Rotrückenspinne

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Rotrückenspinne
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Haubennetzspinnen (Theridiidae)
Gattung: Echte Witwen (Latrodectus)
Art: Rotrückenspinne
Wissenschaftlicher Name
Latrodectus hasseltii
Thorell, 1870

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:007810]

Die Rotrückenspinne (Latrodectus hasseltii) zählt innerhalb der Familie der Haubennetzspinnen (Theridiidae) zur Gattung der Echten Witwen (Latrodectus). Im Englischen wird die Rotrückenspinne Redback Spider genannt. Die Rotrückenspinne ist leicht mit der Gewächshausspinne (Achaearanea tepidariorum) zu verwechseln.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rotrückenspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 4 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 10 bis 12 Millimeter. Die weibliche Rotrückenspinne ist leicht in Färbung, Größe und Form zu erkennen. Der Körper weist ein charakteristisches erbsenförmiges Opisthosoma auf. Die Beine sind im Gegensatz zum Körper lang und schlank. Die Oberfläche des Hinterkörpers besitzt in der Regel einen breiten roten Streifen, während die Unterseite eine sanduhrförmige rote Markierung aufweist. Die juvenile weibliche Rotrückenspinne hat eine weiße Markierung auf der Oberfläche des Opisthosoma. Die männliche Rotrückenspinne ist im Gegensatz zum Weibchen viel kleiner und wird selten gesehen. Das Opisthosoma ist hellbraun und weist keine roten Markierungen auf, aber auf der Oberfläche des Opisthosoma zeigen sich vereinzelt weiße Flecken und auf der Unterseite ist eine blasse sanduhrartige Markierung angedeutet. Die Weibchen trifft man häufig im November an.

Lebensweise

Die Rotrückenspinne baut in natürlicher Umgebung ihr Haubennetz meist im halbhohen Gras oder an überhängenden Felsen. Das haubenartige Deckengespinst, das sich aus einem Gewirr kurzer, weitmaschiger Fäden zusammensetzt, wird von Spannfäden gehalten. Da sich die Rotrückenspinne hauptsächlich von Geflügelten Insekten (Pterygota) ernährt, zieht sie vom haubenartigen Gespinst nach allen Seiten klebrige Fäden, in denen sich die Geflügelten Insekten (Pterygota) verfangen. Im oberen Teil des Netzes befindet sich der nach unten offene, schüsselförmige Schlupfwinkel, in dem sich die Spinne meistens aufhält. Die Spinne ist nachtaktiv und verbirgt sich tagsüber in ihrem schüsselförmigen Schlupfwinkel. Der Schlupfwinkel liegt in der Mitte des Netzes. Die Rotrückenspinne ist sesshaft und bleibt zeitlebens an dem selben Ort. Ihrer kannibalistischen Ader entgeht nicht einmal ihr Nachwuchs, wenn er nach dem Schlupf nicht schnell genug das Nest verläßt. Droht Gefahr, so läßt sich die Rotrückenspinne aus dem Netz fallen und stellt sich tot. Das Gift dieser Spinne ist sehr giftig und enthält neurotoxische Wirkstoffe, die das zentrale Nervensystem angreifen.

Rotrückenspinne
vergrößern
Rotrückenspinne

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Rotrückenspinne befindet sich in Burma, Indien, Japan, Pakistan, in der Nähe von Maskat (Hauptstadt Omans) sowie auf Neuseeland. Das Vorkommen der Rotrückenspinne in Indien ist seit dem letzten Jahrhundert sehr spärlich. Des Weiteren ist die Spinne auf den Inseln Corregidor (gehört zu den Philippinen), Panay (Inselgruppe der Visayas), Luzon (15. größte Insel der Welt) und Tinian Island (gehört mit zu den großen Inseln des Commonwealth der Nördlichen Marianen) verbreitet. Die Netze werden häufig in den Gebieten von Südasien auf Baumwoll-Plantagen zwischen dem unteren Blattbereich und Boden angelegt. Die Lebensräume der Rotrückenspinne kann in den genannten Gebieten sehr unterschiedlich sein. So hält sich die Rotrückenspinne auf offenen Landflächen, in Senkgruben, an dunklen Orten, in dunklen Nischen, auf Müllhalden, in oder zwischen Holzhaufen, unter der Rinde von toten Bäumen, in leeren Dosen, in Eimern, unter oder zwischen Steinen, in oder zwischen Tüpfelfarngewächsen (Polypodiaceae) sowie auf oder in Gasometern und Wasserzählern oder in alten Kartons auf.

