbeinvogelspinne costa rican redleg tarantula genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rotbeinvogelspinne erreicht als Weibchen eine Körperlänge von etwa 7 bis 8 Zentimeter und als Männchen eine Körperlänge von etwa 5 bis 6 Zentimeter und gehört somit zu den mittelgroßen Arten der Vogelspinnen (Theraphosidae). Die Grundfärbung der Rotbeinvogelspinne ist dunkelbraun bis schwarz. Besonders an den Beinen zeigen sich von den Patellen bis zu den Tarsen dichte orange bis rostbraune gefärbte Härchen. Der Carapax wirkt ziemlich langgestreckt. Der gesamte Körper ist mit einer Behaarung bedeckt und überwiegend sind die Härchen mit Nervenzellen verbunden und dienen somit als Tasthaare, die auf Berührung und Vibrationen empfindlich reagieren. Hauptsächlich weisen die Beine eine starke Behaarung auf. Die übrigen Härchen werden in Brennhaare, Hörhaare, Geschmackshaare und Hafthaare unterschieden. Im Allgemeinen ist das Männchen kleiner als das Weibchen und ist meist an seinen langen Beinen und an seinem schlankeren Körper gut zu erkennen. Des Weiteren besitzt das Männchen Tibialhaken für die Paarung, die sich an dem unteren vorderen Beinpaar befinden. Die Lebenserwartung der weiblichen Rotbeinvogelspinne liegt bei etwa 12 Jahre, während das Männchen nach der letzten Reifehäutung nur noch mehrere Wochen oder Monate lebt.

Lebensweise

Die Rotbeinvogelspinne lebt wie fast alle Vogelspinnen einzelgängerisch. Sie zählt zu den sogenannten Bombadierspinnen. Bei Gefahr kann sie ihre Brennhaare, die sich auf dem Opisthosoma (Hinterleib) befinden, einsetzen. Die Brennhaare können ein Jucken und Brennen der Haut und der Atemwege verursachen. Allerdings zieht die Spinne es vor zu flüchten, bevor sie ihre Brennhaare abstößt. Ansonsten ist sie eine zurückhaltende und friedliche Vogelspinne und beißt selten zu. Kommt es doch zu einem Biss, muss die Wunde sofort desinfiziert werden, da sich auf den Cheliceren häufig Bakterien befinden, die eine Infektion auslösen können. Der Giftbiss selbst ist nicht so gefährlich wie die Infektion durch Bakterien. Die Rotbeinvogelspinne ist eine dämmerungsaktive Lauerjägerin, die sich am Tage in der Höhle aufhält und erst gegen Abend aktiv wird. Am Höhleneingang lauert die Rotbeinvogelspinne auf Insekten (Insecta) oder auf andere Kleintiere.

Rotbeinvogelspinne
vergrößern
Rotbeinvogelspinne

Verbreitung

Die Rotbeinvogelspinne kommt nur in Costa Rica vor und ist somit endemisch. Sie lebt in Hochlagen vulkanischen Ursprungs in Höhe von etwa 1.500 bis 2.700 Meter über dem Meeresspiegel. Dort herrschen Temperaturen am Tage von 18 bis 20 Grad Celsius und in der Nacht etwa 17 Grad Celsius. Aufgrund der häufigen Niederschläge in dieser Region herrscht zusätzlich noch eine hohe Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 Prozent. Die selbst gegrabene Höhle der Rotbeinvogelspinne befindet sich meist in Hanglage.

Ernährung

Die Rotbeinvogelspinne ernährt sich in ihrem natürlichen Lebensraum von Insekten (Insecta) und von anderen kleinen Tieren. In Gefangenschaft kann die Ernährung vielfältig sein und besteht meist aus Grillen (Gryllidae), Heuschrecken wie Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und aus Larven vom Mehlkäfer (Tenebrio molitor).

Fortpflanzung

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft die Rotbeinvogelspinne mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Eikokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie etwa 100 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ab. Während dieser Zeit betreibt das Weibchen Brutpflege. Im Innern des Eikokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Eikokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Beinspannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar. In Gefangenschaft gestaltet sich die Aufzucht der Spiderlinge sehr schwierig.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Rotbeinvogelspinne
vergrößern
Rotbeinvogelspinne

Update 4. November 2008 <1>

  • Megaphobema mesomelas - (Cambridge, 1892)
  • Eurypelma mesomelas - Cambridge, 1892b
  • Eurypelma mesomelas - Cambridge, 1897a
  • Brachypelma mesomelas - Valerio, 1980a
  • Brachypelma mesomelas - Smith, 1986b
  • Brachypelma mesomelas - Smith, 1987d
  • Brachypelma mesomelas - Hancock & Hancock, 1989
  • Megaphobema mesomelas - Schmidt, 1991b
  • Euathlus mesomelas - Smith, 1991a
  • Euathlus mesomelas - Smith, 1991b
  • Megaphobema mesomelas - Schmidt, 1992b
  • Megaphobema mesomelas - Schmidt, 1993d
  • Megaphobema mesomelas - Schmidt, 1997g, 1998h
  • Megaphobema mesomelas - Peters, 2000b
  • Megaphobema mesomelas - Peters, 2003

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge