Rotbrauner Flachstrecker

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Rotbrauner Flachstrecker

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Thomisoidea
Familie: Laufspinnen (Philodromidae)
Gattung: Flachstrecker (Philodromus)
Art: Rotbrauner Flachstrecker
Wissenschaftlicher Name
Philodromus collinus
Koch, 1835

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:029791]

Der Rotbraune Flachstrecker (Philodromus collinus) zählt innerhalb der Familie der Laufspinnen (Philodromidae) zur Gattung Philodromus. Diese Art ist auch unter den Synonymen Philodromus auronitens und Philodromus variatus bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Rotbraune Flachstrecker erreicht als Weibchen eine Körperlänge von etwa 4 bis 6 Millimeter und als Männchen eine Körperlänge von etwa 3 bis 4 Millimeter. Beide Geschlechter sind sehr verschieden gefärbt. Die hinteren Mittelaugen sind mindestens so weit voneinander entfernt wie von den hinteren Seitenaugen. Die vorderen Mittelaugen sind entweder so weit voneinander entfernt wie die hinteren oder stehen dichter beisammen. Der Hinterleib ist wenig länger als breit und ist hinter der Mitte am breitesten. Die Art dieser Gattung besitzt einen sehr deutlich abgeflachten Körper und waagerecht ausgebreitete Laufbeine. Im Gegensatz zu den ähnlichen Krabbenspinnen (Thomisidae) sind die hinteren beiden Beinpaare gegenüber den vorderen nicht auffällig verkürzt. Bei dem Weibchen weist der Rückenschild eine hellbraune Färbung auf und ist mit einem hellen Mittelband sowie mit dunkleren Rändern umsäumt. Ferner sind auf dem Rückenschild Flecken erkennbar, die aus weißen, flaumigen Haaren bestehen. Der Hinterleib ist von einer rötlichbraunen Färbung und ist mit einem unterbrochenen Mittelband aus weißlichen, flaumigen Härchen besetzt, das zu den Spinnwarzen hin spitz ausläuft. Des Weiteren zeigen sich am Hinterleibsende weiße Flecken und einige zarte dunkle Winkel. Die Beine weisen eine graubraune Färbung auf und sind mit schwarzen Flecken versehen. Das Männchen ist dunkelbraun und mit nur schwach erkennbaren, hellen Zeichnungen besetzt. Sein ganzer Körper ist mit einem intensiven, grünlichen Metallschimmer überzogen. Die Intensität dieser metallischen Färbung unterliegt allerdings starken individuellen Schwankungen. Das Männchen ist kaum von den Männchen der Arten Philodromus aureolus und Philodromus cespitum zu unterscheiden. Die reifen Tiere trifft man im Sommer an.

Lebensweise

Der Rotbraune Flachstrecker der Gattung der Flachstrecker (Philodromus) ist eher etwas seßhaft, gut getarnt lauert die Spinne im Blattwerk von Büschen und Bäumen auf Beute. Bei Störungen huscht die Spinne mit großer Geschwindigkeit davon. Mit Hilfe der Sinneshaare an den Laufbeinen kann sie blitzartige Lageänderungen durchführen, ohne dass sie sich an einem Sicherheitsfaden fallen lassen muß, obwohl der Spinne diese Möglichkeit auch offen steht. Der Rotbraune Flachstrecker kann auch in Krabbenmanier seitwärts laufen, aber anscheinend macht die Spinne das nur, um zu entfliehen.

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Spinne befindet sich in Mitteleuropa. In Deutschland wurde sie in der Nähe von Nürnberg im Tennenloher Forst und in Hainberg gesichtet. Der Rotbraune Flachstrecker hält sich auf niedrigen Zweigen von Laub- und Nadelbäumen auf.

Ernährung

Diese Art ist eine frei jagende Räuberin, die ihrer Beute nicht auflauert, sondern sie etwa nach Art einer Wolfspinne (Pardosa lugubris) anpirscht und dann mit einem schnellen Zugriff überwältigt. Der Rotbraune Flachstrecker ernährt sich von kleinen Geflügelten Insekten (Pterygota), insbesondere von sehr kleinen Fliegen (Brachycera), die in großer Anzahl erbeutet werden.

Fortpflanzung

Bei dieser Art gibt es kaum eine Werbung, die Paarung dauert nur etwa eine halbe Minute. Das Weibchen legt den Eikokon an Zweigenden an und bewacht den Kokon bis seinem Tode.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
  • Platnick, Norman I. (2008): The world spider catalog, version 8.5. American Museum of Natural History.
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