Rotsteißkakadu

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Rotsteißkakadu

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Kakadus (Cacatuidae)
Gattung: Eigentliche Kakadus (Cacatua)
Art: Rotsteißkakadu
Wissenschaftlicher Name
Cacatua haematuropygia
(Müller, 1776)

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia), auch unter dem Synonym Psittacus haematuropygius bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kakadus (Cacatuidae) zur Gattung der Eigentlichen Kakadus (Cacatua). Im Englischen wird der Rotsteißkakadu philippine cockatoo, kalangay oder red-vented cockatoo genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Rotsteißkakadu erreicht eine Körperlänge von etwa 30,0 bis 32,0 Zentimeter, eine Schwanzlänge von etwa 11,5 Zentimeter, eine Flügellänge von etwa 33,0 Zentimeter, eine Spannweite von etwa 21,8 Zentimeter, eine Schnabellänge von etwa 3,2 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 280,0 bis 300,0 Gramm. Das Gefieder dieser Art weist eine weiße Färbung auf. Zuweilen bemerkt man bei den Erwachsenen einen blass gelblichen Ton, der sich über das ganze Gefieder ausdehnt. Die Wangen sind blassrosa angehaucht. Die Schwingen an der Innenfahne sind blass schwefelgelb gerandet und die Schwanzfedern an der Innenfahne weisen eine gelbe Tönung auf. Die unteren Schwanzdecken sind von einer zinnoberroten Färbung und sind mit weißen Endsäumen versehen. Die abgerundeten, breiten Haubenfedern sind unterseits gelblich verwaschen. Der Schnabel ist hornblaugrau gefärbt, wogegen die Spitze gelblich erscheint. Die Füsse und die Krallen sind dunkelgrau bis gräulich-braun geschönt. Der große nackte Augenring weist eine helle bläulich-weiße Tönung auf. Der Dimorphismus zwischen den Geschlechtern ist nur gering ausgeprägt. Unterscheidungsmerkmal bei den Geschlechtern ist die Iris. Bei dem Männchen ist die Iris dunkelbraun bis schwarz und bei dem Weibchen ist die Iris blutrot bis braun gefärbt.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Rotsteißkakadu auf die Tieflandwälder, Primärwälder und Sekundärwälder, vorwiegend unter 50 Meter, beschränkt. Des Weiteren hält sich der Rotsteißkakadu an angrenzende Fliessgewässer oder in Küstenregionen mit Mangroven auf. Die Brutzeit fällt in die Monate Juli bis Dezember und außerhalb der Brutzeit frequentiert der Rotsteißkakadu sowohl Maisfelder als auch Reisfelder. Je nach Nahrungsangebot ist der Rotsteißkakadu teilweise nomadisch. Er fliegt vom Festland auf die vorgelagerten Insel, die etwa acht Kilometer vom Festland entfernt sind, dort befinden sich seine Schlafbäume und auch die Brutplätze.

Verbreitung

Rotsteißkakadu - Detail-Ansicht des Schwanzes
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Rotsteißkakadu - Detail-Ansicht des Schwanzes

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Rotsteißkakadu nur auf den Philippinen vor und bewohnt die subtropischen und tropischen feuchten Tieflandwälder sowie die subtropischen und tropischen Wälder mit Mangroven-Vegetation und Gezeiten-Hochwasser. Im Jahr 1950 gabe es einen raschen Rückgang und die Population zählte nur noch 1.000 Vögel. Von diese gab es auf Palawan 250 bis 700 Vögel und seinen umliegenden Inseln, 100 bis 200 Vögel auf Tawitawi, auf Mindanao ist die Art möglicherweise ausgestorben und jeweils 20 Vögel auf der Polillo-Gruppe und auf der Insel Samar. Die Subpopulationen auf Palawan und auf Sulus sind vor allem klein und haben nur eine wenig langfristige Perspektive. Erhaltungs-Bemühungen sind an vier Standorten im Gange, darunter auf Rasa Island in der Nähe von Narra, Palawan, wo die Population im Jahr 1998 von 20 Vögeln auf über 200 Vögel im Jahr 2008 sich erhöhte. Im Jahr 2008 gab es eine Rekord-Brutzeit von 48 Jungvögeln, die beringt wurden, aber anderswo setzte sich der Rückgang dieser Art weiter fort.

