Rotrückenbussard

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Rotrückenbussard

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Bussardartige (Buteoninae)
Gattung: Bussarde (Buteo)
Art: Rotrückenbussard
Wissenschaftlicher Name
Buteo polyosoma
(Quoy & Gaimard, 1824)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Rotrückenbussard (Buteo polyosoma) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Bussarde (Buteo). Im Englischen wird der Rotrückenbussard red-backed hawk genannt. Dieses Taxon ist in zwei Spezies gesplittet: Buteo polyosoma und Buteo poecilochrous. Die Aufteilung der Taxonomie ist zur Zeit umstritten, da die Unterschiede zwischen den beiden Arten Buteo polyosoma und Buteo poecilochrous unklar sind.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Rotrückenbussard erreicht eine Körperlänge von etwa 50,0 bis 60,0 Zentimeter, wobei das Weibchen größer und schwerer ist als das Männchen. Die Flügellänge des Männchens beträgt 41,8 bis 48,3 Zentimeter und die Flügellänge des Weibchens 45,4 bis 46,7 Zentimeter. Die Schwanzlänge des Männchens beträgt 21,3 bis 24,3 Zentimeter und die Schwanzlänge des Weibchens 22,4 bis 26,3 Zentimeter. Bei dem Männchen beträgt der Bereich von der Schnabelspitze bis zum Federansatz (culmen) der Wachshaut 2,3 bis 3,5 Zentimeter und bei dem Weibchen beträgt der Bereich von der Schnabelspitze bis zum Federansatz (culmen) der Wachshaut 2,5 bis 2,8 Zentimeter. Die Tarsuslänge des Männchens beträgt 8,6 bis 9,1 Zentimeter und die Tarsuslänge des Weibchens beträgt 8,0 bis 9,1 Zentimeter. Beide Geschlechter treten in zwei verschiedenen Farbmorphen auf. Die Erwachsenen weisen einen weißen Schwanz mit einem kontrastreichen subterminalen schwarzen Band sowie mit dunklen Streifen an den grauen Flügeln auf. Im Flug erscheinen die Schwungfedern von unten weißlich gefärbt und mit feinen Streifen sowie mit einer breiten schwarzen Spitze. Das übrige Gefieder variiert von sehr dunkelgrau bis weißlich und einige Individuen haben eine rötlichbraune Unterseite. Das Weibchen weist meist einen rötlichbraunen Rücken auf. Diese Färbung auf dem Rücken fehlt in der Regel beim Männchen, obwohl zumindest einige Männchen auch diese Tönung aufweisen.

Lebensweise

Der Rotrückenbussard ist ein Teilzieher, der in östlicher Richtung von Cuyan, Patagonien, Feuerland, nach Norden entlang der Anden in das nördliche Argentinien, Bolivien und Peru migriert. Die Brutpaare auf Feuerland wandern vom Norden nach Südamerikea, dort zu überwintern.
Rotrückenbussard - Profilaufnahme
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Rotrückenbussard - Profilaufnahme
Die Population auf den Falkland-Inseln ist sesshaft. Auf den Falkland-Inseln findet man den Rotrückenbussard in der Nähe von Küsten- oder Binnengewässern mit oder ohne ständiges Frischwasser und er scheint eine leichte Neigung für höhere Bereiche zu haben. Es sind jedoch Bewegungen in einigen Bereichen als Reaktion auf die Niederschläge zu beobachten. Überwiegend hält sich der Rotrückenbussard in mittleren und montanen Höhenlagen auf, aber auch in einigen Regionen im Flachland ist er anzutreffen, zum Beispiel auf der Halbinsel Santa Elena, Ecuador. Des Weiteren bewohnt der Rotrückenbussard trockene offene Landschaften mit vereinzelten Bäumen oder Sträuchern, Wiesen oder auch landwirtschaftliche Flächen. In den höheren Lagen der Anden lebt er auf schroffen Berggipfeln, montanen Wiesen und in Polylepis-Wäldern. Der Rotrückenbussard fliegt hoch und häufig über Bergkämme und Täler, oft verweilt er auf Felsvorsprüngen oder auf dem Boden. Er tritt einzeln oder in Paaren auf.

