Rothandbrüllaffe

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Rothandbrüllaffe
Foto/Zeuichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Gattung: Alouatta
Art: Rothandbrüllaffe
Wissenschaftlicher Name
Alouatta belzebul
(Linnaeus, 1766)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Rothandbrüllaffe (Alouatta belzebul) zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartigen (Cebidae) zur Gattung Alouatta. Im Englischen wird dieser Primat Red-handed Howler Monkey oder Red-handed Howling Monkey genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Rothandbrüllaffen gehören zu den größten Neuweltaffen und erreichen je nach Geschlecht unterschiedliche Maße. Männchen sind großer und schwerer als Weibchen. Männchen erreichen eine Körperlänge von 565 bis 630 mm, eine Schwanzlänge von 585 bis 915 mm sowie ein Gewicht von 6.500 bis 8.000 (7.270) g. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 400 bis 650 mm, eine Schwanzlänge von 585 bis 915 mm sowie ein Gewicht von 4.850 bis 6.200 (5.520) g. Namensgebend sind die rötlich bis rötlichgelb gefärbten Hände. Das grob wirkende Fell variiert von gelblichrot, über dunkelrot bis hin zu tief schwarz. Der als greiforgan fungierende Schwanz ist bis auf den distalen Teil dicht behaart. Das Gesicht ist unbehaart. Das Gebiss ist kräftig ausgeprägt und verfügt 36 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p3/3, m3/3. Die Backenzähne weisen scharfe Kanten auf und sind so zum Schneiden und Kauen von Blättern gut geeignet. Wie bei allen Brüllaffen, so ist das Zungenbein (Os hyoideum) und der Kehlkopf der Rothandbrüllaffen stark vergrößert (Nowak, 1999).

Lebensweise

Die Revierabgrenzung bzw. die Kommunikation zwischen einzelnen Gruppen erfolgt über das charakteristische laute Brüllen. Dies ist vor allem während der frühen Morgenstunden der Fall. Die Töne sind bis in Entfernungen von 1.000 bis 2.000 m zu hören. Die Töne liegen im Frequenzbereich von 300 bis 2000 Hz. Rothandbrüllaffen leben in sozialen Gruppen, die eine Stärke von 4 bis 15 Individuen aufweisen können. Angeführt wird eine Gruppe von einem dominanten Männchen. In der Hierarchie untergeordnet sind mehrere Weibchen (2 bis 5) und deren Nachwuchs aus mehreren Würfen. Die Reviergröße lieg zwischen 5 und 45 (13-18) ha und richtet sich nach der Gruppengröße und den vorhandenen Nahrungsressourcen. Rothandbrüllaffen gehören zu den tagaktiven Primaten. Die meiste Zeit am Tage ruhen die Tiere jedoch. Insgesamt verbringen Rothandbrüllaffen nahezu 80% des Tages mit Ruhepausen und Schlafen. Der hohe Anteil an Ruhepausen hängt mit der folivoren Ernährung und den damit verbundenen Schwierigkeiten mit der Verdauung der Blattnahrung zusammen. Rothandbrüllaffen halten sich fast auschließlich hoch oben in den Bäumen auf. Wie bei allen Vertretern der Gattung Alouatta ist der Schwanz als Greiforgan ausgebildet. Dazu verfügt die Schwanzunterseite über unbehaarte Flecken (Nowak, 1999).

Verbreitung und Lebensraum

Rothandbrüllaffen sind im Amazonasgebiet von Brasilien endemisch. Die Vorkommen erstrecken sich über die brasilianischen Bundesstaaten Amapá, Pará und Maranhão. Das Verbreitungsgbiet liegt demnach im Nordosten von Brasilien. Eine isolierte Population lebt im Bereich der nordwestlichen Küste Brasilien in Rio Grande do Norte, Piauí, Pernambucoo, Paraiba und Alagoas. Nachgewiesen ist die Art auch auf der Marajó Caviana in der Amazonas-Mündung. Rothandbrüllaffen besiedeln tropische Regenwälder und Küstenwälder im Tiefland (IUCN, 2011).

Biozönose

Prädator: die Tayra (Eira barbara)
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Prädator: die Tayra (Eira barbara)

Zu den natürlichen Feinden der Rothandbrüllaffen zählen insbesondere Habichtartige (Accipitridae) wie die Harpyie (Harpia harpyja) und Raubtiere (Carnivora) wie die Tayra (Eira barbara), der Jaguar (Panthera onca) und andere Katzen (Felidae). Rothandbrüllaffen sind ausgesprochen wachsam und warnen bei Gefahr andere Mitglieder der Gruppe durch lautstarkes Geheul. Der größte Feind ist jedoch der Mensch. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes stellen die Awá (Guajá) Indianer den Tieren wegen des Fleisches nach (Miranda et al, 2006; Nowak, 1999).

Ernährung

Die Art ernährt sich hauptsächlich von Blättern. Rothandbrüllaffen ernähren sich demnach folivor. Die Molaren sind an diesen Nahrung besonders angepasst. In der Regel werden vor allem junge Blätter bevorzugt gefressen, insbesondere wenn diese verfügbar sind. Ebenfalls auf der Speisekarte stehen reife Früchte, über die die Rothandbrüllaffen ihren Wasserbedarf stillen. An Früchten werden vor allem Feigen (Ficus) gefressen. Zu einem kleinen Teil werden auch Blattstielen, Knospen, Blüten, Samen und junge Zweige gefressen. Blätter stammen hauptsächlich aus der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und Maulbeergewächse (Moraceae). Die aufgenommene Nahrung schwankt sowohl lokal als auch saisonal, da nicht in allen Regionen die gleichbleibende Verfügbarkeit von Früchten gewährleistet ist (Nowak, 1999; Ferrari, Veiga & Urbani, 2008).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird bei den Weibchen im Alter von 4 bis 5 Jahren erreicht, Männchen sind meist erst später geschlechtsreif. Rothandbrüllaffe paaren sich nicht streng saisonal, jedoch kann man zu bestimmten Jahreszeiten Spitzen in den Geburten erkennen. Die meisten Geburten liegen in der beginnenden Regenzeit. Bei den Rothandbrüllaffen treten hauptsächlich polygame Fortpflanzungssysteme auf. In Gruppen mit mehr als einem Männchen hat meist nur das dominante Männchen ungehinderten Zugang zu den Weibchen. Wechselt der Dominanzstatus in einer Gruppe, so kommt es seitens des dominanten Männchens nicht selten zur Tötung des Nachwuchses. Nicht selten kommt es bei größeren Gruppen zu Abwanderungen von geschlechtsreifen Weibchen. Zum Paarungsverhalten zwischen Männchen und Weibchen gehört insbesondere das Beschnüffeln und Belecken der analogenitalen Region. Die Kopulation selbst ist nur von kurzer Dauer, wobei es im Abstand von Stunden mehrmals zur Kopulation kommt. Der Ovarialzyklus liegt bei den Weibchen bei 13 bis 24 Tagen. Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 187 Tagen bringt ein Weibchen ein, selten auch 2 Jungtiere zur Welt. Zwischen 2 Geburten liegen 1 bis 2 (1,5) Jahre. In der Regel kommt der Nachwuchs in der Nacht zur Welt. Kurz nach der Geburt verzehrt ein Muttertier die Plazenta. Das Jungtier ist nur wenig entwickelt, spärlich behaart und blind. Um die Pflege des Nachwuchses kümmern sich ausschließlich die Mütter. Sie sorgen auch aktiv für den Schutz. Im ersten Lebensmonat wird ein Jungtier von der Mutter am Bauch getragen, später auf dem Rücken. Bis zum vierten Lebensmonat bleibt ein Jungtier in unmittelbarer Nähe zur Mutter. Später werden die Jungtiere immer selbständiger und erkunden die nähere Umgebung. Die Selbständigkeit wird zwischen dem 7. und 8. Lebensmonat erreicht. Die Säugezeit ist unbekannt. Die Lebenserwartung in Freiheit ist unbekannt, in Gefangenschaft kann ein Rothandbrüllaffe durchaus ein Alter von 15 bis 20 Jahren erreichen (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Rothandbrüllaffen gehören heute zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie VU, Vulnerable, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) listet die Art in Anhang II. Zu den Hauptbedrohungen gehören heute die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes, die Fragmentierung der verbliebenen Lebensräume, die Bejagung durch den Menschen und die allgemeine Umweltverschmutzung. Bedrohungen gehen vor allem vom illegalen Holzeinschlag, der Rodung für landwirtschaftliche Flächen und der Erdöl-Exploration aus. Rothandbrüllaffen sind ein wichtiger Teil im Ökosystem, da sie aktiv an der Verbreitung von Samen beteiligt sind. Samen werden in der Regel unverdaut ausgeschieden und landen auf dem Waldboden (IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) sind Rothandbrüllaffen unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind: A. beelzebub (Bechstein, 1800), A. discolor (Spix, 1823), A. flavimanus (Bates, 1863), A. mexianae (Hagmann, 1908), A. rufimanus (Kuhl, 1820), A. tapojozensis Lönnberg, 1941 und A. ululata Elliot, 1912. Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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