Ernährung

Das dicke, mattierte, verhedderte und formlose Netz ist durch Erdklumpen, trockene Blätter und Samen von verschiedenen Gräsern, die möglicherweise aus der näheren Umgebung von Parkanlagen ins Netz gesunken sind, in der Vegetation gut getarnt und wird von den fliegenden Beutetieren meist zu spät bemerkt. Zum Nahrungsspektrum der Rotrückenspinne zählen überwiegend Geflügelte Insekten (Pterygota), Weberknechte (Opiliones) und andere Spinnentiere (Arachnida). Gelegentlich verfangen sich im Netz auch kleine Echsen wie zum Beispiel Lampropholis guichenoti aus der Familie der Skinke (Scincidae). Dies zeigt wie effizient das Netz in seinen verschiedenen Fangmethoden von Beutetieren wie springende, krabbelnde oder fliegende Insekten, ist. Die Beutetiere werden in der Regel mit einem Biss getötet. Mit dem Biss wird ein Verdauungsenzym injiziert, dass das Opfer von innen her auflöst. Später wird das Beutetier von der Rotrückenspinne ausgesaugt. Der vollständige Verdauungsprozess findet also außerhalb des Körpers der Rotrückenspinne statt. Die Rotrückenspinne kann lange Zeit ohne Nahrung auskommen.

Giftigkeit

Der Biss der Rotrückenspinne ist sehr giftig und zeichnet sich rund um die Bissstelle durch intensive lokale Schmerzen aus. Weitere Symptome können Schwitzen, Muskelschwäche, Verlust der Koordination und in schweren Fällen sogar Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, etc. sein. Ein Antivenom sollte zur Verfügung stehen.

Rotrückenspinne mit Lampropholis guichenoti
vergrößern
Rotrückenspinne mit Lampropholis guichenoti

Die normale Abfolge der Ereignisse nach einem Biss ist wie folgt: In der Regel wird die Bissstelle sehr heiß. Erytheme und Ödeme entwickeln sich sehr rasch, einhergehend mit lokalisiertem Schwitzen. Die Schwellung beschränkt sich in der Regel auf einer Fläche von mehreren Zentimetern im Radius der Bisswunde. Etwa fünf Minuten nach dem Biss treten intensive lokale Schmerzen auf, die sich dann noch verstärken. In den meisten Fällen ist der Schmerz das vorherrschende Symptom. Der Patient reagiert manchmal verstört und sogar wegen der Intensität der Schmerzen hysterisch. Bei Bewegung der Gliedmaßen werden die Schmerzen oft erheblich intensiver. Über dreißig Minuten nach dem Biss treten die Schmerzen und Schwellungen im Bereich der regionalen Lymphknoten auf. Wenn der Biss im unteren Bereich der Extremitäten oder Genitalien erfolgte, treten Bauchschmerzen auf, wahrscheinlich aufgrund von Lymphknoten-Beteiligung. Gelegentlich entwickeln sich bizarre Anzeichen und Symptome wie tetanische Krämpfe, Kribbeln in den Zähnen, Schwellung der Zunge, Krämpfe, übermäßiger Durst, schwere Durchfälle, anaphylaktische Reaktion auf das Gift, fleckiger Hautausschlag im Gesicht, Hämoptyse, Dyspnoe, Dysurie, anhaltende Anorexie, periorbitales Ödem sowie bizarres Schwitzen, das keine Seltenheit ist.

Fortpflanzung

Die Rotrückenspinne erreicht die Geschlechtsreife mit drei bis vier Monaten. Das kleine Männchen begibt sich meist schon vor der letzten Häutung des Weibchens in dessen Netz. Ein geschlechtsreifes Männchen spinnt ein kleines Samenzellennetz und legt seine Spermien hinein. Mit den Pedipalpen nimmt das Männchen nun das Sperma auf und macht sich auf die Suche nach einem Weibchen. Unmittelbar nach der Reifehäutung spinnt das Männchen das Weibchen gewissermaßen symbolisch mit einigen um die Beine gewickelten Fäden fest und vollzieht die Paarung. Während des gewagten Paarungsaktes gibt das Männchen sein Sperma über die Pedipalpen an die Geschlechtsöffnung des Weibchens ab. Kurz nach der Paarung produziert das Weibchen zwischen 200 und 300 Eier. Nach erfolgter Eiablage stellt das Weibchen mehrere Eikokons her und hängt sie in dem kleinen Netz auf. Schon im Kokon leben die geschlüpften Jungspinnen kannibalistisch und ernähren sich von den Geschwistern. Das Weibchen betreibt eine fürsorgliche Brutpflege und wacht während der Inkubationszeit über das Gelege. Unmittelbar nach dem Schlupf aus dem Kokon verlassen die hellbraunen Jungspinnen das Netz, da sie sonst als Mahlzeit des Weibchens enden. Die Jungspinnen beginnen ebenfalls mit unregelmäßigen Fäden aus Seide ein Netz zu weben. Das Weibchen kann ein Alter von zwei bis drei Jahren erreichen, während das Männchen nur drei oder vier Monate lebt, da das Männchen meist nach der Paarung von dem Weibchen verspeist wird.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 12. Juni 2008 <1>

Rotrückenspinne mit Beute
vergrößern
Rotrückenspinne mit Beute
Rotrückenspinne
vergrößern
Rotrückenspinne

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge