Rote Chile-Vogelspinne

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Rote Chile-Vogelspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Grammostola
Art: Rote Chile-Vogelspinne
Wissenschaftlicher Name
Grammostola rosea
Walckenaer, 1837

Die Rote Chile-Vogelspinne (Grammostola rosea) zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Grammostola.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Rote Chile-Vogelspinne ist eine von 19 Arten innerhalb der Gattung Grammostola und zählt zu den mittelgroßen Arten. Sie erreicht eine Körperlänge von bis zu acht cm. Die Grundfärbung des Körpers reicht von hellbraun bis rotbraun. Die jeweils ersten Beinglieder sind schwärzlich. Die Rote Chile-Vogelspinne verfügt über eine relativ dichte und lange Behaarung, die an Extremitäten und Opisthosoma leicht rosa gefärbt ist. Bei Lichteinfall kann der Carapax leicht metallisch schimmern. Bei einem Biss sondert die Vogelspinne ein Gift ab, das dem Menschen allerdings kaum gefährlich werden kann. Für Allergiker ist allerdings Vorsicht geboten. Von der Wirkungsweise her kann man einen Biss dieser Spinne mit einem Bienenstich vergleichen. Die Giftklauen können eine Länge von gut sieben mm erreichen.

Der Vorderkörper (Prosoma) trägt die vier Beinpaare. Er unterteilt sich in das Oberteil, dem Kopfbrustschild (Peltidium), sowie auf der Unterseite dem Sternum. Das Sternum ist eine sternförmige plattenartige Abdeckung. Daran schließt sich am vorderen Teil das Labium, eine beweglich angebrachte Unterlippe, die Kauladen sowie zwei Kiefertaster, den Pedipalpen. Diesen Vorderteil des Vorderkörpers nennt man Prosoma, wobei der untere Teil der Nahrungsaufnahme dient, auf dem oberen Teil der Augenhügel mit den acht symmetrisch angeordneten Augen. Im Vorderkörper befinden sich zudem auch das Gehirn, der Saugmagen und Teile des Verdauungssystems.

Der Hinterkörper ist nicht weiter segmentiert und ist über ein beweglich angebrachtes Verbindungsstück, dem sogenannten Petiolus, an den Vorderleib, dem Prosoma, angeschlossen. Der Hinterleib ist nicht wie der Vorderkörper gepanzert und stellt den empfindlichsten Teil des Körpers dar. Der Hinterleib dient zum einen als Eiervorratsbehälter bzw. dem Männchen als Samenbehälter und zum anderen als Nahrungsspeicher für eventuelle Fastenzeiten, die durchaus bis zu zwei Monaten dauern können. Auch das Herz sowie der zweite Teil des Verdauungstraktes liegen im Hinterleib. Am hinteren Ende des Hinterleibes sitzen die länglichen Spinnwarzen, über die die Vogelspinne die Spinnseide absondert. An der Unterseite liegen des weiteren die Geschlechtsorgane. Unweit der Geschlechtsorgane sitzen zudem die vier Buchlungen, wobei die vordern beiden als kleiner Schlitz erkennbar sind. Die beiden hinteren Buchlungen liegen versteckt.

Rote Chile-Vogelspinne
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Rote Chile-Vogelspinne

Die Chelizeren setzen sich aus dem Basalglied sowie den Chelizerenklauen zusammen. Diese zweigeteilten Chelizeren bilden das erste Extremitätenpaar und werden, wenn sie nicht gebraucht werden, nach unten geklappt. Im Chelizerengrundglied, also dem Basalglied, liegen die Giftdrüsen, die das Gift in die Klauen leiten. Die Kiefertaster (Pedipalpen), schliessen sich an die Chelizeren an und weisen rein äußerlich Eigenschaften von einem Beinpaar auf. Die Kiefertaster haben allerdings die Funktion eines Tastorgans. Mit Erreichen der Geschlechtsreife des Männchen haben die Kiefertaster noch einen weiteren Zweck; in dem sogenannten Bulbus werden Spermapakete aufgenommen, mit denen später ein Weibchen befruchtet wird.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, Haar ist bei der Roten Chile-Vogelspinne nicht gleich Haar. Sie weist fünf verschiedene Haartypen auf. Die Geruchshaare sitzen am ersten Beinpaar, den Tastern, und dienen unter anderem der Erkennung der Paarungsbereitschaft des Weibchen und der Prüfung der Futterqualität. Der gesamte Körper ist mit Tasthaaren versehen, mit denen er seine unmittelbare Umgebung prüfen kann. Die empfindlichsten Tasthaare sitzen an den Extremitäten und gehören zu den wichtigsten Sinnesorganen der Vogelspinne. Die Tarsen sowie die Metatarsen sind von winzig kleinen Hafthaaren überzogen, die kleinen Haarbüschel, die die sogenannten Scopula bilden. Die Anzahl der am Ende verzweigten Härchen kann durchaus rund 100 Millionen betragen. Mit den Hörhaaren kann die Vogelspinne Schallwellen wahrnehmen. Besonders gut kann sie niederfrequente Wellen wahrnehmen. Diese Hörhaare sind mit einer Membran verbunden, die die Informationen an das Gehirn weiterleiten. Diese Haare sitzen vornehmlich an den Extremitäten. Ein Feld mit Brennhaare befindet sich an der hinteren Oberseite des Opisthosomas. Diese Reizhaare sind besonders leicht ablösbare Härchen, die mit den Hinterbeinen abgestreift werden können. Dies geschieht vor allem bei Bedrohung. Die mit feinen Spitzen und Widerhaken versehenen Härchen können beim Menschen bei Kontakt mit den Schleimhäuten einen starken Hustenreiz auslösen. Auf der Haut kann es zu Rötungen und starkem Juckreiz kommen.