Unterarten

  • Buteo polyosoma polyosoma - (Quoy & Gaimard, 1824) - Anden und pazifisches Tiefland von Norden nach Süden bis Ecuador, Peru und Bolivien nach Chile im Südwesten und niedrigere Höhenlagen der Anden im südlichen Teil Argentiniens durch Patagonien bis Feuerland und Falkland-Inseln
  • Buteo polyosoma exsul - (Salvin, 1875) - endemisch auf den Juan-Fernández-Inseln vor Chile

Verbreitung

Rotrückenbussard
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Rotrückenbussard

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Rotrückenbussard in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Argentinien, Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Falklandinseln (Malvinas), Paraguay, Peru und Uruguay. Als Durchzügler ist der Rotrückenbussard in Brasilien anzutreffen. Zu seinen Lebensräumen zählen unter anderem gemäßigte Wälder, subtropische und tropische Trockenwälder, subtropisches und tropisches Buschland mit Trockenwald, subtropisches und tropisches feuchtes Buschland, subtropisches und tropisches Buschland in höher gelegenen Regionen, gemäßigtes Grasland, subtropisches und tropisches Grasland in höher gelegenen Regionen, Inland-Klippen, Bergregionen sowie landwirtschaftliche Nutzflächen.

Ernährung

Der Rotrückenbussard ernährt sich überwiegend von kleinen Säugetieren wie Ratten und Kaninchen, jedoch nimmt er auch Vögel und Insekten zu sich. Generell jagt er von einer Ansitzwarte aus. Gelegentlich jagt er auch aktiv, indem er im der Luft, wie der Weißschwanzbussard (Buteo albicaudatus) und der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis), durch Aufwinde schwebt und sich mit einem Überraschungsangriff auf die Beute stürzt. Je nach Verbreitungsgebiet ist auch das Nahrungsspektrum unterschiedlich. Auf den Juan Fernández-Inseln ernährt sich der Rotrückenbussard von Ratten, Mäusen und Vögeln, wie Sperlingsvögel (Passeriformes) und Sturmvögel (Procellariidae). In Argentinien erbeutet der Rotrückenbussard im Winter und im Früjahr vermehrt Nagetiere, vor allem Zwergreisratten (Oligoryzomys) und Kammratten (Ctenomyidae), gefolgt von Insekten und Vögeln wie Araukanertauben (Columba araucana). In der Brutzeit werden jedoch vermehrt Vögel und Schlangen wie Nattern (Colubridae) erbeutet. Auf den Falkland-Inseln jagt der Rotrückenbussard Gänse, Küken, kleine Vögel, Kaninchen, Hasen, Mäuse und Ratten. Auch ernährt er sich von Aas und von Haushühnern.

Fortpflanzung

Je nach Verbreitungsgebiet beginnt die Brutsaison zu unterschiedlichen Jahreszeiten. In der Regel findet die Brut auf den Falkland-Inseln im Oktober statt, manchmal auch schon im September. Der Horst ist ein große, sperrige Plattform und befindet sich auf einem großen Baumkaktus oder auf einem Felsvorsprung. Der Horst wird in den aufeinanderfolgenden Jahren wieder verwendet und ausgebessert. Das Gelege besteht aus zwei bis drei Eiern. Die Eier weisen eine grünlich-weiße oder nur eine weiße Färbung auf und sind mit variablen rötlich-braunen Markierungen besetzt. Die Inkubationszeit dauert etwa 39 bis 40 Tage. Die Jungvögel werden vom Weibchen in den ersten drei oder vier Tagen gehudert. Mit etwa 50 bis 60 Tagen sind die Jungvögel flugfähig, werden aber weiter von den Eltern mit Nahrung versorgt.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Rotrückenbussard heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Er ist in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Rotrückenbussard selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Rotrückenbussard als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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