Ernährung

Der Rotsteißkakadu ist ein geselliger Papagei, der in kleinen Gruppen von 10 bis 20 Vögeln oder paarweise auftritt. Die Schlafbäume befinden sich meistens im Wald. In der Morgendämmerung fliegen sie zu ihren Nahrungsquellen. Besonders aktiv sind sie am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Sie suchen ihre Nahrung sowohl auf dem Boden als auch in den Bäumen. Zum Nahrungsspektrum zählen unter anderem Früchte wie Mango (Mangifera indica), Papaya, Bananen (Musa), Guave und Tamarinde. Des Weiteren nehmen sie Samen, Nüsse, Beeren und die Blüten von Mango (Mangifera indica) und Kokos zu sich. Auch kleine Insekten (Insecta) und deren Larven werden gelegentlich verzehrt.

Fortpflanzung

Rotsteißkakadu
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Rotsteißkakadu

Die partnerliche Beziehung ist wie bei allen Papagei-Arten sehr stark und scheint für einen Leben lang zu halten. Jahr für Jahr suchen die Partner die gleichen Nistplätze auf. Vor der eigentlichen Paarung kommt es zu einem ausgiebigen Paarungsritual, bei dem sich die Vögel beknabbern und ausgesprochen zärtlich miteinander umgehen. Dieses Verhalten stärkt die sozialen Bande unter den Geschlechtspartnern. Als Paarungs- und Brutplatz wird eine Höhle in hohen Bäumen aufgesucht. Hier erfolgt auch die eigentliche Verpaarung. Das Weibchen legt zwischen zwei und drei Eier, die von beiden Elternteilen über einen Zeitraum von 28 bis 30 Tagen ausgebrütet werden. Auch an der Aufzucht der Jungen sind beide Elternteile beteiligt. Die Jungvögel werden überwiegend mit Insekten (Insecta) und deren Larven gefüttert. Nach etwa 75 Tagen sind die Jungvögel flügge. Sie bleiben aber noch einige Wochen bei den Eltern bevor sie mit rund vier Monaten ausfliegen. Danach schließen sich die Elternvögel sowie die Jungvögel einer Gruppe an.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gilt die Art als "vom Aussterben bedroht", weil der Rotsteißkakadu eine extrem schnelle Reduktion der Population durch weitgehenden Verlust ihrer Lebensräume und Fallenstellen für den Käfigvogel-Handel erlitten hat. Auf den Inseln Palawan, Polillo und Samar ist das Fallenstellen besonders schwerwiegend. Pro Vogel wird ein hoher Preis gezahlt. Im Jahr 1997 wurden auf Manila etwa US $ 160,- und im Jahr 2006 wurde für ein Vogel etwa US $ 300,- gezahlt. Des Weiteren wurden die Küken schon frühzeitig für den Handel aus dem Nest entnommen. In den 1980er Jahren war der Handel mit dieser Art sehr extrem, allein im Jahr 1983 wurden 422 Vögel international, sogar rechtlich, in den Handel gebracht. Zum weiteren Niedergang dieser Art trugen unter anderem die Rodung der Mangrovenwälder bei. Ferner wird der Rotsteißkakadau als Ernte-Schädling betrachtet und als Fleischlieferant gejagt. Taifune sind ebenfalls eine Bedrohung und führten zu einem weiteren Rückgang der Populationen. Einen kompletten Brut-Ausfall kam es durch eine sehr trockene Brutzeit. Eine weitere Bedrohung ist die Freisetzung von in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln, die Krankheiten in die wilde Population einbringen. Eingeführte Prädatoren stellen eine weitere Gefahr an vielen Standorten für die Art dar.

