Sägeschnabel-Schattenkolibri

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Sägeschnabel-Schattenkolibri

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Unterfamilie: Eremiten (Phaethornithinae)
Gattung: Ramphodon
Art: Sägeschnabel-Schattenkolibri
Wissenschaftlicher Name
Ramphodon naevius
(Dumont de Sainte Croix, 1818)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Sägeschnabel-Schattenkolibri (Ramphodon naevius), auch unter dem Synonym Trochilus naevius bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kolibris (Trochilidae) zur Gattung Ramphodon. Im Englischen wird der Sägeschnabel-Schattenkolibri saw-billed hermit genannt. Es gibt eine bekannte Unterart Ramphodon naevius freitasi, Ruschi, 1978, jedoch ist diese nicht mehr gültig.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Sägeschnabel-Schattenkolibri ist mit seiner Körperlänge von etwa 14,0 bis 16,0 Zentimeter und mit einem Gewicht von weniger als 10,0 Gramm einer der größeren und schwereren Arten aus der Unterfamilie der Eremiten (Phaethornithinae). Die Kehle und der vordere Teil des Halses weisen eine hellrote oder orangene Färbung auf. Diese Färbung zeigt sich als Streifen hinter dem Auge. Der Schwanz ist mittellang und am Ende abgerundet. Die erste Schwanzfeder weist ebenfalls eine hellrote oder orangene Tönung auf und erstreckt sich bis hin zur Mitte des Schwanzansatzes. Die übrigen Körperpartien sind mattgrün oder violett gefärbt. Die oberen Körperpartien sowie die Schulterfedern und die Flügeldecken sind mit einem leichten metallisch grünen Glanz überzogen. Die Schwungfedern sind von einer tief violetten Färbung. Die Brust sowie der obere Teil des Bauches sind schwarz und grau oder braun gestreift und getupft. Der Bürzel ist mehr rötlich gefärbt. Die obere Schnabelhälfte zeigt eine schwarze Färbung, während die untere Schnabelhälfte zwei Drittel seiner Länge in einer gelben Färbung erscheint. Der lange, gerade, an der Spitze leicht gebogene Schnabel ist von einer einzigartigen Form. Der Schnabel ist mit deutlich ausgeprägten Lamellen an der Spitze beider Mandibeln verziert. Die Zunge ist freiliegend, rinnenförmig, aus zwei Muskelfäden gebildet, sehr weit ausstreckbar und an der Spitze zweispaltig und nicht gefasert. Die Beine und Füße sind braun geschönt. Die Kralle der Daumenzehe ist stark gekrümmt.

Lebensweise

Sägeschnabel-Schattenkolibri
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Sägeschnabel-Schattenkolibri

Der Sägeschnabel-Schattenkolibri lebt in den tropischen Wäldern im südöstlichen Brasilien endemisch. Er ist nur in den Auwäldern oder in den atlantischen Küstenwäldern von Brasilien und in einer Höhe von etwa 500 bis 900 Metern verteilt. Aufgrund der Zerstörung seines Lebensraumes wird der Sägeschnabel-Schattenkolibri in der Roten Liste der IUCN als gering gefährdet geführt.

Verbreitung

Der Sägeschnabel-Schattenkolibri kommt nur im Südosten von Brasilien vor. Beliebter Lebensraum sind die subtropischen und tropischen feuchten Tieflandwälder, insbesondere die Auwälder.

Ernährung

Sägeschnabel-Schattenkolibris ernähren sich im Wesentlichen vom Nektar und Blütenpollen sowie während der Brutzeit auch von Kleinstinsekten. Sie fliegen dabei eine Vielzahl von blütentragenden Pflanzen an, besonders die mit tiefen Blütenkelchen. Nektar wird im Flug aus den Blüten aufgenommen. Insekten werden entweder in Blütenkelchen aufgelesen oder im Flug gefangen. Bedingt durch den hohen Stoffwechsel muss ein Sägeschnabel-Schattenkolibri im Laufe eines Tages fast das eigene Körpergewicht an Nahrung zu sich nehmen.

Fortpflanzung

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Sägeschnabel-Schattenkolibri

Die Geschlechtsreife erreicht der Sägeschnabel-Schattenkolibri im Alter von einem Jahr. Die Paarungszeit ist in den subtropischen oder in den tropischen Regionen an keine feste Jahreszeit gebunden, jedoch treten die meisten Bruten während der Regenzeit auf. Während der Paarungszeit lockt ein Männchen ein Weibchen mit seinen Ausrufen in sein Revier. Der Gesang erfolgt von einer niedrigen Ansitzwarte aus, die sich meist unmittelbar über dem Wasser befindet. Dieses macht Sinn, denn das Wasser dient dem Männchen als Resonanzboden, das den Gesang deutlich verstärkt. Aufgrund der geringen Größe wäre der Gesang ansonsten kaum zu hören. Der Gesang ist ein monotoner Pfeifgesang. Das Nest ist ein hängendes und geschlossenes Gebilde, das an nur einem Faden an einem Ast befestigt ist. Es besteht im Wesentlichen aus Spinnweben, Wolle sowie feinen Moosen und Flechten. Es werden nur leichte Materialien verwendet. In das fertige Nest legt das Weibchen zwei Eier, die über einen Zeitraum von rund 17 bis 18 Tagen gewärmt werden. Die Nestlingszeit erstreckt sich über einen Zeitraum von 23 bis 24 Tagen. Die Versorgung des Nachwuchses erfolgt durch das Weibchen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN wird die Art als gering gefährdet eingestuft, weil sie einen mäßig schnellen Rückgang durch den Verlust von Lebensraum erfährt. Der Sägeschnabel-Schattenkolobri hält sich häufig in Flachland-Wäldern im Südosten Brasiliens (Espírito Santo und Minas Gerais bis Rio Grande do Sul) auf. Ferner kommt der Sägeschnabel-Schattenkolobri auch in Höhen bis zu 900 Metern vor. Seine Lebensräume, insbesondere die Auwälder, sind durch landwirtschaftliche Umwandlung und durch Abholzung der Wälder zur Gewinnung und Produktion von Plantagen bedroht. Aktuelle wichtigste Bedrohungen sind Urbanisierung, Industrialisierung, Expansion der Landwirtschaft, Besiedlung und der damit verbundene Straßenbau. Die Art wird auch in CITES Anhang II geführt.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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