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Je nach Alter kommt es bei der Roten Chile-Vogelspinne zu Häutungen in unterschiedlichen Zeitabständen. Jungspinnen (Nymphen und Spiderlinge) häuten sich das erste Mal noch im Kokon und kurz vor dem Schlupf ein zweites Mal. Das ist die sogenannte Larvenhäutung. Später häuten sich die Spiderlinge, so werden die Jungspinnen ab der 3. Larvenhäutung häufig umgangssprachlich genannt, alle zwei bis drei Wochen. Diese dritte Haut wird in der Vogelspinnenszene häufig auch als "erste Fresshaut" bezeichnet, da die Jungspinnen nun selbständig Nahrung zu sich nehmen. Männliche Vogelspinnen häuten sich in der Regel nur bis zur finalen Reifehäutung, wobei in Gefangenschaft hin und wieder auch "postultimate molts" auftreten. Weibchen häuten sich auch nach der Geschlechtsreife noch ein mal pro Jahr, wobei die Intervalle mit zunehmendem Alter immer länger werden und sich bis auf alle zwei oder mehr Jahre ausdehnen können.

Zu den Hauptfeinden zählen neben Vögel auch größere Reptilien und Säugetiere.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Roten Chile-Vogelspinne liegt in Chile und Teilen von Bolivien. In Chile bildet die Atacama-Wüste das nördlichste Verbreitungsgebiet. Die Rote Chile-Vogelspinne bewohnt überwiegend trockene und heiße Lebensräume und hält sich während ihrer Ruhephase in ihrer Wohnhöhle auf. Stellenweise kommt sie auch in subtropischen Lebensräumen vor.

Nahrung

Neben Insekten und anderen Wirbellosen fressen sie auch Kleinsäuger. Dabei wird über die Chelizerenklaue ein Gift in das Beutetier injiziert, das die Beute von innen her auflöst. Nach einiger Zeit saugt die Vogelspinne das Beutetier aus. Übrig bleiben lediglich die unverdaulichen Bestandteile wie Chintinreste bei Arthropoden und ggf. Haare und Knochen bei Vertebraten. Beim Aussaugen der Beute vollführt die Spinne mit ihren Kieferklauen Bewegungen die an Kaubewegungen erinnern, so dass die Nahrungsreste am Ende ein unkenntliches Knäuel bilden.

Fortpflanzung

Männchen erreichen die Geschlechtsreife rund 8 Wochen nach der letzten Reifehäutung. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Hat es ein Weibchen ausgemacht, fühlt es mit trommelnden Bewegungen seinen Tastern vor, ob das Weibchen paarungsbereit ist. Im positiven Fall erwiedert das Weibchen das Trommeln und die potentiellen Partner kommen sich Schritt für Schritt näher. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen werden über die Hörhaare wahrgenommen. Der bevorstehende Paarungsakt dauert nur 30 bis 60 Sekunden und endet in der Regel nicht in einem tödlichen Angriff des Weibchen auf das Männchen.

War die Befruchtung erfolgreich, so reifen in den nachsten acht bis zehn Wochen die Eier im Eiervorratsbehälter im Opisthosoma des Weibchen heran. Kurz vor der Eiablage beendet das Weibchen die Nahrungsaufnahme und beginnt mit der Vorbereitung der Eiablage. Sie beginnt einen Kokon zu weben, in dem sie ihre Eier ablegt. Dieses können mehrere hundert Eier sein. Der mit Eiern gefüllte Kokon wird vom Weibchen bewacht und ab und an gedreht. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie die schützende Umgebung ihrer Mutter. Eine Rote Chile-Vogelspinne kann ein Alter von zwölf bis 15 Jahren erreichen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Volker von Wirth: Vogelspinnen faszinierend & exotisch. Gräfe & Unzer, Februar 2005 ISBN 3774268215
  • Andreas Tinter: Vogelspinnen. Gifte, Lebensweise, Verhalten. Nikol Vlgs.-Ges., Hamburg, Oktober 2001 ISBN 393320349X
  • Ann Webb: Vogelspinnen. Natur und Tier-Verlag, 2000 ISBN 3931587320
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