Palawan - River Bank
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Palawan - River Bank

Die Art wird auch in CITES Anhang I (1992) geführt. Es gibt fünf Schutzgebiete, wo die Art sich unter anderem aufhält, dies sind Rasa Island Wildlife Sanctuary, Puerto Princesa Subterranean River National Park, Omoi und Manambaling Cockatoo Reserven in Dumaran, Culasian Managed Resource Protected Area in Rizal und Samar Island Naturpark. Dinagat und Tawitawi wurden für eine Großprojekt-Finanzierung vorgeschlagen. Seit 1998 wird ein intensives Philippine Cockatoo Conservation Program (PCCP) durch die Katala Stiftung umgesetzt. Drei Naturschutzgebiete wurden speziell für die Art auf Rasa Island, Dumaran und Rizal erstellt. Durch die Erhaltungs-Bemühungen auf Rasa Island erholte sich eine kleine Population von 25 Individuen auf über 200 im Juli 2008. Ehemalige Wilderer wurden jetzt als Wildhüter ausgebildet und ihnen wurden somit alternative Einkommens-Quellen zur Verfügung gestellt. Dies erwies sich als die effektivste Aktivität, um so die Wilderei in drei weiteren Projektstandorten zu verhindern. Es wurden auf Mindanao, Palawan und Polillo Medien-Kampagnen durchgeführt. Des Weiteren wurden dreisprachige Erhaltungs-Plakate bundesweit verteilt. Die Katala Pride Kampagne auf Dumaran Island konzentrierte sich speziell auf die Sensibilisierung der Schüler und Bauern. Im Jahr 1992 wurde ein internationales Zuchtprogramm in Gefangenschaft begonnen. Ferner werden seit 2007 39 Vögel im Rahmen eines Europäischen Zuchtbuches geführt. Im Jahr 2005 starben aufgrund einer Dürre 15 Küken eines Hungertodes, so wurden nur zehn Küken von Hand für eine experimentelle Tranlokation aufgezogen. Derzeit werden Standorte auf ihre Eignung für eine Translokation untersucht. Ein erster Versuch wurde auf einer Ferieninsel im nördlichen Palawan gestartet, dort wurden von Hand aufgezogene Vögel ausgewildert. Sie passten sich gut den natürlichen Lebensbedingungen an wie Nahrungssuche und Prädations-Vermeidung. Das Experiment wurde jedoch wegen Probleme durch Zahmheit wieder abgebrochen.

Folgende Erhaltungs-Maßnahmen sind erforderlich, um die Art vor dem Aussterben zu bewahren: Untersuchung der derzeitigen Populations-Größe, Verteilung, Populations-Entwicklung sowie Lebensraumverlust und Zerstörung. Quantifizierung der Fallen, Verfolgung und Handel. Weitere Schutzgebiete auf Tawitawi oder in der Nähe von Palawan bestimmen. Unterstützung der vorgeschlagenen Ausweitung des St. Paul's Subterranean Nationalpark. Verhinderung der weiteren Zerstörung von Mangrovenwäldern. Weitere Bildungsprogramme und weitere Translokationen in geeignete Lebensräume wie Auwälder und Mangrovenwälder, die gut geschützt und intakt sind.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Dathe: Handbuch des Vogelliebhabers Bd. 1 - Berlin, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag. 1986 Lizensnummer 101-175/97/83
  • Prof. Dr. Dr. h. c. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
  • Kakadus - Robiller, Franz - Urania Verlag, 1992 - ISBN 3332005049
  • Kakadus - Lantermann, Werner - GU-Verlag, 1988 - ISBN 3774234493
  • Kakadus - Hoppe, Dieter - Ulmer, 1986 - ISBN 3800171554
  • Kakadus - Diefenbach, Karl - Horst Müller Verlag, 1982 - ISBN 3923269064
  • Kakadus und ihre Welt - Strunden, Hans - Hort Müller Verlag, 1989 - ISBN 3923269307

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